7 Fragen an … Pro7Sat1-Sprecherin Schardt

Logo_P7S1Galileo-News

Diana Schardt, Sprecherin der Sendergruppe ProSiebenSat1, über die dürre Nachrichtenlage auf ihren Sendern und Stefan Raabs Kanzlerduell

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Worin unterscheiden sich private von öffentlich-rechtlichen Nachrichten?

Diana Schardt: Hier ist keine allgemein gültige Unterscheidung möglich. Unterschiede ergeben sich (wie in der Presselandschaft) durch die unterschiedlichen Zielgruppen. heute hat zum Beispiel sehr viele ältere Zuschauer, ProSieben ist Marktführer im Bereich TV-Nachrichten bei den Unter-30-Jährigen.

Worin unterscheiden sich die Nachrichten der ProSiebenSat.1-Gruppe generell von anderen?

In Moderator und Studio.

Wie viele mit Information befasste Redakteur(inn)e(n) gibt es in der Sendergruppe?

In der Sendergruppe arbeiten ca. 50 Redakteure, Redaktionsleiter und Programm-Manager im Bereich Information/Infotainment. Dazu kommen die Redaktionen der externen Produktionsfirmen, die die Sendungen produzieren, sowie die Regionalprogramme.

Welche Sendungen firmieren dort unterm Begriff „Information“? 

SAT.1 Nachrichten, ProSieben NEWSTIME, kabel eins news, Absolute Mehrheit, Eins gegen Eins, Galileo, Galileo Spezial (u.a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet), akte 2013, GesundheitsAKTE,  SAT.1 Event-Dokumentationen (wie zuletzt zur Guttenberg-Story), Sondersendungen zu aktuellen Ereignissen, Focus TV Reportage, Spiegel TV Reportage, Planetopia, ProSieben Spezial/Dokumentationen, K1 Magazin, K1 Reportage, Abenteuer Auto, Abenteuer Leben, SAT.1-Regionalfenster

Was kostet die Produktion der jeweiligen Hauptnachrichten?

Zu Produktionskosten machen wir grundsätzlich keine Angaben.

Haben Sie je einen Nachrichtenbeitrag bereut und was senden Sie aus Chronistenpflicht?

Wir machen nichts aus reiner Chronistenpflicht, sondern haben die Relevanz für unsere Zuschauer im Blick.

Warum soll Peter Limbourg beim Kanzler-Duell durch Stefan Raab ersetzt werden und was hält Ihr Anchor davon?

Der Vorschlag kam vom ProSiebenSat.1-Beitratsvorsitzenden Edmund Stoiber. Alle Beteiligten finden die Idee toll.

 


7 Fragen an … FDF-Sprecher Joachim v. Gottberg

Logo_der_FSF“Geschlechtsteile in erregter Aktion”

Joachim v. Gottberg, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), über pornografisches Fernsehen und sexistische Topmodelsuchen

Fragen: Jan Freitag

freitagsmedien: Gab es in früheren Jahren mehr oder weniger Beanstandungen von Programmen mit vermeintlich pornografischem oder anders jugendgefährdendem Inhalt als im Jahrzehnt zuvor?

Joachim von Gottwald: Es gab Ende der 90er Jahre ca. fünf Beanstandungen bei Premiere und drei bei DF 1. Es ging dabei darum, dass nach Ansicht der damaligen HAM die FSF bei ihrer Freigabe zu großzügig gewesen sei.

Welche Sender verbuchen diesbezüglich die meisten Beanstandungen bzw. Publikumsklagen?

Das Publikum beschwert sich bei expliziten Sexfilmen selten. Zu Beate Uhse TV bekommen wir eher Beschwerden, warum so viel geschnitten ist und nicht mehr gezeigt werden darf. Aber insgesamt sind die Sexprogramme sehr viel weniger geworden. Beschwerden gibt es es eher bei normalen Spielfilmen oder bei Serien, in denen Geschlechtsverkehr in der dort üblichen Form gezeigt wird, vor allem im Tagesprogramm oder Hauptabendprogramm.

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Veränderung im Programmangebot – wird weniger expliziter Sex gezeigt?

Es wird insgesamt weniger gezeigt, was aber an der Spezifizierung der Programme liegt. Wer viel sehen will, der bekommt im Internet alles geboten. Das hat Rückwirkungen auf das Fernsehen.

Ab welchem Grad sexueller Darstellung wird ein Format sendeuntauglich oder beanstandenswert?

Wenn es die Grenze zur Pornographie überschreitet. Die Definition ist nicht ganz einfach. Praktisch spielt eine Rolle, wie weit die Kamera geht – also ob sie den Sex nur andeutet oder ob die Geschlechtsteile  groß in erregter Aktion gezeigt werden. Letztlich geht es aber um das Bild von zwischenmenschlicher Sexualität.

Inwiefern?

Wenn Sex verabsolutiert wird und der Lustgewinn zwischenmenschliche Beziehungen dominiert, der Mensch also völlig austauschbar ist, dann spricht man von Pornographie.

Welche Formate wurden diesbezüglich zuletzt beanstandet?

Das waren Softsexfilme, die so an der Grenze waren.

Wie verhält es sich mit subtileren Formen sexueller Zurschaustellung wie Germanys Next Topmodel. Schreiten Sie in solchen Fällen ein, falls ja: warum, falls nein: warum nicht?

In der Tat sind solche Formen unter den Gesichtspunkten des Egos und des Weltbildes relevanter. Allerdings bewegen sie sich in einem gesellschaftlich adäquaten Rahmen, so dass wir wenig damit erreichen würden, gegen ein Format vorzugehen, das letztlich im Mainstream liegt. Das kann man mögen oder nicht, aber Jugendschutz darf keine Geschmackszensur ausüben.


7 Fragen an … ZDF-Sprecher Alexander Stock

800px-ZDF.svgFragen Sie Pilawa

7 Fragen an Alexander Stock, Sprecher des Zweiten Deutschen Fernsehens in Mainz

Interview: Jan Freitag

Kurz. Ein bisschen kurz angebunden sogar, fast stakkatoartig kurz, aber nicht sinnverkürzt und sogar in der gewünschten Zeit – so antwortet die Pressestelle des ZDF auf die wöchentlichen 7 Fragen der freitagsmedien. Nicht schlecht…

freitagsmedien: Herr Stock, wie viel Gebührengeld kriegt das ZDF im Jahr und was ist mit welcher Summe der größte Posten?

Alexander Stock: 2012 erhielt das ZDF aus den Rundfunkgebühren etwas mehr als 1.720 Mio. €. Das Gesamtbudget liegt bei rund 2.030 Mio. €.  Der größte Posten ist mit rund 1.600 Mio. € das Programm.

Wie viel ist das gemessen an der Durchschnittsquote des Monats Februar pro Zuschauer?

Das ZDF war im Februar – wie schon im gesamten letzten Jahr – das meistgesehene TV-Programm in Deutschland. Den Beitragszahler kostet das Gesamtangebot inklusive Digitalsender, Partnerkanäle und Onlineangebote im Monat 4,37 €.

Warum sollte diese Frage eigentlich keine Rolle spielen?

Die Frage – vielleicht ein wenig anders formuliert – nach der Leistung, die die Gesellschaft für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erhält, ist absolut berechtigt.

Warum geht Jörg Pilawa zurück zur ARD und was bedeutet das fürs ZDF-Entertainment?

Das müssen Sie ihn fragen. Das Angebot der Kollegen scheint in irgendeiner Hinsicht attraktiv gewesen zu sein. Und zur Bedeutung: Es gibt neue Chancen für neue Köpfe und neue Formate.

Was genau spricht gegen Roche & Böhmermann im Hauptprogramm des ZDF?

Eigentlich nichts. Das war geplant, ist aber daran gescheitert, dass Frau Roche aufgehört hat.

Was noch mal gegen einen Fortbestand von ZDFkultur?

Die dem ZDF auferlegten Zwänge zu Einsparungen und Personalabbau, leider.

Und warum kriegt Katrin Bauerfeindt keine eigene Sendung zur Primetime im Zweiten?

Unter anderem, weil dort alle Sendeplätze belegt sind.


7 Fragen an … VDA-Sprecher Eckehart Rotter

VDA_Logo#1_PosFlexibilität, Effizienz, Komfort

Eckehart Rotter, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie VDA

Interview: Jan Freitag

Herr Rotter, gibt es zu viele oder zu wenig Autos in Deutschland?

Eckehart Rotter: Die Frage ist nicht, ob es zu viele oder zu wenige Autos gibt, sondern genügend effiziente. Deutschland braucht individuelle Mobilität, aber sie muss sowohl klimaschonend als auch effizient, sicher, komfortabel und finanzierbar sein

Wird nicht auch mit so einer Flotte bald ein Sättigungsgrad erreicht sein?

Da nur zehn Prozent aller Neuwagenkäufe in Deutschland Erstkäufe sind und der Rest Ersatzbeschaffungen, erneuert sich der Pkw-Bestand bei einer Gesamtzahl von gut 42  Millionen Autos  und drei Millionen Neuzulassungen alle 14 Jahre komplett. Da geht es also nicht um Sättigungsgrad, sondern um Kundenzufriedenheit.

Und wie sähe es mit den Klimazielen aus, wenn Afrika irgendwann durchmotorisiert wäre?

Ich würde das zunächst mal durch China ersetzen, wo der Fahrzeugbestand vor zehn Jahren unter dem deutschen lag und nun über dem europäischen. Heute hat der Welt-Pkw-Markt ein Volumen von 70 Millionen Autos, im Jahr 2020 werden es 90 Millionen sein.  Das klimaneutraler zu schaffen, erfordert alternative Antriebe, also Elektromobilität. Dann sind die Ziele erreichbar.

Was ist eigentlich ein effektiver Jahreszins, mit dem die Autoreklame wirbt?

Da würde ich Sie gerne an die Vertriebsabteilungen der Hersteller verweisen, aber grob vereinfacht stellt  der effektive Jahreszins die Kosten dar, die Sie bei der Neuwagenfinanzierung haben. Die Alternative ist Barzahlung des vollen Kaufpreises beim Kauf. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus ist die Finanzierung eines Neuwagenkaufs derzeit die Variante, die von den meisten Käufern genutzt wird.

Und was ist ein Preisvorteil?

Bei der Finanzierung haben Sie – im Gegensatz zur Barzahlung des gesamten Kaufpreises – eine geringere Kapitalbindung.

Was ist auf der Strecke Hamburg – München ökonomisch, ökologisch, zeitlich im Vorteil: Pkw, Bahn, Bus oder Flugzeug?

Wenn Sie allein reisen und nur einen Termin haben, der auch noch in Hauptbahnhofsnähe liegt, ist die Bahn  im Vorteil. Falls Sie aber eine Reihe von Terminen an verschiedenen Orten haben, ist das Auto am flexibelsten und komfortabelsten. Noch klarer wird der Vorteil des Autos,  wenn Sie mit einer vierköpfigen Familie unterwegs sind.

Wie fahren Sie persönlich die Strecke am liebsten und warum?

Wenn ich unter Termindruck stehe, fliege ich von Berlin nach München und nehme vor Ort einen Mietwagen. Privat nehme ich lieber das Auto. Ebenso wie bei der Fahrt ins Büro. Im eigenen Auto ist die Erkältungsgefahr doch deutlich geringer als in einer voll besetzten S-Bahn im Winter.


7 Fragen an … DB-Sprecher Reinhard Boeckh

Logo-Deutsche-Bahn-300x212Die zweite Jahreshälfte

Bahnsprecher Reinhard Boeckh

Von Jan Freitag

Eigentlich sollten hier die Antworten auf 7 Fragen an die Deutsche Bahn stehen. Eigentlich hätte die gewaltige DB-Pressestelle auch genug Zeit dazu gehabt. Eigentlich, könnte man meinen, würde eine(r) der mindestens zwei Dutzend Konzernsprecher(innen) schon zehn Minuten Zeit finden für ein paar erhellende Worte zu folgenden Anliegen:

1. Warum „erhält“ ein Zug „Einfahrt“, statt einfach „einzufahren“?

2. Warum gibt es auf den Toiletten der DB-Züge keine Klobürsten?

3. Warum ist die Seife aus Pulver?

4. Wie setzt ein Zugangsberechtigter einen Bahn-Comfort-Platz durch, wenn alle besetzt sind?

5. Welcher deutsche Topschauspieler war noch nie auf dem Cover von mobil?

6. Hat Hartmut Mehdorn eine 1. Klasse Bahncard-100 auf Lebenszeit und falls ja: warum?

7. Was sind die drei beliebtesten DB-internen Wortspiele zu Bahnchef Rüdiger Grube?

Keine komplizierten, geschweige denn kompromittierenden Fragen, weder Staatsbahngeheimnisse noch Betriebsinterna betreffend, nichts Anrüchiges also oder sonstwie Unangenehmes. Das Gespräch lief dann aber sinngemäß doch wie folgt ab:

Reinhard Boeckh: Herr Freitag, wir können Ihnen die Fragen gern beantworten, aber nicht jetzt sofort.

freitagsmedien: Oh, schön, wann denn dann?

Zweite Jahreshälfte.

Bitte?

Vorher geht’s nicht, keine Chance.

Sie finden in den nächsten fünf Monaten niemanden in Ihrer Pressestelle, der zehn Minuten Zeit für sieben unkomplizierte Fragen findet?

Herr Freitag, wenn Ihnen das nicht reicht, können wir das Interview auch ganz lassen.

Nein … äh … danke … also … melde ich mich … im Sommer.

Das wäre nett. Danke. Auf Wiedersehen.


7 Fragen an … RTL-Sprecher Christian Körner

Datei:RTL Logo.svg“Ein Hauch Arroganz”

RTL-Sprecher Christian Körner

Fragen: Jan Freitag

Herr Körner, wer sucht eigentlich Christian Rachs Hemden aus?

Christian Körner: …Er selbst.

Warum liegt die werberelevante Zielgruppe eigentlich zwischen 14 und 49 Jahren – kaufen über 50-Jährige nicht ein?

14/49 hat lange Zeit einen Großteil der rund 35 Millionen Fernsehhaushalte abgebildet und war damit eine gute Währung, um die Leistungen von Sendern beim etwas jüngeren Publikum vergleichbar zu machen. Aber die Bevölkerung wird bekanntlich immer älter, und mit ihr auch die TV-Zuschauer. Schon heute stellt 14/49 nur noch rund die Hälfte aller Zuschauer dar, Tendenz fallend. Deshalb erweitern wir die sogenannte Referenz-Zielgruppe für unsere Sender jetzt ab 1. März auf 14 bis 59 Jahre. Fürs Programmmachen selbst war 14/49 nie wirklich relevant ebenso wenig wie in der Vermarktung selbst. Es war und ist eine Währung, die vergleichbar machen soll, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Ältere und jüngere Jahrgänge sind bei RTL also gar nicht weniger wert?

Im Gegenteil. Wir machen erfolgreich Programm für die ganze Familie, wie man gut erkennen kann, wenn man sich das Programm selbst und seine Protagonisten anschaut.

Warum gucken RTL-Zuschauer der Unterschicht nachmittags so gern ins Unterschichtenleben?

Ein Klassiker: Etwas dünne Recherche verbunden mit einem Hauch Arroganz. Menschen, die am Nachmittag Fernsehen schauen, als Unterschicht zu bezeichnen ist aus unserer Sicht nicht nur grenzwertig, sondern einfach falsch: Das RTL- Publikum entspricht am Nachmittag in Sachen Bildung oder Einkommen in etwa dem Schnitt der deutschen TV-Zuschauer. Hinzu kommt, dass die Geschichten am Nachmittag in unterschiedlichen Milieus spielen, also nicht nur in der „Unterschicht“, was auch immer das sein soll.

Warum ist Ihre Quote gegenüber 1993 eigentlich um fast ein Drittel gesunken?

Betrachtet man einzelne Formate geht die Entwicklung ja in beide Richtungen, einige gewinnen, andere verlieren. Die Gründe sind individuell. Pauschal bezogen auf die langfristige Entwicklung der Jahresmarktanteile ist die zuletzt oft strapazierte Fragmentierung des Marktes wesentlich: Seit 1993 hat sich allein das deutsche TV-Angebot ungefähr verfünffacht. Das probieren die Zuschauer nach und nach aus. So geben alle großen Sender ab, auch RTL. Kleinere wie RTL NITRO gewinnen.

Hand aufs Herz: Was war das größte Desaster, der mächtigste Flop, die gewaltigste Schande der Sendergeschichte?

Schande ist ein großes Wort in diesem Kontext, aber Programmmachen heißt unbedingt auch Flops produzieren – so ist das nun mal in einem kreativen Geschäft. Nur die wenigsten Ideen und Konzepte schaffen es überhaupt auf den Bildschirm. Wer nur Fehler vermeiden will, sollte besser woanders arbeiten – entscheidend bleibt, daraus zu lernen.

Und was macht eigentlich Harry Wijnvoord?

… er ist zum Beispiel am kommenden Sonntag Kandidat bei der Promi Koch Arena unserer Kollegen von VOX und soll ansonsten eine gut gepflegte Website haben, die dazu besser Auskunft geben kann als ich …