Kochendheißduscher

fragezeichen_1_Wer in Film und Fernsehen unter die Dusche steigt, füllt das Badezimmer in kürzester Zeit mit Dampf, als läge die Wassertemperatur am Siedepunkt. Merkwürdig

Bei Doktor Mabuse fing alles an. Tief in der schwarzweißen Filmfiktionsära konnte er sich mal unsichtbar machen und wurde erst enttarnt, als sein Widersacher im Badezimmer das Wasser so heiß aufdrehte, dass sich die Konturen des Bösewichtes in den dampfenden Rauchschwaden abzeichneten. Da fragt sich natürlich, ob handelsübliche Hähne seinerzeit zugleich Tauchsieder waren. Denn selbst, wenn wir die Dusche auf Höchsttemperatur drehen, verdampft das Nass nur dann wirklich sichtbar, wenn sie am Polarkreis im Freien stünde.

Merkwürdig.

Und nicht allein mit dem handelsüblichen Visualisierungsbedarf eigentlich unsichtbarer Elemente erklärbar. Selbstredend soll ein heißes Bad auch über Schmerzensschreie hinaus am Bildschirm erlebbar werden. Ebenso wichtig am dichten Zimmernebel ist allerdings der Aspekt des Verruchten. Denn das Diesige im Raum steht in Kombination mit darin befindlichen Körpern für einen gewissen Erotikfaktor. Stichwort: Haut. Stichwort: Schwitzen. Stichwort: Ausdünsten. Stichwort: rrrrrhhhh. Weil man in den wenigsten Duschszenen wirklich alles an den Duschenden sehen können darf, springt der Rauch als Schlüpfrigkeitsverstärker ein. Kochendes Wasser also statt kochender Leidenschaft. Immerhin.



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