Sølyst, Genetikk

Sølyst

21-solyst

Anfang der Neunziger, selbst Postpunk war seinerzeit schon wieder Retro, half Thomas Klein dabei, die elektronische Musik auf ein noch vertrackteres Niveau als am Kraftwerk-Standort Düsseldorf üblich. Man muss das wissen, um zu verstehen, wie der Schlagzeuger sein epochales Trio Kreidler an strukturierter Sperrigkeit noch überbieten konnte. Sølyst heißt sein Solo-Projekt, mit dem der Pionier bereits auf drei Alben Hörgewohnheiten strapazierte. Jetzt kommt mit Spring das vierte, und es ist der perfekte Soundtrack einer gleichsam dystopischen wie lethargischen Welt radikaler Veränderungen.

Durchdrungen von Drones und Bässen, verklebt von Synths und Samples, betrieben von Sequencer und Drumpatterns schichtet Thomas Klein Klangflächen in Moll übereinander und verdichtet sie mit hektischem Downbeat zu einer Welle schlechter Prognosen, aus denen man irgendwie Optimismus herauszuhören glaubt. Ständig hämmert jemand auf kaputtes Blech, dengelt es damit aber scheinbar glatt. Mit einer Portion gesunder Misanthropie im Gepäck wird daraus zukunftstauglicher Pop für die Nische und damit perfekt fürs abgesagte Regenfestival.

Sølyst – Spring (Buereau B)

Genetikk

21-gen

Dazu passt – unbewusst, versteht sich – der Titel des neuen Albums von Genetikk: Mass Destruction New Age, kurz MDNA, was natürlich nur zufällig an illegalisierte Aufhellungsdrogen erinnert. Anonyme Avatare ihrer selbst, pflegt das HipHop-Duo aus Saarbrücken seit zehn Jahren schon ein übellauniges Inkognito, rappen über die dampfende Kacke der Mehrheitsgesellschaft und entziehen sich damit Kategorisierungen von Gangsta bis Conscious. Wenn sie auf ihrer ungefähr zehnten Platte “Ich hab so viel Flow / ich lass Deutschrapper ertrinken” sprechsingen, ist das also auch eine Isolationsgeste.

Und was für eine. Denn auf Great Adventure MDMA mischen Kappa und Sikk wie immer vollverschleiert mit so furiosem Leck-mich-Gestus Harmonien in Schutt und Asche, dass selbst die vielen Streichersamples klingen wie ein Tinnitus – wenngleich ein sehr rhythmischer. Ungefähr so, als säßen Freundeskreis seit Jahren in der Gummizelle, scheppert das Album vor technoider Eleganz und klingt dabei gern so wie Industrial im Kiffermodus. Wem AggroB und Hamburger Politrap zu berechnend sind, findet im Saarland Bauchhöhlen-HipHop vom Feinsten.

Genetikk – MDMA (Outta This World)



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