Alexander Duszat – Elton & tja

Mann ohne Eigenschaften

Alexander Duszat kennen nur wenige, sein Pseudonym dagegen schon einige mehr: Elton. Seit einiger Zeit darf der frühere Sidekick von Stefan Raab sogar große Abendshows wie Die Millionärswahl (heute, Pro7, morgen Sat1) moderieren. Chronologie eines seltsamen Aufstiegs

Nun also Münzenflitschen. Alexander Duszat, genannt Elton, hat beim Kinderkanal Pro7 bereits jede Infantilität als Fernsehen verkauft. Er hat sich verprügeln lassen, selbst kasteit und lächerlich gemacht, ausgezogen, abgezogen, zugezogen, er war immer der Mann fürs Grobe ohne Tiefgang. Das ist er auch in Elton zockt, nur ganz allein: Der rundliche Sidekick größerer Namen kriegt bei seinem Haussender die erste eigene Abendshow, macht aber auch dort weiter, wo er scheinbar nie aufhört: Beim Ringelreihen.

Denn wenn er zur besten Sendezeit Geldstücke Richtung Wand schnipst, wird die Ereignislosigkeit erneut zur Essenz privaten Entertainments – mit dem Unterschied, dass seine Kandidaten gegen die Chance auf 100.000 Euro eigenen Besitz von Auto bis Ehering setzen. So viel Geld auf diesem Sendeplatz: Das kann man trotz aller Debilität als Aufstieg des Lilalaunebärs werten, der es von Raabs Praktikanten in zwölf Jahren jetzt einen Buchstaben hinaufgeschafft hat, im Orbit des Star-Rankings.

Und nun also auch noch: Millionärswählen. Erst auf Pro7, ab morgen dann bei Sat1 darf der frühere B-Promi wieder irgendwas Kommerzielles rund um den Kommerz machen, der wie gewohnt im Kommerzfernsehen zugleich gefeiert und verlacht wird. Und weil das immer sein Publikum findet, ist Elton nun noch ein Stück näher am A-Promi, und das wundert ihn selbst am meisten. „Unentwegt sogar“, sagt der Berliner mit Herz in Hamburg und Wohnsitz Köln. Dabei klingt er wie einer, der trotz 18 Jahren Erfahrung mit Kameras noch immer hineinblickt, als sei er zufällig davor geraten. Alexander, pardon: Elton ist nicht so populär, weil ihn irgendwas kennzeichnet wie das PR-Produkt Katzenberger mit ihrer Silikonbräsigkeit; sein Alleinstellungsmerkmal ist dessen vollständiges Fehlen. „Mein Erfolgsgeheimnis heißt Ehrlichkeit“, sagt das Dutzendgesicht mit der Randlosbrille. Ihm ist selbst so eine Plattitüde unbedingt zu glauben.

Denn so sehr er sich auch durch die Raab-Verwertungen von Turmspringen bis Wok-WM hetzen, so viele Pennälerzoten er auch bei Elton vs. Simon über sich ergehen, so peinliche Brachial-Castings à la Die Alm er auch mit sich ausstatten lässt – Duszat ist eines der wenigen Gesichter im Durchlauferhitzer Event-TV, dessen Unbefangenheit glaubhaft wirkt. Als personifizierter Kindergeburtstag für Adoleszenzverweigerer adelte ihn der Wille zur Normalität nicht nur fürs debile Kommerzfernsehen, sondern zum Nachfolger Michael Schanzes, dessen Evergreen 1, 2 oder 3 seit vier Jahren unter Eltons leichter Hand läuft.

Schanze war seinerzeit ein Moderator von internationalem Rang eben weil seine Hingabe für den Nachwuchs kein bloßes Markenzeichen war, sondern echter Leidenschaft entsprang. Wie bei seinem Vorgänger, ist Eltons Beliebtheitsrezept also, sich mit Zuschauern und Kandidaten unbedingt gemein zu machen. Natürlich hätten Typen wie er oder auch Oliver Pocher ein bisschen zur „Verkindlichung“ des Mediums beigetragen, räumt der zweifache Vater freimütig ein. „Aber eigentlich gab’s das schon immer.“ Auch Wetten, dass…? habe ja eine „neue Form der Infantilität ins Abendprogramm gehoben, die sich in den Achtzigern durchgesetzt hat“, Duszat lacht: „Da bin ich nur einer von vielen.“

Und weil er das ist, sorgt seine Präsenz im zappeligen Medienalltag fast für angenehme Beständigkeit: Als einer, der sich trotz aller Mängel an Stimmvolumen, Talent und Handwerk unbeirrt im Fokus dieser Parallelöffentlichkeit zwischen Pro7 und ZDF hält. Der diesem Phänomen in Buchform mit dem Titel „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Zum Glück bin ich keins“ auf den Grund geht. Der wie sein Mentor Raab keinen physischen Schmerz scheut, um dem Publikum die Illusion guter Unterhaltung zu geben. Der durch pure Präsenz auf allen Bühnen televisionärer Selbstentwürdigung Schritt für Schritt „in die Sachlichkeit hochseriösen Fernsehens“ gegangen ist und nun sogar samstagabendtauglich wird.

Selbst eine Episodenrolle im Tatort hält er für denkbar. Zumal in seinem Alter, wo man sich überlegen müsse, „ob man ewig gegen Wände laufen will“. Oder Münzen flitschen. Bei Artgenossen seiner Spezies TV-Kasper würde man jetzt vor Fremdscham zu Boden blicken; Alexander Duszat sieht man da besser fest in die Augen. Einen Elton kriegt so schnell keiner weg vom Bildschirm.

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