L’Aupaire, Guts, The Last Shadow Puppets

151015-Cover.inddL’Aupaire

Um ein wirklich wahrer Multi-Instrumentalist zu werden, bedarf es bisweilen des Zufalls. Robert Laupert aus der nordhessischen Stadt Gießen zum Beispiel verschlug es als Austauschschüler einst in eine amerikanische Gastfamilie, die vom Klavier über Bass, Gitarre, Schlagzeug bis hin zum Mikrofon ein komplettes Band-Repertoire ihr Eigen nannte, das zwar kein Mitglied nachhaltig beherrschte, aber fröhlich und unbedarft bediente. So lernte der deutsche Teenager fern der Heimat nicht nur alles einigermaßen gut alles Mögliche zu spielen, sondern mehr noch, sich von mangelnder Virtuosität nicht abschrecken zu lassen.

Ein Glück, muss man diverse Übungseinheiten on stage später sagen. Zum erwachsenen Songwriter L’Aupaire gereift legt Robert Laupert nach jahrelanger Bühnenpraxis rund um den Globus jetzt sein Debütalbum Flowers vor. Und es ist schon jetzt die vielleicht schönste Verbeugung des Neofolk vor den eigenen Ahnen 2016. Als würde der Großhallen-Solist Passenger Nina Simone interpretieren, kräht seine seltsam androgyne Stimme durch zwölf hinreißende Lieder, die hier mal Country-Flair entfalten, dort etwas Chansonhaftigkeit und dabei von einer wunderbar hoffnungsfrohen Theatralik durchzogen ist, die Mut macht und Lust auf mehr. Viel mehr!

L’Aupaire – Flowers (Virgin)

GutsGuts

Wer beim Pop an Frankreich denkt, denkt dank Daft Punk, Air oder Phoenix längst an elaborierte Electronik im geschmeidigen Crossover-Sound. Klassischer Sprechgesang hingegen, so groß dessen Tradition im Land des Chansons auch ist, wirkt demgegenüber meist deutlich unterrepräsentiert. Vielleicht muss man das neue Album des umtriebigen HipHop-Produzenten Guts in diesem Licht betrachten. Eternal nämlich mischt die üblichen Rap-Elemente vom gefeierten Vorgänger Hip Hop After All mit einer unfassbar schmissigen Melange aus Funk, Soul, House und einer Prise Big Band.

Das erinnert häufiger – auch wegen der extrem amerikanischen Aussprache – an die Frühzeit des Genres, Arrested Development vor allem. An eine Epoche also, in der sich Rap erstmals aus seinen Ghetto-Käfig in die weite Welt des Pop befreit hat. “Erinnern” jedoch nicht im Sinne rückwärtsgewandter Referenzen. Das neue Album klingt schließlich nie gestrig, sondern erfrischend aktuell, und swingt dabei auf eine Weise, die von Guts’ Landsleuten Daft Punk am Ende doch diese fantastische Leichtigkeit des Seins mitnimmt, gepaart mit schwungvoller Virtuosität. Macht einfach Laune, das zu hören. Von Anfang bis Ende.

Guts – Eternal (Heavenly Sweetness)

Hype der Woche

tlsp_EYCTEThe Last Shadow Puppets

Wenn sich eine derart gefeierte Band wie das Nebenprojekt des Arctic-Monkeys-Sängers Alex Turner und seines Kumpels Miles Kane acht Jahre Zeit lässt mit einem zweiten Album, kann das eigentlich nur zwei Gründe haben: Keine Zeit oder keine Lust. Beides ist angesichts der neuen Platte allerdings unwahrscheinlich. Denn Everything You’ve Come To Expect schafft es auf grandiose Art, den schnodderigen Sixties-Beat von The Age Of Understatement in eine leicht schmierige, schlichtweg fabelhafte Seventies-Eleganz zu verwandeln. Heraus kommen dabei elf Stücke gegen das Vorurteil, Referenzen ans Gestern zeugen von Ideenlosigkeit. So hat man Nostalgie noch nie gehört. So gut.

http://www.vevo.com/watch/GBA321500238

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