Natalia Belitski: Liebe.Jetzt! & Jürgen Vogel

Sonst sieht es echt düster aus

Trotz und wegen ihrer Optik, zählt die russische Berlinerin Natalia Belitski (34) zu den aktuell erfolgreichsten Schauspielerinnen. In Liebe.Jetzt! (Foto: Sarmiento/ZDF) überbrückt sie ab Sonntag um 21.45 Uhr auf Neo (Mediathek ab 1. Mai) die Krise mit einer Homevideo-Serie, die sie zwar an der Seite ihres echten Freundes Jürgen Vogel zeigt, aber fiktionales Fernsehen bleibt. Ein Gespräch über Arbeit, Leben, Privatsphäre und ihre Branche im Zeichen von Corona.

Von Jan Freitag

Frau Belitski, weil es von Liebe.Jetzt! vor diesem Gespräch noch nichts zu sehen gab, ist mir der Inhalt noch ein wenig schleierhaft…

Natalia Belitski: Mir auch, ich habe ebenfalls noch nichts davon gesehen! Soweit ich weiß, spielen sechs Paare in sechs Episoden, wie sie auf engstem Raum mit der Pandemie umgehen – in unserem Fall ist es eins, das erst kurz zusammen ist, schon ein Kind erwartet und nun früher als üblich so mit Beziehungsalltag konfrontiert wird, dass sie eine Paartherapie via Skype machen.

Also pro Folge ein Paar?

Davon gehe ich schon deshalb aus, weil in der Corona-Krise nur Leute eng miteinander umgehen, also drehen dürfen, die auch im selben Haushalt leben.

Heißt das, Jürgen Vogel und Sie spielen dabei auch ein Stück weit sich selbst?

Nein, denn über die Tatsache hinaus, dass wir privat ein Paar sind, ist alles Fiction. Es stand zwar mal im Raum, bei Jürgen und mir zu drehen, am besten mit unserer Tochter. Das haben wir aber von Anfang an klar verneint.

Weil es Ihnen zu intim gewesen wäre?

Absolut. So halte ich es generell mit meinem Privatleben. Wir haben das deshalb in einer angemieteten Wohnung gedreht, ohne Maske, für die man mehr oder weniger selbst gesorgt hat. Im Raum waren nur Kamera- und Tonleute, der Rest hat sich mit Mundschutz und Abstand in der Wohnung verteilt.

Hat es sich da überhaupt angefühlt, als würden normal Sie ihrem Beruf nachgehen?

Doch, doch, ich hatte schon ein Arbeitsgefühlt. Die Rahmenbedingungen waren ja im Großen und Ganzen wie immer. Es gab mehrere Kameraeinstellungen und Takes, Regiebesprechungen, alles fast wie immer.

Hat Ihnen diese Art Routine ein Gefühl gegeben, etwas tun zu dürfen, was praktisch ihrem gesamten Metier zurzeit verboten ist?

Ich weiß das Glück, anders als andere arbeiten zu dürfen, absolut wertzuschätzen, hatte aber umso mehr auch ein eher beklommenes Gefühl. Mir war schließlich weiterhin bewusst, dass praktisch alle Kulturschaffenden im Land und weltweit gerade von ihrem Beruf abgeschnitten sind. Umso erschreckender ist es da, wie die Politik angesichts der drohenden Katastrophe für den gesamten Kulturbetrieb wegschaut. Vom Lockdown sind nicht nur große, subventionierte Theater betroffen, sondern mehr noch freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die durch alle Auffangraster rutschen und vorm Ende ihrer Existenz stehen. Das macht mich traurig und wütend.

Gibt es innerhalb der Branche Solidarität, rückt sie durch die Krise enger zusammen?

Das ist schon rein physisch zurzeit schwer möglich. Und es existieren auch keine bestehenden Netzwerke, die man nutzen könnte. Dennoch geben viele von denen, die mehr haben, was davon ab, damit sich andere mit weniger die Miete noch leisten können.

Sie auch?

Über Spenden redet man nicht, aber klar, ich helfe, wo ich kann, und sei es, indem ich wie jetzt meine Stimme erhebe. Aber das kann die staatliche Unterstützung nicht ersetzen. Sonst sieht es echt düster aus.

Können Sie sich dennoch vorstellen, dass die Branche und die Menschen darin etwas Positives aus der Krise mitnehmen?

Für die Branche sehe ich da gerade überhaupt keinen Lichtblick, weil fast niemand arbeitet. Als Gesellschaft und einen Schritt größer gedacht: als Menschheit würde es uns hingegen unbedingt guttun, die Entschleunigung der Zeit in die Zukunft mitzunehmen und den kapitalistischen Göttern nach dem Ende der Krise nicht genauso bedingungslos wie vorher nachzuhecheln. Wenn man sieht, wie schnell sich alleine die Umwelt nach zwei Monaten Runterfahren erholt, sehe ich durchaus einen Hoffnungsschimmer, dass die Menschheit ein wenig zusammenrückt.

Reicht der Hoffnungsschimmer für handfesten Optimismus?

Leider nein. Wobei ich überhaupt keine Pessimistin bin, ehr so eine optimistische Realistin.

Gilt das auch für Sie persönlich und Ihren Weg durch die Krise?

(überlegt lange) Da ich grad kein Ensemblemitglied am Theater bin, also zwischen zwei Filmprojekten ohnehin längere Pausen der Entschleunigung kenne, ändert sich für mich beruflich weit weniger als für andere. Trotzdem nutze ich die neue Zeit natürlich für mich und meine Familie oder auch mal ein paar Renovierungen im Haus. Darin unterscheiden wir uns dann doch gar nicht so sehr von den Paaren in Liebe.Jetzt!

Was könnte denn der Mehrwehrt dieser Serie fürs Publikum sein – die Selbstvergewisserung, dass es anderen genauso geht oder womöglich eher schlimmer?

Also letzteres definitiv nicht. Im besten Fall ist es eine Identifikationsfläche mit eher heiterem Blick darauf, welche Konflikte bei anderen möglich sind. Obwohl es mit viel Witz geschrieben und gespielt ist, hat es aber dennoch viel Tiefe – auch wenn es weit von dem entfernt ist, was sich in vielen realen Wohnungen gerade abspielt.

Sie sprechen von häuslicher Gewalt.

Genau. Ich bin Mitglied im Kinderschutzbund, und der weist gerade nachdrücklich darauf hin, welche Verhältnisse vielfach herrschen, ohne dass irgendjemand etwas davon mitbekommt. Verglichen damit ist die Serie ist da einfach Unterhaltung.



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