Köster & van der Horst: heute-show-spezial

"heute-show spezial"

In guten Momenten Journalismus

Als Oli Welkes Außenreporter gehen Fabian Köster und Lutz van der Horst (Foto: Wolfschläger/ZDF) dahin, wo’s wehtut. Zum Auftakt ihrer Reportage-Reihe heute-show spezial zum Beispiel zur CDU. Ein Gespräch mit den Kölnern über humoristische Entlarvung und journalistische Erkenntnis, Schienbeintritte und was Studienabbrecher als Komiker prädestiniert.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Köster, Herr van der Horst, was ist die Kernkompetenz eines Außenreporters der heute-show, dessen Kampfzone im spezial erweitert wird – keine Angst vor großen Tieren?

Lutz van der Horst: Bisschen erweitert ist gut; wir haben statt vier Minuten für den Außeneinsatz im Spezial über 30, in denen wir informativ, zugleich aber auch lustig sein wollen.

Fabian Köster: Wobei die fehlende Angst vor großen Tieren gerade angesichts der Tatsache, dass die heute-show im Vergleich zu den Anfängen viel ihrer Albernheit verloren und zugleich journalistische Perspektiven entwickelt hat, schon nicht unwichtig ist.

Um beispielsweise einem Alpharüden wie Markus Söder vors Schienbein zu treten.

Köster: Theoretisch ja. Aber ich persönlich will Politikern schon aus Respekt vor deren Job nicht vors Schienbein zu treten. Wir versuchen, unsere Informationen unterhaltsam zu überspitzen, aber ohne jemanden lächerlich zu machen.

Van der Horst: Wobei wir bei den Drehs öfter von der Seite angesprochen werden: Los jetzt, mach‘ den mal richtig fertig! Darum geht es nicht.

Aber darum, Entscheidungsträger mit ihren Entscheidungen zu konfrontieren und Ungleichgewichte gegebenenfalls, wenn schon nicht lächerlich zu machen, dann doch bloßzustellen und damit zu entlarven?

Köster: Stimmt. Weil wir andere, lustigere, unerwartetere Fragen als seriöse Journalisten stellen und selbst Medienprofis damit schon mal dem Konzept erlernter Interviewschemata bringen. Aber im Zentrum steht auch bei denen die Antwort, nicht der Antwortgeber.

Ist es leichter, Antwortgeber zu entlarven, wenn es keine Medienprofis, sondern -laien sind?

Van der Horst: Profis sind natürlich geschulter und wissen eher als Laien, wie sie geschmeidig antworten, sind aber auch oft schlagfertiger.

Köster: Wobei man bei Profis ohnehin viel mehr Stoff zum Nachfragen hat, weil die in der Regel ja ständig mit ihren Aussagen in der Öffentlichkeit stehen und daran messbar sind.

Van der Horst: Umso mehr Spaß macht es dann, deren Floskelsprache zu entlarven. Bei medial Ungeschulten führt das allerdings zur Bloßstellung, die uns schnell unsympathisch macht.

Haben Politiker und Politikerinnen womöglich mehr Angst vor Ihnen als umgekehrt?

Van der Horst: Es gibt nur die, die auf uns zukommen, und die, die vor uns wegrennen. Seit das ZDF-Mikro nicht mehr automatisch mit heute, sondern uns verbunden wird, ist letzteres Lager allerdings geschrumpft.

Köster: Wobei es schon wieder Rückkoppelungen gibt. Es hauen nicht mehr so viele ab wie zwischendurch. Zum einen, weil viele merken, dass es uns nicht nur um Gags geht, zum anderen, weil sie auch durch uns wertvolle Bildschirmzeit kriegen.

Van der Horst: In der sie mal ihre lustige Seite zeigen dürfen. Das ist nicht zu unterschätzen.

Ist am Ende die komödiantische Punchline oder die journalistische Erkenntnis wichtiger?

Van der Horst: Im Idealfall hält es sich die Waage, aber unser Ziel ist, Erkenntnisse zutage zu fördern und mit guten Punchlines abzubinden. In einer normalen „heute-show“ stellt sich allerdings schon aus Zeitgründen die Frage, mit was man die Zuschauer bei Laune hält. Und da bietet sich der bessere Gag oft eher an als die bessere Info.

Köster: Aus meiner Bühnenerfahrung weiß ich ja, wie unangenehm es ist, wenn das Publikum schweigt. Weil wir hier keines haben, dürfen wir Politiker also mal 45 Sekunden ausgiebig zu Wort kommen lassen, ohne dass es witzig werden muss. Der Gag kommt dann einfach ein paar Momente später als in einem auf drei Minuten verdichteten Einspieler.

Kommen zum Auftakt Quo vadis, CDU? auch Fachleute oder nur Politiker zu Wort?

Köster: Weil es nicht so viele Drostens in der CDU gibt, die Politik wissenschaftlich erklären können, mussten wir uns in der Tat einen Fachmann holen, nämlich Robin Alexander, von der Welt, der uns seriös durch die Sendung leitet und uns gelegentlich einnordet, wenn wir vom Pfad der Tatsachenberichterstattung abweichen.

Van der Horst: Politisch wird es bei allem Humor eigentlich immer.

Hilft Humor bei der politischen Aufklärung oder macht er sie nur unterhaltsamer?

Van der Horst: Auf jeden Fall auch ersteres, weil politische Aufklärung oft zugeknöpft und damit unzugänglich wirkt.

Köster: Überspitzt gesagt, weiß man von Politikern oft schon bei der Frage, was und wie sie darauf antworten. Um das aufzubrechen, nutzen wir das Stilmittel der Unterhaltsamkeit.

Van der Horst: Und an Jugendlichen, die sagen, sie hätten erst durch Sendungen wie unser Interesse an Politik gewonnen, sieht man, welche Resonanz wir damit erzielen. Idealerweise schauen die aber natürlich nicht nur uns zur Information, sondern noch richtige Nachrichten. Nur heute-show zu gucken, finde ich schwierig.

Köster: Meine Schwester ist zehn Jahre jünger als ich

Also 17.

Köster: Die Generation TikTok kriegt man nicht zu Frontal 21. Mit etwas Glück regen unsere kurzen Beiträge, von denen viele bei Youtube laufen, sie aber dazu an, sich wenn schon nicht linear öffentlich-rechtlich, dann doch in den Mediatheken zu informieren.

Van der Horst: Dazu passt, dass die heute-show dort seit 13 Jahren erfolgreich und mittlerweile sogar am erfolgreichsten aller ZDF-Formate ist. Wir hatten auch früher als andere einen Facebook-Kanal.

Heutzutage eher cringe als cool…

Van der Horst: Aber ein Zeichen, wie digital die Sendung von Beginn an aufgestellt war, um jüngeres Publikum zu erreichen, das im Idealfall dann sachlichere Informationsquellen sucht.

Was sind denn Ihre Informationsquellen – eher Spiegel oder eher Postillon?

Köster: Wir genießen das Privileg einer Presselandschaft, in der man unabhängige Medien von der Tagesschau bis zur FAZ nutzen kann. Ein Lieblingsmedium hab‘ ich aber nicht. Du, Lutz?

Van der Horst: Ich komme ja noch aus einer Zeit der Papierzeitungen, die schon nicht mehr ganz aktuell waren, wenn man sie beim Frühstück gelesen hat. Da ist mein Spiegel-Online-Abo natürlich praktischer, und gehört zu meinem Morgenritual beim Kaffee. Um plakative Themen mitzukriegen, lese ich sogar die Bild, schaue aber auch gern bei „Postillon“ oder Extra 3 vorbei, wie die welche Themen so aufbereiten.

Köster: Ich jedenfalls bin sehr froh, dass es im Gegensatz zu uns auch noch seriöse Journalisten gibt, die seriös informieren.

Sie bezeichnen sich als Quereinsteiger aus der Comedy-Szene als Journalisten?

Van der Horst: Ich hatte sogar mal einen Journalistenausweis, aber das lohnte sich einfach nicht mehr, weil der eh nie abgefragt wurde und mir die Antragstellung zu aufwändig war.

Köster: In guten Momenten kommen wir an journalistische Tätigkeiten ran, aber am Ende sind wir glaube ich zu sehr Unterhalter.

Immerhin mit einer Redaktion im Rücken, die auch ein Ingo Zamperoni braucht, um bei einer Reportage in die USA vor der Präsidentschaftswahl dekorativ sein Gesicht in die Kamera zu halten…

Van der Horst: Das nehme ich geschmeichelt zur Kenntnis und hole ich mir jetzt wieder einen Journalistenausweis.

Köster: Mit Visitenkarte „Hauptstadtjournalist“.

Sie stammen beide aus der Comedy-Hauptstadt Köln, haben bei „TV total“ angefangen und Studiengänge mit Erwerbslosigkeitspotenzial abgebrochen – sind das drei Einstiegskriterien für deutsche Fernsehhumorkarrieren?

Köster: So hab‘ ich das noch nie betrachtet, aber stimmt: wäre ich nicht in Köln zur Schule gegangen, hätte ich währenddessen auch nicht hier bei der heute-show angefangen.

Van der Horst: Ich bin superdankbar, in Köln aufgewachsen zu sein, weil ich schon immer das machen wollte, was ich jetzt mache, aber niemanden in der Familie mit Kontakten in die Fernsehbranche hatte. Die konnte man sich hier leichter aufbauen.

Köster: Im Grunde musst du nur irgendwo in der Stadt Kölsch trinken und Zack hast du jemanden aus der Comedy-Szene an der Backe.

Van der Horst: Mein Studium hab‘ ich auch nur angefangen, damit ich aus Sicht meiner Eltern was Vernünftiges mache. Als ich dann bei TV total immer mehr zu tun hatte, fiel es mir daher leicht, es abzubrechen.

Wo sehen Sie sich nach jeweils der Hälfte Ihres Lebens als Komiker 2032 – in der „Anstalt“?

Van der Horst: Traumschiff.

Köster: Ich dachte, dein Ziel sei der Fernsehgarten? Wenn du aufs Traumschiff gehst, mach‘ ich aber ein heute-show spezial zur Umweltbilanz der Kreuzfahrtbranche, die sich gewaschen hat, mein Lieber.



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