Insider-Geschäfte & Hooligans
Posted: August 11, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
3. – 9. August
Wie hätte, nur mal als Gedankenspiel, die Welt wohl reagiert, wenn unlängst nicht einige Tausend Flüchtlinge auf Ceuta gelandet wären, sondern Passagiere eines havarierten Kreuzfahrtschiffes, von denen gut 100 beim Versuch, Spaniens Exklave schwimmend zu erreichen, elendig ertrunken wären? Es gäbe wohl auch zehn Tage später noch Sondersendungen und Brennpunkte über jene Opfer, deren wohlstandsverwahrlostes Urlaubsverhalten mit dafür sorgt, die Flüchtlingsströme nordwärts zu vergrößern.
Den meisten Medien jedenfalls waren die Toten von Ceuta bestenfalls ein, zwei chronistenpflichtige Zeilen oder Sekunden wert, während Politikern von Merz über Klingbeil bis Weidel nicht mal pro forma ein öffentliches Wort des Mitgefühls zugeschrieben wird. Vielleicht hätten sie das allerdings getan, wenn es volkswirtschaftliche Indices aufwärts führen könnte. Genau dafür verlangt Donald Trump demnächst Unsummen.
Wer seine Posts bei Truth Social künftig früher als andere lesen will, soll dafür siebenstellig zahlen. Damit räumt der hochkorrupte Regierungschef indirekt Insider-Geschäfte ein, die auch in der angehenden US-Autokratie verboten sind. Denkbarer Inhalt: Paramount Skydance erhält die präsidentielle Erlaubnis, trotz anhaltender Rechtsstreitigkeiten Warner Bros. Discovery zu übernehmen. Er könnte in Sekundenschnelle Abermilliarden Dollar bewegen.
Über drei Jahrzehnte hinweg ist es Frauen in Deutschland zuvor gelungen, den Anteil weiblicher Führungskräfte zu erhöhen. Langsam zwar, aber stetig. Eine Woche, nachdem publik wurde, dass dieser ohnehin schon kleine Anteil bei den Börsen-Indices DAX, MDAX, SDAX von 19,9 auf 19,1 Prozent gesunken war, meldet Pro Quote: auch der Anteil weiblicher Führungskräfte deutscher Medien sinkt, und zwar zum fünften Mal in Folge.
Spitzenreiterin ist und bleibt die taz mit einem Frauenmachtanteil von 61,9 Prozent (+0,6), gefolgt von der Süddeutschen Zeitung mit knapp der Hälfte sowie Spiegel und Zeit mit jeweils gut 40 Prozent. Rechte Medien wie Focus (25,3) und FAZ (25) sind dagegen fester denn je in Männerhand. Wobei es die zusehends völkische Welt als erstes Medium seit Beginn der Zählung schafft, unter die Marke von 15 Prozent zu rutschen.
Die Frischwoche
10. – 16. August
Um Ursachen dieses eklatanten Missverhältnisses geht es ab Dienstag übrigens in der Arte-Doku Mackokratie. Die Erfindung der Männlichkeit. Ein paar weitere Folgen kann man derweil bei Disney+ bestaunen und gegebenenfalls an einer hitzigen Debatte teilnehmen, die gerade um The Shards tobt. Nach Bret Easton Ellis‘ autofiktionalem Roman hat Ryan Murphy den Nachwuchs einer High Socitey kreiert, deren wohlstandsverwahrloste Dekadenz in einer entfesselten Gewaltorgie mündet.
Mit der beginnt am Donnerstag bei HBO Max auch eine Fernsehserie, deren Showrunner aufhorchen lässt: Russell T Davies. 27 Jahre nach seiner schwulen Soap Queer as Folk hat er mit Tip Toe die nächste LGBTQ-Milieustudie kreiert. Ein hasserfüllter Incel (David Morrissey) lässt darin seine Wut über Arbeitslosigkeit und Isolation an seinem ebenso liebenswerten wie beliebten Nachbarn (Alan Cumming) aus, der obendrein schwul ist.
Damit dockt der Showrunner mit einer verblüffenden Prise Humor ans queere Meisterwerk It’s A Sin an. In der internationalen Koproduktion Hooligans geht es hingegen tags drauf schon dem Titel nach brutalstmöglich zu. Porträtiert werden darin rechtsradikale Fans des realfiktionalen Jerusalemer Fußballvereins Maccabi. Dessen Anführer versetzt dabei nicht nur verfeindete Clubs, Araber, Linke in Angst und Schrecken, sondern auch Lokalpolitiker, die ihm deshalb illegal Bauaufträge zuschanzen.
Eingebettet in den Nahost-Konflikt könnte der Fünfteiler unter Beteiligung von SWR, NDR und WDR ein weiteres Format sein, das wie Hatufim aka Homeland global kopiert wird. Bei so viel Gewalt sorgt die Netflix-Komödie Mein bester Freund, seine Freundin und ich für etwas Entspannung. Ein Feelgood-Movie, in dem Kostja Ullmann und David Kross dicke Kumpels sind, bis sich letzterer in Rebecca (Janina Uhse) verliebt. Hier beginnt eine Art Best-Buddy-Rosenkrieg, der niemandem wehtut und daher eine ganz nette Ablenkung von der Welt da draußen ist.