Meike Droste: Fernsehrollen & Hörspiele

Bügeln mache ich eh nicht so gerne

Seit ihrer Rolle als Dorfpolizistin in Mord mit Aussicht ist Meike Droste (Foto: Harald Fuhr) gut gebucht. Dass sie auch als Hörspiel-Regisseurin Erfolg hat, wissen hingegen nur wenige. Mit Und was macht das mit Ihnen? (Sprecherin: Karoline Herfurth) gibt die 46-Jährige am 25. Juni nun ihr Debüt beim Marktführer Audible. Ein Gespräch über die Faszination des Hörens, unzumutbare Synchronisationen, Gestikulieren am Mikro und ob sie eher auf Augen oder Ohren verzichten könnte.

Von Jan Freitag

Meike Droste, Sie haben als Schauspielerin bislang weder Serien noch Filme inszeniert, aber schon mehrere Hörbücher und Hörspiele. Was fasziniert sie als Regisseurin so sehr am Akustischen?

Meike Droste: Das hat zunächst mal mit Angebot und Nachfrage zu tun, also was vom Himmel fällt und ob ich es aufhebe. Hinzu kommt, dass ich in meinen Hauptberuf schon sehr oft Hörbücher gesprochen habe, wo es anders als in Hörspielen weder Nebengeräusche noch Musik gibt. Ich mag es einfach, alles allein mit meiner Stimme darstellen zu müssen. Diese fein abgestimmte Konzentration wie jetzt bei Und was macht das mit Ihnen? genieße ich sehr, weiß aber als Sprecherin ebenso wie als Regisseurin genau, wie schwierig es für die Sprecherin…

In diesem Fall Karoline Herfurth.

… ist, ohne das Spiel anderer oder überhaupt äußere Impulse in die richtigen Stimmungskanäle zu finden.

Heißt das, Hörbücher sind anspruchsvoller zu spielen und zu inszenieren als Filme?

Einerseits kommt zum Fehlen der optischen und akustischen Reize noch hinzu, dass man sich ohne Mimik und Gestik, Körperhaltung und den Raum ausdrücken muss, in dem Schauspieler agieren. Andererseits macht es das nicht unbedingt anspruchsvoller, aber schon fokussierter – auch fürs Publikum übrigens, dass nur einen der Sinne nutzen muss.

Was bei der Zuspitzung aufs Sprechen oft passiert, ist eine etwas anstrengende Überbetonung, die auch bei deutscher Synchronisation auffällt. Wie verhindert man es als Sprecherin und Regisseurin, dass das Gesprochene wie Waschmittelwerbung klingt?

Weil ich genau diesen Sound nicht mag, schaue ich Filme und Serien generell lieber im Original. Was aber auch damit zu tun hat, dass es wie der Name schon sagt, nun mal keine Kopie und damit authentischer ist. Als Regisseurin muss ich aber versuchen, die Balance zwischen Ausdrucksstärke und Erzählfluss oder Rhythmus zu finden, in den Sprecherinnen und Sprecher geraten. Bei 30 Stunden Rohmaterial wie hier muss man aber auch berücksichtigen, wie schwierig es ist, die Konzentration permanent hochzuhalten. Da versuche ich dann oft so wenig wie möglich einzugreifen.

Ist da aus Ihrer Sicht beim Schauspiel im Allgemeinen und beim Hörspiel im Besonderen weniger mehr oder darf man mangels anderer Impulse gern etwas überbetonen?

Das klingt jetzt so, als säßen die Leute beim Sprechen von Hörbüchern still auf dem Hocker und lesen ab. Aber wir bewegen uns, gestikulieren, grimassieren, als liefe die Kamera. Und das merkt man der Stimme an.

Heißt das im Umkehrschluss, je weniger Sprechende körperlich agieren, desto mehr Ausdruck legen sie in die Sprache?

Vermutlich schon. Aber manchmal ist mehr gut, manchmal ist weniger gut. Mir persönlich ist es weniger lieber; deshalb gehe ich auch über falsche Aussprache oder Versprecher gerne mal hinweg, weil es organischer, persönlicher, echter klingt.

Unvollkommenheit zulassen also.

Absolut. Die Kunst besteht in der organischen Einheit des Unperfekten mit der Präzision. Danach suche ich aber auch als Schauspielerin.

Sind sie als Teil des Publikums denn eher ein akustischer oder ein visueller Typ?

(überlegt lange) Kommt natürlich sehr aufs Medium an, aber ich bin schon sehr empfindlich für akustische Reize und versuche sie daher, sorgfältig zu dosieren.

Hypothetisch zugespitzt: könnten Sie eher auf Augen oder Ohren verzichten?

Sehr philosophische Frage. Weil das Hören fürs Verstehen des Semantischen aus meiner Sicht wichtiger ist, könnte ich glaube ich eher aufs Sehen verzichten. Aber ich bin so froh, beides zu können. Darf ich bitte beides behalten? (lacht) Gerade als Regisseurin wird es sonst schwer, das große Ganze im Blick zu behalten.

Okay, okay. Dann mit allen Sinnen – wie schafft man genau das, wie hält man die Konzentration hoch?

Indem man zum Beispiel weiß, ein Team um sich herum zu haben, auf dass ich mich verlassen kann. Ich bin überhaupt keine Einzelkämpferin. Und ich genieße es als Regisseurin sehr, zuzuhören und nicht selber zu sprechen. Das empfinde ich mitunter trotz aller Verantwortung fast als entspannend.

Dafür muss man delegieren können und multitaskingtauglich sein.

Oh ja.

Steckt das in Ihrer Persönlichkeitsstruktur oder mussten Sie beides mühsam lernen?

Ach, wir Schauspielerinnen haben anders als Außenstehende schnell meinen ja mehrere Skills anstatt bloß Texte aufsagen zu können: Soziale, psychologische, organisatorische. Es gibt natürlich auch in meiner Branche Inselbegabungen. Aber weil ich mich grundsätzlich als kommunikative Person bezeichnen würde, komme ich mit den Herausforderungen der Regie ganz gut zurecht. Sonst würde ich sie ja nicht machen (lacht).

Könnte es sein, dass Sie sich zulasten des Schauspiels künftig stärker der Inszenierung widmen?

Nee, nee. Ich bin viel zu dankbar, ständig die Perspektiven wechseln zu können, um mich auf eine davon zu beschränken. Deshalb mache ich seit Jahren Autorenlesungen, arbeite mit Orchestern zusammen, drehe Filme, mache Fernsehen, spiele Theater, habe mein eigenes Stück mit vier Frauen gemacht, mit dem wir gerade auf Tour sind. Diese Vielfalt empfinde ich als bereichernd. Neue Dinge zu entdecken, gibt mir die Möglichkeit, an ihnen und mir zu wachsen. Da möchte ich keine missen oder höher gewichten.

Sind solche Hörspiel-Inszenierungen dann trotzdem schon Probebühnen für die künftige Aufgabe, Filme oder Serien zu drehen?

Also Lust hätte ich total, das merke ich aber erst mit zunehmendem Alter. Vor zehn Jahren hätte mich das noch gar nicht gereizt. Da wären wir dann wieder bei Angebot und Nachfrage; wenn da etwas Gutes vom Himmel fällt, greife ich zu.

Dann letzte Frage zu Konzentration und Hören: Sind Sie der Typ Podcast beim Bügeln oder Hinsetzen und Augen zu?

Definitiv letzteres. Falls ich nebenbei zuhöre, egal was, dann nur mit halbem Ohr, also nicht richtig. Multitasking klappt hier nicht, nur hundertprozentige Konzentration auf alles, was dazu gehört. Und Bügeln mache ich eh nicht so gerne.



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