Ferge X Fisherman, Love-Songs, K.v.Schleicher

Ferge X Fisherman

Rap-Jazz ist weder neu noch speziell, geschweige denn ungewöhnlich. Schon, als HipHop noch recht jung war, haben ihn Künstler von Gang Star über The Jungle Brothers bis hin zum Küchenkollektiv Jazzmatazz in die Ursuppe des Urban Pop gemischt, was einer wie Anderson .Paak gerade massentauglich nachwürzt. Ferge X Fisherman wäre demnach nur eine Schaumkrone der Welle, die schon lange geritten wird – käme das Duett nicht aus Nürnberg und würde dennoch Fusionjazz von Weltruf machen.

Produzent Luka (Ferge) und Rapper Kolja (Fisherman) sind ja nicht nur Virtuosen ihres Fachs, sie haben sich mit den Lakesideboys eine Liveband organisiert, dank deren musikstudierter Hilfe das Debütalbum Blinded by the Neon zu einer Perle des antiquierten Sounds für intellektuelle Hipster wird. Allein schon ein Stück wie Anna Nicole, das die schwülstige Clubeleganz mit Psychogitarren unterwandert, zeigt was HipHop aus dem Jazz kitzeln kann und umgekehrt.

Ferge X Fisherman – Blinded by the Neon (Eigenlabel)

Love-Songs

Weniger distinguiert und doch von großer Filigraneität, dabei national gesehen aus einer Metropole, im globalen Kontext aber doch Provinzgewächse, versucht sich das Hamburger Trio Love-Songs seit acht Jahren auf dem schwierigen Feld electroakustischer Beats und hat es dabei allenfalls zu lokaler Bekanntheit gebracht. Und nach ein paar EPs dürfte auch das Debütalbum diesen Dunstkreis kaum nennenswert erweitern, dafür ist ihr Sound schlicht zu hintergründig.

Dennoch ist Nicht Nicht ein Stück weit die Antithese des eigenen, nihilistischen Titels. Ihr flächiger Mix aus Electro, Percussion und Bass wirkt schließlich wie eine Art achäologischer Struktursuche, bei der Thomas Korf, Sebastian Kokus und Manuel Chittka tief im Boden des Pop wühlen und von Field Recordings über Improvisationen bis hin zu dadaistischen Vocals dauerhaft fündig werden. Es kostet auch beim Zuhören Mühe, in dieses Gespinst der Töne vorzudringen. Aber sie lohnt sich.

Love Songs – Nicht Nicht (Bureau B)

Hype der Woche

Katie von Schleicher

Wer Kate Bush zu verstiegen findet, sich jedoch gelegentlich gern in popferne Sphären träumt, wer Tori Amos zu esoterisch findet, ab und zu aber ein Bedürfnis nach bodenständiger Entrückung verspürt, wem (weiblicher) Folkpop also entweder zu verkopft oder gefühlig ist, manchmal aber auch von beidem unterversorgt, der/dem bietet bietet eine Songwriterin aus Brooklyn seit Jahren Stoff zur Versöhnung beider Pole: Katie von Schleicher. Ihr sedierter Gitarrenrock vollführt das Kunststück, abwesend und raumgreifend in einem zu sein. Auch das fünfte Album Consummation (Full Time Hobby) klingt demnach wie ein Kellerkind mit Platzangst, mittig zwischen Fern- und Heimweh, was jedes ihrer selbstgespielten Instrumente gleichermaßen opulent und schüchtern umschmeichelt. KvS liefert also nicht weniger als die Quintessenz urbanen Pops, nur eben im Feenwald aufgenommen.



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