2 Bier – 1 Platte

Marthe-AbramoAbramowicz & Springsteen 

Bruce Springsteen kennt ja nun wirklich jeder. Seit Jahrzehnten infiltriert der Rock-Star vom Wohnzimmer bis zur Großraumhalle fast jeden Ort der Welt. Damit hat er bei Abramowicz ordentlich Eindruck geschunden, die wiederum kaum jemand kennt. Dabei veröffentlichen die fünf Hamburger demnächst eine äußerst vielversprechende EP und starten sodann ihre erste Tour als Headliner. Zur heutigen Episode von 2 Bier – 1 Platte deshalb eine Leseanleitung: Öffnet den Streaming-Dienst eurer Wahl oder taucht tief ein ins Darknet und genießt beim Lesen dieser wunderbaren Kolumne die durchdringenden Gitarren von Abramowicz.

Interview: Marthe Ruddat

freitagsmedien: Jetzt preise ich euch hier so an und ihr kommt mit Bruce Springsteens The River. Das ist ja wenig überraschend.

Sören: Ich weiß schon, was du meinst. Ich könnte jetzt auch sagen, dass ich irgendeine Band super finde, die mit unserer Musik gar nichts zu tun hat. Davon gibt es auch viele. Aber letztendlich stimmt es einfach, dass wir viel Springsteen hören und das müssen wir auch nicht leugnen.

Nils: Genau. Ich glaube, was Sören auch meint ist, dass man immer auch ein Kind dessen ist, was man hört und mit eben dieser Musik in Verbindung bringt. Springsteen ist für uns auch deshalb so wichtig, weil wir viele emotionale Momente mit seiner Musik verbinden.

Was für Momente sind das?

Nils: Ach, die Verschiedensten. Ich erinnere mich zum Beispiel, wie unser Vater zu Springsteen Luftgitarre gespielt hat und ich mich immer gefragt habe, was mit ihm nicht stimmt. Oder auch einige Familienausflüge zu Konzerten von Bruce Springsteen, bei denen wir einfach alle zusammen waren und Spaß hatten.

Sören und Nils Warkentin sind Brüder und bei Abramowicz für Gesang, Gitarre und Drums zuständig. Niki, Sascha und Finn komplettieren die Band, trinken wohl aber Dienstags nicht so gerne Bier.

Und wann kam der Moment, an dem ihr anfingt, euch selbst für Springsteen zu interessieren?

Sören: Ich habe Springsteen wirklich lange in die Alt-Herren-Rock-Ecke gestellt. Born in the USA kannte damals jeder und ich fand das eher ziemlich uncool. Aber mit 15 oder 16 habe ich plötzlich Songs und Alben entdeckt, hinter denen so viel mehr steckt. Seitdem ist meine Beziehung zu Springsteen getrennt von Marthe-Bruceunserem Vater und Born to be wild und ich habe viel Zeitloses entdeckt, was mir gefällt.

Das Repertoire von Springsteen ist ja sehr umfassend. Wieso sprechen wir heute über die The River?

Sören:Unabhängig davon, dass das Album einfach sehr gut ist, finde ich die Idee dahinter besonders interessant. Der Ansatz bei The River war, ein Live-Album zu schaffen, ohne, dass es live aufgenommen wird. Es ging also darum, genau das, was ein gutes Konzert ausmacht, auf eine Platte zu bringen. Das ganze ist so fernab von den heute oft zu findenden Konzeptalben, die eine ganze Geschichte erzählen sollen. Genau das fasziniert mich bis heute sehr. Auch wir sind eine Band, der Konzerte und der persönliche Kontakt sehr wichtig sind. Die Leute sollen denken, dass es die richtige Entscheidung war, ein Ticket für eines unserer Konzerte zu kaufen.

The River erschien 1980 und schaffte es als erstes von Springsteens Alben auf Platz 1 in den amerikanischen Charts. Es enthält ein paar Tracks, die es nicht auf das Vorgängeralbum Darkness on the Edge of Town geschafft hatten. Viele Songs thematisieren die Probleme der Arbeiterklasse.

Mit Bruce Springsteen als Vorbild setzt ihr euch selbst natürlich großem Leistungsdruck aus.

Sören: Wir beantworten die Frage eigentlich nicht unter dem Aspekt des Idols oder Vorbilds. Ich glaube, wenn du explizit danach gefragt hättest, hätten wir die Frage sogar abgewehrt. Aber wenn es um eine Platte geht, dann müssen wir die Frage danach einfach so beantworten.

Nils: Genau. Es geht gar nicht um dieses Idol-Ding. Dabei beschränkt man sich zu sehr auf eine Person und vergisst gleichzeitig den musikalischen Kontext. Wir sprechen da lieber von Inspiration. Unsere Musik ist nicht darauf ausgerichtet, Springsteen nachzuspielen oder nachzueifern. Das hätten wir am Anfang auch gar nicht gekonnt, da gab’s nur 1,2,3,4-Punkrock.

Marthe1Bruce Springsteen war gerade wieder in der Presse, weil er ein 35-Songs-Konzert gespielt hat. Ihr steht nun kurz vor eurer ersten Headliner-Tour. Wie sieht’s diesbezüglich mit Inspiration aus?

Sören: Also das können wir nun wirklich nicht. Wir haben erstens gar keine 35 Songs, die wir spielen wollten und zweitens überhaupt nicht die Kondition. Ich persönlich gehe auch viel lieber auf ein 45-Minuten-Konzert, das mich richtig umhaut, als auf ein 3-Stunden-Konzert, nach dem ich total überanstrengt bin. Wir spielen ungefähr eine Stunde und zwar richtig mit Knall, aber wohl niemals drei Stunden.

Nils: Ach, ich glaube das könnten wir irgendwann schon schaffen. Das ist einfach eine Entwicklung. Aber wir stehen wirklich noch ganz am Anfang und benötigen nach 1:15 Stunden schon ein Sauerstoffzelt. Vielleicht sind wir aber irgendwann mal soweit.

Mit Covern kriegt man die Setlist voll! Wenn ihr Euch eines von der The River aussuchen müsstet, welches wäre das? Ein Smasher wie Hungry Heart?

Nils: Ich würde Out in the Street oder Crush on You nehmen.

Sören:Out in the Street! Das auf jeden Fall!

Bruce Springsteen – Out in the Street

I work five days a week girl

Loading crates down on the dock

I take my hard earned money

And meet my girl down on the block

And Monday when the foreman calls time

I’ve already got Friday on  my mind.

When that whistle blows

Girl, I’m down the street

I’m home, I’m out of my work clothes

When I’m out in the street

I walk the way I wanna walk

When I’m out in the street

I talk the way I wanna talk

When I’m out in the street

When I’m out in the street.

Stellen wir uns vor, ihr trefft Bruce persönlich. Gibt es etwas, was ihr ihn unbedingt fragen möchtet oder schon immer mal sagen wolltet?

Sören: Mit Sicherheit würde ich ihn ganz Vieles fragen! Was ich auf jeden Fall sagen würde ist: Vielen Dank, dass du eine stetige Inspiration bist, meine Gitarre immer wieder in die Hand zu nehmen!

Nils: Ich glaube ich würde gar nichts fragen. Ich würde eher versuchen, in ein normales Gespräch zu kommen, sodass er mir einfach einen Schwung aus seinem Leben erzählt. Der Typ hat so viel erlebt und sicherlich so viel zu erzählen, dass es eher blöd wäre, sich auf eine Frage zu beschränken.

Sören: Insofern kann man ihn als passionierten Biertrinker vielleicht einfach auf ein Bier einladen.

Wie man sieht, ist das immer eine gute Idee! Noch eine viel tollere Idee ist aber, sich ab dem 20. Mai die EP Call the Judges von Abramowicz anzuhören. Live-Eindrücke kann man am 27. Mai im Rock Café St Pauli oder bei Facebook sammeln.

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