Trumps Kniefall & Schweighöfers Dracula

Die Gebrauchtwoche

21. – 27. September

Die Morgenroutine von Donald Trump und Friedrich Merz dürfte sich schon altersbedingt ein wenig unterscheiden, aber eines haben sie vermutlich doch gemeinsam: beide Machthaber erwachen vermutlich mit grimmigem Blick auf the media beziehungsweise die Medien und sagen sich, von „denen“ wurde „noch niemand jemals schlechter behandelt als ich“. Der Unterschied nur besteht darin, welche Konsequenz Merz und Trump daraus ziehen.

Während ersterer allenfalls leise grummelt, aber grundlegend pluralistisch tickt, poltert letzterer mit autokratischer Schlagseite Richtung Diktatur und ignoriert selbst Gerichtsurteile nach Gutsherrenart. Am Tag, nachdem mehrere US-Medien erfolgreich gegen ihren Verweis aus den Oval Office geklagt hatten, weigerte sich Trump weiter, sie wieder ins Weiße Haus zu lassen. Und als er darum nicht mehr herumkam, schmiss der Präsident CNN abermals aus dem Presse-Pool, ersetzte seine Nemesis durch einen MAGA-Influencer und lobte chinesische Journalisten bei seinem Kniefall vor Xi Jinpeng.

Von dieser devoten Farce eines Staatsbesuchs immerhin, bei der sich Trumps Heimat ausgerechnet daheim in Chinas Staub warf, gab es allerdings kaum Bilder: Trumps Hofpropagandist Fox News berichtet aktuell aus Solidarität mit den Verbannten nicht live über seinen Godfather. In diesem Durcheinander klingt es fast schon strukturiert, dass die deutsche Bild-Zeitung nach eigener Aussage „Regeln“ zum Schutz der Privatsphäre hat. Eine davon betraf gerade ihren Boulevardvertragspartner Jens Spahn.

Zum vermeintlichen Schutz seiner Persönlichkeit hat die Redaktion ein Foto des Haushaltssauschussmitglieds wieder gelöscht, das ihn im Urlaub auf Sardinien statt beim Berliner Haushaltausschuss zeigt – von dem er sich krankheitsbedingt abgemeldet und damit sein sehr besonderes Verhältnis zur Wahrheit bewiesen hatte. Ein Blatt gerade erst wieder einen tatverdächtigen „Klimaterroristen“ mit Foto und Namen vorverurteilt zur Schlachtung preisgab, entdeckt also plötzlich publizistische Fürsorgepflichten?

Die Frischwoche

28. September – 4. Oktober

Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis jemand Axel Springers wechselseitige Liaison mit Jens Spahn zur Telenovela macht. Vorerst allerdings beschränken sich die deutschen Portale und Kanäle auf das, was neben längst Krimi ihr Markenkern geworden ist: Mystery. Ab Samstag zum Beispiel in der sagenhaft effekthascherischen ZDF-Serie Die Düsteren mit Max Riemelt als Campingplatzbetreiber, auf dessen Nordsee-Insel seltsame Doppelgänger – wie immer sechsmal 45 Minuten – ihr Unwesen in dauerdunkler Dämmerung treiben.

Riemelts Kollege Matthias Schweighöfer leiht ab Donnerstag derweil dem starbesetzten Audible-Hörspiel Dracula Prominenz und Stimme. Aus den USA dagegen stammt bereits morgen die GenZ-Coming-of-Age-Hexerei-Serie Coven Academy. Ungleich realistischer und obendrein fetter dürfte die Netflix-Serie East of Eden sein, in der Joseph Zada ab Donnerstag James Deans Rolle als renitenter Farmer-Sohn in John Steinbecks Kain-und-Abel-Interpretation spielt.

Irgendwo zwischen Fiktion und Wirklichkeit siedelt das ZDF demgegenüber die drollige Workplace-Mockumentary Nine to Five an, die ersten Eindrücken zufolge ab Freitag das Schicksal nahezu sämtlicher Neo-Sitcoms teilen und weder originell noch witzig sein dürfte. Und nach einem Hinweis, dass das Zweite mit Frankfurt Mord am Wochenende die radikale Idee einer humorvollen Städte-Krimi-Reihe ausprobiert, noch drei Doku-Tipps.

Am Dienstag blickt die ARD mit dem Report Mainz in Belästigt. Gemobbt. Missbraucht. auf Soldatinnen in Gefahr, was nicht nur im Angesicht des erhöhten Wehrfähigkeitsbedarfs Alarm schlagen sollte. Am Freitag zeichnet Netflix den Weg von Michael Schumacher nach, als der 1994 vom Emporkömmling zum Weltmeister wurde. Und parallel dazu begleitet AppleTV in The Last First: Winter K2 Extrembergsteiger bei ihrer gefährlichen Arbeit an Achttausendern.



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