SuzieStapleton.FriedemannWeise.AMorissette

Suzie Stapleton

Es ist immer wieder schön, wenngleich überaus selten und der reinen Musiklehre nach nahezu unmöglich, wenn im repetitiven Pop ein neues Genre entsteht, kein völlig neues natürlich – der Grundstock aller Klangkombinationen ist schließlich längst angelegt; aber was die australische Künstlerin Suzie Stapleton auf ihrem Debütalbum anbietet, klingt für unvorbereitete Ohren so ungewohnt, dass es dafür eines neuen Labels bedarf. Versuchen wir es also mal mit Opern-Noise.

Garniert mit tief verzerrter Gitarre, düsterem Bass und einer bisweilen fast hektischen Industrialfläche am Rande des Hörbaren, erinnert We Are The Plague gleich am Anfang an ein Kellerkonzert der Suuns mit Tom Waits, was auch daran liegt, dass Suzie Stapleton androgyner Bariton eher nach Rezitation als Gesang klingt und dennoch sinfonische Energie hat. Noiserock wie ein Rudel Wölfe im Staatstheater – fremd, sperrig, viril, gefährlich, aber in seiner grungigen Urgewalt auch einvernehmend und schön.

Suzie Stapleton – We Are The Plague (Negative Prophet Records)

Friedemann Weise

Schön bescheuert ist dagegen Friedemann Weise, no offense. Der rheinische Liedermacher macht Lieder, die bisweilen nach Gebrüder Blattschuss klingen, wo ein gewisser Karl Dall einst seine Karriere begann. Weises Texte sind oft sensationell dämlich, seine Arrangement dazu von beachtlicher Albernheit, fast alles daran erinnert an Fanny van Dannen und Peter Licht beim Rosenmontagsduett – und ist gerade deshalb so toll, dass man auch das neue, ungefähr fünfte Studioalbum durchhört und gleich noch mal anmacht.

Mit Titeln von Digital Detox in der Eifel über Samenstau auf der Pimmelparade bis Wenn 68er 68 werden, nimmt Das Weise Album jede Zentral- und Randgruppe der Multioptionsgesellschaft aufs Korn, vermischt es mit einem digitalanalogen Kuddelmuddel aus Powerfolk und LoFi-Rock, legt schräge Gesangssimulationen darüber und ist damit auf derart infantile Art komisch, dass sein selbstgewähltes Label Satirepop plötzlich Substanz kriegt. “Ich wär so gerne ein Song / von Elton John / ich wär zwar nicht mehr neu doch / du würdest dich freuen”. Alles gesagt.

Friedemann Weise – Das Weise Album (staatsakt)

Hype der Woche

Alanis Morissette

Alanis Morissette ist Alanis Morissette war zwar mal nur Alanis ohne Morissette und machte saftigen Teenagerpop, bleibt aber wieder mit Morissette auch ein Vierteljahrhundert nach ihrem weltweit gefeierten Debütalbum Jagged Little Pill das, was die Menschheit im Zeitalter des ungebremsten Optimismus von ihr erwartet und bekommen hatte: einen Folkpop von so überwältigender Lebensfreude, dass Melodramatik, Feminismus und Selbstbefreiung fast unbemerkt ins Hörer*innen*gehirn durchdringen und dort die Emanzipation befeuern. Das schafft, obwohl die Stimme spürber gereift und damit rauer ist, auch ihr elftes Album Such Pretty Forks In The Road (Sony), das aller Voraussicht nach nicht nur in ihrer kanadischen Heimat Nr. 1 werden dürfte. Ihre Mischung aus Kraft und Gefühl, Stärke und Zerbrechlichkeit, Indierock und Klavierballaden ist eben unverwüstlich.



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