Kotzkontrolle

fragezeichen_1_Wer sich rein filmisch erbricht, hat es gut: von ermüdendem Würgen keine Spur, stattdessen nur ein Strahl, fertig ist die Lache. Beneidenswert. Und merkwürdig.

Wenn es doch so einfach wäre wie in Film und Fernsehen: Unwohlsein? Übelkeit? Magen-Darm-Probleme? Dann ab auf Klo, Klappe hoch, Kopf drunter – und nach nur einem Stoß ist alles vorbei. Zu schade, dass die Realität völlig anders aussieht: Wem übel ist, so übel, dass alle Dämme zwischen Hals und Bauch brechen, hängt gemeinhin halbe Ewigkeiten über der Schüssel, und das nicht nur einmal, sondern immer und immer und immer wieder bis tatsächlich nur noch ein Stoß kommt, Stunden nach dem ersten. Keine schöne Sache.

Und somit der trifftigste Grund, warum uns visuelle Medien den Anblick rechtschaffenden Erbrechens selbst in recht rüden Splatterfilmen tendenziell ersparen – andernfalls ist die Altersfreigabe unter 16 schnell mal dahin und mit ihr die schönste Einschaltquote. Ein anderer Grund hat dagegen eher technische Gründe. Um den gesamten Mageninhalt nicht nachträglich per Greenscreen ins Freie entlassen zu müssen, muss man optisch mit dem Vorlieb nehmen, was sich umstandslos im Mundraum vorlagern lässt. Das ist zwar in der Regel ein geschmacksneutrales Kotzesurrogat in Kotzekonsistenz, aber eben nicht mehr als ein Doppelkornglas davon, vulgo: ein Strahl. Fertig. Ach hätte das Leben doch Requisiteure.

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