Smartphonehacks & Anfängerblut

Die Gebrauchtwoche

20. – 26. Januar

Wenn Smartphones gehackt werden, ist das in der Regel ein schwerer Schlag gegen die informationelle Selbstbestimmung – ganz egal, ob es von staatlicher, ökonomischer oder privater Seite geschieht. Als bekannt wurde, dass Jeff Bezos nun davon betroffen war, konnte man sich selbst dann etwas Schadenfreude nicht verkneifen, als die Urheber bekannt wurden: Mohammed bin Salman, ein besonders perfider Tyrann und doch best buddy all jener, die wie Bezos Plutonium an Kinder verkauften, ließe sich so der Profit mehren.

Und die Häme legt sich auch nicht, weil er wegen der Berichte seiner Washington Post über den Mord am Journalisten Kashoggi ins Fadenkreuz des saudischen Königshauses geraten ist. Unaufhaltsam in Richtung dieser Glitzerdiktatur befindet sich derweil das rechtsradikal regierte Brasilien, wo im offensichtlichen Fall von Korruption des Justizministers – nein, nicht der Justizminister, sondern Glenn Greenwald angezeigt wurde, dem investigativen Reporter, der die Geschichte im Guardian publik gemacht hatte.

Ob Til Schweiger auch solche Rechtspopulisten gemeint hatte, als er sie Mittwoch bei Markus Lanz gemeinsam mit CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann ebenso lobte wie die Eskalationstaktik der Leipziger Polizei im linksalternativen Connewitz und lautstark über die Lügenpresse herzog? Es bleibt ähnlich erratisch wie die Zugriffe bei Netflix, mit denen der Streamingdienst seinen Umsatz im IV. Quartal 2019 um satte 31 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar gesteigert und damit 587 Millionen Gewinn erzielt hat.

Die Frischwoche

27. Januar – 2. Februar

Allein Freitag gesellt sich ein halbes Dutzend Serien zu Dracula und The Ghost Bride – darunter im Fach History Luna Nera, im Fach Fantasy Spectros, im Fach Mystery Rangarök oder im Fach Family Ich schweige für dich. Nichts davon ist außergewöhnlich, aber Teil der Strategie, die Leute unablässig mit Nachschub einzulullen – und zwar selten so mittelmäßig wie das, was Montag, Dienstag, Donnerstag im ZDF läuft. Mit dem dreiligen Melodram Die verlorene Tochter will Kai Wessel zwar an Hans-Christian Schmids Das Verschwinden anknüpfen, verliert sich trotz der famosen Henriette Confurius als Missbrauchsopfer mit Amnesie aber in Effekthascherei.

Mit dem halten sich Blutige Anfänger aus Halle 50 Minuten zuvor an selber Stelle erstaunlich zurück. Der zwölfteilige Krimi um schicke Polizeischüler*innen ist zwar wie üblich am ZDF-Vorabend so authentisch wie ein Traumschiff-Landgang; die jungen Darsteller spielen das miese Drehbuch jedoch erfrischend weg. Erschreckend glaubhaft ist Sherry Hormanns Meisterwerk Nur eine Frau mit Almila Bagriacik, die als reales Ehrenmordopfer Hatun Sürücü am Mittwoch im Ersten mit tödlichen Folgen aus ihrer Ehe ausbricht.

Darüber hinaus findet sich viel Gedenken an die Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren – heute zum Beispiel das Arte-Porträt Die Kinder aus der Rue Satin-Maur, morgen die ZDF-Doku Ein Tag in Auschwitz, Mittwoch ein 3sat-Film über Juden in der DDR. Freitag dann widmet sich (kauft nicht bei) Amazon einem Mordfall der Gegenwart, wenn Prime Video fünf Teile lang den amerikanischen Serienkiller Ted Bundy porträtiert. Bei so viel Schwermut ist es fast schon entspannend, wenn RTL seinem Publikum um 20.15 Uhr drei Stunden leichte Kost verabreicht.

In der Quizdaddelshow Alles auf Freundschaft kämpfen die Kumpels Tim Mälzer und Sasha nämlich ohne Nachnamen gegen andere Kumpels ohne Promistatus um 100.000 Euro, die entweder (gewiss für Kinder) gespendet oder (von den Nobuddies) eingesteckt werden. Das Preisgeld der nächsten Runde Ding des Jahres fließt Mittwoch wieder in kreative Start-ups – allerdings sollen es diesmal vor allem besonders nachhaltige sein.

Und damit zurück zum Shoah-Gedenken in der Gestalt einiger Wiederholungen der Woche – etwa Stefan Ruzowitzkys KZ-Drama Die Fälscher, (Mittwoch, 22.25 Uhr, 3sat), für das es 2008 den Oscar gab. Oder heute um 23.05 Uhr im MDR: Frank Beyers DEFA-Legende Jakob der Lügner (1974). Zur Entspannung: Und täglich grüßt das Murmeltier (Samstag, 20.15 Uhr, RTLzwei), seit 1993 global gesehen so legendär wie hierzulande der Tatort, von dem es Freitag (22 Uhr, ARD) einen mit Ulmen/Tschirner (Der scheidenden Schupo) gibt.



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