Jens Spahn & Eddie Murphy

Die Gebrauchtwoche

22. – 18. Februar

Ach Facebook… Nicht nur, dass dich Alterskohorten jenseits der Generationen Y bis Z ungefähr so zeitgemäß finden wie ARD und ZDF; jetzt tust du auch noch alles dafür, die Generationen X bis W(eimar Republik) zu verprellen. Erst ein lächerlicher Kleinkrieg mit Australiens News-Anbietern, den der fürchterliche Medienmonopolist Rupert Murdoch (vorerst) gegen die furchtbare Datenkrake gewonnen hat. Dann sperrt Facebook inklusive Instagram auch noch einen Monitor-Beitrags über den Anschlag von Hanau, weil Georg Restle angeblich gegen Richtlinien verstößt.

Es bleibt also dabei: auch außerhalb teil- oder ganztotalitärer Regime von Polen über Russland bis China, stehen seriöse Medien unter feindlichem Beschuss. Nach einem Bericht des betroffenen Tagesspiegel lässt ja selbst Jens Spahn offenbar Journalist*innen von Bild oder Stern ausspähen, die über ein dubioses Tauschgeschäft recherchieren: 2017 habe der Gesundheitsminister eine Wohnung vom Pharma-Manager Markus Leyk Dieken gekauft, den er zwei Jahre später zum Geschäftsführer der Gematik GmbH machte, die wiederum kurz nach der staatlichen Übernahme von 50 Prozent der Anteile das Gesundheitswesen digitalisieren soll.

Der Kauf sei vor Spahns Amtsantritt erfolgt und damit Privatsache, wiegelt ein Sprecher ab. Na ja, so privat eben, wie momentan eine Virusinfektion ist. Mit der übrigens kam Anfang vorigen Jahres Mai Thi Nguen-Kim zu multimedialem Ruhm. Nun hat das ZDF die chemisch promovierte, überaus telegene und höchst vertrauenserweckende Wissenschaftsjournalistin für seine Fachsparte verpflichtet. Ein Engagement, das den Blick fraglos auf jüngere Zielgruppen wirft.

Die Frischwoche

1. – 7. März

Ab Freitag wärmt Disney+ das britische Klosterdrama Black Narcissus im Himalaya auf, mit dem Deborah Kerr 1947 zwei Oscars gewann. Ein antiquierter Stoff – auch, wenn ihn Showrunnerin Amanda Coe mit psychedelisch animierter Gothic-Aura und der großartigen Gemma Arterton als spirituell und heterosexuell schwankende Hochgebirgsnonne modernisiert. Richtig modern ist demgegenüber die feministische Highschool-Komödie Moxie um eine rebellische Schülerzeitung in den USA, ab Mittwoch auf Netflix. Und noch richtiger modern wirkt die Coming-of-Age-Serie We Are Who We Are ab Sonntag auf Starzplay.

Wohingegen das Porträt der retrofuturistischen Pop-Ikone Billie Eilish The World’s a Little Blurry in seiner empathischen Kinderzimmer-Melancholie fast schon wieder nostalgisch ist. Richtig nostalgisch gerät ein Sequel der gestrigen Art: Freitag setzt Amazon Prime allen Ernstes Der Prinz aus Zamunda von 1988 fort – ohne Regisseur John Landis, aber mit Eddie Murphy, also irgendwo zwischen aha und oje – dort also, wo sich für gewöhnlich Let’s Dance (Freitag, RTL) aufhält, dessen Spannbreite niemand besser ausdrücken könnte als die Mittänzer Jan Hofer und Micky Krause.

Bei so viel guter Laune empfehlen wir an dieser Stelle aber doch noch mal ein Stimmungsdämpfer. Heute erinnert die ARD (23.35 Uhr) an Fukushima und die Folgen vor zehn Jahren. Und weil selbst Katastrophen fiktional Spaß machen: die Netflix-Serie I Care A Lot nimmt Amerikas strikt ertragsorientierten Umgang mit Senioren so beißend auseinander, dass man bei aller guten Unterhaltung spätestens nach einer Folge beschließt, in den USA nur reich oder besser noch: gar nicht alt zu werden.

Außerdem sind die freitagsmedien seit kurzem in den Medien-Podcast Die Fernsehkritiker involviert. Einmal im Monat bespricht Jan Freitag darin mit Eric Leimann die neuesten Filme und Serien:

https://open.spotify.com/episode/47DR013Y3qpKy0qXN8buEz



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