Trumps Skydance & Bechts Falle

Die Gebrauchtwoche

5. – 11. Oktober

Die Zeit-Autorin Sibylle Anders brachte es vor ein paar Tagen auf den Punkt. „Der Weg ohne Mühe löst keine Probleme“, schreibt sie in der aktuellen Ausgabe. „Er vertagt sie nur.“ In dem Sinn muss man Günther Jauch wohl protestantisches Arbeitsethos unterstellen. Bei Wer wird Millionär? hat er einen Kandidaten aus Sachsen-Anhalt zur Stimmung in seinem Bundesland gefragt, mehr noch: Wie der ehemalige CDU-Bürgermeister denn zum Wahlergebnis stehe. In einer Quizshow von RTL, wohlgemerkt!

Dass der Moderator besagten Hans-Werner Kraul daraufhin in Ruhe ließ, sei ihm deshalb verziehen. Unverzeihlich ist es hingegen, wenn mehrere Spitzenpolitiker des BSW einer Einladung vom Völkischen Beobachter Compact zur Studioeröffnung nach Magdeburg folgen und sich dort mit Neonazis besaufen. Was Fraktionsvize Claudia Wittig damit entschuldigt, „Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten“ könnten doch wohl mal gemeinsam das Horst-Wessel-Li…, ach nee, „ein Glas Wein zusammen trinken“.

Die US-Regierung verstärkt derweil den Druck auf missliebige Medien. Während Paramount vermeldet, mit Warner für geschätzte 110 Milliarden Dollar zum Megakonzern Skydance zu verschmelzen – inklusive rechter Kontrolle über liberale Fernsehsender wie CNN, hat Donald Trump zum nächsten Schlag gegen Demokratie und Pluralismus ausgeholt. Im September bereits hatte er CNN, MS Now und Politico widerrechtlich aus dem Weißen Haus verbannt. Jetzt geht sein Justizministerium gegen weitere Plattformen und Sender vor.

Angeblicher Grund: der anschließende Boykott durch ABC, CBS, CNN, NBC und Fox News verstoße gegen das Kartellrecht. Gegen die Menschenwürde verstößt unterdessen das Verteidigungsministerium. So scheint es. Denn Pete Hegseth will allen Ernstes die Hinrichtung eines Militärangehörigen über seine hauseigenen Kanäle live ins Internet streamen. Horror, der andernorts indiziert würde also.

Man darf jedoch diskutieren, was schlimmer ist: Diktaturen wie den Iran oder Saudi-Arabien zu kopieren, wo Todesurteile ebenso öffentlich vollstreckt werden? Oder den Zivilisationsbruch barbarischer Strafen heimlich zu begehen? Das würde man sich gerne erklären lassen. Nur bitte nicht von Katie Zacharia. Zum einen, weil Trumps neue Regierungssprecherin gleich beim ersten Auftritt noch mehr gestammelt hat als ihr Chef. Zum anderen, weil auch ihr Lebenslauf offenbar erlogen ist. Als Anwältin jedenfalls ist sie nirgendwo registriert.

Die Frischwoche

12. – 18. Oktober

Während sie darüber noch in Erklärungsnot geraten könnte, gibt es hier aus purer Zeitnot die Streamingtipps der Woche in aller Kürze:

Bei Netflix läuft der sechsteilige Psychothriller Die Falle. Friederike Becht spielt darin eine Bestseller-Autorin, die sich nach einer Familientragödie seit Jahren im eigenen Haus isoliert und plötzlich den vermeintlichen Mörder ihrer kleinen Schwester im Fernsehen sieht, dem sie sodann das stellt, was der Titel hergibt. Schon spannend, aber höchst konstruiert.

HBO erzählt ab Donnerstag die Vorgeschichte zum legendären Slasher-Movie Freitag, der 13 und füllt damit tatsächlich eine Lücke. Denn warum all die Horrorfiguren der Siebziger- und Achtzigerjahre ihre Opfer stets im Haus nach oben gejagt haben, war häufig, nun ja, nicht ganz so wichtig wie das spritzende Blut.

Auf Prime startet tags drauf ein erotisches Potpourri made in germany namens Friends, Sex & and Games. Vier deutsche Paare kopulieren darin durcheinander und nehmen das mit körperbetontem Personal von Paula Kallenberg bis Fridolin Sandmeyer leider sehr viel ernster als das mexikanische Comedy-Originals El juego de las llaves

Und als Schmankerl geht die Stand-up-Impro-Comedy-Sause Falsch, aber anders lustig mit dem unsagbar sympathischen Moritz Neumann am Freitag zum dritten Mal in die ARD-Mediathek. Sehr viel, sehr lautes Fremdschampotenzial, das dennoch großen Spaß macht.



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