Pedro Pascal & Richard Gadd

Die Gebrauchtwoche

13. – 19. April

Es ist zwar systemimmanent, aber trotzdem unglaublich: Sechs Wochen, nachdem ein anthropomorpher Buckelwal im seichten Ostsee- und Boulevardgewässer vom Meeressäuger zum Weltgewissen mutierte, schafft er es partout nicht aus der Berichterstattung. Dass die Tagesschau keine Live-Reporterinnen mehr an die Ostsee schickt, muss man da schon fast als publizistischen Teilerfolg werten. Doch abseits davon allerdings dient der gestrandete Meeressäuger unverdrossen als Ablenkung von unserer Destruktivität als Deutsche, Consumer, Spezies.

Auch von der breaking news natürlich, dass gut 1000 Filmschaffende aus den USA gegen die Riesenfusion von Warner und Paramount protestieren. Darunter Pedro Pascal und … ach nee, das reicht ja eigentlich dicke, um der Initiative Nachdruck zu verleihen. Der halt nur leider keinerlei Konsequenzen nach sich ziehen dürfte. Die Multimilliarden der entfesselten Medienoligarchie gehen schließlich nicht dorthin, wo die Moral, sondern der Profit am größten ist.

Auch deshalb erlebt die altehrwürdige BBC zurzeit den größten Kahlschlag ihrer 124-jährigen Geschichte. Mehr als 2000 Vollzeitkräfte – fast ein Zehntel der Belegschaft – fallen einem radikalen Sparkurs zum Opfer, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk Großbritanniens auch deshalb einschlägt, um seine rechtsradikalen Gegner zu besänftigen. Die BBC reißt also selbst am Ast, den Nigel Farages Trolle Tag für Tag ansägen. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Da will der ORF nicht nachstehen und zerlegt sich nach dem Rücktritt von Generaldirektor – wie der Intendant in Österreich heißt – Roland Weißmann fröhlich selbst. Ob an den Vorwürfen sexueller Übergriffe etwas dran ist, wird sich zeigen. Tatsache bleibt, dass auch der ORF aus Angst vor Herbert Kickls FPÖ wie die Piraten bei Asterix das eigene Boot lieber selbst versenkt als auf Gallier zu warten. Und damit zu Tanit Koch, die vorige Woche erstmals das ARD-Magazin Fakt moderierte.

Dank dieser Personalie ersetzt der NDR das rechtspopulistische Faltboot Julia Ruhs also durch ein Gewächs der Springer-Presse und wirft Fragen auf. Etwa: wie verzweifelt man in den Funkhäusern mittlerweile im Angesicht wachsender AfD-Erfolge ist? Verzweifelt genug offenbar für gebührenfinanzierte Kamikazeaktionen, die daran nichts, aber mal gar nichts ändern werden. Im Gegenteil.

Die Gebrauchtwoche

13. – 19. April

Das macht eigentlich gar keine Lust auf Serien wie jene, für die Richard Gadd steht. Mit Rentierbaby sorgte der umgesattelte Stand-upper bei Netflix ja für die Seriensensation des Jahres 2024 schlechthin. Jetzt folgt die nächste Unterhaltungsdystopie, mit der er ab Freitag (jetzt bei HBO-Max) nach eigenem Drehbuch in die Abgründe der menschlichen Hybris eindringt: Half Man.

Sein schottischer Psychopath Ruben hat mit dem Mobbing-Opfer Niall (Jamie Bell) darin eine entschieden unangenehme, lebenslang toxische Beziehung. Bis zur letzten Minute zugleich abstoßend und anziehend, stellt der Sechsteiler damit alles in den Schatten, was dieser Tag noch so startet. Die Neo-Serie Escort Boys um französische Bauern zum Beispiel, die der wirtschaftlichen Not ab Mittwoch mit, tihi, nackten Tatsachen begegnen. Oder den Netflix-Thriller Apex mit Charlize Theron ab Freitag.

Auch die neue Adult-Anime-Serie Kevin um einen habituell mindestens merkwürdigen Kater, bereits heute bei Prime Video. Und natürlich auch die zweite Staffel der drolligen Abenteuer-Reise Mission Unknown ab Mittwoch an gleicher Stelle. Obwohl man Jens Knossale aka Knossi merkwürdigerweise gern dabei zusieht, im Kreise selbstverliebter Influencer an krassen Challenges zu wachsen.

Was ansonsten noch so von größerer Bedeutung ist? Allenfalls noch die Grimmepreis-Verleihung, am Freitag um 22.30 Uhr bei 3sat als zweistündige Zusammenfassung. Mal sehen, wie das Publikum in Marl den Spannungsbogen von der Affäre Cum-Ex über Frank Elstners Lebenswerk bis hin zu Gerry Star beurteilt.



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