Was heißt hier Objekt?
Posted: March 15, 2013 Filed under: 6 wochenendreportage Leave a commentSexismus, Brüderle und die Piraten
Eigentlich will sie nur berichten, statt selbst Berichtsobjekt sein. Doch seit die Berliner Spiegel Online-Korrespondentin im im gedruckten Blatt über Sexismus in der Piratenpartei berichtet hat, wurde sie selbst zum Medienthema. Und weil ihr das überhaupt nicht behagte, hat sie sämtliche Interviewfragen abgeblockt. Nur mit dem Branchenmagazin journalist hat sie über den Fall, ihre Beschreibung und die Reaktionen darauf gesprochen. freitagsmedien dokumentieren das kommentierte Reportageinterview hier in voller Länge.
Interview: Jan Freitag
Frau Meiritz, wie ist das Leben einer Journalistin so in Deutschland?
Annett Meiritz: Einer jungen Journalistin, haben Sie vergessen (lacht). Einer jungen, politischen. Eigentlich ist es ein schönes Leben, weil mein Geschlecht – so dachte ich zumindest bis vor einem Jahr – keinerlei Nachteile mit sich bringt.
Das sehen Sie jetzt anders?
Ich sehe es differenzierter. Aber ich beschwere mich nicht über die Arbeitsbedingungen, sondern beobachte, dass Männer und Frauen einfach unterschiedlich wahrgenommen und behandelt werden.
Was Sie im Spiegel auch angeprangert haben.
Das war eher eine nüchterne Zustandsbeschreibung, ich habe meinen Essay bewusst nicht in einem jammernden Tonfall geschrieben.
Essay, Annett Meiritz sagt nicht Feature, Reportage, schlicht Artikel, sie sagt Essay. Ein Versuch also, als dürfe sich die erfahrene Journalistin von 30 Jahren nur mit größter Vorsicht anstelle des fundierten Selbstverständnisses eines Erfahrungsberichts an diesen Anachronismus herantasten: Die Berliner Parlamentskorrespondentin von Spiegel Online wurde zum wiederholten Male Objekt manifester Frauenfeindlichkeit, diesmal allerdings nicht irgendwo, sondern bei ihrem Berichtsschwerpunkt: Den Piraten, diesem Partei gewordenen Nonkonformismus, bei dem strukturelle Diskriminierung via Geschlecht vielleicht als letztes zu vermuten gewesen wäre. Vielleicht ging die Tatsachenbeschreibung aus Ich-Perspektive namens „Man liest ja so einiges über Sie“ ja deshalb unter im Aufschrei über Rainer Brüderles lüsterne Anzüglichkeit, von der ihre gleichaltrige Kollegin Laura Himmelreich gut zwei Wochen später im Stern berichtete. Hier eine frauenfeindliche Verleumdungskampagne, dort ein handfester Übergriff, bei den Piraten also das viral verbreitete Klischee, eine Journalistin auf Informationssuche setze zwingend körperliche Reize ein, beim FDP-Politiker das analog lancierte Vorurteil, vor jeder weiblichen Recherche stehe doch erstmal ein gut gefülltes Dirndl. Doch so verschieden beide Beispiele männlichen Machthandelns wirken mögen – gemeinsam bilden sie eine sexistische Alltagsstruktur, die das Verhältnis zwischen Journalismus und Politik auch im 21. Jahrhundert noch verpestet.
Halten Sie die Verleumdungen mancher Piraten für Ausnahmen oder die Regel?
Die meisten Kontakte zu Politikern aller Parteien sind höflich und professionell. Aber zusammen ergeben die Ausnahmen ein Muster. Man wird als Frau anders behandelt, im Gespräch weniger ernst genommen, sogar, wie in meinem Fall, übers Geschlecht verleumdet.
Was eher subtile Machtmechanismen als greifbare Belästigungen sind.
So scheint es, weshalb Betroffene ungern darüber sprechen. Falls es sich mit Rainer Brüderle zugetragen hat, wie Laura Himmelreich berichtet, ist das ein offener Übergriff. Die meisten Anzüglichkeiten ziehen jedoch ein „Aber“ nach sich, das auf besondere Umstände verweist, mit zwei Gläsern Wein im Spiel und Auslegungsspielräumen.
Willkommen in der Grauzone!
Die ich keinesfalls akzeptiere! Selbst nach einem Parteiempfang an der Bar bin ich Journalistin und der Politiker Funktionsträger. Umso absurder ist es, dass ich auf Veranstaltungen aller Parteien erlebe, wie Journalisten stundenlang mit Politikern beieinander hocken, Witze reißen, vertraulich sind, während uns Journalistinnen verstohlen zugeflüstert wird, ob man sich nicht lieber abseits des Parteitags treffen wolle, sonst gäb’s nur Gerede… Ich finde es unerträglich, dass da für Männer und Frauen ungleiche Regeln herrschen.
Ist das schon handfester Sexismus oder noch strukturelle Ungleichheit?
Da ist der Übergang fließend. Die Verleumdungsmechanismen mancher Piraten fußen auf einem sexistischen Grundverständnis, nach dem Journalistinnen unfähig sind, tiefere Erkenntnisse anders als über körperliche Gefälligkeiten zu kriegen.
Oder auf dem taktischen Kalkül, die Journalistin da anzugreifen, wo sie verwundbar sein könnte.
Darüber habe ich auch nachgedacht, aber letztlich liegt dem wohl doch ein unreflektiert sexistisches Weltbild zugrunde, das bei so einer Partei nur ungleich radikaler publiziert wird. Männliche Kollegen, die ähnlich tief in die Materie eingetaucht sind, bleiben von Vorwürfen der Prostitution oder angeblichen Bettgeschichten ja verschont. Deshalb gibt es Journalistinnen, die im Netz streuen, einen Freund zu haben, um Gerüchten vorzubeugen. Ich glaube, Piraten denken da nicht so strategisch.
Andere Parteien schon?
Zwischen Politiker und Journalist geht es parteiübergreifend um ein Machtspiel: Der eine will nur das Nötigste preisgeben, der andere alles wissen. Mit Männern wird jedoch auf Augenhöhe gespielt, mit Frauen nicht. Da versuchen selbst Minister, die junge Reporterin mit Aussagen über ihr Aussehen zu verunsichern. Das übt keiner abends vorm Spiegel, aber vielleicht beginnen jetzt ja einige, diese Mechanismen zu hinterfragen.
Das wäre an der Zeit, denn Journalismus und Politik sind wie alle gesellschaftlichen Spielfelder jenseits der Kita fest in Männerhand. Ministerien werden bestenfalls dann von Frauen geleitet, wenn sie Frauenfragen verhandeln, und Redaktionen, sofern es darin um die fünf großen „K“ geht: Kleidung, Kosmetik, Küche, Komfort, Kinder, und falls sich all dies ohne Mehraufwand für den zugehörigen Mann vereinbaren lässt: Karriere. Gut 100 Magazine solchen Inhalts werden mit einer Gesamtauflage oberhalb der 20 Millionen gedruckt – gefangen „im Muff der 50er-Jahre“, wie die renommierte Zeitschriftenentwicklerin Bettina Wündrich schreibt. Das perpetuiert nicht nur bestehende Strukturen, es wirkt auch zurück auf den Journalismus, der sich vielerorts beeilte, die Schuldfrage umzudrehen, als die Debatte ihren Lauf nahm. Was daraus wird? Annett Meiritz zuckt mit den Schultern.
Glauben Sie, dass diese Debatte nun wirklich etwas bewegt?
Insofern, als ihre bloße Existenz das Thema neu ins Bewusstsein rückt. Zumal es nicht in einem feministischen Forum anfing, sondern in Qualitätsmedien. Nach kürzester Zeit wurde daraus jedoch eine völlig überdrehte Debatte darüber, was man mit welchem zeitlichen Abstand überhaupt schreiben dürfe.
Um davon gezielt abzulenken?
Es fiel schon auf, wie rasch die Aufmerksamkeit auf journalistische Methoden schwenkte. Der eigentlichen Debatte tat das sicher nicht gut.
Die aber inmitten digitaler Zeiten immerhin mal von alten Medien angestoßen wurde.
Aber ohne das Netz als Brandbeschleuniger hätte sie nie diese Dimension erreicht. Das Ping-Pong-Spiel zwischen klassischen und neuen Medien hat der Debatte allerdings eine besondere Dramaturgie verpasst. Eine Bewegung wie #aufschrei gilt eben nicht mehr als Ansammlung verrückter Twitterer, sondern wird publizistisch ernst genommen. Auch wenn am Anfang eine Journalistin stand, die das auf Papier geschrieben hat.
Ist es bereits ein Zeichen antisexistischer Umtriebe, dass kritische Journalistinnen wie Sie es in Magazinen wie dem Spiegel schreiben dürfen?
Medien machen ihre Arbeitsprozesse zusehends transparent, was dazu führt, dass Journalisten in der Regierungsmaschine twittern, wie die Kanzlerin gerade guckt. Dennoch gibt es weiter geschlossene Räume. Und wenn die Verleumdungen gegen mich in Mails oder Drohbriefen erfolgt wären, hätte ich die auch verschlossen gehalten. Das alles lief jedoch im Netz ab, für alle ersichtlich – da musste ich schon deshalb reagieren, um die Kontrolle nicht zu verlieren.
Was würden Sie denn tun, wenn Ihnen aus dem Bundestag einen Dildo mit der Zeile „Auf gute Zusammenarbeit“ zuginge?
Ich würde zu unserer Rechtsabteilung gehen. Die Zeiten sind Gott sei dank vorbei, da wäre heute jeder Politiker weg vom Fenster.
In den Achtzigern jedoch, als die Anekdote aus Ursula Kossers Buch „Hammelsprünge – Sex und Macht in der deutschen Politik“ geschah, galt ein Dildo im Postfach Bonner Hauptstadtjournalistinnen offenbar nicht als Problem. Nicht für die Absender. Damals waren die Brüderles von heute noch jung und ihre Altvorderen hatten noch Erfahrung mit legaler Züchtigung ungehorsamer Gattinnen, denen sie den Job kündigen durften. Nun mag Diskriminierung sublimer laufen, passé ist sie nicht und äußert sich vor allem in der „gläsernen Decke“. Ein halbes Dutzend von 360 deutschen Tageszeitungen wird von Frauen geführt. Auch die Chefsessel von Zeitschriften, Presseagenturen, Funkhäusern sind extrem männlich besetzt. Angesichts des Überschusses an weiblichem Nachwuchs sind da jene 30 Prozent Führungsanteil, den die Initiative ProQuote fordert, fast bescheiden. Dennoch wäre es ein Quantensprung im Vergleich zu früher. Aber Fortschritte? Annett Meiritz’ Lächeln wirkt ein wenig matt…
Das waren die alten Zeiten, Männerzeiten.
Schon. Aber auch wenn die alten Herrenzirkel aussterben, bleibt deren Prinzip kumpelhafter Vertraulichkeit am Leben. Ich war gerade zu Beginn meiner Karriere oft fassungslos, wie oft bei Journalistinnen das Geschlecht thematisiert wird. Frauenfeindlichkeit wird also nicht abgeschafft, sondern subtiler.
In Ihrem Essay deuten Sie an, diese Art Frauenfeindlichkeit sei sogar schlimmer als der Oldschool-Sexismus eines Rainer Brüderle?
Sie sind schwerer erkennbar. Aber der Effekt beider Mechanismen ist gleich, nur die Vermittlungsebenen sind andere.
Die FAS schreibt dazu, wer sich auf das Spiel von Nähe einlässt, darf sich über die Folgen nicht beklagen…
Dem stimme ich insofern zu, als man auf der halbprofessionellen Ebene an der Bar mit halbprofessionellen Ergebnissen rechnen muss. Dennoch gehört es zum Berufsverständnis von Politikern wie Journalisten beiderlei Geschlechts, in jeder Situation respektvoll miteinander umzugehen.
Wobei Sexismus ja auch ein bisschen mehr als halbprofessionell ist…
Absolut. Aber nur, weil mir eine blöde Anmache drohen könnte, kann ich mich der inoffiziellen Seite meines Berufes nicht entziehen. Es mag ja fraglich sein, was das übliche Gelage vorm Dreikönigstreffen der FDP journalistisch bringt, aber als Menschen lernt man einen Politiker nicht nur zwischen 8 und 17 Uhr kennen. Und viele meiner Informationen über die Piraten hätte ich auf rein offiziellem Weg kaum gekriegt. Deshalb bin ich dankbar für jedes Gespräch abseits steriler Büros oder Pressekonferenzen, wo man ohne Zeitdruck, ohne Formalitäten stundenlang über alles Mögliche, vor allem aber Politik reden kann. Wichtig ist nur, dass man vertraulich-professionelle Nähe nicht mit Freundschaft verwechselt.
Glauben Sie, dass diese Art Nähe jetzt in Distanz umschlägt?
Ich merke schon jetzt bei einigen Piraten, dass ein neues Bewusstsein entsteht, wie angreifbar sie ihr Handeln machen kann. Aber das ist ja erstmal positiv, kann allerdings auch zu weit führen. Wenn ein Wolfgang Kubicki sagt, er steige nun mit keiner Journalistin mehr ins Auto, klingt das, als würden Männer im Kontakt mit Frauen ihr Gehirn abgeben. Falls ich zu einem Politiker ins Auto steige, will ich über ihn berichten, wofür ich auch weiterhin mit Politikern an Hotelbars sitzen werde.
Als Laura Himmelreich kürzlich von einer Hintergrundrunde berichten wollte, war sie selbst Gegenstand der Berichterstattung. Hat das Ganze auch Ihre Arbeit verändert?
Nein, ich stand ja nie so im Fokus wie Laura Himmelreich. Ein Kollege sagte gerade zu mir, wir müssen aufpassen, stets Beobachter zu sein, nie Akteure. Insofern war der Essay das Maximum dessen, was ich mit mir als handelnde Person verfasst habe. Die anschließende Debatte kann ich sehr gut von mir abstrahieren.
Sie sind als Objekt austauschbar.
Was heißt hier Objekt? Ich nehme mich da nicht wichtig, auch wenn ich den Anstoß gegeben habe.
Tragen Sie denn auf Terminen nun lieber Hosenanzug als Etuikleid?
(lacht)
Im Artikel ärgert sich Annett Meiritz, dass Kleidung, Auftritt, selbst der Gesprächsort ständiges Abwägen möglicher Folgen erfordert. Die Frage, ob sie Hosenanzug oder Etuikleid trage, sei da keine von Stil und Wetter, sondern strategisch. Hier, im futuristischen Spiegel-Haus am Rande der Hamburger Speicherstadt, trägt sie Kleid und Keilabsätze, sie ist überhaupt recht feminin, mit langem Haar und offenem Lachen, bei dem oft eine Braue hoch rutscht. Wobei – wären solche Äußerlichkeiten überhaupt der Rede wert, wenn Annett Meiritz ein Mann wäre? Aber dann wäre ohnehin vieles anders, dann ginge ihre Chance auf eine Ressortleitung abseits des Lifestyle-Segments gegen Null, von höheren Aufgaben ganz zu schweigen. Dabei ist die gebürtige Schwerinerin exzellent ausgebildet: Studium der Geschichts- und Medienwissenschaften in Düsseldorf, Volontariat an der Berliner Journalistenschule, Politikredakteurin bei Spiegel Online mit Mitte 20, unterbrochen von einem Jahr Australien und Neuseeland, bis sie 2012 ins Parlamentsbüro wechselt, wo sie neben den Piraten gern über digitale Themen schreibt. Über Mode schreibt sie nie.
Ein gewisser Dresscode ist Teil der professionellen Verantwortung; man würde ja auch keinen Kollegen ernst nehmen, der in Shorts zum Interview kommt. Aber als ich gemerkt habe, dass ich zu Politikergesprächen meist Hosenanzug trage, fragte ich mich: warum eigentlich?
Um sich in einer Männergesellschaft mit deren Uniform zu panzern?
Und sich so unangreifbar zu machen – vielleicht. Inzwischen mache ich mir darüber aber keine Gedanken mehr.
Als bekannt wurde, dass Laura Himmelreich nach dem Abend mit Brüderle noch mehrfach mit ihm ins Auto gestiegen ist, wurde ihr Ressortleiter kritisiert, dass er sie nicht vor ihm geschützt hätte.
Ich kenne Laura Himmelreich und habe nicht das Gefühl, dass sie ein Opfer ihrer Chefredaktion oder Ressortleitung ist. Sie hat stets selbstbewusst gehandelt.
Haben Sie selbst sich in Ihrem Beruf je schutzbedürftig gefühlt?
Nie, ich war höchstens mal perplex, wenn versucht wurde, mich über Äußerlichkeiten zu verunsichern. Aber nach einer irritierten Sekunde ging es stets weiter. Was mich daran ärgert, ist dass ich mein Verhalten stets reflektieren soll, nur weil es andere mit ihrem nicht tun. Es ist doch nicht meine Aufgabe, den Gesprächspartner zu erziehen. Sicher setze ich Grenzen; diese Souveränität ist eine Kernkompetenz jeder modernen Frau. Aber die Debatte hat sich viel zu viel vom Handeln der Männer zur Reaktion darauf verlagert. Dabei ging es ums alte Sandkastenspiel: wer hat angefangen? Das ist die falsche Debatte.
Die richtige wäre eine umfassende darüber, wo Frauen überall von Sexismus betroffen sind. Der reicht vom altväterlichen der Generation Brüderle über den subtilen der Generation Piraten bis zum selbstbestimmten der Generation Heidi Klum. Ist Ihnen einer davon besonders zuwider?
Schwer zu sagen. Ich empfinde weibliche Nacktheit im öffentlichen Raum zum Beispiel weit weniger problematisch als soziale Abhängigkeiten oder berufliche Nachteile wegen des Geschlechts.
Nennen Sie sich trotz dieser Einschränkung Feministin?
Nein, auch wenn ich viele feministische Forderungen unterschreiben kann. Die Debatte hat mich zwar wacher gemacht, Feministinnen von Alice Schwarzer bis Charlotte Roche zeigen aber, dass Feminismus zu viele Gesichter hat, um den Begriff einfach zu übernehmen. Außerdem mag ich keine Etiketten.
Auch nicht solche wie „Femizissmus“, mit dem die englische Kolumnistin Charlotte Raven das neue weibliche Selbstbewusstsein narzisstisch, also körperbetont unterfüttert. In dieser Atmosphäre lassen sich Frauen bei „Germany’s Next Topmodel“ fröhlich zu Projektionsflächen männlicher Begierde zurichten, sind im Showfernsehen ohnehin in flachen Schuhen undenkbar, schmeißen in der Reklame dazwischen dennoch den Haushalt allein, und während selbst seriöse Magazine wie der „Stern“ Frauen auf dem Cover nur sexy dulden, illustrierte der „Spiegel“ das Titelthema „Dick durch Stress“ natürlich – mit einer Frau. Dass beide Magazine seit jeher nur Männer übers Vorzimmer der Chefredaktion hinauskommen lassen, ist Teil einer Schuld am Zustand, die nur wenige als solche anerkennen.
Die Piraten haben Sie umstandslos um Entschuldigung gebeten. Nehmen Sie die an?
Ich nehme sie zur Kenntnis. Es geht schließlich nicht um eine persönliche Auseinandersetzung zwischen der Partei und mir.
Freuen Sie sich denn auf die nächsten Hintergrundgespräche?
(lacht) Ja. Klar. Ich schreibe auch weiterhin gern über die Piraten.
aus journalist 2/2013
7 Fragen an … FDF-Sprecher Joachim v. Gottberg
Posted: March 13, 2013 Filed under: 3 mittwochsporträt Leave a comment
“Geschlechtsteile in erregter Aktion”
Joachim v. Gottberg, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), über pornografisches Fernsehen und sexistische Topmodelsuchen
Fragen: Jan Freitag
freitagsmedien: Gab es in früheren Jahren mehr oder weniger Beanstandungen von Programmen mit vermeintlich pornografischem oder anders jugendgefährdendem Inhalt als im Jahrzehnt zuvor?
Joachim von Gottwald: Es gab Ende der 90er Jahre ca. fünf Beanstandungen bei Premiere und drei bei DF 1. Es ging dabei darum, dass nach Ansicht der damaligen HAM die FSF bei ihrer Freigabe zu großzügig gewesen sei.
Welche Sender verbuchen diesbezüglich die meisten Beanstandungen bzw. Publikumsklagen?
Das Publikum beschwert sich bei expliziten Sexfilmen selten. Zu Beate Uhse TV bekommen wir eher Beschwerden, warum so viel geschnitten ist und nicht mehr gezeigt werden darf. Aber insgesamt sind die Sexprogramme sehr viel weniger geworden. Beschwerden gibt es es eher bei normalen Spielfilmen oder bei Serien, in denen Geschlechtsverkehr in der dort üblichen Form gezeigt wird, vor allem im Tagesprogramm oder Hauptabendprogramm.
Gibt es aus Ihrer Sicht eine Veränderung im Programmangebot – wird weniger expliziter Sex gezeigt?
Es wird insgesamt weniger gezeigt, was aber an der Spezifizierung der Programme liegt. Wer viel sehen will, der bekommt im Internet alles geboten. Das hat Rückwirkungen auf das Fernsehen.
Ab welchem Grad sexueller Darstellung wird ein Format sendeuntauglich oder beanstandenswert?
Wenn es die Grenze zur Pornographie überschreitet. Die Definition ist nicht ganz einfach. Praktisch spielt eine Rolle, wie weit die Kamera geht – also ob sie den Sex nur andeutet oder ob die Geschlechtsteile groß in erregter Aktion gezeigt werden. Letztlich geht es aber um das Bild von zwischenmenschlicher Sexualität.
Inwiefern?
Wenn Sex verabsolutiert wird und der Lustgewinn zwischenmenschliche Beziehungen dominiert, der Mensch also völlig austauschbar ist, dann spricht man von Pornographie.
Welche Formate wurden diesbezüglich zuletzt beanstandet?
Das waren Softsexfilme, die so an der Grenze waren.
Wie verhält es sich mit subtileren Formen sexueller Zurschaustellung wie Germanys Next Topmodel. Schreiten Sie in solchen Fällen ein, falls ja: warum, falls nein: warum nicht?
In der Tat sind solche Formen unter den Gesichtspunkten des Egos und des Weltbildes relevanter. Allerdings bewegen sie sich in einem gesellschaftlich adäquaten Rahmen, so dass wir wenig damit erreichen würden, gegen ein Format vorzugehen, das letztlich im Mainstream liegt. Das kann man mögen oder nicht, aber Jugendschutz darf keine Geschmackszensur ausüben.
“Toll, toll, super-toll”
Posted: March 9, 2013 Filed under: 6 wochenendreportage 1 Comment
Das neue Peer-Gefühl bei Neon
Hip, hipper, Neon – das G+J-Magazin hat auch nach zehn Jahren mit dem Ruf ewiger Sorglosigkeit der Generation Facebook zu kämpfen. Jetzt hat es auch noch ein neues Führungsduo, das noch besser zur Zielgruppe passt als die ergrauten Köpfe von einst. Könnte man meinen.
Von Jan Freitag
Eigentlich müsste es hier anders zugehen. Stelzbeinige Beardos mit karierten Flanellhemden sollten melancholische Musik trüb dreinblickender Singer/Songwriter hören und dabei ohne zu lächeln diffuse Gedanken in ihre iPads tippen, während bunt bemützte Omakleidträgerinnen mit riesigen Fensterglasbrillen lachend ihre Jutebeutel vergleichen, statt dem Sinn des Lebens ernstlich Substanz zu verleihen. Die Clubmate am Mund würden sie zu Füßen chaotischer Schreibtischattrappen beim Plaudern aufs Smartphone starren und alles Mögliche tun, nur nicht arbeiten.
Eigentlich müsste es hier also aussehen wie die Welt in den Hotspots da draußen, der diese Redaktion Monat für Monat den Hochglanzspiegel vorhält. Eigentlich. Doch dann sitzt dieser blutjunge Zeitschriftenveteran Patrick Bauer in gedeckten Blautönen vorm gewöhnlichen Computer und grüßt klassisch per Handschlag. Doch dann tritt das zweite Glied der neuen Chefredaktion dazu und auch Vera Schroeder sieht mit simpel gestreiftem Pulli, adrett geknotetem Schal und sichtbar wachsendem Babybauch so wenig nach Neo-Hipster aus wie das Industriegebiet unterm Bürofenster der Neon. Statt Szenecafé und Applestore presst sich ein Lidl in die grauen Betonschluchten ringsum. Maxvorstadt, Schanze, Friedrichshain – die angesagten Szeneviertel der Republik scheinen hier, ein paar Lichtjahre östlich der Münchner City, weiter weg als das Heft der zwei frischen Führungskräfte vom Ruf, ernsthaft zu sein.
Selber Schuld.
Denn als das Zeitgeistblatt mit dem kühlen Namen der ermüdeten Technoära im Juni 2003 das Licht der Kioskregale erblickte, stand das Motto fröhlicher Adoleszenzverweigerung gar im Untertitel: „Eigentlich sollten wir erwachsen werden“. Das klang weniger nach echtem Journalismus als Zielgruppenbespaßung einer Klientel, die den pappeflachen Neunzigern entsprungen vor allem dreierlei wollten: Fun, Fun, Fun. Die Latte der Seriosität lag also von Beginn an tief. Selbst als das Hamburger Mutterschiff Gruner + Jahr seinem Ziehkind 2010 per Verlagsmitteilung in die Münchner Dependance dekretierte, es sei nun doch langsam erwachsen, fühle sich „dafür aber eigentlich noch zu jung“, wollte der Ruch des Berufsjugendlichen nicht recht weichen.
Aber war das nicht schon immer ein Missverständnis? Glaubt man den neuen Verantwortlichen, wollte die NEON, ganz selbstbewusst in Versalien geschrieben, zwar irgendwie jugendlich sein, aber nie infantil, stilistisch lässig statt inhaltlich lax, der gut gelaunte Seismograph urbaner Lebenswelten, mehr aber noch ein „Unisex-General-Interest-Magazin für Frauen und Männer zwischen 20 und 35“, wie es hausintern heißt – so juvenil, so erwachsen wie ihre neuen Chefredakteure. Also nicht vollends. Und ganz schön.
Denn das letzte Heft des vorigen Jahres wurde erstmals von Blattmachern verantwortet, die der Zielgruppe wieder etwas näher sind als ihre ergrauten Vorgänger Timm Klotzek und Michael Ebert. Mit seinem Abgang zum SZ-Magazin macht der Doppelthinktank schicker High-End-Publizistik somit Platz für den Nachwuchs, eben Schroeder plus Bauer. Allein – die neuen Ersten wirken bei aller Frische bisweilen, als hätten sie die Jahre jugendlicher Unbedarftheit übersprungen. Dafür reicht ein Blick in zwei außergewöhnliche Berufsbiografien.
Vera Schroeder, geboren am Standort, weist mit 36 Jahren eine extrem steile Laufbahn auf. Nach Politikstudium und Diplom an der Deutschen Journalistenschule, nach eigenem Pressebüro und diversen Praktika führte sie das vorerst letzte als freie Autorin im Sound der geplatzten Dot-Com-Blase zum antizyklischen Start-up Neon, dem sie ab Ausgabe zwei Texte schrieb. Schon das war trotz einjähriger „Orientierung“ und „viel Interrail“, wie Schroeder in ihrem Übergangsbüro voll riesiger Neon-Fotos, aber frei von persönlichem Schnickschnack erzählt, ein Karrieretempo am Anschlag. Könnte man meinen. Doch erst dann nahm die versierte Snowboardfahrerin richtig Fahrt auf: 2006 Redakteurin, 2009 Eintritt in die Chefredaktion, 2012 deren Übernahme, ein Zielschuss in Drei-Jahres-Schritten, immer im roten Bereich.
Doch kein Vergleich zu Patrick Bauer. Seine 29 Jahre sieht man dem Stuttgarter noch an, seine Hetzjagd an die Spitze nicht. Auch ihn führten freie Geschichten für Neon nach der Berliner Journalistenschule direkt in die Leitungsebene. Stets im Gleichschritt mit seiner Mitchefin – nur, dass ihm dabei offenbar weit weniger Zeit blieb für Suche und Bahnreisen. Umso bemerkenswerter, dass beide bereits ein Kind haben. Nicht gemeinsam, versteht sich. Auch wenn sie seit Jahren das Büro teilen und auch privat befreundet sind.
Schröder und Bauer sind also Speedkletterer wie die Huberbuam, nur nicht am Berg, sondern im Business. Da ist man als Anfangsvierziger im Prekariat der Freiberuflichkeit fast erleichtert, beim faltenfreien Patrick mit Britpopfrisur und Sechstagebart die Yps auf dem ungeordneten Schreibtisch zu entdecken. Doch wie er den Retromüll für große Jungs mit spitzen Fingern anfasst, um zu beteuern, so was schon früher nie gelesen zu haben und auch die Wiederbelebung nicht zu verstehen, merkt man: hier herrscht doch kein Spieltrieb im Büro. Alles Arbeit, Führungsarbeit jetzt.
Und das gleich in Doppelfunktion. Denn wie bei G+J üblich, sind Neon-Bosse auch fürs Magazin trendbewusster Eltern namens Nido zuständig, das seit 2009 auf einem Flur in geteilter Redaktion entsteht. Ein Heft für jene, die Neon qua eigener Fortpflanzung entwachsen scheinen, mit mehr Leserinnen und engerer Dramaturgie. Doch das Grundgefühl, protestiert Vera Schroeder, deren erstes Kind fast schulpflichtig ist, sei gleich: Es gehe darum, Eltern zu sein, ohne als Individuum zu verblassen. Klingt nach Neon-Lesern ohne Windeleimer. Klingt aber auch nach den Leitern beider Blätter, die mit etwas Make-up und Licht locker die Pärchen der aktuellen Titelbilder ersetzen könnten. Thema: „Sind wir ein gutes Paar?“ hier, „Hat mich mein Kind verändert?“ da.
Die Antwort lautet: zweimal Ja. Denn als Duett funktionieren Schroeder und Bauer seit jeher am besten. Und ihre Babys, zwei Anzeigenmagneten für insgesamt 370.000 Käufer, die sie praktisch von Beginn an gestalten, haben aus zwei Journalisten Führungskräfte gemacht. Schon alles „straight“ gelaufen, erklärt Vera Schroeder im Deutsch ihrer Kunden, die aber mittlerweile auch geradliniger sind, wie sie betont. Zwanzigjährige von heute seien eben anders aufgewachsen als in den Flegeljahren der Neon. „Die Krise ist ein Dauerzustand“, das mache viele ernsthafter, zielorientierter, eben straighter als eine Generation zuvor. Die neue sei also in der Tat erwachsen geworden, „will aber weiter Spaß haben“, assistiert Patrick Bauer. Er spüre da ein neues Bedürfnis nach Ernsthaftigkeit, Orientierung. „Das bedienen wir.“ Und zwar auch unterhaltsam, vor allem jedoch informativ.
Denn in Zeiten ständig wachsender Komplexität, schildert Vera Schröder das Gros ihrer knappen Million Leser, in deren WG-Küche eins von 233.421 Verkaufsexemplaren liegt, sei das „leicht überhebliche ‚Weiß ich ja eh schon alles’-Gefühl der frühen Nullerjahre einem selbstbewussten ‚Ich will das Verstehen’-Gefühl gewichen“. In dieser Mixtur konkreter Überforderung, diffuser Ängste bei unverändertem Spaßbedarf sei Neon, pflichtet ihr Schreibtischkumpel bei, „der interessante, informierte, humorvolle Mitbewohner, der Dinge auch mal grundsätzlich erklärt“.
Zum Beispiel Europa: vertracktes Thema, nicht allzu lässig, aber irgendwie drängend. Patrick Bauer blättert laut im ersten Heft, das die neue Doppelspitze ohne Hinzutun der Gründerväter gestaltet hat. Nach der Startumfrage (Was wird deine nächste große Investition), einem grafischen „Baum der Erkenntnis“ (Soll ich heute aufstehen), dem prominenten „Soundtrack meines Lebens“ (von David Kross) und zwanzigmal „unnützes Wissen“ (zu Gott und der Welt), nach all den coolen Ichduwir-Standards zum Aufwärmen folgen nämlich „fünfzehn Ideen für ein besseres Europa“, die Tobias Moorstedt und Jakob Schrenk zwischen hedonistisch und seriös, der sanften Forderung zur Abschaffung des ESC und harten Fakten griechischer Entbehrungen auflistet.
Es ist die neon-typische Form nutzwerten Infotainments zweier Posterboys mit dünnem Schlips und Popperscheitel, die den sorglos-fröhlichen Protagonisten der Bildstrecke nicht nur altersmäßig näher sind als manchem Kollegen der Konkurrenz. Dennoch könnte ihre Aufbereitung so ähnlich auch andernorts stehen: in Zeit– und SZ-Magazin, womöglich Spiegel oder Cicero und (hoffentlich!) bald wieder der Vanity Fair. Mit anderem Einstieg, räumt Patrick Bauer ein, aber eben doch mit dieser heiteren Nonchalance im Entspannen ernster Sujets. Und da ist noch nicht mal von der nachfolgenden Dokumentation haarsträubender Fälle die Rede, in denen deutsche Gerichte rechtsextreme Schwerverbrecher laufen ließ… Oder von der Nido-Story über den Versuch, im windellosen China Pampers zu verkaufen.
Das ist schnörkelloser Zeitgeistjournalismus, nur besonders spannend layoutet. Erst im Abschnitt „Fühlen“, der die Emotionssuche multioptionaler Großstädter gar nicht so fern von Dr. Sommer begleitet, wird es so launig wie nirgends sonst im Segment. Hier – zwischen Partnerschaftsanalysen und Singleleiden, Wäschetests und Schulerinnerungen, Weihnachtsgeschenken für Individualisten und Reisetipps mit Smartphone – beginnt der wahre Lifestyle. Auch wenn ihn Patrick Bauer lieber mit „Lebensgefühl“ umschreibt.
Denn das englische Wort klinge, „als würden hier alle Röhrenjeans tragen“, meint der Endzwanziger in der milder modischen Chinohose. Man spürt an der Körperspannung, wie ihn die Vorurteile vom „Magazin für Berliner Latte-Macchiato-Trinker“ nerven. Wie ihn der wohlfeile Mythos vom „Wir-Modus“ mit dauerndem Ich-Einstieg stört, den nicht nur taz genährt hat. Und tatsächlich mögen viele der 180 Seiten Neon und 40 weniger bei Nido durch ständige Personalpronomen das Peer-Gefühl stärken. Doch besonders erstere hat sich weiterentwickelt; sie ist ernster, sachlicher, klüger als früher und gleicht darin der Hamburger Band Tocotronic, die Anfang der Neunziger in Trainingsjacken sang, Teil einer Jugendbewegung sein zu wollen, während sie doch längst deren Rolemodel war.
Aber Rolemodel wollen sie nicht sein, die Neuen, Lifestyle schon gar nicht, lieber „lebensweltlich“, ein Lieblingswort beider. Die Angst, unernst genommen zu werden, ist riesig. Vielleicht ist es eine Altersfrage, vielleicht eine der Bürde des erfolgreichsten Magazinstarts diesseits dämlicher Konsumgörenbespaßung à la Instyle der letzten zehn Jahre. Ganz gewiss aber ist es eine Luxusposition, dies in einem so erfolgreichen Magazin tun zu dürfen.
Vor dem allerdings hat das neue Führungsduo mehr Respekt als nötig. Denn wer ihm eine Weile zuhört, dem sausen die Ohren vor all dem Lob für „tolle Vorgänger“, denen mit einer „tollen Truppe“ in „toller Atmosphäre“ ein „wirklich tolles Heft“ gelungen sei, das man nach dem Wechsel in „tollen Runden“ als so „super dastehend“ vorgefunden habe, dass allenfalls an „Stellschrauben“ zu drehen sei, wie Bauer gern sagt. Denn wann, „wenn nicht zu Beginn unserer Amtszeit sollten Vera und ich eine eigene Handschrift in die Hefte bringen“. Als „erfolgreichstes junges Magazin in Deutschland“, müsse man schließlich „textlich wie optisch überraschen“. Man werde also in „zwei, drei Ausgaben kleine Veränderungen erkennen“, fügt Vera Schroeder hinzu, die keine Quotenfrau sein will und dafür (natürlich) der tollen Verlagsspitze in Hamburg dankt. Hier mal eine neue Kolumne, da mal eine Extrarubrik, nichts Großes, weder bei Nido noch bei Neon. Stellschrauben.
Und warum sollte man auch die Produkte zweier Risikospieler umwälzen, die inmitten veritabler Medienkrisen derart lukrative Magazine lancierten. Erfolg macht sexy. Dennoch verstört es leicht, dass die Exchefs in den Erzählungen der aktuellen quasi zu Helden demokratischer Gruppenanleitung stilisiert werden, während branchenintern schon mal von strikter Hierarchie, Tendenz Despotie im Erdgeschoss des Münchner G+J-Hauses erzählt wird. Andererseits spricht es für die Neuen, lieber sich als andere in die Pflicht zu nehmen. Da ist viel von „Team“ die Rede und, klar, den „tollen Leuten“ darin. Mit denen will man den „ständigen Veränderungsprozess fortsetzen“ (Schroeder), also „auch bewährte Inhalte immer wieder neu diskutieren“ (Bauer), um sich „für die Leserschaft zu erneuern, statt mit ihr zu altern“ (beide mehrfach).
Ein kleiner Gang durch die Gemeinschaftsredaktion – links Text, rechts Optik – zeigt die Atmosphäre, in der dies fortan geschieht. Da befassen sich die Nutzwertinfotainmentreporter im Flursofa dann doch mal eher mit ihrem iPhone als Europa, Nazis, harten Fakten und kriegen dafür doch ein lockeres Lachen der neuen Chefin. Vera. Die machen das schließlich schon, jeder sei hier „klassischer Reporter und konzeptioneller Denker“ in einem. Dazu bedarf es kreativer Freiräume.
Dass sie und Patrick Bauer, diese leidenschaftsgetriebenen Vollprofis in einem Alter, wo manche Leser bisweilen noch auf der Suche nach Sinn sind, dem Konzeptionellen nun mehr Zeit widmen als dem Kreativen, würden beide schon vermissen, natürlich. Und Vera Schroeder, mittlerweile in Mutterschutz, wirkt sogar sehnsüchtiger als ihr jüngerer Kollege. Aber all die druckreif diplomatischen Chefredakteurssätze beider suggerieren doch: Da sind zwei angekommen, wo sie hingehören. Was spielt das Alter da für eine Rolle… Röhrenjeans und Omakleider liegen daheim gewiss trotzdem im Schrank.
7 Fragen an … ZDF-Sprecher Alexander Stock
Posted: March 6, 2013 Filed under: 3 mittwochsporträt Leave a comment
Fragen Sie Pilawa
7 Fragen an Alexander Stock, Sprecher des Zweiten Deutschen Fernsehens in Mainz
Interview: Jan Freitag
Kurz. Ein bisschen kurz angebunden sogar, fast stakkatoartig kurz, aber nicht sinnverkürzt und sogar in der gewünschten Zeit – so antwortet die Pressestelle des ZDF auf die wöchentlichen 7 Fragen der freitagsmedien. Nicht schlecht…
freitagsmedien: Herr Stock, wie viel Gebührengeld kriegt das ZDF im Jahr und was ist mit welcher Summe der größte Posten?
Alexander Stock: 2012 erhielt das ZDF aus den Rundfunkgebühren etwas mehr als 1.720 Mio. €. Das Gesamtbudget liegt bei rund 2.030 Mio. €. Der größte Posten ist mit rund 1.600 Mio. € das Programm.
Wie viel ist das gemessen an der Durchschnittsquote des Monats Februar pro Zuschauer?
Das ZDF war im Februar – wie schon im gesamten letzten Jahr – das meistgesehene TV-Programm in Deutschland. Den Beitragszahler kostet das Gesamtangebot inklusive Digitalsender, Partnerkanäle und Onlineangebote im Monat 4,37 €.
Warum sollte diese Frage eigentlich keine Rolle spielen?
Die Frage – vielleicht ein wenig anders formuliert – nach der Leistung, die die Gesellschaft für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erhält, ist absolut berechtigt.
Warum geht Jörg Pilawa zurück zur ARD und was bedeutet das fürs ZDF-Entertainment?
Das müssen Sie ihn fragen. Das Angebot der Kollegen scheint in irgendeiner Hinsicht attraktiv gewesen zu sein. Und zur Bedeutung: Es gibt neue Chancen für neue Köpfe und neue Formate.
Was genau spricht gegen Roche & Böhmermann im Hauptprogramm des ZDF?
Eigentlich nichts. Das war geplant, ist aber daran gescheitert, dass Frau Roche aufgehört hat.
Was noch mal gegen einen Fortbestand von ZDFkultur?
Die dem ZDF auferlegten Zwänge zu Einsparungen und Personalabbau, leider.
Und warum kriegt Katrin Bauerfeindt keine eigene Sendung zur Primetime im Zweiten?
Unter anderem, weil dort alle Sendeplätze belegt sind.

