Harry Wijnvoord: Heiße Preise & neue Ideen

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Der Greis ist heiß

Nach 25 Jahren ist Der Preis ist heiß ohne Walter Freiwald, aber mit Harry Wijnvoord (Foto: RTL) zu RTL zurückgekehrt und damit eins Mix aus Nostalgie und Unterhaltung, wie das lebende Fernsehfossil im freitagsmedien-Interview sagt. Am 8. Juni läuft die zweite von vorerst drei Ausgaben, die erste ist abrufbar bei RTL+.

Von Jan Freitag

Herr Wijnvoord, wollen wir mal eben die aktuellen Preise der deutschen Konsumlandschaft durchgehen?

Harry Wijnvoord: Die ändern sich ja gerade ständig, aber schießen Sie los!

Was kostet ein Liter Biomilch bei Aldi?

Ein Euro und neun Cent.

Das haben Sie doch geraten!

Natürlich. So wie es meine Kandidatinnen und Kandidaten bei Der Preis ist heiß ja auch meistens tun.

Der Showmaster muss also gar nicht alles können, was er seinen Kandidatinnen und Kandidaten abverlangt?

Informiert sollte man schon sein. Deshalb schaue ich mir vor der Sendung die Preise alle mal an – schon, um vor der Kamera nicht ständig überrascht zu wirken. Ob ich die dann abrufen kann, ist eine andere Frage. Aber wer weiß denn aus dem Kopf, was Neuwagen oder Nudeln kosten. Deshalb lohnt es sich heute wie vor 25 Jahren, regelmäßig einkaufen zu gehen, um bei mir zu großen Preisen vorzustoßen.

Was ändert sich denn im Vergleich zu Ihrer letzten Sendung 1997?

Mein Sprecher, weil der wunderbare Walter Freiwald ja zwischenzeitlich leider gestorben ist. Aber Thorsten Schorn macht das auf seine Weise genauso gut. Und auch mit ihm war es dasselbe tolle Gefühl, hinter dieser Tür zu stehen, von der Assistentin das Mikro zu kriegen und aufs Publikum zuzulaufen. Dass ist heute wie damals Adrenalin pur für mich.

Zumal Ihre Assistentinnen noch die gleichen sind.

Auf meinen Wunsch hin. Wenn wir so eine Reise zurück in die Zukunft machen, dann doch mit allen, die damals dabei waren und es heute noch sein wollen. Damit möchte ich auch zeigen, dass Frauen mit 50 telegen sind und längst nicht zum alten Eisen zählen. Die Jahre sind an denen schließlich genauso spurlos vorübergegangen wie an mir (lacht).

Spaß beiseite: welche Spuren haben 25 Jahre an und in Ihnen hinterlassen?

Ich bin ruhiger geworden.

Noch ruhiger?!

Weil ich ein glücklicher Mensch war und bin, habe ich stets in mir geruht. Aber äußerlich war ich ruhiger als innerlich, das hat sich mittlerweile angeglichen. Bevor ich zum ersten Mal wieder am Set war, dachte ich schon kurz, mein Gott Harry, was machst du jetzt im Studio statt im Liegestuhl. Und nach drei Tagen vor der Kamera war ich natürlich todmüde, aber ich habe mich jünger gefühlt. Wobei ich nach dem Ende 1997 ja nicht die Füße hochgelegt habe.

Sondern?

Nachdem ich vergeblich darauf gewartet habe, dass mir jemand die Seniorenkuppelshow „Der Greis ist heiß“ anbietet, habe ich die Kochsendung Der Reis ist heiß gemacht und Teleshopping. Ich war zu Gast in Quiz- oder Talkshows, als Mann der Touristik acht Jahre lang Reiseexperte bei Sonnenklar.TV, habe Aufklärungskampagnen für Diabetes gemacht. Selbst während der Pandemie war ich immer gut beschäftigt.

Am besten beschäftigt waren Sie aber in 1873 Folgen Der Preis ist heiß, die seinerzeit Ausdruck einer sorgenfreieren Zeit waren. Wie passt die Sendung da in die Gegenwart unablässiger Krisen?

Es ist eine Mischung aus Nostalgie und Unterhaltung, damals wie heute. Die Sendung wurde ja auch nicht wegen ihrer Erfolglosigkeit eingestellt; wir hatten bis zuletzt 40 Prozent Marktanteil. Es lag am neuen Senderchef, der Akzente nach seiner Fasson setzen wollte. Da spielten Gameshows eine kleinere Rolle. Aber was man an den Formaten von damals hatte, sieht man heute ja im Programm aller Kanäle.

Wo von TV total bis Geh aufs Ganze vieles zurückkehrt. Träumt sich das Publikum damit in bessere Zeiten zu träumen?

Das folgt zuerst dem Bedürfnis, sich einfach gut unterhalten zu lassen. Aber es stimmt schon: gerade in dieser schwierigen Zeit ist es wichtig, dass die Leute nach der „Tagesschau“ zwei Stunden komplett vom Weltgeschehen abschalten. Das Prinzip lautet da Brot und Spiele.

Lassen Sie sich als Konsument lieber leicht oder schwer unterhalten?

Natürlich sehe ich bei aller Liebe zur leichten Unterhaltung auch harte Nachrichten oder Dokumentationen. Wobei sich auch mein Fernsehverhalten geändert hat. Ich bin mittlerweile mein eigener Programmchef und schaue, was mein Streaming-Dienst anbietet, wann ich es will – auch, weil mich das lineare Fernsehen immer weniger vor die Mattscheibe gelockt hat.

Locken Sie Revivals wie Wetten, dass…? denn zurück ins Regelprogramm?

Schon, denn gerade das empfinde ich als revolutionär. Die Erkenntnis nämlich, das Fernsehen nicht ständig neu erfinden zu müssen, sondern auf alte Stärken zu setzen.

Haben Sie dennoch neue Ideen?

Ja.

Aber Sie sprechen nicht drüber?

Richtig (lacht). Es geht Richtung Schlager, was wir wegen eines Corona-Falles im Team aber um zehn Tage verschieben mussten, sonst wäre ich heute schon am Set gewesen. Schließlich bin ich als früherer Radiomoderator schlageraffin und habe grad selbst einen gemacht. Wobei ich den Begriff „Schlager“ für das meiste, was heute so genannt wird, falsch finde. Im Prinzip ist das Popmusik. Das nenne ich mal schlechtes Marketing.

Also machen Sie eine Popsendung?

Das auch wieder nicht. Wir müssen mit dem Label jetzt leben, das ist okay.

Der Preis ist heiß ist dagegen keine Rateshow, sondern eine Dauerwerbesendung.

Und das ärgert mich damals wie heute gleich. Von 27 Nationen, in denen die Sendung läuft – seit neuestem auch Uruguay, wo ich als Berater tätig bin –, ist Deutschland die einzige, in der diese Warnung im Bildschirmeck steht. Das nenne ich Beamtenmentalität, die den Leuten das Denken abnimmt. Als würden es nicht alle merken, wenn wirklich Werbung läuft.

Meinen Sie wirklich?

Mein Gott, wenn jede Sendung mit sichtbaren Markenprodukten Dauerwerbesendung hieße, gäbe es doch keine anderen mehr…

Zur Person

Harry Wijnvoord, geboren 1949 in Den Haag, macht Lehren als Kürschner und Steuerberater, kommt allerdings zu RTL, als dort jemand sein Talent als Reisebegleiter auf Kreuzfahrtschiffen erkennt. Mit 40 moderiert er 1. Folge „Der Preis ist heiß“, acht Jahre später die 1872. und letzte. Seither verwaltet Wijnvoord sein Erbe mit Kochsendungen, Cameo-Auftritten, Reiseformaten und einem Besuch im Dschungelcamp 2004. Der 72-Jährige lebt mit seiner zweiten Frau im Münsterland.



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