Döpfners Thiel & RTLs Gala

Die Gebrauchtwoche

TV

30. Mai – 5. Juni

Torsten Sträter im Depressionstalk bei Chez Krömer, Torsten Körners kluge Fußballrassismus-Studie Schwarze Adler, die Sky-Version der Ibiza-Affäre und dann auch noch ein doppelter Bjarne Mädel in Spielfilmen über prekäre (Geliefert) oder tabuisierte (Sörensen hat Angst) Themen – das Repertoire der diesjährigen Grimme-Preise ist nicht nur politischer, sondern auch relevanter als zuvor und zeugt somit vom mindestens mal denkbaren Publikumsinteresse an kreativer Interpretation realer Problemlagen.

Dafür spricht auch die Debatte um Jan Böhmermanns lustige Aufdeckung polizeilicher Schlampigkeit beim Bearbeiten schwerer Straftaten. Monatelang hatten Mitarbeiter*innen vom ZDF Magazin Royal vor der Sommerpause versucht, Hasskommentare aller Herren Bundesländer inkognito anzuzeigen. Dass nur wenige Dienststellen wie in Hessen der Sache überhaupt nachgegangen sind, sorgte anschließend für hitzige Diskussionen – und zeigt abermals, wie wichtig Satire für gesellschaftliche Aufklärungsprozesse sein kann.

Wie destruktiv der Springer-Konzern für praktisch alle Errungenschaften der Aufklärung von Demokratie bis Pressefreiheit sind, hat nun endlich auch der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger gemerkt und Mathias Döpfner vom Thron gestoß… Obwohl, nee – die Führungsspitze des BDZV hat Mathias Döpfner, der das sexualisierte Gewaltherrschaftssystem seines überbissigen Bild-Kampfhunds Julian Reichelt mindestens gedeckt, womöglich gefördert hatte, nicht entlassen. Döpfner ist zurückgetreten.

Und das noch nicht mal wegen seiner Unfähigkeit, im eigenen Haus für Ordnung zu sorgen, dem fachlich-menschlichen Mangel zur Führung eines so demokratierelevanten Verbands, der widerwärtigen Nähe zu Feudalherren wie Peter Thiel oder sonsteinem annähernd stichhaltigen Grund. Nein, Döpfner erklärte seinen Rücktritt allen Ernstes mit Terminproblemen (Politico-Übernahme) und Größenwahn (too big to mittelstand).

Die Frischwoche

0-Frischwoche

6. – 12. Juni

Vielleicht sollte man den stinkend reichen Großaktionär, der Friede Springers Erbe zum Aufbau eines deutschen Donald Trump missbraucht, auch von der Springer-Spitze entfernen und 24/7 mit Dokumentationen wie jener zwangsimpfen, die morgen um 20.15 Uhr bei Arte läuft: Der Staat und das Geld, ein französischer Zweiteiler übers medial befeuerte System steuerlicher Ungleichbehandlung zu Lasten der Reichen und Mächtigen wie Döpfner und Thiel.

Da beiden journalistische Qualität auf dem Weg ihrer rechtspopulistischen Agenda jedoch eher im Wege steht, sei ihnen das brandneue Lifestyle-Format GALA ab Samstag bei RTL empfohlen – ein weiteres Bullshit-Magazin zur Ablenkung vom vulgärkapitalistischen Chaos, das der Privatsender nun gemeinsam mit seinem Spielzeug Gruner + Jahr entfesseln darf. Nichts für alte weiße privilegierte CiS-Männer ist hingegen ein kleines ARD-Juwel für die Nische.

Anfänglich eine Klischeeparade sondergleichen, entwickelt sich die deutsche Adaption der israelischen Serie How to Dad um vier grundverschiedene Väter im Wartebereich einer Ballettschule ab Donnerstag (Mediathek) zur soziokulturellen Familienaufstellung. Wie die Kerle durch den Spiegel ihrer eigenen Vorurteile auf sich selbst, also uns alle blicken, ist in aller Ulkigkeit auf originelle Art entlarvend. Und hat damit einen leicht höheren Anspruch als die Streamingprodukte der Woche.

Ab Mittwoch etwa das Spin-Off How I Met Your Father, (Disney+), ab Freitag der Vampir-Coming-of-Age-Abklatsch First Kill (Netflix), ab Freitag an gleicher Stelle die, Moment – kurz mal nachzählen: sechste Staffel Peaky Blinders. Oder ab Sonntag auf Starzplay Zuckerbäckerhistorytainment um Queen Elizabeth, aber nicht II., der alle Sender und Gazetten grad zum 70. Thronjubiläum huldigen; sondern jene von 1558, der Alicia von Rittberg in Becoming Elizabeth ein groschenromankompatibles Gesicht verleiht.



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