Sonja Zietlow: Dschungelcamp & Hundeshow

Mein Hund fürs Leben

In Ferienclubs lernt man Selbstbewusstsein

Ein Vierteljahrhundert Privatfernsehen, davon mehr als die Hälfte im Dschungelcamp – die frühere Urlaubsanimateurin Sonja Zietlow (Foto: ZDF) ist nicht unbedingt prädestiniert fürs Nachmittagsprogramm des ZDF. Seit Sonntag allerdings moderiert die passionierte Tierschützerin dort die Nachmittagsshow Mein Hund fürs Leben – auch, um ihr Portfolio zu erweitern.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Zietlow, zurzeit wechseln gerade massenhaft Moderatoren und Moderatorinnen von der ARD zu den Privatsendern. Sie dagegen wechseln vom Privatsender zum ZDF. Warum?

Sonja Zietlow: Na ja, es ist nicht direkt ein richtiger Wechsel, sondern eher eine Erweiterung meines Portfolios. Ich moderiere eben gern Formate, die mir persönlich gefallen, zu denen ich passe, bei denen man mich sehen möchte. Und für eine Show wie diese hier, bin ich ja schon als Hunde-Fan qualifiziert.

Anders als viele ihrer Kollegen und Kolleginnen bei RTL oder auch Pro7 haben Sie allerdings keine öffentlich-rechtliche Ausbildung genossen, sondern kommen eher aus Ferienclubs und Flugzeugen. Was lernt man da fürs Fernsehleben?

In Ferienclubs lernt man das nötige Selbstbewusstsein, um souverän vor Publikum aufzutreten, also die professionelle Interaktion mit Kunden und Gästen. Bei der Fliegerei kommt vor allem die Mehrfachbelastung hinzu. Dieses Multitasking ist eine gute Fähigkeit – als Pilotin, wie auch als Moderatorin in einer Show oder Sendung. Dass man quasi zuhören kann, aber gleichzeitig genau weiß, wie es weiter geht. Von alledem kann ich so einiges bei Ein Hund fürs Leben gebrauchen – mal ganz abgesehen von meiner persönlichen Liebe zu Hunden.

Wie genau läuft die Show denn ab?

Es ist so eine Mischung aus Haustiervermittlung und Herzblatt mit Reportage-Elementen. Erst lernen wir die Menschen und Hunde kennen, dann beraten und entscheiden die Experten, also Tierpfleger vom Tierheim und ich, wer zueinander passen könnte. Und der spannendste Moment der Sendung ist dann, wenn Hund und Mensch sich das erste Mal sehen und aufeinandertreffen. Das kann durchausmal sehr emotional werden…

Und was genau ist über die Expertise hinaus Ihre Aufgabe dabei?

Ich begleite die potenziellen Adoptanten, nehme sie in Empfang, begrüße sie und stehe natürlich auch mal mit dem ein oder anderen Ratschlag zur Seite. Natürlich berate ich mich mit den Hundepflegern und führe durch die Sendung. Es geht uns vor allem um Tierliebe.

Auch die eigene?

Absolut. Ich hatte bisher fünf Hunde. Momentan leben bei meinem Mann und mir noch zwei kleine. Mein erster eigener war Laska, eine Border Collie Dame. Durch meine Heirat kam ein Podenco-Mix-Rüde dazu, der aber leider schon verstorben ist. Dann habe ich die kleine Windspiel-Mix-Dame Lila adoptiert, die jetzt immer noch da ist und schon über 13 Jahre alt. Mein Mann hat sich dann noch in die Podenco-Portugues-Hündin Lotta verliebt, die leider vor anderthalb Jahren mit zehn, also viel zu früh von uns gegangen ist. Wir hatten also gleichzeitig vier Hunde. Nach Lottas Tod haben wir die kleine griechische Mix Hündin Manki adoptiert, die jetzt zwei Jahre und ein fröhlicher Wirbelwind ist.

Wenn es um Ihre Hunde geht, kommen Sie ja fast noch mehr ins Reden als bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Wie viel Schlagfertigkeit steckt eigentlich in solchen Moderationen und wie viel Drehbuch?

Also bei IBES würde ich sagen: 70 Prozent sind Skript und 30 Prozent frei. Die Moderationstexte werden von Jens Oliver Haas, Micky Beisenherz und Jörg Übber geschrieben, alles super Autoren. Aber ob der Rest wirklich Schlagfertigkeit bedeutet, bleibt dem Zuschauer überlassen.

Kann man die denn überhaupt lernen oder ist die angeboren?

Das weiß ich nicht. Aber bestimmt irgendwie. Keine Ahnung. Ich habe sie jedenfalls nicht bewusst gelernt, die ist einfach so gekommen, ganz von alleine (lacht).

Hätten Sie sich angesichts Ihrer messbaren Intelligenz eigentlich gewünscht, auch mal so richtig hartes Informationsfernsehen ohne Entertainment-Faktor zu machen?

Nein. Da ich nicht nur einen relativ hohen IQ habe, sondern auch ziemlich viel Mitgefühl und Schlagfertigkeit, finde ich die Unterhaltungsformate halt am reizvollsten; sonst ist man ja nur die Informationsüberbringerin, das liegt mir – bei allem Respekt dafür – nicht.

Wäre umgekehrt ein Intelligenzquotient von 135 im sachlicheren, tendenziell verkopften Fernsehen womöglich hinderlich?

Das könnte durchaus sein. Weil Intelligenz auch bedeutet, dass man sich oft noch etwas tiefgreifender mit Themen befassen möchte und gegebenenfalls nicht immer einer Meinung mit den Inhalten ist oder diese einfach mal anders betrachtet. Bei reiner Unterhaltung kann das problematisch werden.

Mit der haben Sie Ende der Neunziger in Formaten wie dem Daily-Talk Sonja Ihre Karriere begonnen und nie wieder ganz verlassen. Was bringen Sie aus dieser Zeit mit in die Gegenwart?

Ich würde mal sagen, Wettbewerbshärte und die Schlagfertigkeit, von der wir vorhin geredet haben. Man wusste nämlich nie, wie die Gäste tatsächlich reagieren. Seither kann mich, auch bei Live-Pannen, so schnell nichts aus der Ruhe bringen.

Und was lernt man am Nachmittag privater Kanäle fürs eigene Leben an sich?

Ich habe gelernt, dass es wahnsinnig viele unterschiedliche Menschen gibt. Die meisten hätte ich im normalen Leben niemals kennengelernt. Durch deren Sicht aufs Leben und die Art, mit Dingen des Alltags umzugehen, habe ich auch viel Toleranz gelernt.

Außerdem sind Sie angeblich auch noch exzellente Golferin…

Was heißt hier angeblich? (lacht). Naja – okay, ich war wohl eher eine exzellente Golferin; seit vier Jahren spiele ich nicht mehr aktiv. Aber eine Golfkarriere wäre mir nie in den Sinn gekommen. Außerdem habe ich mittlerweile auch Pferde, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Wie viel Zeit bleibt denn da noch für weitere Staffeln IBES oder Mein Hund fürs Leben?

Oh, ganz viele hoffe ich. Denn beide Formate machen mir ziemlich viel Freude.



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