LÜT, A.A.Williams, Audio88 & Yassin

LÜT

Laut rumzuschreien, das gilt in der Psychologie als Binsenweisheit, taugt nur dann zur Problemlösung, wenn man damit innere Blockaden löst, nicht als Mittel der Kommunikation mit anderen. Da sich die norwegische Hardcoreband LÜT mit ihrem Geschrei fraglos an uns wendet, das Publikum, könnte man ihr da dekonstruktive Aggressivität vorwerfen – wäre für deutsche Ohren denn auch nur annähernd verständlich, was uns – nun ja: Sänger Markus Danjok auf norwenglisch entgegenkeift. Versteht aber kein Mensch. Vermutlich nicht mal im eigenen Land. Macht aber nix.

Denn auch mit dem neuen Gitarristen Mads Ystmark knüpfen LÜT ans sensationelle Debütalbum Pandion vor zwei Jahren an und vermischen auf Mersmak wieder wutfröhlich Screamo, Alternative, Noiserock, Powerpop, bis daraus eine Art stadiontauglicher Surfmetal zum Mitgrölen wird, der irgendwie melodischer ist, als er klingt, und brachialer als er schwingt. Die Riffs unterm Geschrei fuzzen nämlich manchmal fast wie Funpunk vom Strand und sind damit so ganz anders als alles, was dieses Genre sonst hervorbringt.

LÜT – Mersmak (Crestwook Records)

A. A. Williams

Eine Cover-Version kann alles Mögliche sein – Anmaßung oder Ehrerbietung, Beleg eigener Einfallslosigkeit oder Bedürfnis nach Veränderung geistigen Fremdeigentums. Wenn Metalbands Nichtmetal galvanisieren oder Klassik mit der Zackengitarre, ist es meist ersteres. Als die blutjunge Birdie das Werk anderer variierte, war es hingegen Ausdruck tiefen Respekts. Und genau das gilt auch fürs Tribut-Album von A.A. Williams – auch weil es aus einer Art demokratisch grundierten Not geboren wurde.

Nach ihrem Debütalbum landete die Britin wie so viele hart im Lockdown und war auf sich allein gestellt. Also bat sie ihre Fans darum, Vorschläge für Kopien jener Stücke zu machen, die sie allein zuhause interpretieren solle. Herausgekommen ist eine Sammlung grundverschiedener, durch Williams betörendes Piano jedoch vergleichbarer Songs from Isolation, mit der sie das geistige Fremdeigentum von Nick Cave über Deftones und Pixies bis hin zu The Cure definitiv aufwertet.

A.A. Williams – Songs from Isolation (Bella Union)

Hype der Woche

Audio88 & Yassin

Nein, Drohungen der Art von “es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir dich finden” oder “Du stehst auf der Todesliste +1” sind nicht kommunikativ oder subtil, sie sind auch nicht konstruktiv, demokratisch, human, überhaupt irgendwie okay. Aber wenn man weiß, dass sie Teil der neuen Platte des antfiaschistischen Zeckenrap-Duos Audio88 & Yassin (Todesliste, Normale Musik) sind, sehen wir darüber mal freundlich hinweg. Rabiat, düster, derbe, krass, politisch, links – KAUFEN!



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