Männerwelten & Homecoming

Die Gebrauchtwoche

11. – 17. Mai

Aha, ein „strukturanalytisches Element“ – das ist es, was Caroline Fetscher vom Tagesspiegel an den 15 Minuten von Joko & Klaas vom Mittwoch bei ProSieben fehlte, als die beiden eine entlarvende Ausstellung namens Männerwelten aufgebaut haben. Anders gesagt: obwohl der Sondersendung am Mittwoch ganze 900 Sekunden zur Verfügung standen, sah auch das Missy Magazine einen Mangel an hermeneutisch-historischer Gesamtbetrachtung aller soziokulturellen Aspekte männlicher Gewalt gegen Frauen seit Beginn der Jungsteinzeit.

Es ist echt ein Kreuz mit der Emanzipation: Wenn zwei Spaßvögel über ihre Lichtkegel springen und einen Spaßkanal mit relevanter Ernsthaftigkeit zum gesellschaftlichen Missstand fortgesetzter Misogynie füllen, ist auch wieder alles doof. Dabei gibt es gewiss Kritikpunkte an der Kunstausstellung struktureller Frauenverachtung, durch die Sophie Paßmann das Publikum führt: Protagonistinnen weiß, Ambiente dramatisch, Inhalt verkürzt. Trotzdem könnte man auch einfach mal würdigen, welchen Einfluss so ein Film auf Menschen hat, die in ihrer Filterblase sonst selten mit Wahrhaftigkeit belästigt werden.

Menschen, die den Pegida-Comedian Dieter Nuhr nun für seine Virologen-Schelte feiern. Menschen, die befriedigt grunzen, wenn Donald Trump wegen der kritischen Nachfrage einer chinastämmigen Reporterin sein Pressebriefing abbricht. Menschen, die auf Hygiene-Demos über Schlafschafe blöken. Menschen also, die am Ende dafür mitverantwortlich sind, was Christian Bräuer befürchtet: Da viele Kinobetreiber bei der Neueröffnung mit reduzierter Platzzahl womöglich in jedem Saal Blockbuster für schlichte Gemüter zeigen, wird es aus Sicht des der AG Kino zur „brutalen Verdrängung“ anspruchsvoller Filme für klügere Geschmäcker kommen.

Leidtragender wäre mittelbar ein Fernsehen, das die Geisterspiele der Fußballbundesliga am Samstag am Ende doch noch etwas bereichern konnte. Weil Kino-Koproduktionen mittelfristig die Leinwand zur Rechtfertigung von Filmförderung fehlen könnte, macht sich schon jetzt das Fehlen oder Verschieben hausgemachter Formate im Programm bemerkbar.

Die Frischwoche

18. – 24. Mai

Um den Herbst nicht vollends auszudünnen, zeigt das Erste etwa anstatt des wichtigen Mittwochsfilms eine Wiederholung von Schnitzel de Luxe, während das Zweite am Samstag immerhin die ermittelnden Brüder Schwartz & Schwartz zeigt. Aber gut – obwohl Golo Euler und Devid Striesow dank der Humorbegabung von Regisseur Alexander Adolph auch im dritten Einsatz wunderbar dissonant harmonieren, geht Krimi natürlich immer in Deutschland.

Was ebenfalls immer gut geht, sind Biopics starker Frauen wie Astrid Lindgren, der die dänische Nachwuchsschauspielerin Alba August am Donnerstag (20.15 Uhr, ZDF) trotz fürchterlicher Synchronisation spürbare Dringlichkeit verleiht. Und das? War’s schon mit bemerkenswerter Fiktion des koproduzierenden Network-Fernsehens. Selbst die Dokumentarabteilung dämmert mit Die großen Kriminalfälle der Bundesrepublik vor sich hin, wenn das ZDF am Dienstag zum 2064. Mal den Mord an Rosemarie Nitribitt aufrollt.

Also, mal wieder, die Streamingdienste: der 18-teilige Krimiklumpatsch Stumptown um eine bildschöne (gähn), megatoughe (supergähn), beziehungsgestörte (megagähn), spielsüchtige (gigagähn) Privatdetektivin mit Militärbiografie ist ab Dienstag auf Sky womöglich deshalb noch so plump, weil er von der alten ABC stammt. The Plot Against America dagegen schreibt die Geschichte zwei Tage später an gleicher Stelle hochinteressant um: die Serie denkt sich ein Amerika aus, in dem 1940 der Faschist Charles Lindbergh an die Macht kommt und das Leben einer jüdischen Familie beeinflusst.

Und dann wäre da Teil 2 des Veteranen-Thrillers Homecoming auf (kauft nicht bei) Amazon-Prime. Ohne Julia Roberts, aber mit viel Mystery, wühlt sich Janelle Monaé ab Freitag durchs Geflecht eines dubiosen Pharmakonzern. Und das ist fast so exzellent wie die Karriere von Clint Eastwood. Zum 90. Geburtstag des schweigsamsten Action-Stars, schenkt ihm 3sat Sonntag (22 Uhr) zwei Wiederholungen der Woche: Sergio Leones Italowestern Für eine Handvoll Dollar von 1964 und die Fortsetzung Für eine Handvoll Dollar mehr. Ohne Umschweife zum Tatort: Borowski und die Rückkehr des Stillen Gastes von 2015 (Donnerstag, 20.15 Uhr, WDR) mit Lars Eidinger als Stalker mit Todesfolge.



Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.