Metaverse & Wetten, dass…?

Die Gebrauchtwoche

TV

25. – 31. Oktober

Facebook heißt jetzt Meta und nein, wir werden an dieser Stelle nicht sagen, wie Raider heutzutage heißt oder Twix einst hieß, sondern kurz bitter auflachen. Allerdings nur um dem Ernst der Lage sogleich mit angemessener Leichenbittermiene gerecht zu werden. Denn was Mark Zuckerberg uns vor vier Tagen in einer Videobotschaft wissen ließ, ist nicht nur deshalb so verstörend, weil er auch in Fleisch und Blut so aussah wie die Avatare des Metaverse; sein Gefasel von einer besseren Welt dank virtualisierter Vollzeitkommunikation ist die Quintessenz jener Lügenoffensive, die sein Konzern nach Kräften fördert.

Dass sein neues Logo mit etwas Fantasie aussieht wie jene Masken, die Ganoven einst in Comics so trugen, passt bestens zum Eindruck, den Zuckerbergs furchteinflößender Auftritt hinterlässt. Schließlich dient Zuckerbergs Schöne-neue-Welt-PR einzig und allein dem einen Zweck: Profite seines Billionen-Konzerns ins Unermessliche zu maximieren. Dabei beläuft sich das Privatvermögen des unsozialen Netzwerkers schon jetzt auf ein Vielfaches jener Summen, die Deutschlands erfolgreichste Verleger und Verlegerinnen auf sich vereinen.

Ganz vorn im Kress-Ranking: Bertelsmanns Mohn-Dynastie mit 4,5 Milliarden Euro, gefolgt vom Springer-Clan mit ganzen 100 Millionen weniger. Dahinter: Die bestens situierten Mediendynastien Burda (4,0 und Bauer (3,8), aber schon mit gehörigem Abstand Holtzbrinck (1,8) und Ströer mit geradezu lächerlichen 1600 Millionen Euro auf dem Festgeldkonto. Für diese deutschem Mittelstandspeanuts kauft sich Mark Zuckerberg mal eben einen Streamingdienst, wenn ihm danach ist. Wobei – die Konkurrenz steht Facebook, pardon: Meta ja in nichts nach und hat auch in dieser Woche Serien im Angebot.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

1. – 7. November

Auf dem Portal von Apple (Börsenwert: 2,6 Billionen Dollar) startet Dienstag die Anthology-Serie The Premise, in der The Office-Star B.J. Novak mit schwarzem Humor Großprobleme der USA von sexueller Gewalt über Waffenbesitz bis Rassismus verarbeitet. Nach dem Start der koreanischen SciFi-Serie Dr. Brain (Donnerstag) mit Parasite-Star Lee Sun-kyun, kämpft sich Tom Hanks im selben Genre tags drauf als Endzeit-Überlebender Finch durch eine klimakatastrophal verheerte Welt.

Amazon (Börsenwert: 1,6 Billionen Dollar) gönnt derweil einem anderen Konzern mit begrenzter Moral (hoffentlich) kostenlose Werbung. Wenn Behind the Legend dem FC Bayern ab morgen dokumentarisch in den Arsch kriecht, dürfte Kritik fehlen. Netflix hingegen (242 Milliarden) begnügt sich diese Woche mit dem Western-Epos The Harder They Fall, während Sky vom Medienmogul Comcast (252 Milliarden) mit der britischen Krimiserie Wolfe (ab Donnerstag) und dem dreiteiligen BBC-Porträt von Greta Thunberg zwei Formate von Belang im Portfolio hat.

RTL (8,05 Milliarden Euro) schickt mit Glauben derweil die nächste Schirach-Verfilmung aufs eigene Portal TV Now. Als fachlich brillanter, menschlich ruinierter Anwalt, fiktionalisiert Peter Kurth die Wormser Prozesse um fatale Kindesmissbrauchs-Vorverurteilungen. Gar nicht börsennotiert ist indes das öffentlich-rechtliche Fernsehen, was man dem Programm in der Spitze durchaus anmerkt. Als würden Aktien noch auf Papier gedruckt an die Wand gehängt, holt das ZDF am Samstag Thomas Gottschalk aus der Mottenkiste und lässt ihn ein Revival von Wetten, dass…? moderieren.

Diese Art nostalgischer Sedierung eines vergreisenden Publikums könnte man noch mehr kritisieren, würde der Modernisierungsversuch im Ersten nicht so lächerlich scheitern. Das Near-Future-Experiment Zero inszeniert die künftige Social-Media-Überwachung am Mittwoch mit so stereotyper Bräsigkeit, dass sogar die etwas zu melodramatische Thrillerserie Furia über rechten Terror ab Sonntag acht Teile lang in der ZDF-Mediathek sehenswerter wird. Besser macht es die gleichlange Neo-Comedy Start the Fuck up!, in der die Generationen Y bis Z ab morgen um Anschluss ringen. Den hat dagegen die Generation Klimakrise im postapokalyptischen Arte-Sechsteiler Anna ab Donnerstag dummerweise verloren.



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