Weimers Jump Scare & 4 Blocks Zero
Posted: September 21, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
14. – 20. September
Er hat es schon wieder getan! Bei einer rechtspopulist… pardon: rechtspolitischen Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung brachte Wolfram Weimer, Volkskulturstaatsminister mit integriertem Fettnapfdetektor, seinen Einflussbereich mit der Forderung gegen sich auf, das ZDF zu privatisieren und kleine ARD-Anstalten aufzulösen. Sein Argument, der Shareholder-Kapitalismus müsse sinngemäß auch im Fernsehen entfesselt werden, könnte er sich direkt bei Peter Thiel abgeschaut haben.
Jener protofaschistische Demokratie-Verächter, der am Donnerstag den Axel Springer Award 2026 für eine Form radikaler Meinungsfreiheit, die Akzelerationisten wie er als Freiheit zur Unterdrückung missliebiger Meinungen verstehen und ansonsten jede Art staatlicher Regulation ablehnen. Ein Ansinnen übrigens, das Thiel mit den Preisträgern Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Elon Musk und Sam Altman teilt – daran ändert auch wenig, dass die letzteren zwei gerade selbstvermarktungsbewusst die Entschleunigung der KI gefordert haben.
Dabei ist ihre Warnung vorm drohenden Ende der Menschheit nicht mehr als ein billiger Jump-Scare, mit dem die Tech-Oligarchen um Anthropic-CEO Dario Amodei von Konsequenzen unterhalb der Apokalypse ablenken. Solange wir euch vor der vollständigen Vernichtung bewahren, lautet der Subtext, ist es völlig okay, Milliarden von Menschen mithilfe künstlicher Intelligenz ins Elend zu schicken.
Drei der letzten Medien von Belang, die in den USA noch über solche Manipulationen berichten könnten, werden das künftig nicht mehr im Weißen Haus tun. Mit der aberwitzigen Begründung, „es läuft etwas falsch im Land, wenn wir Leuten erlauben, vorsätzlich negative Stories zu schreiben“, verweigert Donald Trump CNN, MS Now und Politico künftig den Zutritt in „my House“, wie ihm kurz entfuhr, bevor er „of the people“ hinters verräterische Possessivpronomen stellte.
Fun Fact: Mit Politico zensiert Trump ein Medium seines Fanboys Mathias Döpfner. Und damit zu etwas erbaulicherem: Den Primetime Emmys. Mit 14 Auszeichnungen absoluter Abräumer war vorigen Montag die Horror-Comedy Widow’s Bay von AppleTV. Was schon okay ist, aber ungleich originellere Preisträger wie DTF St. Louis oder The Pitt ein bisschen zu tief in den Schatten stellt. Kaum noch sichtbar sind darin international betrachtet natürlich die Deutschen Fernsehpreise.
Dort hatten sich kurz zuvor hochverdiente Trophäen für Karin Hanczewski in Call My Agent Berlin, Bettina Oberli für Naked oder die Comedy-Serie Chabos mit sehr seltsamen gepaart. Etwa Tom Schilling (Achtsam Morden), die biedere RTL-Show Wer weiß wie wann was war? oder beinahe zynisch: Ibrahim Nabers Ukraine-Berichterstattung beim AfD-Steigbügelhalter Welt. Wer 2027 nicht mehr in der Ausscheidung dieser Proporzpreise landen wird, ist hingegen das ZDF Magazin Royal. Jan Böhmermann hat bei DWDL angekündigt, die Show Ende des Jahres einzustellen.
Die Frischwoche
21. – 27. September
Und damit herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag der ältesten deutsche Satire-Sendung extra 3, was die ARD-Mediathek mit einer Dokumentation plus Jubiläumsshow feiert. In der ZDF-Mediathek wird es parallel hingegen bierernst, wenn eine zweiteilige Doku ab heute das Feindbild Queer erkundet, mit dem die AfD auch gestern wieder bei zwei Landtagswahlen abgeräumt hat – darunter Berlin, wo ein ganz anderes Klischee sein Prequel erhält.
Mit 4 Blocks Zero nämlich begibt sich HBO Max ab Freitag auf die Spuren des fiktionalen Hamady-Clans um die ungleichen Brüder Toni (Kida Ramadan) und Abbas (Veysel Gelin). Ohne Marvin Kren und Oliver Hirschbiegel inszeniert Özgür Yıldırım die Coming-of-Age-Story als deutsches Breaking Bad, in der Migrationshintergründe leider alle in der Kriminalität enden. Ebenso drastisch, allerdings mit einer Prise Psychohorror versehen, ist dagegen die Mystery-Serie Das Institut in der ZDF-Mediathek – schon, weil übersinnlich talentierte Kinder dort nach einem Buch von Steven King zu Kampfmaschinen gedrillt werden.
Das ist ebenso gutes Entertainment wie die Cringe-Comedy Youth um eine Londoner Literatur-Agentin in der Midlifecrisis, was die Standup-Comedienne Sharon Horgan nicht nur produziert, sondern ab heute bei HBO Max nach eigenem Drehbuch auch spielt. Und das saukomisch. Eher grotesk ist der Humor des Arte-Achtteilers Die Revoluzzer, in dem eine Pariser Universität anno 1968 zwischen Idealismus und Radikalität zerrieben wird. Und noch was Drolliges ab Mittwoch zum Schluss: die Apple-Serie Brothers mit Woody Harrelson und Matthew McConaughey als texanische Comedy-Versionen ihrer selbst.