Kefeider, Bareley Autumn, Antilopen Gang

Kefeider

Ja, ja, ja – die Pet Shop Boys haben ein neues Album gemacht, und es soll so gelungen wie das von Eminem, der wie immer ebenso polarisiert, wie entertaint. Der Pop ist eben ständig voller Großprojekte, die alle Aufmerksamkeit ansaugen – und damit das verdecken, was es erst zu entdecken gilt. Keifelder zum Beispiel oder Vetle Løvgaard, die außerhalb Norwegens keine Sau kennt, aber das soll sich jetzt ändern, denn letzterer ist ersteres mithilfe von Øyvind Blomstrøm und Chris Holm, also zwei Dritteln von Orions Belte, deren sämig-süßer Buttermilchpop auch durch Keifelders Debütalbum kriecht.

Auch deshalb klingt Podium ein wenig wie die Beatles auf dem Holodeck. Manchmal mit Krautrockgitarren beschleunigt, meist von Løvgaards verträumten Beck-meets-Beachboys-Gesang gebremst, sind die 13 Songs überwiegend so uneitel in sich versunken, dass man auch beim fünften Hören gar nicht merkt, wie die Zeit vergangen ist. Was unter anderen daran liegt, dass jedes Instrument dem anderen eine Achtelnote hinterherzuhinken scheint. Und so findet man sich dank dieses Wunderwerks der Entschleunigung in einer musikalischen Hängematte, aus der leider kein Weg mehr hinausführt. Warum auch…

Kefeider – Podium (Blance Records)

Barely Autumn

Und wo wir schon bei bemerkenswertem Indierock unterhalb der Wahrnehmungsschwelle sind: die belgische Band Barely Autumn hat ihr zweites Album fertig gestellt. Es heißt Day Trip To The Petting Zoo und ist so herzzerreißend melodramatisch, dass man den Eindruck gewinnen könnte, der singende Songwriter Nico Kennes aus Brüssel steht kurz vorm Freitod. Auch die Texte handeln schließlich gern von seiner erfolglosen Suche nach Glück, besser noch: dem Gegenteil von Unglück, in dem er sich zehn Stücke lang nach Herzenslust suhlt.

Dabei darf man die Grundstimmung aber auch nicht missverstehen. Denn dieser synthieschwangere Pop Noir findet in der Dunkelheit seiner eigenen Melancholie immer wieder Momente großer musikalischer Dringlichkeit. So emotional aufgeladen Songs wie Abortion Coffee schon dem Titel nach klingen: im tränennassen Pathos lauert eine Kraft breit ausgewalzter Gitarrarrenriffs und pittoresker Sample-Gespinste, die ihre Lebenslust nicht ganz verleugnen. Ist eben gar nicht so traurig im Streichelzoo, bloß eben nicht immer lustig.

Barley Autumn – Day Trip To The Petting Zoo (Popup Records)

Hype der Woche

Antilopen Gang

Wer Gangstarap mag, diesen melodramatisch simplizifizierten Bauchgruben-HipHop mit ghettoeskem Kopfstimmengefasel, aber nichts mit Sexismus, Eigenlob und Kampfansagen am Hut hat, wer also ein Gehirn zum Musikgeschmack hat und es auch einzusetzen weiß, wird seit zehn Jahren von der Antilopen Gang bestens versorgt. Gesanglich testosteronrau, aber textlich klassenbewusst, genderneutral und lebensklug, schaffen es Koljah, Panik Panzer und Danger Dan bis zur Chromfelgenpolitur prollig zu klingen, aber intellektuell zu rappen. Auch das 4. Album Abbruch Abbruch ist für Klangästheten daher schlicht zu schlicht für Lyrik. Aber die Lyrics sind halt einfach geil! “Sogar von der Punkerkneipe angezeigt / Trommelfell kann platzen, wenn man DJs in den Teller greift” – schlauer als in Ist der Ruf erst ruiniert kann HipHop kaum zur linken Selbstreflexion blasen.



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