2 Bier – 1 Platte

IMG_4856Swearing At Motorists & CAN

An einem lauschigen Sonntagabend im Juli finden sich nicht viele Menschen in kleinen, verrauchten Kneipen ein. Im Otzentreff auf St. Pauli war das letzte Woche anders. Zum Todestag von JJ Cale und dem nahenden Todestag von Michael Karolis fand – wie passend – die JJ Cale & CAN memorial night statt. An den Turntables stand Martin Boeters, Drummer der worlds local band Swearing At Motorists und der Gruppe SPORT. Als der Abend noch jung und das Bier noch kalt war, lies er eine Platte einfach mal laufen und erzählte mir von seiner Leidenschaft für CAN.

Interview: Marthe Ruddat

Martin Boeters: Wir müssen die Platten hier eigentlich mal eben durchgehen, damit du verstehst, wie ich eigentlich auf CAN gekommen bin.

In chronologischer Reihenfolge hält Martin all seine Platten von CAN auf dem Schoss.

Die erste Platte war die Monster Movie, 1969 kam die raus. Damals haben sie sich noch The Can genannt. Da ist so ein Wahnsinns-Stück drauf: Yoo Doo Right. Das ist eine ganze Plattenseite lang, zwanzig Minuten ziemlich genau. Dieses Lied habe ich mit 16 auf irgendeiner Draußen-Drogen-Party gehört und bin total durchgedreht, weil ich es so super fand. Über dieses Stück bin ich auf CAN gekommen.

CAN fanden sich in ihrer Ursprungsbesetzung 1968 in Köln zusammen und definierten mit ihrem ersten Album Monster Movie ihren avantgardistischen Stil. Die Band veröffentlichte unzählige Platten. Überreicht wurde der Preis von den Red Hot Chili Peppers, die gleichzeitig ihre große Anerkennung aussprachen.

Der Anfang einer großen Liebe?

Ja. Ich bin dann direkt auf den nächsten Flohmarkt bei uns im Dorf gegangen. Da habe ich aber erst mal die Future Days und die Radioaktivität von Kraftwerk gefunden. Diese Platten haben meinen Musikgeschmack und mein Hörempfinden sehr geprägt. Ich habe mich dann total auf CAN gestürzt und wollte unbedingt die Monster Movie haben. Bei meinem nächsten Besuch in Hamburg war ich bei Michelle Records, da habe ich die Soundtracks aus dem Regal gefischt. Und die besagte Platte, die ich Dir heute mitgebracht habe: die Delay 1968.Das sind Aufnahmen von 1968 und 1969, also eigentlich noch vor der ersten Platte. Sie kam aber erst 1981 raus. 

Holger Czukay von CAN sagte mal, dass Delay 1968 eigentlich das erste Album der Band sein sollte. Da sich aber keine Plattenfirma fand, entstand alternativ zunächst Monster Movie.

Also schließt sich damit auch der Kreis zur Monster Movie. Was ist das besondere an diesen beiden Platten?Download

Ja stimmt, zeitlich sind die Platten eigentlich sehr nah beieinander. Und es sind die einzigen Platten, bei denen Malcolm Mooney als Sänger dabei ist. Seine Geschichte ist eigentlich etwas traurig. Er ist während seiner Zeit bei CAN ziemlich verrückt geworden und musste dann wieder zurück in die USA. Jetzt ist er aber wohl ein ziemlich geiler frei schaffender Künstler und macht irgendwelche Installationen. Auf der Internetseite von CAN findet man darüber auch sehr viel.

Delay 1968 ist, wenn man die Entstehung betrachtet, eigentlich ja die erste Platte von CAN. Warum ist die Lieblingsplatte so vieler Menschen oft das Debüt einer Band?

Vielleicht, weil die Bands da noch am coolsten klingen. Die Platten sind noch unüberlegt eingespielt worden. Sobald man ein genaues Konzept gefunden hat, klingen die Platten vielleicht konstruierter. CAN haben bei diesen beiden „ersten“ Platten einfach drauf los gespielt. Und der herausragende Malcolm Mooney war eben noch dabei.

Den heutigen Abend widmest Du, neben JJ Cale, dem verstorbenen Gitarristen Karoli. Inwiefern hat er dich beeinflusst?

Ich habe neulich festgestellt, dass er nun schon fast 15 Jahre tot ist und finde das einfach immer noch krass. Besonders beeinflusst hat mich aber natürlich eher Jaki Liebezeit, der Schlagzeuger. Der ist eine richtige Groove-Maschine und hat auch in diversen NDW-Produktionen mitgemacht.

War er auch ein Vorbild für deine eigenen musikalischen Anfänge?

Naja, also ich habe mit 11 oder 12 mein erstes Schlagzeug bekommen und Unterricht genommen. Mit 14 habe ich dann aber wieder aufgehört und mein Schlagzeug versetzt. Ich habe mir dafür eine Hifi-Anlage und meine ersten Platten gekauft, ich wollte einfach lieber Musik hören. Als ich dann später wieder angefangen habe war Jaki schon ein riesen Vorbild und das ist er immer noch. Er spielt so stoisch und versucht nicht zu viel zu machen. Ich sag mal so: Er macht die Musik nicht durch übertriebenen Ehrgeiz kaputt. Es gibt nur Schläge, wenn sie Sinn machen. Seit ich mit der Gruppe SPORT Musik mache spiele ich auch in dieser Art. Bei Swearing At Motorists ist das aber wiederum ganz anders. Da gibt es viel stop and go, viel Rumschlenkern. Einfach eine ganz andere Art von Musik. Und beides hat seine Herausforderungen.

Marthe1Diese Band mit R (Radiohead) hat Thief mal gecovert. Hättest Du auch Lust, mal was von CAN zu covern?

Diese Band mit R, die kann ich fast gar nicht ausstehen. Dürfen die das? Ja, sollen sie es doch versuchen. Sie kommen sowieso nicht dran. Wir haben mit Sport zwar schon einiges gecovert, aber ich glaube an CAN würde ich mich nicht trauen. Was Mooney und später Suzuki da singen ist einfach so speziell, das kann man nicht noch mal so cool machen. Ich würde auch niemals die Beatles covern, das hat für mich in etwa den selben Stellenwert.

Zeit für ein neues Bier. Martin trinkt Flensburger, ich Dithmarscher.

Hast Du ein Lieblingslied auf Delay 1968?

Puh, das ist wirklich schwer zu sagen, eigentlich ist es wirklich die ganze Platte. Mein Lieblingslied wäre am ehesten aber noch der letzte Song, Little Star of Bethlehem. Das hat aber nichts mit Jesus zu tun! Für mich ist das eine Hommage an die Blume. Das ist nämlich eine ganz wichtige Bachblüte, die ist auch in diesen Rescue-Tropfen drin. So sehe ich das jedenfalls.

Can – Little Star ofBethelehem

Silent invisible conversation

Correction: the coat hanger should be upside-down

Oh littlestar

Froggy and Toady carried off the tangerine seeds one by one

And came back for the popcorn after dinner

Froggy said, “I saw you soaking in a tub of waterlilies behind the (sea?)

Sometimes I ask around (moon over the bay?)”

Froggy and Toady carried off tangerine seeds one by one

And came back (for the/full of) popcorn after dinner

Asking “Will you have some?”

Correction: the coat hanger should be upside-down

Oh little star of Bethlehem

Silent invisible conversation

I’ll meet you at the railroad station

Du hast vorhin von Michelle Records gesprochen. Kaufst du da immer noch deine Platten?

Ja, das ist auf jeden Fall noch immer mein Lieblingsplattenladen. Für die bin ich schon als 16-Jähriger vom Dorf nach Hamburg gefahren. Ansonsten gehe ich auch immer noch gerne auf Flohmärkte. Und neulich war ich das erste Mal bei Back Records in der Wohlwillstrasse. Die Auswahl ist zwar nicht groß, aber sehr gut. Ich habe da gleich mal ne alte Pixies-Platte abgestaubt. Für mich ist der Laden ein heißer Tipp!

Eine letzte Frage: Wo werden Bands mit The im Plattenregal einsortiert? 

Naja, auf jeden Fall nicht unter T. Nur The The würde ich da einsortieren, aber von denen habe ich glaub ich gar nichts. JJ Cale sortiere ich ja auch nicht bei J, sondern bei C ein.

Wer jetzt mehr über diesen Musik-Leidenschaftler Boeters und seine Bands wissen möchte, der kann sich auf Swearing at Motorists über die nächsten Gigs informieren und die Gruppe SPORT anhören.

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