Bananagun, Albrecht Schrader, Pottery

Bananagun

Etwas wirklich Neues zu kreieren, ist in der modernen Musik nahezu ausgeschlossen. Wenn der Sänger, Gitarrist und, Achtung, Flötist Nick van Bakel meint, seine Band Bananagun wolle “nicht das tun, was alle anderen bereits machen”, ist er da im besseren Fall naiv, im schlechteren ignorant, im Idealfall allerdings haben die sechs Australier einfach noch immer eine Ladung jener Dorgen intus, die bei der Aufnahme des Debütalbums mit dem deklamatorischen Titel The True Story of Bananagun von der Studiodecke gerieselt sein muss.

Von Beginn an nämlich scheinen Gilberto Gil und Jimi Hendrix darauf beim Schlammcatchen mit James Lasts Big Band Henry Mancini zu covern. Das Resultat ist eine Art melodiös berauschter Dschungel-Pop, bei dem sich krachende Krautrockgitarrengewitter überm Strand von Acapulco entladen, bis aus dem Sand Boxentürmgebirge sprießen. Alles daran klingt bestens bekannt, von Instrumenten bis Arrangements ist alles pure Nostalgie, aber selten war ein retrospektiver Sound derart futuristisch schön.

Bananagun – The True Story Of Bananagun (Full Time Hobby)

Albrecht Schrader

In ganz ähnliche Kerben schlägt der Schlagerist Albrecht Schrader. Drei Jahre nach seinem tollen Debütalbum Nichtsdestotrotzdem und zwischenzeitlichem Gastspiel als Bandleader von Jan Böhmermanns Rundfunkorchester Ehrenfeld im Neo Magazin Royale, kehrt der Kölner aus Hamburg mit Diese eine Stelle zurück und widmet seiner inneren Großstadt ein zehnteiliges Hassliebesgedicht, in dem heimatduseige Nostalgie im Richard-Clayderman-Gewand nur so wimmert. Doch Vorsicht: Alles Tarnung!

Denn wenn der studierte Musikwissenschaftler zu Klavierromantik über die noble Elbchaussee singt, zersägt ein repetetives “Fluglärmvonairbus” mit psychotischer Gitarrenbemalung das Wohlstandsidyll. Wenn Auf dem Golfplatz  “schöne Farben überall” leuchten, ist das nicht “der Ort, wo Hamburg brennt / Tränen fließen unverblümt in mein Polohemd”. Immer dann also, wenn Schraders Seifengesang den Caféhauspop dahinter noch etwas cremiger rührt, wird das Gehirn mit luzider Systemkritik überzuckert. Selten so tiefenentspannt in die Katastrophe geträumt.

Albrecht Schrader – Diese eine Stelle (Staatsakt)

Pottery

Mit Tiefenentspannung haben Paul Jacobs, Jacob Shepansky, Austin Boylan, Tom Gould, and Peter Baylis ungefähr so viel gemein wie Donald Trump, was zwar schon deshalb ein unfairer Vergleich ist, weil ihre Band aus Kanada kommt und mit Donald Trump wiederum so viel gemein hat wie Albrecht Schrader. Aber Pottery ist halt von einer impulsiven Hektik getrieben, die krasse Vergleiche förmlich ansaugt. Und wenn wir schon dabei sind: Ihr Debütalbum  klingt ein bisschen wie David Byrne auf Speed, ist aber natürlich ganz anders.

Von Anfang bis Ende wird Welcome to Bobby’s Motel von einem Speedfunkslapping beschleunigt, dass durch die Choräle übers Alltagsgeschehen im Leben gewöhnlicher Trump-Nachbarn nochmals hochpitcht. Bass, Drums, Gesang – alles an dieser furiosen Platte ist derart auf Tempo gebürstet, dass dabei manchmal fast untergeht, wie filigran die elf Stücke arrangiert wurden. Von daher war es richtig, die Band nach der kontemplativen Tätigkeit des Töpferns zu benennen. Wenn sie jetzt auch noch, sagen wir: Achtung, Spitfire, schnellschnell hieße, würde sie sich selbst überholen.

Pottery – Welcome to Bobby’s Motel (Partisan)



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