Krömers Abschied & Kaisers Unschuld

Die Gebrauchtwoche

TV

5. – 11. Dezember

Bob ist tot, Bob, der mir – sorry, für den Ausflug ins Autobiografische – erklärte, dass Schönheit relativ ist und Anderssein bereichernd. Bob, der mit Monstern in Mülltonnen genauso gut konnte wie mit Kindern jeder Art. Bob, ein Erwachsener mit Geduld, aber ohne hohen Zeigefinger. Bob, der vor Herrn Hubers Krämerladen einer Straße aus Sesam durch die Welt reiste und doch auf dem Teppich blieb. Bob McGraw ist tot und hat mich nochmals zu Tränen gerührt – nicht, weil er gestorben ist, sondern weil er gelebt hat.

Dass Christiane Hörbiger zeitgleich mit 85 fünf Jahre jünger als Bob von uns gegangen ist, ging mir zwar nicht so nahe, hat aber eine ähnlich prägende Zeit beerdigt: Die 80er, als der Spross einer großen Schauspielsippe mit den Guldenburgs ebenfalls Fernsehgeschichte schrieb. Und wo wir grad bei Nachrufen mit privater Note sind: Dass der einzig bekennende Trump-Fan im seriösen Hollywood – Kirstie Alley – mit Anfang 70 gestorben ist, nehmen die freitagsmedien eher gelassen zur Kenntnis.

Viel Gelassenheit hätte man auch Chez Kurt Krömer gewünscht, der ein Verhör von Faisal Kawusi erst abbrach und dann versprach, sein Sendungskonzept nochmals zu überdenken, was in der Entscheidung mündete, es ganz zu lassen. Hätte er das mal früher getan, denn Krömers Art Interview hat dem Journalismus vielleicht mehr geschadet als all diese Arschlöcher, denen er Bühnen bot, um darauf häufig das größte zu sein. Also: Tschüss Kurt, du brauchst nicht wiederkommen.

Darauf scheint es derweil auch Donald Trump anzulegen, wo wie er auf seiner eigenen Plattform zum offenen Verfassungsbruch aufrief, was womöglich selbst der treuen Fan-Base Bild zu radikal ist, wo dem schlingernden Chefredakteur Johannes Boie gerade Robert Schneider vom, wie hieß dieses Corporate-Publishing-Blatt der Medizinbranche noch – ach ja: Focus, zur Seite gestellt wird, vorher aber, kein Witz, zum Drogentest muss.

Den mussten Führungskräfte öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten nie machen, sondern hätten sich ARZDF wohl das ein oder andere Nero-Syndrom an der Spitze erspart. Dessen ungeachtet hat ein externer Untersuchungsbericht den NDR vom Vorwurf politischer Einflussnahme entlastet, während der RBB mit Susann Lange das nächste Direktionsmitglied – offenbar mit üppiger Pension – freistellen musste. Apropos Abgang: dass die Kameras nach dem sensationellen Halbfinaleinzug Marokkos zwei Minuten ausschließlich Cristiano Ronaldo statt jubelnder Fans und Spieler zeigte, zeugt davon, wie egal der FIFA Fußball ist.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

12. – 18. Dezember

Und damit zurück zur Realität, obwohl – nee, doch nur zu ihrer Simulation: Vorigen Freitag ist die sechsteilige Doku Harry & Meghan gestartet, von der Netflix wie so oft vorab keine Bilder zur journalistischen Kritik bereitstellte. Vielleicht ja deshalb, weil es gar keine Doku ist, sondern ein mehr als fünfstündiger Werbeclip für zwei wohlstandsverwahrloste Subjekte eines undemokratischen Feudalsystems beim Versuch, sich als Opfer zu präsentieren.

Da steckt ja mehr Realismus in 1883, Serienprequel von Kevin Costners Farmer-Saga Yellowstone, mit dem Paramount+ ab Mittwoch das 38. Westernrevival fortsetzt und fiktional diskutiert, wie die USA ein so waffenstarrendes, gewaltverliebtes Land wurden. Sehr frei legt Sky zwei Tage später auch die Existenz Franz Beckenbauers aus. Im Biopic Der Kaiser darf er sich schließlich mit Charme & Chuzpe durch die ersten 27 Karrierejahre schlawinern, ohne Korruption oder Menschenverachtung im Anschluss zu erwähnen.

Ob die Serienfortsetzung von Sisi bei RTL+ dem kaiserlichen Original zeitgleich näherkommt als die Filme der Fifties bleibt dagegen Spekulation, aber aufregender ist sie schon. So wie die zweite Staffel der Agentenserie Hamilton, ab heute bei ZDFneo. So wie der Real-Crime-Fünfteiler Mord im Auftrag Gottes ab Mittwoch bei Disney+. So wie der KI-Roadtrip All die ungesagten Worte tags drauf bei Lionsgate aka. Starzplay. Und so wie die Fortsetzung der hinreißenden Sky-Serie Die Wespe mit Florian Lukas als Dartspieler sowieso.

Ob das auch für beiden Fitzek-Verfilmungen Auris ab morgen bei RTL+ gilt, darf hingegen bezweifelt werden, denn der Bestseller-Fabrikant sorgt ja doch eher für aufdringliches Fernsehentertainment. Also zum Schluss noch ein Realtipp: Alles ist Eins, außer der 0 (0.20 Uhr ARD), das Porträt vom Chaos Computer Club, vor fast 40 Jahren gegründet in Hamburg.

Advertisement


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.