Synthiefriday: Kreidler, Elephant

Kreidler

Es ist die wohl größte Transferleistung menschlichen Geistes neben Sprechen und Brotbacken, Geräuschen Struktur zu geben. Seit Abertausend Jahren wird aus dieser anarchischen Kunstfertigkeit Musik. Mit der Digitalisierung des Sounds scheint sich das Verhältnis von Ton und Ordnung jedoch umzudrehen. 1952 etwa synthetisierte Karlheinz Stockhausen analoge Aufnahmen erstmals so, dass sie elektronisch klangen. 1964 optimierte dies der Moog, was Giorgio Moroder 1977 discotauglich machte. Und 1994, als Kraftwerk grad Geschichte waren, gründete sich am gleichen Ort Kreidler. Wie wenige Bands zuvor gossen die vier Düsseldorfer Syntesizing mit klassischen Instrumenten in Tonfolgen, die nur noch mit Phantasie an Lieder erinnerten.  Mit ihrem Album ABC feiert das Quartet nun 20 Geburtstag und das ist doch ein digitales Ständchen wert.

Denn auch auf ihrer 12. Platte schaffen sie es, scheinbar wirre Tonfolgen nach Liedern klingen zu lassen und im selben Moment zu dekonstruieren. So zeigt auch ABC dem Pop fiepsend, knirschend, basslastig, wie viel Tiefgang Geräusche erzielen können, ohne sich als kompositorisch zu erkennen zu geben. Zu blöd, dass der Pop, die ignorante Sau, mal wieder nicht zuhört. So bleibt ABC mal wieder was für elektronische Feinschmecker. Auch gut.

Kreidler – ABC (bureau b)

Elephant

Weniger gut ist es gemeinhin, eine weitere Band aus der Kategorie Synthiedreampop präsentiert zu kriegen. Könnte man meinen. Elephant aber sind eine echte Überraschung. Das Londoner Duo erfindet sein Genre zwar nicht neu, bläst aber eine erfrischend leichte Brise durch die Schwere des Shoegazerwave. Schon das Auftaktstück Assembly ihres Debütalbums Sky Swimming vertreibt mit schönen Orgelflächen und Amelia Rivas’ lässiger Stimme viel Düsternis aus dem Synthetischen.

Auch die anschließenden zwölf Stücke haben aber wie dieses ein kleines Problem: Sie sind irgendwie schon wieder raus aus dem Kopf, sobald die letzte Note verklungen ist. Elephant machen vielleicht etwas zu leichte Musik, um auf der Waage des Lebens Eindrücke zu hinterlassen. Aber manchmal ist so was eben auch einfach ein bisschen egal, wenn man sich für eine Dreiviertelstunde mal zurücklehnen und entspannen kann. Ein zweites Album, diese Prognose ist nicht allzu gewagt, wird sich allerdings kaum grundlegend von diesem unterscheiden. Das erste zu hören lohnt sich aber allemal.

Elephant – Sky Swimming (Memphis Industries)

 

 

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