Peter Frankenfeld, Showmaster (100)

Der Gesangsmoderatorenkomiker

Es gab eine Zeit, da waren Showmaster noch Grandseigneure mit guten Manieren. Ihr Pionier wäre heute 100 geworden. Eine kleine Eloge auf Peter Frankenfeld, den ersten und letzten Entertainer alter Schule des alten Fernsehens.

Von Jan Freitag

Fernsehen ist gern ein Spiel mit Zahlen: Einschaltquote, Produktionskosten, Senderumsatz, Werbeeinnahmen – je größter desto besser. Insofern sagt diese Zahl mehr aus als das tollste Attribut: 4000. So viele Menschen gaben vor 34 Jahren Willi Julius August Frankenfeldt das letzte Geleit. Eine gewaltige Ziffer für einen so kleinen Friedhof wie den von Wedel bei Hamburg. Es fragt sich jedoch, ob dieser Massenauflauf nicht doch jemand völlig anderem kondolierte als jenem Will, mit ähnlichem Namen zwar, aber doch unvergleichlich. Er lautet Peter, hintendran mit Frankenfeld, allerdings ohne „t“. Es ist ein Pseudonym, das die junge Republik weit mehr geprägt hat als manch echte mit Geburtsurkundenbeleg.

Auch dazu nur kurz eine Zahl. Sie ist etwas kleiner, aber umso eindrücklicher: 100. So viel Prozent befragter Volksschulabsolventen kannten Ende der Fünfziger den ersten Showmaster in Fernsehland. Elvis Presley brachte es auf einen Punkt weniger, Freddy Quinn, seinerzeit der Star schlechthin, gar nur auf 94. Das sagt einiges aus über Peter Frankenfeld, der heute 100 Jahre alt geworden wäre. Noch mehr aber sagt es was übers Fernsehen von gestern wie heute und jene Menschen, die darin von Bedeutung sind und waren. Denn Peter Frankenfeld, der Mann mit dem karierten Sakko, das die Schwarzweißära des Fernsehens kolorierte als gäbe es das längst in Farbe, er war nicht einfach ein Showmaster; der Handwerkersohn aus Kreuzberg war der Inbegriff des jungen Mediums, auf Sendung seit dem zweiten Tag seiner Existenz, ein TV-Inventar bis tief in die Siebzigerjahre wie heute nicht mal ein Thomas Gottschalk. Geschweige denn Markus Lanz. Oder gar Stefan Raab.

Das hat einen Grund, der sich nicht durch öffentlich-rechtliches Monopol oder die formierte Gesellschaft (West) und sedierte Gesellschaft (Ost) allein erklären lässt. Dass ein Kleinbürger wie dieser, der seine drei sperrigen Vorkriegsnamen sehr weitsichtig gegen das populäre Peter der Nachkriegszeit getauscht hatte, zum Superstar aufstieg, lag ja zu allererst daran, dass Fernsehen mal wirklich alle Generationen des Publikums gleichermaßen erreicht hat. Und dass dies auch sieben Jahre nach Hitler noch immer ein wenig nach Führung verlangte, nach klaren Regeln, klarer Sprache, klaren Sitten, im Entertainment zumal, das damals noch treudeutsch Unterhaltung hieß.

Seit Frankenfeld 1952 (ersatzweise) das NWDR-Potpourri „Eine nette Bescherung“ geleitet und zwei Jahre später mit 1:0 für Sie die Fernsehspielshow erfunden hatte, war der zeitlebens skandalfreie Moderator nämlich alles in einem für Zuschauer aller Schichten, Neigungen, Alterskohorten: Der Conférencier und der Clown, der Zirkusdirektor und der Alleinunterhalter, der nette Onkel und gestrenge Herr, der respektable Opa und freche Enkel. Mit hackenschlagendem Diener begrüßte der fragende wie antwortende Tanzgesangsmoderatorenkomiker sein Publikum und nahm es danach mit guten Manieren und zahmen Witzen in den Würgegriff des Varietés, wie es sonst nur wenige konnten: Hans-Joachim Kuhlenkampff, Lou van Burg, Vicco Torriani, Rudi Carrell und auf ostdeutsche Köpfe verteilt Die drei Dialektiker im Kessel Buntes.

Sie waren nicht nur Händler der leichten Abendunterhaltung von nationalem Gewicht, sondern Grandseigneure gewaltiger Conférencen, in denen sich die Fernsehrepublik ihrer seriösen Heiterkeitsbegabung versicherte. Deshalb erhielt ein Peter Alexander, dessen gleichnamige Show ab 1963 mehr als 30 Jahren lang locker die Hälfte der gesamtdeutschen Bevölkerung vorm Röhrenapparat fesselte, den Goldenen Otto der Bravo ebenso wie die Goldene Kamera der Hörzu. Deshalb schaffte es ein Kuhlenkampff aufs Cover von seriöser und Regenbogen-Presse zugleich. Deshalb galt Frankenfeld bis zu seinem Ausstieg bei Musik ist Trumpf 1978 als idealer Entertainer, der eine Show auch ohne thematische Fokussierung über die Sendezeit brachte.

Heute fehlen dazu nicht nur Typen, sondern auch Formate. Das große Samstagabendallerlei ist nur noch als Einerlei mit Volksmusik präsent, dem zuletzt ausgerechnet eine Frau ziemlich lange, meist ziemlich nackte Beine machte: Helene Fischer, das neue Zentralgestirn am Volksschlagerrumpftatahimmel mit prominentem Freund (Florian Silbereisen) und generationenübergreifender Strahlkraft (dank Dauer-PR via ARZDF). Auch Peter Frankenfeld müsste jetzt wahrscheinlich irgendwas mit Wok oder Wetten moderieren. Er könnte wohl auch das.

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