Poschardts Privileg & Maidens Flight

Die Gebrauchtwoche

TV

6. – 12. Juni

Wenn Axel Springers Bonner Republikenkampfblatt Welt selbst für den elastischen Wertekanon von Mathias Döpfner, der es mit amoralischem Populismus zum mächtigsten Verleger Deutschlands bringen konnte, zu viel AfD-Propaganda enthält – dann hat der elitäre Kommunistenfresser Ulf Poschardt womöglich ein paar Nationalliberale zu viel über links-grün-versiffte Umerziehungslager am Beispiel von Becoming Charlie herziehen lassen.

Zwei Mietkolumnist*inen seiner „Zeitung“ haben die Nischenserie von Neo, in der es hierzulande erstmals um eine nonbinäre, also genderdiverse Hauptfigur geht, als Teil öffentlich-rechtlichen Umerziehungskampagnen gebrandmarkt. So etwas kriegt man nach 33-45 ansonsten nur in der gelenkten Presse reaktionärer Autokraten Ungarns, Polens, Russlands zu hören – illiberale Scheindemokratien also, in denen sich privilegierte Sozialdarwinisten à la Poschardt und Döpfner wahrscheinlich wohler fühlen als in einer pluralistischen Realdemokratie und ihrer widernatürlichen Toleranz für Abweichungen vom alten weißen CIS-Mann.

Mit denen hatte unlängst auch die altfeministische Emma ihre Last, als die grüne Politikerin Tessa Ganserer mit einem anderen als ihrem Geburtsgeschlecht in den Bundestag eingezogen war. Der Presserat hat Alice Schwarzers Transphobie nun zwar einstimmt für akzeptabel erklärt; die Frage aber bleibt, wie benachteiligte Gruppen der neuen Klassengesellschaft je Oberwasser kriegen, wenn diese Gruppen untereinander um Pfründe streiten und damit die der wahrhaft Mächtigen verfestigen.

Alphatiere wie Frank Thelen zum Beispiel, dessen Höhle der Löwen eine Höhle der Profitmehrung ihrer Jury zu sein scheint. Anscheinend werden bei Vox statt echter Innovationen eher solche finanziert, die auf Basis bestehender neue Ertragsmöglichkeiten ausschlachten. Und dann hat das ARD-Magazin Panorama auch noch herausgefunden, dass der frühere Juror Kleinanlagen empfiehlt, die bereits am Abschmieren sind. Darauf angesprochen, hat sich der Investor jedenfalls buchstäblich aus dem Staub gemacht.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

13. – 19. Juni

Damit teilt er das Bewegungsprofil einer Ente namens Dagobert. Unter dem Boulevard-Pseudonym hielt der Kaufhauserpresser Arno Funke vor 30 Jahren Presse, Polizei und Konsumwelt in Atem. Heute rollt die ARD-Dokumentation Jagd auf Dagobert den Fall mit Zeitzeugen und Betroffenen jener krisenfreien Tage zur Primetime auf. Im Netflix-Porträt Halbzeit geht es ab morgen um eine Künstlerin, die zwar nicht bekannter ist als der Disney-Erpel, aber deutlich berühmter als sein deutscher Namensvetter: Jennifer Lopez.

Bis heute ein Blockbuster des R’n’B-Pop, nähert sich die Doku JLos Karriere, aber auch den Problemen gewaltiger Laufbahnen im Rampenlicht. Probleme, nach denen sich die Teilnehmerinnen der neuen Staffel Bachelorette, ab Mittwoch RTL, ja sehnen. Von musikalischem Ruhm handelt auch eine andere Superstar-Begleitung, die allerdings ein bisschen anders klingt. Am Freitag geht Flight 666 mit auf die Welttournee der Metal-Fossile Iron Maiden. Dass die 2008 stattfand und jetzt erstmals in der Arte-Mediathek zu sehen ist, tut der Originalität dieser zweistündigen Bandbegleitung über vier Kontinente hinweg keinen Abbruch.

Nachdem hier kurz mal aufs heute-show Spezial hingewiesen sei, in dem Lutz van der Horst und Fabian Köhler der Mehrheitsrepublik ab Freitag vier Besuche abstatten, nachdem Hartgesottenen auch noch die schmerzhaft erhellende Geschichtsstunde The American Führer (Montag, 22.50 Uhr, ARD) um den Münchner Hitler-Verehrer und US-Nazi Fritz Julius Kühn empfohlen sei, wird es dann aber doch endlich mal fiktional.

Donnerstag startet bei Sky der Mystery-Siebenteiler The Midwich Cuckoos um ein englisches Dorf im Bann seltsamer Ereignisse. Tags drauf zeigt Amazon Staffel 1 der diversen Familiencomedy The Lake aus Kanada, flankiert von der Romanadaption The Summer I Turned Pretty. Kriminalistisch wird es zeitgleich im britischen Vierteiler You Don’t Know Me auf Netflix. Und auch die achtteilige Neo-Serie Deadly Tropics hat Cops im Zentrum. Genauer: zwei Mordermittlerinnen auf Martinique.



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