Christine Theiss – Kickboxerin & Moderatorin

Beides geht nicht

Fast die Hälfte ihrer 33 Jahre zählte Christine Theiss zu den besten Kickboxerinnen der Welt. Nach ihrem letzten WM-Kampf im Dezember wechselte das neue Sat1-Sendergesicht endgültig ins Fernsehen, wo die schöne Medizinerin ab 8. Januar The Biggest Loser moderiert

freitagsmedien: Frau Theiss, während der Vorbereitung auf Ihren allerletzten WM-Kampf haben Sie nebenbei noch die neue Staffel von The Biggest Loser vorbereitet. War in Andalusien überhaupt Zeit zum Trainieren?

Christine Theiss: Ach, trainieren brauchte ich doch nicht mehr. Nein, Quatsch (lacht), natürlich hab ich da trainiert. Dort gab es sogar die ruhigsten Bedingungen des ganzen Jahres. Wir waren da im absoluten Nirwana, außer mir und meinem Trainer gab es da keinerlei Ablenkung – außer eben den Dreharbeiten. Mit denen hatte ich zwar viel zu tun, aber die Vorbereitung war dennoch um einiges konzentrierter als zuhause in München.

Und was war anstrengender – Drehen oder Trainieren?

Das kann man schwer vergleichen. Training ist morgens und abends je eineinhalb Stunden körperliche Anstrengung, Drehen die sechs, sieben Stunden dazwischen höchste Konzentration im Kopf. Beides fordert auf seine Art und hat auch sonst wenig miteinander zu tun.

Am 13. Dezember haben Sie Ihre Profikarriere also beendet. Bleiben Sie dennoch Kickboxerin oder sind fortan nur noch Fernsehmoderatorin?

Bis zum letzten Gong war ich mit Haut und Haaren Kickboxerin, da war ich voll fokussiert. Seither hat sich mein Leben sehr gewandelt.

Indem sie einen Schalter umgelegt haben und etwas anderes sind.

Ich kann mir da jedenfalls keinen fließenden Übergang vorstellen. Nach diesem Kampf werde ich garantiert eine Weile auch nicht zum Trainieren kickboxen. Auch weil ich den Kopf nach harten Kämpfen frei kriegen muss. Vielleicht mache ich es irgendwann mal wieder just for fun. Aber Freitag heißt es: der Letzte macht das Licht aus und fertig.

Entspricht das Ihrer Mentalität – ganz oder gar nicht?

Nein, das folgt der Vernunft. Mit über 30 habe ich an meinem Körper kleinere Baustellen und wenn ich in Rente gehe, muss ich das nicht vor mir herschieben. Ich könnte nicht von einem Tag auf den anderen mit Sport aufhören; den brauche ich jeden Tag. Aber ich mache diesen hier seit 26 Jahren, die meiste Zeit davon professionell; da kann ich mir kaum vorstellen, ihn ohne Wettkampf zu betreiben.

An welchem Punkt dieser 26 Jahre haben Sie gemerkt, dass das Fernsehen Ihnen eine Perspektive eröffnet?

Als ich 2006 Profi geworden bin, hieß das ja zunächst nicht, Geld zu verdienen, sondern ohne Kopfschutz zu kämpfen. Nur weil das Fernsehen Interesse zeigte, hab ich überhaupt weiter gemacht. Bis vor sechs Jahren dachte ich ja, ein paar Kämpfe noch, dann arbeite ich in meinem studierten Beruf als Ärztin. Denn beides gemeinsam geht nicht, das frisst jeweils zu viel Zeit und Kraft, da wirst du gaga.

So wurden Sie also zum Objekt des Fernsehens, das mit Ihnen im Ring erstmals überhaupt regelmäßig von dieser Randsportart berichtet hat. Aber wie wurden Sie zum Subjekt, das selber berichtet?

Wie die Jungfrau zur Mutter. Ich wurde nach einer Weile als Talkgast präsent, hab die Spielshow Fort Boyard gemacht, ahnte auch irgendwie, dass das was für mich ist, aber nicht, in welcher Art genau. Als mir Sat1 dann vor zweieinhalb Jahren The Biggest Loser angeboten hat, hab ich eher intuitiv ja gesagt.

Als was hat sie der Sender denn angefragt: die schicke Blondine mit der rechten Klebe oder als kompetente Moderatorin?

Als eine Person, die weiß, was es heißt, zu beißen. Die die Mühsal der Gewichtsreduktion kennt und mit den zugehörigen Anforderungen klarkommt. Deswegen war der sportliche Hintergrund zunächst entscheidend. Wenn sich künftige Engagements von diesem Hintergrund lösen, beschwere ich mich nicht.

Allerdings nicht grad in Sendungen, die als Quintessenz gediegenen Fernsehens gelten. Sehen Sie die als Sprungbrett in anspruchsvollere Formate oder bleibt ihr Metier Help TV?

Das klingt so abfällig. Soziale Schichten, die von Übergewicht stärker betroffen sind, erreiche ich nun mal nicht mit einer Doku auf Arte. Dafür kriegen sie bei uns echte Emotionen echter Menschen, mit denen sich die Zuschauer besser identifizieren können als mit irgendwelchen Promis auf anderen Kanälen. An den vielen Zuschriften merke ich, dass wir etwas bewirken und zwar langfristig. So ganz falsch kann das Format also nicht sein.

Aber wem helfen Sie mit einem wie Mein Mann kann neben Oliver Pocher oder einem Abenteuerfilm auf RTL?

Na ja, für Die Jagd nach der heiligen Lanze suchte RTL vor einigen Jahren eine Schauspielerin, die kickboxen kann. Weil es das nicht gab, haben sie sich eben für die Kickboxerin entschieden, deren Text ungefähr zwei Worte umfasst. Und Mein Mann kann ist halt eine Samstagabendshow. Punkt. Ich bin nicht im Fernsehen angetreten, um das Literarische Quartett zu moderieren.

Gäbe es nicht zwischen Trash und Hochkultur nicht noch einen Mittelweg für Sie?

Nichts, worüber ich jetzt schon reden möchte; die Gespräche laufen da noch hinter den Kulissen. Aber an The Biggest Loser hänge ich wirklich von ganzem Herzen. Vielleicht hat das mit meinem Leistungssport zu tun: Auch da arbeite ich projektbezogen auf ein Ereignis hin, den Kampf, wofür man sich monatelang den Hintern aufreißt und dann kommt der nächste.

Als Kickboxerin tragen Sie allerdings ziemlich flache Schuhe. Wo auch immer Sie dagegen im Fernsehen auftreten, sind es sexy Highheels. Biegt sich die Showwelt da eine Oberfläche zurecht?

Überhaupt nicht, das entspricht mir vollends. Tagsüber laufe ich gern in Hundeklamotten herum. Aber was ich beim Laufen mit meinen Hunden anhab, hätte ich auch ohne das Fernsehen nie auf einem Termin oder am Abend getragen. Nur weil ich Sportler bin, trage ich ja nicht die ganze Zeit Jogginghosen. Turnschuhe sind für mich reine Arbeitskleidung. Und wenn ich abends weggehe, mach ich mich wie jede Frau auf der Welt gern schön, auch mit hohen Schuhen, von denen ich sehr viele im Schrank habe. Ich hab doch eine recht ansprechende Figur; wieso soll ich die in einen Kartoffelsack stecken.

Dachte sich auch Sat1, als man Sie dort zum TV-Star aufgebaut hat.

Fernsehen ist halt ein visuelles Medium, weshalb ich dort auch als Sportlerin gut funktioniert habe. Würde ich ausschauen wie die Nacht, hätte ich 2007 aufhören können, da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. Ich hätte darüber hadern können, wie ungerecht das im Vergleich zu Männern ist, habe es aber lieber genutzt.

Warum nutzen Sie es bislang nicht für die Sportmoderation, in die es ja doch die meisten früheren Profis im Fernsehen zieht?

Ich will das nicht ausschließen, versuche aber ja grad Abstand zum Sport zu gewinnen.

Und was machen Sie mit Ihrem Doktor der Medizin?

Keine Medizin jedenfalls. Ich bin mit einem Oberarzt verheiratet und sehe jeden Tag, welchen Belastungen er ausgesetzt ist. Nach sieben Jahren aus dem Beruf bin ich Realist genug, um zu erkennen, dass sich das Rad zu schnell weiterdreht, um darin noch mal Fuß zu fassen. Außerdem hätte ich so viele Kritikpunkte am Krankenhausbetrieb, dass ich daran ständig rummeckern würde. Und privat möchte ich lieber eine Familie gründen, als mich noch mal ein paar Jahre bis zum Facharzt durchzuquälen

Ihr Weg geht also eher Richtung Eckard von Hirschhausen.

Das klingt gut, ich krieg das Hirschhausen-Syndrom.

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