Trump Girls & Elevator Boys
Posted: August 17, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
10. – 16. August
Es klingt nach der besten Nachricht einer weiteren Katastrophenwoche: Karoline Levitt macht ihrem Nachnahmen Ehre und verlässt – angeblich aus familiärem Grund – die Presseabteilung des Weißen Hauses, wo sie mit kurzer Babypause anderthalb Jahre Lügen, Propaganda, Blödsinn absondern durfte. Weil Trump-Ultras oft aufwärts fallen, müssen wir sein Sturmgeschütz demnächst aber wohl doch in anderer, tragenderer Rolle erleben.
Wobei es keiner durchgeknallten Pressesprecherinnen bedarf, damit die Presse durchknallt. Dafür braucht man nur den MDR-Podcast Deep Talk hören, wo Maja Fiedler von Ulrich Siegmund vor allem wissen wollte, wer daheim im Reich des Höcke-Ultras denn so die Geschirrspülmaschine ausräumt. Dass ihn die AfD-Ultras der BamS als ganz normalen Politiker porträtierten, versteht sich da ebenso von selbst wie die nächste Selbstverzwergung der völkisch angehauchten NZZ.
Dort durfte die Putin-Propagandistin Maria Sacharowa vorm Neutralitätsreferendum der Schweiz Russlands Zaren und seinen Krieg verteidigen. Umso erfrischender ist da ein Interview der echten Journalistin Susann Reichenbach, die den Putin-Fan Siegmund bei mdr aktuell hart angepackt und per Faktencheck entlarvt hat. Auch deshalb sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Sicht des ARD-Korrespondenten Georg Restle über Spaniens Exklave Ceuta unangenehm verschwörungstheoretisch riecht und dann nur halbherzig als privat gelabelt war.
Von der rechtskonservativen Skandalnudel Wolfram Weimer hingegen erwartet nun wirklich niemand mehr konstruktive Kulturpolitik außerhalb von Bayreuth. Dass sein Filmbooster schon wieder zum Blockbusterfurz verkümmert, ist daher fast schon Gewöhnungssache. Ebenso wie Mark Zuckerbergs Facebook-Pamphlet, in dem der Meta-CEO auf 40.000 Zeichen grenzenlose Freiheit für die KI fordert. Und damit mal wieder zu Jan Böhmermann.
Das Landgericht München hat Manuel Ostermanns Klage gegen einen Beitrag des ZDF Magazin Royal abgewiesen, der den Polizeigewerkschafter unter anderem als „Herrenmensch“ bezeichnet hatte. Das sei von der Kunstfreiheit gedeckt. Eher umgekehrt lief es für Maximilian Krah. Weil der AfD-Lautsprecher dem Amtsgericht Chemnitz laut Spiegel 5000 Euro Prozesskosten einer abgewiesenen Unterlassungsklage gegen Böhmermann schuldig ist, hat es Haftbefehl gegen ihn erlassen. Arme Herrenmenschen.
Die Frischwoche
17. – 23. August
Vielleicht hilft es ja, wenn ihnen jemand mal das Patriarchat erklärt. In der ZDF-Doku Wann ist ein Mann ein Mann zum Beispiel, die dem reaktionärem Geschlechterbild à la Krah ab Dienstag in der Mediathek nachspürt. So richtig kernige Alpharüden gibt es zwei Tage später aber auch bei Sky und Wow zu sehen: Sheriff County überträgt die heroische Feuerwehrserie Fire Country auf Cops und dürfte dabei auf kernige Typen im Sinne der AfD stoßen.
Etwa dazwischen rangiert die türkische ZDF-Serie Inspector Ikmen. Ein Londoner Polizist, der als Baby aus Istanbul nach England gezogen war, kehrt in seine Geburtsstadt zurück, um parallel zur Ermittlung vier verschiedener Mordfälle der eigenen Familiengeschichte nachzuspüren und nebenbei einem Anschlag auf seine Freundin, die am Bosporus zu Frauenrechten recherchiert hatte. Das ist zwar arg unpolitisch, darf ab Sonntag aber acht Teile lang Geschlechterklischees unterwandern.
So wie Endlich erwachsen (ab Donnerstag, arte.tv), einer Late-Coming-of-Age-Serie von Emma Nyberg, die zuvor in Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht ihr selbstironisches Gespür für weibliches Empowerment bewiesen hatte. Bevor wir nach Deutschland zurückkehren, noch zwei internationale Tipps: Das portugiesische Familiendrama Irreversible (Montag, Viaplay) und die amerikanische Mafia-Dark-Comedy Average Joe (Mittwoch, Paramount+) um einen Klempner, der Mafioso wird.
Und damit Back to the 90s. So heißt ein Spielfilm von Prime Video, in dem fünf bildhübsche Jungs durch die Zeit Richtung Neunzigerjahre reisen, wo sie … ach nee, völlig egal. Es geht Amazon ausschließlich darum, dem TikTok-Phänomen der realexistierenden Elevator Boys anderthalb Stunden Eigen-PR zu schenken. Jedwede Handlung ist ab Freitag einerlei. Entscheidend ist multimediales Cross-Marketing. Und das Verrückte: Es wird funktionieren.