Bruchs Basis & Schlafschaf Lisa

Die Gebrauchtwoche

TV

3. – 8. Mai

Wäre Mark Zuckerberg nicht selbst eine so obskure Figur der Megaprofitmaximierung, man könnte meinen, er brächte grad Licht ins digitale Dunkel. Just nämlich, als auch seine Macht- und Geldmaschine droht, durch die geplante globale Unternehmenssteuer so etwas Bürgerliches wie Steuern zahlen, also dem Gemeinwohl dienen zu müssen, darf Facebook dem Nutzer auch weiterhin die Accounts sperren, der das mit allen Mitteln verhindern wollte. Nur um den Namen nach einer Zeit der Stille hier mal wieder hinzuschreiben: Donald Trump.

Ja, den gibt’s noch. Nur ist er eben kaum noch zu hören, seit ihm Twitter, Instagram und Facebook die Lautsprecher gekappt haben. Das dürfte Rassisten wie Jens Lehmann, den Sky dank der Beleidigung seines Moderationskollegen Dennis Aogo endlich rausgeschmissen hat, vermutlich ebenso missfallen wie Volker Bruch, der nach seiner als Meinungsbeitrag getarnten Demokratieattacke #allesdichtmachen nun folgerichtig bei der Querdenker-Partei Die Basis um Aufnahme gebeten hat. Womit ihn das größte Querdenker-Blatt im großen Bild-Interview aber nicht weiter behelligen wollte.

Derweil bejubelt Bruchs Buddy Jan Josef Liefers auf Twitter 14 Millionen Zuschauer des Tatort Münster. Schließlich hält er die Topquote für einen Beleg der bürgerlichen Akzeptanz seiner Gleichschaltungssuada und nicht das, was es eher sein dürfte: eine Art Populism Porn derer, die wissen wollten, ob sich JJLs Sicht auf Corona und Medien bei Professor Boerne wiederfindet. Tut sie nicht. Aber den neofeudalen Allwissenheitsdünkel teilen sich Figur und Darsteller schon.

Apropos Figur und Darsteller: Indem sich Billie Eilish halbnackt mit Fick-mich-Blick auf dem Vogue-Cover räkelt, schlägt die Body-Positive-Ikone all jenen Mädchen ins Gesicht, denen sie bislang das Bodyshaming austreiben konnte. Jetzt dürft ihr euch wieder schön schämen, nicht so dünn, sexy und fuckable zu sein wie euer Vorbild, liebes Click- and Pay-Vieh. Und damit wieder zurück zu Volker Bruchs Realitätsverdrehung.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

10. – 15. Mai

Die nämlich erhält ab morgen bei Neo fiktionale Weihen einer Instantserie. In Schlafschafe spielt Lisa Bitter eine Mutter, die während der Pandemie sechs Teile lang tiefer in Verschwörungsideologien abdriftet, bis ihre Familie (fabelhaft: Daniel Donskoy) auch an den Lügen eines Querdenkers (auch toll: August Zirner) zerbricht. Das ist auf ähnlich beklemmend, aber natürlich nicht annähernd so opulent wie Underground Railroad.

Oscar-Gewinner Barry Jenkins (Moonlight) verwandelt Colson Whiteheads gleichnamigen Roman dabei ab Freitag auf Amazon in ein achtstündiges Epos über die amerikanische Sklaverei vor knapp 200 Jahren, das einiges über die Situation Schwarzer in den USA George Floyds und Donald Trumps erzählt. Ebenfalls von PoC auf dem Weg der Emanzipation handelt eine Starzplay-Serie, die dennoch unterschiedlicher kaum sein könnte. Ab Sonntag erzählt Run the World die Geschichte vier Schwarzer Frauen um die 30 in New York – allerdings in einem Glamour, der an Sex and the City erinnert.

Umso erstaunlicher, dass die Charaktere beim Shoppen, Ficken, Schönsein Zeit haben, Rassismus und Misogynie anzuprangern – wenngleich sehr subtil. Eher ulkig geht die TNT-Serie The Mopes ab morgen mit einem Trendthema ohne Humorlobby um. Nora Tschirner spielt eine Fleisch gewordene Depression, die im Auftrag der Abteilung für psychische Krankheiten dafür sorgt, Betroffene wie einen gescheiterten Musiker zur Leidenseinsicht, also Therapiebereitschaft zu bringen. Ästhetisch auf Wes-Anderson-Niveau, ist das fast zu grotesk, um tiefgründig zu sein. Aber eben nur fast.

Geradezu grotesk komisch ist Joseph Vilsmaiers Amazon-Komödie Der Boandlkramer ab Freitag mit Bully Herbit als Tod und Hape Kerkeling als Teufel. Bierernst dagegen bleibt das Platzangst-Drama The Woman in the Window auf Netflix, wo parallel folgendes startet: die 2. Staffel der irren Kurzfilmreihe Love, Death & Robots, der holländische Gangsterfilm Ferry mit Huub Stapel sowie die deutsche Kino-Übernahme Und morgen die ganze Welt mit Mala Emde als verliebte Linksextremistin. Kleiner Tipp am Rande: Arte zeigt Mittwoch Der unverhoffte Charme des Geldes – ein Brennpunktmärchen um den gebildeten Pierre-Paul (Alexandre Landry), der als Paketbote arbeitet – bis er an die Beute eines Millionenraubes gerät…



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