Korrespondentendinner & Geisterhäuser

Die Gebrauchtwoche

20. – 26. April

Nein, wir machen an dieser Stelle keinen Witz darüber, welcher Ausgang des missratenen Attentats auf das Correspondents Dinner in Washington wünschenswert gewesen wäre. Selbst El Hotzo hält sich angesichts der vorherrschenden Empathie mit Autokraten diesbezüglich zurück. Aber hätte der Angreifer getroffen, wäre – um in Donald Trumps Duktus zu bleiben – definitiv besseres Fernsehen dabei herausgekommen.

So wundert man sich eher, wie viele all jener Journalistinnen und Journalisten, die ihr Gastgeber im Alltag als Abschaum beschimpft, in Frack und Fummel zum aktuell mächtigsten Feind der Pressefreiheit westlicher Demokratien gekommen sind. Und zwar nicht solche wie, sagen wir: Jan Philipp Burgard. Der hat ja auch bald in Tel Aviv zu tun, wohin ihn die Axel Springer SE trotz diverser Vorwürfe sexualisierter Übergriffigkeiten als Global Reporter über Nahöstliches entsendet hat.

Damit wäre bewiesen, das misogyne Gewalt bei Springers kein Abstiegs-, sondern ein Aufstiegskriterium ist. Ebenso wie bei der FAZ vermutlich. Dessen Autor Stefan Löwenstein nämlich schaffte es, die homo-, queer- und transphoben Gesetze Ungarns in einem Kommentar zu kritisieren – nur, um einen Absatz später homo-, queer- und transphobe Maßnahmen in Deutschland zu fordern. Wie gut, dass es noch körperlich erträgliche Meldungen aus der Medien-Bubble gibt.

Mittwochabend hat die EU-Kommission verkündet, den Kauf von Sky durch RTL zu genehmigen. Und zwar vorbehaltlos. Das ist, bei aller Kritik an kommerzieller Programmgestaltung, eine gute Nachricht für den Fernsehstandort D im Kampf gegen übermächtige Gegner von Alphabet bis Meta. Und war entsprechend Gesprächsthema Nr. 1 bei den Medientagen Mitteldeutschland, die tags drauf in Leipzig zu Ende gegangen sind.

Die Gebrauchtwoche

27. April – 3. Mai

Vor Ort auch ZDF-Intendant Norbert Himmler, der das öffentlich-rechtliche System mit Verve und Herz verteidigt hat. Grundsätzlich zu Recht. Es sei denn, man schaut sich ab Montag die pseudo-empowerte Mediatheken-Farce My Ex an, in der die bemitleidenswerte Quereinsteigerin Palina Rojinski sechsmal 45 Minuten nur drei Ziele verfolgt: sexy sein, Traummann finden und… Ach nee; sind doch nur zwei Ziele einer Art Wirtschafswunderunterhaltung für die GenZ. Auweia.

Und so bleibt es den Streamern vorbehalten, den ÖRR fiktional vor sich herzutreiben. Amazon Prime Video zum Beispiel mit der Serienadaption von Isabel Allendes Geisterhaus, das gut 53 Jahre nach Augusto Pinochets Machtergreifung irritierend aktuell ist – und besonders aus feministischer Sicht jederzeit erzählenswert. Das gilt mit Abstrichen auch für die britische Thriller-Serie Secret Service mit dem emanzipierten Ex-Bond-Girl Gemma Arterten als MI6-Agentin auf der Spur eines englischen Politikers in Putins Diensten, tags drauf bei MagentaTV.

Am Mittwoch dann startet AppleTV+ die ziemlich lustige, weil gut getimte Horror-Comedy Widows Bay mit Matthew Rhys als Bürgermeister einer angeblich verfluchten Insel in Neuengland, deren Bewohner an aberwitzige Gruselgeschichten glauben, die natürlich allesamt Hirngespinste sind. Oder? Und immerhin irgendwie drollig scheint die Dramedy-Serie The Miniature Wife ab Donnerstag bei Sky und Wow zu sein, in der Lindy Littlejon (Elizabeth Banks) auf 15 Zentimeter geschrumpft wird, was die Ehe mit Les (Matthew Macfadyen) vor völlig neue Herausforderungen stellt.



Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.