Baby Boys, Schorl3, Gossenboss mit Zett

Baby Boys

Augenzwinkern zählt nicht unbedingt zu den ersten Eigenschaften männlicher Musiker – schon gar nicht, ohne dabei kindisch, ironisch, gar zynisch werden. Die Baby Boys aus Minneapolis sind letzteres gar nicht, ersteres ein bisschen, nur mittleres könnte auf das Trio zutreffen, das nach ein paar Einzeltracks nun ihr erstes Album veröffentlicht. Was Caleb Hinz, Jake Luppen und Nathan Stocker darauf anstellen, ist schwer zu beschreiben, aber genau das dürfte den Wesenskern von Threesome bereits ganz gut eingrenzen.

Mit minimalistischen Cloud-Recordings, digitalen Echtinstrument-Samples, karibischem LoFi-Punk und Gesang am Rande vom Boygroup-Hype der Neunziger, frickeln sich die drei – so sagt man das heute immer, sobald jemand mehr als Gitarre kann: Multiinstrumentalisten einen Dadapop zurecht, der nach Beach Boys auf Designerdrogen klingt, also die falmboyante Schönheit des wohlsortierten Chaos feiert wie zuletzt The Scientists. Das Augenzwinkern ist also doch eher Augenflackern, aber ein wirlich tolles.

Baby Boys – Threesome (Transgressive)

Schorl3

Der Versuch, Bilderbuch gut zu kopieren, ist schon deshalb bislang flächendeckend gescheitert, weil es schon schwer wäre, Bilderbuch schlecht zu kopieren. Deshalb feiern wir an dieser Stelle den gelungenen Versuch der Hamburger Futurefunkformation Schorl3, Bilderbuch weder gut noch schlecht, sondern so funky MDMA-beseelt zu kopieren, als würden die Vorbilder aus Wien auf dem verranzten Studiosofa anerkennend kopfnicken und insgeheim ein paar der Ideen der drei Pseudonym-Künstler LMO, Hans1 und Hans2 notieren.

Zeilen wie “Mein Baby möchte Skifahren / doch ich kann nicht liefern / sie möchte nur mit mir chillen / wenn ich was zum Ziehen hab” aus der Retrodrogenhymne Zu arm etwa. Oder die Achtzigersaxofon-Peitschen der nostalgischen Wave-Fanfare Pia einen Track zuvor. Diese Perlen neonostalgischer Elektropopmusik machen Sprudelpop zwar nicht zwingend innovativ, gar außergewöhnlich, aber so was von erfrischend, dass man gerne mit den drei Kopisten im selben Goldfischglas schwimmen möchte.

Schorl3 – Sprudelpop (Schorl3)

Gossenboss

Zu Gossenboss hält man dagegen besser etwas Sicherheitsabstand – zumindest, wenn man den Sprechsänger aus Dresden als das bezeichnet, was er ja nun schon doch irgendwie ist, aber partout nicht sein will. “Mir ist egal ob HipHop-Journalisten mich überhaupt kennen”, meint er auf seiner neuen Platte No Future, “doch ich ruf die Bullen, wenn du mich noch mal Zeckenrapper nennst”. Okay, machen wir nicht. Schon weil er was völlig anderes ist als der Zeckenrapper Disarstar, dessen Deutscher Oktober ebenfalls heute erscheint.

Anders als der Straßenköter aus Hamburg klingt Gossenboss mit Zett schließlich nicht mal annähernd nach Gangsta. Stimmlich sind seine Wurzeln technoider, alternativer, independenter, verschwitzter, linker, autonomer und zum Glück sehr viel androgyner – dank Contributions von Freunden wie Milli Dance, Danger Dan oder Lulu & die Einhornfarm aber auch rockiger, fröhlicher, frischer, irgendwie optimistischer, bisschen wie Frittenbude auf Kraftklub. Schöne Zukunft mit No Future.

Gossenboss – No Future (100 Prozent O.K.)



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