Das Dienstagsgeheimnis

fragezeichen_1_Heldenhiebewarteschlange

Gewiss, es zählt zu den Evergreens absurder Filmstandards, dass der moralisch Bessere am Ende gewinnen sollte, aber warum Filmhelden immer nur einzeln angegriffen werden, bedarf doch einer genaueren Erklärung

Von Jan Freitag

Würden die Regeln zünftiger Wirtshauskeilereien oder der dritten Halbzeit im Zeitalter gewaltaffiner Hooligans auch am Bildschirm gelten – das der Filmhelden wäre rasch beendet gewesen: weil sie oft einsame Streiter wider das Böse sind, ihm also gern allein entgegen treten, reicht im Grunde stets eine Handvoll Gangster, um beim kollektiven Angriff Schluss zu machen mit dem Heroismus. Da Helden aber nun mal den Nährboden fast aller Erzählungen sind, pflegen visuelle Medien seit jeher, Attacken jeder Art gegen sie abwechselnd fahren zu lassen. Man kann das schön in jedem Infight à la Karl May sehen: Während Old Shatterhand einen Cowboy erledigt, stehen die 23 anderen allenfalls zappelnd, aber passiv im Kreis herum und warten brav auf ihre Abreibung. Nur warum?

Da wäre zunächst die Fürsorgepflicht der Produktion fürs Happyend. Dem würden Ganoven schließlich oft schon beim allerersten Heldenkontakt den Garaus machen, die zwar jedem Kleinkind, um ihr verbrecherisches Ziel zu erreichen, kalt lächelnd in den Rücken schössen, aber im Nahkampf mit Gleichstarken plötzlich Sittenstrenge bewiesen. Zumal, Grund 2, die Heldentauglichkeit wahrer Helden im Repertoire wirksamer Methoden vom fatalen Leberhaken bis zum spiralförmig eingesprungenen Double-Foot-Side-Kick besteht, Schurken möglichst variabel unschädlich zu machen. Abwecchselnd andgewandt kann ein Held seine Kampfmethoden einfach facettenreicher variieren. Hinzu käme ein Gebot filmischer Übersichtlichkeit, das die Verantwortlichen (auch aus Kostengründen) von Massenszenen Abstand nehmen lässt. Und da ist vom Postulat der Handlungsökonomie, in deren Sinne es sinnvoll ist, das Wesen gewöhnlicher Heldenstoffe (also den Heldenkampf) nicht in zwei, drei Minuten durch frühzeitigen K.O. abzuschöpfen, noch gar nicht die Rede. Also, liebe Gegenspieler: bitte anstellen! Ihr kommt schon noch dran…


2 Bier – 1 Platte

Marthe-Mono Inc.MONO INC.: The Cure & AC/DC

So viel Bier und Tattoos auf einem Foto, das gab’s noch nie bei 2 Bier – 1 Platte! Dabei ist zum heutigen Gespräch nur die Hälfte der Dark-Rocker von MONO INC. erschienen. Dafür kommen Sänger Martin Engler und Gitarrist Carl Fornia vorbereitet für vier! Die beiden Wahl-Hamburger haben mit ihrer kürzlich beendeten Tour tausende Fans (musikalisch) beglückt. Bei welcher Musik sie sich von den Tourstrapazen erholen, erzählen sie jetzt.

Interview: Marthe Ruddat 

Martin Engler: Ich kann nur mit einer Platte dienen, ich trinke nämlich kein Bier. Ich bin Weintrinker.

Carl Fornia: Och, also ich würde wohl eins nehmen!

Heute also nur Bier für Carl und mich. Wein habe ich nämlich nicht dabei.

freitagsmedien: Welche Platten habt Ihr mir denn heute mitgebracht?

Martin: Ich habe meine all-time-favourite Platte mitgebracht: The Cure – Disintegration. Das Album war damals einfach anders und mutig. Es wurde plötzlich nicht mehr auf 3:30 Minuten geschielt, und das Album beinhaltet so viele kunstvolle, schon epische Werke! Und das gepaart mit meiner ersten großen Liebe, das vergisst man nicht so schnell.

Disintegration erschien 1989 als achtes The Cure-Album. Nach eher poppigen Liedern orientierte sich dieses Album eher an düsteren und melancholischen Tönen und passt damit sehr zum Stil von MONO INC.

Carl: Die Highway to Hell von AC/DC hat mich am meisten beeinflusst. Das war so meine erste eigene Rockplatte, und ich kann sie auch heute noch hören, Marthe-ACohne dass sie mich nervt.

Hardrock – das überrascht nun in Anbetracht der heutigen T-Shirt-Wahl von Carl recht wenig.

Beide Platten könnte man als eine Art Fundament von New Wave und Hard Rock sehen: Ward ihr Teil dieser Szenen? 

Carl: Ich hatte ehrlich gesagt immer Probleme, mich da so klar einzuordnen. Bei den Klassenfeiern damals standen immer eine Depeche-Mode-Party oder eine AC/DC-Party zur Auswahl. Wer gewonnen hat, hing davon ab, ob mehr Jungs oder mehr Mädchen abgestimmt haben.

Sehr klischeehaft.

Carl: Ja, leider! Ich fand nämlich tatsächlich beides toll! Bis heute bin ich glühender Depeche-Mode-Fan und liebe AC/DC.

Highway to Hell ist das sechste AC/DC-Album. Es war der große Durchbruch der Band – und zugleich ihr letztes Album mit dem unvergleichlichen Sänger Bon Scott, der 1980 verstarb.

Bei der Lieblingsplatte fiel die Auswahl dann aber doch leichter.

Carl: Ja, irgendwie schon. Die Highway to Hell hat mich als Gitarristen einfach auch sehr beeinflusst. Auf ihr ist die Durchschlagskraft und die besondere Rhythmusstruktur von AC/DC zu hören. Diese Struktur baue ich gerne selber mal in unsere Lieder ein, als Rhythmusteppich, über den Martin dann seine Melodien legen kann.

Womit wir wieder zu The Cure kommen. Der Kajalstift ist ja bis heute geblieben!

Martin: Ja, das gehört auch bis heute zu mir. Mit 14 oder 15 kam ich in die New-Wave-Szene. Für die Jugendlichen gab es damals immer Sonntags um 15 Uhr eine Disco. Und da liefen dann so Sachen wie Depeche Mode, The Cure, The Cult. Alle haben Schnabelschuhe getragen und sich die Haare toupiert, die Fingernägel schwarz lackiert und den Kajalstift nicht zu knapp aufgetragen. Der Lifestyle hat zusätzlich gute Musik beinhaltet und meine Eltern genug geschockt. Das war mir mit 15 sehr wichtig.

Sehen wir mal von den besonderen Lebensstilen ab – habt Ihr auf der Highway to Hell oder der Disintegration Lieblingslieder? Oder gar Lieder, die Ihr gerne von der Platte verbannen würdet? 

Marthe-CureMartin: Mein Lieblingssong ist Pictures of You. Der Text berührt mich einfach total. Für mich ist der Song eine 6:30 Minuten dauernde Reise, die mich in immer neue Melodien mitnimmt und emotional berührt. Das ist für mich auch wichtig an einem Song. Lullaby hingegen fand ich nicht gut, obwohl das der große Hit des Albums war. Ich fand es aber nicht doof, weil alle anderen es gut fanden. Mich hat das Lied einfach nicht berührt und den Text fand ich infantil. Für mich ist Musik eben nicht nur Mucke, sondern eine Kombination aus Text und Melodie und die muss einfach stimmen.

The Cure – Pictures of You 

I’ve beenlooking so long at the pictures of you

That I almost believe thatt hey’re real.

I’ ve been living so long with my pictures of you

That I almost believe that thepictures are / All I can feel.

Remembering / You standing quiet in the rain

As I ran to your heart to be near.

And we kissed as the sky fell in / Holding youclose

How I alwaysheldclose in your fear.

Remembering / You running soft through the night.

You were bigger and brighter and wider than snow

And screamed at the make-believe

Screamedatthesky

And you finally found all your courage

To let it all go .

(…)

Carl: Highway to Hell ist für mich einfach der Hit des Albums, auch wenn das vielleicht abgedroschen klingt. Den hab ich früher schon in Bands gespielt und finde ihn einfach immer noch super. Beating Around the Bush ist eher einer, den ich nicht so toll finde. Aber eigentlich ist das einfach ein super Album!

Hättet Ihr nicht mal Lust, Eure Lieblingslieder zu Covern?

Martin: Hm, also eigentlich mache ich mir darüber keine Gedanken, denn Pictures of You werden wir niemals covern. Es gibt einfach Songs, die kann man nicht besser machen und sollte deshalb auch lieber die Finger davon lassen.

The Passenger kann man also besser machen?

MONO INC. covern Iggy Pops The Passenger gerne live. Der Song hat es sogar in die Deluxe Box ihres 2013 erschienen Albums Nimmermehr geschafft.Marthe1

Martin: Den Passenger kann man auf jeden Fall besser einspielen, wenn man dabei nicht so viele Drogen im Kopf hat. Dass wir diesen Song gecovert haben, war so nicht geplant. Ich habe einfach mit einer Akustik-Gitarre ein bisschen rumgespielt, dann diese Melodie gespielt und einfach nur „Lalala“ gesungen. Plötzlich haben alle mitgemacht. Das hat den Leuten dann so gut gefallen, dass wir den Song immer mal wieder spielen. In letzter Zeit kam das allerdings auch recht selten vor.

Carl: Touch too much, das ist der vierte Song auf der Highway to Hell. Den würde ich gerne mal spielen.

Martin: Um den Text singen zu können müsste ich mich aber glaube ich von einem Hoden trennen. Der singt zwei Oktaven zu hoch für mich.

Wir träumen doch nur ein bisschen…

Carl: Ich kann den ja beim Soundcheck mal anspielen, dann bebt der Platz!

Mit ihrem aktuellen Album Terlingua sind MONO INC. ab März wieder in Deutschland auf Tour. Alle Termine und Tickets gibt’s auf www.mono-inc.com 


Das Dienstagsgeheimnis

fragezeichen_1_Durschnittsheldenextremgefährt

Ganz gleich, ob in Deutschland oder der großen, weiten Welt – fiktionale Film und Fernsehfiguren werden chronisch durch ungewöhnliche Oldtimer oder anderweitig verrückte Autos aufgehellt. Angesichts der breiten Masse stinknormaler Gebrauchsfahrzeuge ist das mindestens: Merkwürdig

Früher, als die Bilder noch schwarzweiß liefen, waren Pferdestärken nach Schicht verteilt: der Pöbel fuhr Käfer, der Bonze Benz und auch andernorts variierten die Vehikel strikt zwischen dick für oben und dünn für unten. Dann aber, in den materialistischen Eighties, raste ein Bulle namens Crockett im eigenen Ferrari durch Miami und die Regeln klassenspezifischer Motorisierung schienen außer Kraft gesetzt. Mit dem Ergebnis, dass Pkw nun kein authentizitätsstiftendes Requisit mehr sind, sondern Distinktionsmerkmal schlechthin. Mit den absurdesten Folgen.

Denn wer sich durchs Regelprogramm herkömmlicher Kanäle zappt, stößt unentwegt auf Figuren von göttlichen Medizinern bis fidelen Nonnen, von spät verliebten Sekretärinnen bis früh vergreisten Witwern, die ihre Bürgerlichkeit mit total krassen Kisten aufmöbeln. Da parken gewienerte Oldtimer mit Quietschlackierung vor der Reihenhaussiedlung, als drehe die Degeto nur in Beverly Hills, wo es doch meist Suhl ist oder Südschweden. Seltsam. Aber nachvollziehbar.

Denn während Charaktere und Storys handelsüblicher Schmonzetten den Glanz einer Schrankwand in rustikaler Eiche versprühen, konterkarieren Requisiteure die dramaturgische Tristesse besonders in den Auto-Nationen BRD und USA gern mit exaltierten Kraftwagen. Nur Sonnys Testarossa in Miami Vice – der wäre deutschen Produzenten dann doch zu drüber; da fährt Christine Neubauer doch bloß Mini in Pink mit Rennstreifen. Crazy Biedermeier.


Deine Freunde: Neue Platte & Gewinnspiel

 KindskoepfeDeine Freunde

Zur Feier der dritten Platte von Deine Freunde, zeigen freitagsmedien ein Interview mit Flo, Lukas, Pauli und verlosen exklusiv dreimal die neue CD Kindsköpfe. Die Frage steht unterm Gespräch.

Kinder sind das Derbste

Als Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimscheck vor gut drei Jahren in Hamburg Deine Freunde gründeten, war nicht absehbar, was das für Wellen schlagen würde. Ihre zwei ersten Alben waren schnell in aller Munde. Kindermunde. Aber auch Erwachsenenmunde. Denn Flo, in der Rapszene bekannt als Jim Pansen, Markus, genannt Pauli, Tour-DJ von Fettes Brot, und Lukas, zugleich Moderator beim Ki.Ka, machen echten HipHop für Kinder, der sie musikalisch ähnlich fordert wie textlich. Auch auf dem neuen Album Kindsköpfe geht es wieder um Ferien und Hausaufgaben, Heimweh oder Flummis, also alles, was das Leben gewöhnlicher Familien wirklich prägt.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Liebe Freunde, es geht die Legende, ihr seid entstanden, weil die Kita, in der Florian arbeitet, eine Rap bestellt hat. Stimmt das so?

Florian: So ähnlich, allerdings aus Eigeninitiative, weil wir in der Kita seit Jahren dieselbe Musik gehört hatten. Das wollte ich mal ein bisschen variieren und habe Pauli gefragt, mit dem ich schon seit Jahren Musik mache und der wiederum mit Lukas.

Pauli: Und weil wir uns alle schon gut kannten und die Aufnahmen zu Schokolade so viel Spaß gemacht hatten, haben wir einfach zusammen weitergemacht und eigentlich jede Woche im Übungsraum ein neues Lied aufgenommen.

Mit dem Ziel, die Kindermusik zu revolutionieren?

Florian: Nein, wir wollten uns nie gegen etwas, sondern höchstens für uns positionieren. Es ging zunächst mal um unseren eigenen Spaß an der Sache. Und dass den auch Kinder haben, konnte ich ja jedes Mal bei mir in der Kita testen, wenn ich ein neues Demo vorgespielt habe. Daraus ist eine große Eigendynamik entstanden.

Lukas: Zumal man nur gegen etwas revoltieren kann, was man auch kennt. Von uns weiß bis heute keiner allzu viel von anderer Kindermusik. Aber stimmt schon: was wir im Laufe der Zeit kennengelernt haben, war oftmals relativ unerträglich. Da sind wir hinein gestoßen.

Florian: Erst als wir einen Fuß in der Tür dieser Musikrichtung hatten, habe ich angefangen, mich umzuhören. Trotzdem haben wir uns keine Marktlücke gesucht, die Marktlücke hat uns gefunden.

Und zwar eine, die Kinder ruhig musikalisch und textlich fordern darf?

Lukas: Absolut. Aber wir wollen dabei nicht didaktisch sein und den Kindern mit jedem Lied zwanghaft irgendwas beibringen: Zähneputzen, links-rechts-links gucken – so hört man ja als Erwachsener auch keine Musik. Wir wollen gut unterhalten und ganz wichtig: unsere Songs genauso gut produzieren wie für jede andere Altersklasse.

Pauli: Deshalb hat sich die Arbeit an sich an den Songs auch überhaupt nicht geändert. Da erfordert jeder einzelne die gleiche Sorgfalt.

Florian: Das macht es zu Musik für Kinder, die auch für Erwachsene funktioniert. Deshalb haben wir überraschend viele von denen ohne Kinder im Publikum.

Pauli: Selbst in der HipHop-Branche, bei denen man ja schnell mal als nicht „real“ gilt, haben wir richtige Fans.

Lukas: Man darf ja auch nicht vergessen, dass jene, die mit deutschem HipHop aufgewachsen sind, jetzt oft eigene Kinder haben. Denen bieten wir, auch wenn das kitschig klingt, ein Erlebnis für die ganze Familie.

Florian: Da mussten auch viele Konzertveranstalter erst lernen, dass Erwachsene sich das allein anhören können. In dem Punkt setzen wir uns doch von anderer Musik für Kinder grundsätzlich ab.

Weil ihr die anders als andere mit Ironie fordert?

Lukas: Ich würde es eher Überhöhung nennen.

Florian: Ein verträgliches Augenzwinkern. Etwa wenn es um ernste Themen wie Leistungsdruck und Streit geht, also echte Probleme.

Also doch ein didaktischer Ansatz.

Lukas: Aber eben nicht als Ursache, sondern Effekt. Und ich höre auch eher von Eltern, dass das nach hinten losgeht, wenn sie mir sagen, immer wenn ihre Kinder aufräumen sollen, singen sie unseren Refrain Räum doch selber auf!. Das gab’s vorher wohl eher nicht.

Was aber schon gewertet wird, wenn ihr zum Auftakt der neuen Platte in „Attacke“ erst „Dutzi Dutzi Dutzi, ganz genau nau nau“ singt und dann zu „Scherz, keine Sorge, Deine Freunde klingen so“ den Bass reindrückt.

Lukas: Aber auch da hab ich mein Testpublikum in der Kita, das den Dutzi-Dutzi-Einstieg zu Beginn ebenso ernst nimmt wie den Rap danach. Wir wollen nichts schlecht reden, ehrlich.

Florian: Es geht nur darum, was wir selber mögen, nicht was wir an anderen ablehnen.

Pauli: Da ist kein erhobener Zeigefinger.

Florian: Und wir wollen mit niemandem Streit anfangen.

Auch nicht mit Rolf Zuckowski?

Florian: Mit dem schon gar nicht. Unser Pate.

Lukas: Wir veröffentlichen ja auf seinem Label, das er eigens für uns gegründet hat.

Pauli: Genau damit wollte er zeigen, dass es mittlerweile auch andere Kindermusik gibt.

Florian: Wobei Kinder in seinen Texten auch schon Probleme haben durften. Deshalb passen wir gut zueinander. Er lässt uns von seiner Erfahrung lernen, ohne uns reinzureden.

Lukas: Ein sehr weiser Kumpel.

Aber musikalisch aus einem völlig anderen Metier.

Lukas: Eher Singer/Songwriter, genau. Aber auch wir kommen ja aus unterschiedlichen Richtungen. Ich zum Beispiel habe vorher nie HipHop gemacht, sondern mit Pauli eher Remixes.

Florian: Wobei wir auf dem neuen Album weiter weg vom HipHop in den Pop vordringen, was kleinen Kindern musikalisch oft einiges abverlangt.

Pauli: Wir müssen uns ja auch weiterentwickeln, statt immer nur Viervierteltakt. Rumfrickeln macht gerade mir mehr Spaß.

Florian: Und ich habe gemerkt, dass man selbst Kleinkindern musikalisch viel mehr zumuten kann, als Erwachsene oft denken. Deshalb nehmen wir die auch genauso ernst. Als ich meine Kinder in der Kita mal gebeten hatte, ihre Lieblingsplatte mitzubringen, war alles Mögliche dabei: Peter Fox.

Slayer.

Florian: (lacht) Das nun nicht. Aber Dinge, die sie inhaltlich vielleicht nicht verstehen, aber musikalisch schon.

Lukas: Man lügt sich ja auch in die eigene Tasche, wenn man Kinder unterfordert. Denn die haben ja auch ein Leben abseits von Deine Freunde, sehen fern, spielen Computerspiele. Und da geht ja auch nicht alles wie beim Sandmännchen zu.

Pauli: Und wenn wir auf Festivals gespielt haben und in den Umbaupausen lief Techno, haben die Kinder eben dazu getobt.

Lukas: Obwohl wir oft schreien, laut und technoid sind, gibt bei uns vor der Bühne keine heulenden Kinder. Und das, obwohl die schon bei Märchenvorführungen teilweise heulend auf Mamas Arm landen. Darauf sind wir wirklich stolz.

Aber kommt nicht auch manchmal das Bedürfnis auf, wieder Musik ohne Furzwitze und Kinder vor der Bühne zu machen?

Pauli: Ja, aber das machen wir ja auch alle in anderen Projekten, nur nicht zusammen. Ich trete zum Beispiel mit Fettes Brot auf.

Florian: Mir haben Deine Freunde sogar aus einem kreativen Tief geholfen, deshalb fühle ich mich grad zu wohl, um was zu vermissen.

Lukas: Zumal man in Zeiten von Social Networks in der Erwachsenenmusik immer getrieben wird, ob das cool genug ist, Underground oder doch Mainstream. Diese Sorge haben wir grad nicht. Man wird sehr entspannt. Auch, weil der Tour-Rhythmus wahnsinnig unstressig ist.

Florian: Nicht wie sonst morgens aufbauen, nachmittags Soundcheck und dann diese nervöse Zeit bis zum Auftritt; jetzt bauen wir auf und eine Stunde später geht’s los.

Lukas: Und dann sind Konzerte für uns auch noch geradezu therapeutisch, weil wir danach unglaublich viel positive Resonanz kriegen, was die Musik Eltern und Kindern bedeutet.

Florian: Gerade Kinder begegnen uns dabei voll auf Augenhöhe, die haben noch nicht dieses Star-Denken. Das macht echt Spaß. Kinder sind halt das Derbste.

GEWINNSPIELFRAGE

Vervollständige folgende Strophe vom ersten Song der ersten Platte Deiner Freunde:

Ich esse jeden Tag Obst / Yes Yo / Mal weniger, mal mehr :

Antworten bitte an janfreitag@gmx.net oder mit email-Adresse als Kommentar hinter den Text. Die Gewinner werden gezogen, der Versand erfolgt so, dass die Platte vor Weihnachten da ist.


2 Bier – 1 Platte

IMG_3262Pohlmann & Ben Harper

Manche behaupten, in Kneipen finde man nur Saufkumpane, keine ernstzunehmenden Freundschaften. So ein Quatsch! Deshalb habe ich Pohlmann nach unserer ersten Begegnung auf biergetränktem Terrain erneut getroffen. Neben Star Wars, der aktuellen Flüchlingssituation und dem Untergang der Welt, sprachen wir dieses Mal aber vor allem über ein Lieblingsthema des Hamburgers: Ben Harpers Fight for Your Mind.

Von Marthe Ruddat

Fight for Your Mind erschien 1995. Es war das letzte Soloalbum Harpers, bevor er sich mit The Innocent Criminals zusammen getan hat.

Pohlmann: Dünnwandiges Glas, süffiges Bier, viel Kohlensäure, eiskalt. So muss das sein! Aus so dicken Humpen trinke ich ja gar nicht gerne.

freitagsmedien: Dann mal Prost! Fight for Your Mind, das klingt fast wie ein Lebensmotto. Wie interpretierst du den Albumtitel?

Solche Interpretationsfragen sind ja bei englischsprachiger Musik besonders spannend. Bei Ben Harper lassen die vielen Bilder und Symbole sehr viel interpretativen Freiraum. Aber für mich ist Mind der Geist. Fight for Your Mind heißt für mich also, den Geist lebendig zu halten. Ich glaube, dass der Geist einen Hang zum Vergessen hat. Wir neigen dazu, gedanklich abzudriften. Wenn man sich aber Mühe gibt und kämpft, dann kann man sich sozusagen wach und bewusst halten. Das ist allerdings eine Prozedur, die viel Kraft kostet. Du zündest dich quasi selber an, gerätst mit dir selbst in einen Konflikt. Am Ende brennst du. Ich glaube dieses Brennen sieht man auf dem Albumcover.

Das Cover der Fight for Your Mind zeigt nicht nur Harpers brennendes Gesicht. Das Artwork ist außerdem von den militärischen Wappen der afrikanischen Staaten inspiriert, und so ist jedem Song ein Wappen zugeordnet.index

Das klingt, als würdest du aus Erfahrung sprechen!?

Absolut! Als Musiker kann es passieren, dass man Songs schreibt und auf einmal merkt, auf wie viele Leute man mit dem Finger gezeigt hat. Und plötzlich kann man dabei zusehen, wie sich der Finger umdreht und auf einen selbst zeigt. Da merkt man dann, dass man kein bisschen besser ist als die anderen. Am Ende kann ich mich aber kaum dazu durchringen, so kritische Songs zu veröffentlichen. Meistens schafft es ein solch ein Song auf eine neue Platte.

Hilft dir die Platte dabei, diesen Kampf in dir auszutragen und zu überstehen?

Ja, auf jeden Fall. Es gibt da zum Beispiel den ersten Song, Oppression. Ich glaube Unterdrückung spüren wir alle auf irgendeine Art und Weise. Der Song beschreibt, wie man sich dagegen zur Wehr setzen kann. Das ganze Album ist durchzogen von Religiosität und Spiritualität. Eigentlich stehe ich solchen Dingen sehr skeptisch gegenüber. Aber wenn es einen Gott gibt und ein Sänger daran glauben kann, dann kann er über sich hinaus wachsen. Ich glaube, Ben Harper nimmt mich da einfach mit. Seine Musik ist für mich wie eine Droge. Naja, nicht Droge, eher Bewusstseinserweiterung!

Wie oft und in welchen Momenten gibst du dich denn dieser Bewusstseinserweiterung hin?

Ehrlich gesagt, höre ich im Moment kaum noch Musik. Ich bin da gar nicht so auf dem Laufenden. Aber wenn ich diese Scheibe höre, dann mit Kopfhörern. Und dann genieße ich einfach diesen wahnwitzig geilen Sound, voller Seele, voller Freude, voller Energie.

Welcher ist din Lieblingssong auf der Platte?

Es gibt zu viele Songs, die sich um diesen Platz streiten. Aber der Song Power of the Gospel berührt mich sehr. Es ist ein Song, der mich irgendwie aufbricht und alle Zweifel auflöst. Hass, Neid, Missgunst, Angst, all diese Gefühle bedrängen uns und werden in Liebe verstanden. Wenn wir uns mit unseren Monstern allein fühlen, kann so ein Song helfen.

 

Ben Harper – Power of the Gospel

It will make a weak man mighty / it will make a mighty man fall

it will fill your heart and hands / or leave you with nothing at all.

It’s the eyes for the blind / and legs for the lame

it is love for hate / and pride for shame.

 

That’s the power of the gospel / that’s the power of the gospel

that’s the power of the mighty power / that’s the power of the gospel.

Gospel on the water / gospel on the land

the gospel in every woman / the gospel in every man.

Gospel in the garden / gospel in the trees

the gospel that’s inside of you / the gospel inside of me.

 

Hast du Ben Harper mal getroffen?

Oh ja! Und ich habe mich davor so besoffen, dass ich heute immer noch darüber nachdenke, wie dämlich ich eigentlich bin. Also du musst dir vorstellen, Ben Harper ist für mich, was Prince für andere Leute ist. Ich hab jetzt kein Poster von ihm Zuhause. Bei diesem Treffen hätte ich einfach cool und gelassen sein müssen. Statt dessen habe ich all das gemacht, was man nicht machen sollte, wenn man einen guten Eindruck hinterlassen möchte.

Klingt viel schlimmer als es ist!

Es gab da so eine Radioshow und ich sollte ihn danach treffen. Meine Plattenfirma hatte das organisiert. Ich war aber so nervös, dass ich vorher erst mal drei Tequila getrunken habe. Ben Harper kam dann mit dem Handtuch um den Hals von seiner Show und meinte ganz cool: „Tonight I am gonna drink my ass off!“ Naja, dann haben alle halt getrunken, aber ich war eben drei Tequila im Vortreffen. Als ich dann endlich neben ihm saß, hab ich den Typen einfach nur vollgequatscht. So wie ich dich gerade vollquatsche, nur mit etwa drei Gin Tonic und noch vier Bier.

Marthe1Was hast Du ihm denn so erzählt?

Das weiß ich noch ganz genau! Ich hatte auf dem Hinweg eine Dokumentation über so eine Mozartlocke gesehen. Ich erzähle das jetzt nicht alles. Im Endeffekt ging es um Laudanum, Drogen und Rock’n’Roll. Mozart war ein taffer Kollege. Nach seinem Tod fand man in seiner Locke keine Spuren von Laudanum. Das haben die Menschen damals genommen wie Aspirin, aber es ist sehr viel stärker. Mozart wollte sich aber nicht so benebeln lassen und hielt seine Schmerzen aus, um bei klarem Verstand zu bleiben. Du musst beachten, dass ich die ganze Geschichte auf Englisch erzählen musste und noch eine längere Hintergrundgeschichte dazu gehörte. Naja, ich glaube ich hole manchmal zu weit aus. Er ist irgendwann einfach aufgestanden und hat gesagt: „It’s time to go, I am tired.“ Und ich saß da dann so…naja… Ich war einfach angetüdelt und habe zu viel Mut bekommen. Ich hätte ihn ja auch tausend Sachen zu seinen Songs fragen können. Aber nein, ich musste ihm irgend eine Geschichte erzählen.

Was würdest du ihn denn fragen, wenn du Ben Harper nüchtern treffen würdest?

Ich würde ihn etwas über Spiritualität fragen und was für ihn Glaube und Musik bedeutet.

Weil er in dieser Hinsicht ein Vorbild für dich ist?

Von Vorbildern halte ich nicht viel. Kill your Idols, heißt es immer so schön! Ich möchte nicht sein wie Ben Harper. Das ist ein Gefängnis, in das man als Künstler geraten kann. Aber ich möchte genau so wie er ein Gefühl der Selbstvergessenheit empfinden, wenn ich Musik mache. Ich glaube, wenn ich ihn heute treffen würde, dann würde ich die Sache mit mehr Würde und weniger Angst angehen.

Seit 2013 warten wir auf ein neues Pohlmann-Album, müssten uns aber noch ein bisschen weiter gedulden. Die Wartezeit kann allerdings mit einem Besuch der Jahr aus Jahr ein – unplugged Tour überbrückt werden. Ab dem 11.12.15 reist Pohlmann durch die Republik und ist am 21.12. in der Hamburger Fabrik zu Gast. Tickets und Infos auf www.ingopohlmann.de.


2 Bier – 1 Platte

Marthe-LuisaLùisa – Joanna Newsom

Eine Do-It-Yourself-Attitüde unter den Singer-/Songwritern ist nur wenig revolutionär. Mit ihrem im Mai erschienenen Album Never Own geleitet die Hamburgerin Lùisa diese Einstellung zur eigenen Kunst aber auf ein neues Niveau. Sie schreibt nicht nur ihre Musik und die Texte selber. Auch beim Artwork und ihren beachtenswerten Videos vertraut sie auf die eigene Kreativität oder das Können enger Freunde. Das Ergebnis ist in vielerlei Hinsicht besonders. Es verwundert deshalb kaum, dass Lùisa bei zwei Bieren über eine Platte der außergewöhnlichen Joanna Newsom spricht.

Von Marthe Ruddat 

Lùisa: Ich musste erst einmal darüber nachdenken, welche Platte mich denn besonders beeinflusst hat. Eigentlich gibt es da so einige. Aber die Ys von Joanna Newsom ist schon etwas ganz Besonderes für mich.

freitagsmedien: Gehen wir mal davon aus, dass ich Joanna Newsom nicht kennt. Erzähl doch mal von ihr.

Lùisa: Joanna Newsom ist eine Sängerin und Harfenspielerin aus den USA. Man kann sie so in der New Folk-Ecke ansiedeln. Sie spielt also die Harfe zu ihrem Gesang und schreibt ganz ungewöhnliche Lieder, die manchmal auch 10 Minuten lang sind. Ihre Stimme ist auch sehr ausgefallen, sie klingt wie eine kleine Elfe oder ein Kobold. Ich glaube, dass manche sie deshalb auch nicht mögen. Aber für mich haben ihre außergewöhnlichen Kompositionen irgendwie etwas Kosmisches, etwas, dass mich wieder mit der Welt verbindet.

Ys ist das 2006 erschienene zweite Album von Joanna Newsom. Es ist, wie passend, nach der Legende der versunkenen Stadt Ys in der französischen Bretagne benannt.

In der Vergangenheit hast du schon einmal darüber gesprochen, dass deine Generation oft nicht weiß, wo sie hin gehört und sich verloren fühlt. Um zur Ruhe zu kommen hilft dir also nicht nur deine eigene Musik, sondern auch die Ys?

Genau, das ist etwas, was Never Own auch aufgreift. Dass man versucht das Leben als Ganzes zu sehen und sich nicht in Alltäglichem verliert.

Never Own ist im Mai 2015 erschienen. Mit ihrer rauen Stimme und dem Mix aus Folk, Electro und Pop heimste Lùisa durchweg positive Kritiken ein. Den immer wieder erwähnten Vergleich mit Björk oder PJ Harvey versucht sie locker zu nehmen.

Ich glaube, wir vergessen oft das Wesentliche und definieren uns über Dinge, die uns schlussendlich wieder fragen lassen, ob man wirklich zu dieser Welt marthe-ysdazugehören möchte. Diesbezüglich hat mich die Ys auch spirituell sehr geprägt. Wenn ich die Platte höre, fühle ich mich wieder zugehörig und gut aufgehoben. Vielleicht erdet sie einen sogar ein bisschen.

Ist es das, was für dich gute Musik ausmacht?

Ja schon. Ich habe die Platte das erste Mal gehört als ich so ungefähr 17 war. Mein Bruder hat sie mir gezeigt, und das war wirklich eine prägende Erfahrung. Wenn ich mich frage, was Musik für mich ist, dann ist es etwas berührendes, das tief in die Seele greift. Und genau das tut Joanna Newsom.

Kannst Du das Aussehen der Platte, vielleicht das Cover etwas beschreiben?

Ich weiß das ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, weil ich im Moment nur die MP3-Version habe. Aber ich hatte mal die Vinyl und die hatte einen geprägten Blumenprint. Wie das Cover aussieht weiß ich leider nicht mehr. Aber dieser Blumenprint ist großartig. Irgendwie wurde dadurch ihr Werk auch noch mit der Haptik verbunden.

Bist du also eher der MP3- oder der Vinyl-Typ?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe mir gerade einen neuen Plattenspieler gekauft. Ich hab ja schließlich jetzt auch eine eigene Platte! Aber eigentlich höre ich eher MP3s, weil ich beim Musik hören immer in Bewegung sein muss. Die Ys habe ich früher zum Beispiel viel im Wald gehört. Heute laufe ich halt durch die Stadt. So verbinde ich mit der Musik immer ganz bestimmte Eindrücke.

Würdest Du mir empfehlen, die Ys genau so, bei einem Wald- oder Stadtspaziergang, das erste Mal zu hören?

Also ich habe die Platte vor Kurzem noch einmal gehört und da lag ich auf meinem Bett, hatte das Fenster offen habe mich kopfüber heraus gelehnt. Ich glaube, in so einem Moment sollte man sie das erste Mal hören. Auf keinen Fall so zwischendurch. Man muss sich darauf einlassen können und braucht ein gewisses Bewusstsein. Man knallt sich ja auch nicht mitten am Tag einfach die volle Ladung Drogen rein….

Marthe1…oder Bier. Genau! Das ganze passiert mit einem großen Bewusstsein und jeder trinkt eh nur so viel wie sie oder er mag!

Hast Du ein Lieblingslied auf der Platte?

Hm, das ist wirklich schwer, weil die einfach alle richtig toll sind! Emily ist das erste Lied. Es handelt von Joannas Schwester, die Meteorologin ist. Cosmea ist aber auch toll. Dieser Song hat so etwas Kosmisches, wie ich es schon beschrieben habe. Er ist irgendwie zauberhaft und märchenhaft. Aber alle Lieder von der Platte scheinen nicht von dieser Welt zu sein. Und diese ungewöhnliche Musik mag ich einfach gerne.

Joanna Newsom – Emily

And, Emily, I saw you last night by the river.

I dreamed you were skipping little stones across the surface of the water —

frowning at the angle where they were lost, and slipped under forever,

in a mud-cloud, mica-spangled, likethesky’dbeenbreathing on a mirror.

Anyhow, I sat by your side, by the water.

You taught me the names of the stars overhead, that I wrote down in my ledger —

though all I knew of the rote universe were those Pleiades, loosed in December,

I promised you I’d set them to verse, so I’d always remember

That the meteorite is the source of the light,

And the meteor’s just what we see;

And themeteoroid is a stone that’s devoid of the fire that propelled it to thee.

And themeteorite’s just what causes the light,

And themeteor’s how it’s perceived;

And themeteoroid’s a bone thrown from the void, that lies quiet in offering to thee.

Wenn Du Joanna Newsom treffen würdest, was würdest Du sie fragen?

Oh, das wäre wirklich fantastisch! Ich glaube ich würde sie viele persönliche Dinge fragen und weniger über die Komposition ihrer Musik. Ich hätte eher viele Fragen zu ihrem Werdegang als Musikerin. Sie schreibt ja auch sehr persönliche Texte und erzählt damit ganze Geschichten. Ich verarbeite in meiner Musik ja auch sehr viel Persönliches. Ich hatte zwar noch nie eine besonders negative Erfahrung, aber manchmal ist es nur schwer auszuhalten, sich vor Fremden Menschen dermaßen zu öffnen. Ich würde sie gerne Fragen, wie sie die Balance hält. Wenn man Musiker ist, dann hat man einfach keinen eight-to-five-Job, es gibt keine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben. Darüber würde ich gerne mit ihr sprechen. Sie ist ja so ungefähr 10 Jahre älter als ich und hat da bestimmt Ahnung.

Du gestaltest deine Arbeit ja auch sehr persönlich, indem du stets mit Freunden und engen Bekannten zusammen arbeitest. Gibt es jemanden, den du nicht persönlich kennst, aber gerne mal mit ins Boot holen würdest?

Ich mag ja elektronische Musik total gerne. Im Moment bin ich total auf Nicolas Jaar hängen geblieben. Ich fände es total cool, mit dem mal ein Feature zu machen. Der dürfte meine Stimme auch zerhacken und reinsamplen, wie er möchte. Aber auch von DJ Koze bin ich ein riesengroßer Fan. Es müssen jetzt gar nicht diese beiden sein, aber ich möchte in Zukunft mehr mit anderen Künstlern zusammen arbeiten. Ich glaube, da können richtig tolle Sachen entstehen.

In der nahen Zukunft tritt Lùisa aber noch als Solokünstlerin auf. Nach ihrer Clubtour kann man sie am 19. November als Support von Oh Land im Molotow auf der Bühne bewundern. Weitere Termine und auch alle Musikvideos gibt’s auf www.listentoluisa.com.


Das Dienstagsgeheimnis

fragezeichen_1_Stuhlgangdrangkontrollwahn

Das Leben besteht nicht nur aus Action, sondern auch aus reichlich Alltag. Die Notdurft zum Beispiel. Komisch, dass sie am Bildschirm dennoch so selten verrichtet wird.

Ob Vince Vega Schuld ist, dass die gemeine Notdurft in Film & Fernsehen so selten zu sehen ist? Profaner Stuhlgang war fiktional jedenfalls selten zuvor (und danach) so fatal wie für den sympathischen Killer, den Quentin Tarantino in Pulp Fiction einst beim „Kacken“, wie John Travolta gesagt hätte, vom Klo schießen ließ. Fast scheint es, als sei sein erbärmlicher Abort-Abgang eine Art self fulfilling profecy für fiktionale Formate insgesamt, wie böse es enden kann, wenn man Stuhlgang und ähnliche Ausscheidungsprozesse nicht wie üblich dezent von Bildschirm und Leinwand verbannt.

Dass dies bis auf Ausnahmen ansonsten der Fall ist, hat viel mit Rücksichtnahme aufs zivilisationsbedingte Tabu sichtbarer Exkremente zu tun, die als Requisite selbst im sittengelassenen Sexshop nur verstohlene Ecken ausstatten. Schließlich bedarf es bei so anrüchigen Szenen nicht mal des viel gepriesenen Geruchsfernsehens, um förmlich aus dem Flatscreen zu stinken, und wer will so was schon haben im Wohnzimmer. Dass Darsteller ihr Geschäft eher abseits der Kamera verrichten, ist aber auch – kein Scherz – eine Frage der Technik. Selbst geräumige Bäder sind nämlich schlichtweg meist zu klein für vielköpfige Drehteams und ihr Equipment.

Das ist auch der Grund, warum weit weniger pikantes Toilettengebaren von Zahn- bis Bartpflege im Verhältnis zu jener Zeit, die täglich darauf verwendet wird, fiktional strukturell unsichtbar bleibt. Und es ist der Grund, warum Vince Vegas elendiger Tod aus der Flucht eines langen Flurs gefilmt wurde. Wie ein Fanal: Zu eng hier drin, war nur ein Versucht, bitte nicht wiederholen!


2 Bier – 1 Platte

Marthe-IrieIrie Révoltés – Jacko & Bad

Wie kann man das Geräusch anstoßender Bierflaschen wohl am Besten verschriftlichen? Kling oder Klong? Ich bespreche dieses Thema ausführlich mit Carlito und Mal Èlevé. Irgendwie ist es uns wichtig. Schließlich gehört dieses Geräusch zu dieser Kolumne wie das hüpfende Herz beim Gedanken an die Lieblingsplatte. Wir probieren etwas herum und einigen uns auf Kling. Also: Kling, kling…kling! Die Brüder sind Sänger von Irie Révoltés. Mit ihrer Mischung aus Reggae, Ska und HipHop bringt die Band auf ihrer Deutschlandtour zur Zeit ihr Publikum ins Schwitzen. Mindestens genauso auffallend wie die Live-Auftritte der Gruppe ist aber ihr soziales Engagement. Seit der ersten Stunde engagieren sie sich für Viva conAgua und verwirklichen auch eigene soziale Projekte. Was für Musik hört so ein Musiker, der seine eigene Arbeit gerne mit politischen Inhalten füllt, wohl privat?

Interview: Marthe Ruddat

Carlito: Wir haben uns wirklich viele Gedanken über dieses Thema gemacht! Wir wollen ja schließlich irgendwie auch die Band repräsentieren. Das ist bei acht Leuten gar nicht so leicht. Irgendwie kommen wir alle aus verschiedenen musikalischen Richtungen, obwohl HipHop eine Schnittmenge ist. Aber das wäre doch sehr einfach, und deshalb haben wir uns überlegt, noch weiter zurück zu gehen. Wir gehen also ganz an den Anfang vom Anfang und sprechen über das Album, was uns für die Musik begeistert hat. Und da sind wir dann bei Bad von Michael Jackson.

Bad war das siebte Studioalbum von Michael Jackson. Als Nachfolger von Thriller war es weltweit ebenso erfolgreich und wurde bis heute mehr als 45 Millionen mal verkauft. In Deutschland gab es allein von neun der elf Lieder Single-Auskopplungen.

Marthe: Ach. Also damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet!

Carlito: Genau, damit rechnet bei uns irgendwie niemand. Auch deshalb haben wir uns für dieses Album entschieden. Und wir haben einfach viele Geschichten darüber zu erzählen.

Mal Élevé: Es gibt einfach kein Album, was die Musik der Band geprägt hat. Deshalb haben wir uns für eine Platte entschieden, die uns musikalisch motiviert Badhat.

Jetzt bin ich natürlich neugierig auf die Geschichten!

Mal Élevé: Bad erinnert uns sehr an unsere Kindheit. Wenn wir unsere Familie in Frankreich besucht haben, dann haben wir auch immer unsere Cousins getroffen.

Carlitos und Mal Élevés Vater ist Franzose. Irie Révoltés texten nicht nur auf Deutsch, sondern auch Französisch.

Mal Éleve: Und obwohl wir alle unterschiedliche Musik mochten, fand doch jeder dieses Album gut. Wir haben uns zusammen immer Konzerte vorgestellt. Ich weiß noch: Damit es sich wirklich anfühlt wie ein Konzert, haben wir uns in Frankreich ins Auto gesetzt und unfassbar geschwitzt. Wie auf einem Konzert halt. Später haben wir uns auch Tanzschritte zu den verschiedenen Liedern ausgedacht.

Also war es eher so eine Art Urlaubsmusik?

Carlito: Nein, das nicht. Ich habe das Album rauf und runter gehört. Beim Hausaufgaben machen stand der Kassettenrekorder immer neben mir. Und die Bad immer auf Schleife. Mit dem Kassettenrekorder konntest du nicht einfach das nächste Lied anmachen.

Gab es trotzdem ein Lied, bei welchem Du vorgespult hast?

Carlito: Den Just Good Friends fand ich nicht so geil. Eigentlich finde ich ihn heute immer noch nicht gut. Aber ich glaube Michael Jackson fand den selber scheisse. Der Song ist eigentlich nur auf dem Album, weil das so schon mit Stevie Wonder abgemacht war.

Marthe1Just Good Friends ist eines von zwei Liedern auf dem Bad-Album, das nicht von Michael Jackson selbst geschrieben wurde. Das andere ist Man In The Mirror. Just Good Friends wurde nur einmal von Michael Jackson und Stevie Wonder live präsentiert worden.

Ihr habt vorhin von musikalischer Motivation gesprochen. Was genau hat Euch an dem Album motiviert, selbst Musik zu machen?

Carlito: Wir waren später auf ein paar Konzerten von Michael Jackson. Die waren wirklich sehr beeindruckend. Da wurde ja tatsächlich die reinste Popmusik gespielt und trotzdem sind alle gesprungen! All diese Konzerte hatten einen riesengroßen emotionalen Faktor. Da steht dieser Typ mit seiner Popmusik auf der Bühne und versprüht so viel Energie, dass alle hüpfen und springen. Ich glaube mich hat das schon insofern beeinflusst, als dass ich mir wünsche, dass auf unseren Konzerten auch eine springwütige Energie herrscht.

Mal Élevé: Tatsächlich war dieser Einfluss total lange gar nicht präsent. In der Anfangszeit von Irie Révoltés waren ganz andere Alben und Musikrichtungen präsent. Aber wir glauben schon, dass die Bad uns unterbewusst dazu motiviert hat den Leuten eine mindestens genauso tolle Zeit auf Konzerten zu bereiten, wie wir sie bei Michael Jackson erlebt haben.

Carlito: Wenn man mal drüber nach denkt ist es irgendwie auch witzig, das sowohl wir, als auch unser Cousin etwas mit Musik machen. Und wir saßen alle zusammen schwitzend in diesem Auto…

Habt ihr ein Lieblingslied auf dem Album?

Carlito: Nee, das war eher phasenweise. Smooth Criminal war aber schon immer weit vorne. Heutzutage finde ich Dirty Diana am geilsten. Der ist musikalisch einfach toll und wirkt nicht so gewollt und überproduziert wie manch anderer Song. Heute ist das mein Lieblingssong. Früher war das eher abhängig von den Musikvideos, die gerade aktuell waren. Und dann war da ja auch noch der Moonwalker.

 

Dirty Diana

You’ll never make me stay / So take your weight off of me.

I know you’re very move / So won’t you just let me be.

I’ve been here times before / But I was too blind to see,

That you seduce every men / This time you won’t seduce me.

She’s saying that’s ok / Hey baby do what you please

I have the stuff that you want / I am the thing that you need.

She looked me deep in the eyes / She’s touchin’ me so to start

She says there’s no turnin’ back / She trapped me in her heart.

Dirty Diana, oh…

 

Ihr wart schon ziemlich krasse Fans…

Carlito: Klar, wir waren die totalen Fans! Wir haben uns damals ein Zimmer geteilt und alles war voll mit Michael Jackson. Der war auch einfach ein Superstar. Und uns hat mit seiner Energie einfach total gepackt! Die Texte waren ja egal, die haben wir ja eh nicht verstanden.

Ihr covert ja eigentlich nicht. Wie wäre es mit einer Premiere mit Dirty Diana?

Mal Élevé: Früher haben wir bei den Proben auf Tour gerne mal gecovert und dann gefreestyled. Manchmal sind da ganze Songs entstanden. Aber heute machen wir das gar nicht mehr so.

Carlito: Aber Dirty Diana als Ragga-Song wär mal ziemlich legendär! Darüber müssen wir mal ernsthaft nachdenken…

Irie Révoltés sind gerade mit ihrem gleichnamigen Album auf Tour. In Hamburg kann man sich am 14. Oktober in der Großen Freiheit von den Live-Qualitäten der Band überzeugen.


Das Dienstagsgeheimnis

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Superschurkenhelferrekrutierung

Woher nur beziehen die finstersten Gegenspieler der strahlendsten Helden bloß immer all die uniformierten Söldnerheere, mit denen es nicht nur 007 gern zu tun kriegte? 

Superschurke müsste man sein: Ebenso viel Geld wie Gehirnzellen, Superschurkenzentrale vom Umfang mittlerer Zwergstaaten, dazu siedend heiße Gespielinnen im Dutzend und etwas, das die Weltherrschaftseroberung viel leichter macht als ganz allein vom Sessel aus: Söldnerheere, riesengroß, skrupellos, bis zum bitteren Ende auf ihren finsteren Bandenboss eingeschworen, der ihnen dafür allerdings auch – nun ja, was eigentlich als Gegenleistung erbringt? Wer das berittene Cowboykanonenfutter im technikolorbunten Western à la Winnetou betrachtet oder James Bonds Rivalen, die unterirdische Weltherrschaftseroberungsheere gleich zu Hunderten bevölkern, könnte da ja durchaus neugierig werden…

Denn um sich in mausgrauer bis staubbrauner Uniform für sinistre Despoten mit eher ilimitiertem Gerechtigkeitsverständnis reihenweise abknallen zu lassen bedarf es abseits vom weltlichen Ertrag ja doch eine Perspektive im Jenseits, mindestens das Paradies, Jungfrauen inklusive. Da all die Blofelds und Rattlers der Filmwelt selten islamischen Glaubens waren, muss der Lohn des Todesmutes demnach schon größer als alle Genüsse im Jenseits. Weil aber bislang noch kein einziges Gangsterheer erfolgreich war, bliebe also nur eins: Warhols 15 Minuten Berühmtheit im Dienste eines echt widerlichen Bösewichts, Option unmittelbare Nähe zur Höllenmachine, die 007 Sekunden vor der Detonation noch schnell entschärft. Ein vergänglicher Ruhm, zugegeben. Aber irre aufregend.


2 Bier, 1 Platte

BOY_window_press_pic_II_by_Debora_Mittelstaedt_800BOY – Colvin & Phoenix

Manche Begegnungen sind schicksalhaft. So auch die von Valeska Steiner und Sonja Glass an der Musikhochschule in Hamburg. Sie gründen BOY (Foto@Debora Mittelstaedt) und erreichen mit ihrem Debut Mutual Friends 2011 Goldstatus. Im selben Jahr wird ihr Song Little Numbers durch seine zahlreiche Verwendung in der Werbung zum Ohrwurm. Nun ist mit We were here das lang ersehnte zweite Studioalbum der Wahl-Hamburgerinnen erschienen. Mit ihrer Musik treffen BOY bei HörerInnen weltweit einen Nerv. Welche Alben bei den Beiden einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, erzählen sie im Interview.

Interview: Marthe Ruddat

freitagsmedien: Eure eigene Musik ist, besonders durch die Texte, sehr ausdrucksstark und bedeutungsvoll. Genießt ihr in entspannten Momenten auch gerne mal Musik ohne große Inhalte?

Valeska: Viele sagen ja, dass sie bei Musik auf das Gesamtpaket achten und die Texte nicht so wichtig sind. Das ist bei mir absolut nicht der Fall. Wenn ich etwas beim ersten Hören cool finde, mir beim zweiten Hören aber auffällt, dass ich die Texte nicht mag, dann mag ich das ganze Lied einfach nicht mehr. Anders ist es, wenn die Texte rätselhaft sind, wie zum Beispiel bei Bon Iver. Das wiederum finde ich sehr reizvoll.

Sonja und Valeska kannten zwei Bier – eine Platte vor unserem Treffen nicht. Jetzt überlegen sie fieberhaft, von welcher Platte sie gemeinsam erzählen möchten.

Sonja: Mensch, ich hätte das so gerne vorher gewusst! Das ist ja ein tolles Thema!

Valeska: Ja, ich hätte mir gerne vorher was überlegt. Das ist gerade wirklich schwierig. Ich möchte ja auch was über die Texte erzählen können. Ich bin gerade auch so müde.

Am Abend zuvor gaben BOY ein exklusives Konzert, um ihr neues Album zu präsentieren. Ich kann die Müdigkeit gut nachvollziehen.

Wenn nun jede von euch ein eigenes, für sie prägendes Album wählen könnte, welche wären das?

Valeska: Es gibt eine Platte, die für mich besonders wichtig war: A Few Small Repairs von Shawn Colvin. Ich habe51JhZWUgRcL sie von einem befreundeten Musiker geschenkt bekommen, als ich ungefähr sechzehn war. Die Musik ist so eine Art Country oder amerikanischer Folk. Shawn Colvin hat mir einfach die Welt der Singer und Songwriter eröffnet. Sie schreibt Texte, die ganze Geschichten erzählen.

Nach ihrer Zusammenarbeit mit Tracy Chapman und Suzanne Vega begann Shwan Colvin Ende der Achtziger mit der Veröffentlichung eigener Alben. A Few Small Repairs war ihr erster großer Erfolg. Für die darauf enthaltene Single Sunny Came Home erhielt sie 1998 zwei Grammys.

Deine Teenagerzeit ist nun ja schon einige Zeit vergangen. Hörst du die Platte heute noch?

Valeska: Nein, eher nicht. Aber damals war sie eine Art Erleuchtung für mich. Ich war damals auf einer Gesangsschule. Da war es üblich, Songs von Christina Aguilera und Whitney Houston zu singen. Es ging vor allem darum, besonders beeindruckend zu singen. Und dann war da plötzlich Shawn Colvin mit ihrer Musik, in der es um die Texte ging und darum, mit dem Singen eine Botschaft zu vermitteln. Das hat mich damals sehr beeindruckt. Heute ist sie wegen des Musikstils einfach nicht mehr so interessant für mich. Vielleicht höre ich sie ja wieder etwas öfter, wenn ich älter bin.

Sonja: Ich kenne die Platte ja gar nicht. Eigentlich müsste ich sie mir mal anhören! Ich muss ja wissen wo Du herkommst!

Valeska: Ja! Ich wäre total gespannt ob sie dir gefällt. Unsere eigene Musik ist sehr weit weg von dem, was Shawn Colvin macht. Aber die Texte sind wirklich gut! Du musst sie unbedingt mal hören!

220px-PhoenixAlphabeticalalbumcoverSonja: Für mich ist die Alphabetical von Phoenix eine ganz wichtige Platte. Aber die haben Dir wahrscheinlich schon viele genannt.

Nein, noch niemand!

Sonja: Echt nicht? Also bei mir ist die total eingeschlagen. Unser jetziger Produzent hat sie mir gezeigt. Damals war er noch gar nicht unser Produzent, zu der Zeit kannte ich Valeska auch noch gar nicht. Ich war mit Philipp Steinke mit einer anderen Band auf Tour. Irgendwann kam er mit der Platte in der Hand in den Tourbus und sagte: „Ich hab mir gerade eine coole Platte gekauft! Die musst Du Dir anhören!“ Ich war sofort völlig beeindruckt. Irgendwie war die Alphabetical etwas total Neues. Sie verbreitet so eine positive Energie und ist gleichzeitig so wild. Es fällt mir schwer das genau zu beschreiben, ich finde sie einfach wahnsinnig gut.

Das sehen viele andere ähnlich, und so wurden auch Phoenix schon mit einem Grammy ausgezeichnet. Die französische Band steuert hin und wieder Songs zu den Filmen von Sofia Coppola bei und trat in selbigen schon als Hofband auf. Ihr bisher letztes Album Bankrupt erschien 2013.

Verbindest du die Platte seither mit dem Unterwegssein oder kannst du sie in jeder Stimmung hören?

Sonja: Die kann man wirklich immer hören. Auf Partys, unterwegs, überall! Immer wenn ich irgendwo bin und sie zufällig läuft freue ich mich sehr. Sie ist einfach ein all-time-favourite.

Stell dir vor ich würde Phoenix nicht kennen…

Valeska: Was (mit fünf a)? Also dann hast du was vor dir! Die sind wirklich so gut!

Sonja: Also eigentlich kann man das Gleiche auch über das vierte Album sagen. Wolfgang Amadeus Phoenix. Hör sie dir bitte unbedingt an!

Erledigt! Ich kann diese Empfehlung nur weiter geben…

Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht einen Song von Shawn Colvin oder Phoenix zu covern?Marthe1

Valeska: Also bei mir ist das eher so: Wenn ich Musik höre, dann höre ich sie tatsächlich als Hörerin. Ich habe dann nicht den Gedanken, dass ich selber Musikerin bin und etwas dazu beitragen möchte.

Sonja: Ich glaube, vor denen, die man am Tollsten findet, hat man wahrscheinlich auch am meisten Respekt. Ich glaube ich hätte da auch eher Schiss.

Ihr covert aber manchmal Lonely Boy von The Black Keys. Das macht Ihr doch nicht nur wegen des Wortspiels?

Sonja: Also das ist höchstens ein lustiger Nebeneffekt. Wir haben zwei längere Touren durch die USA gemacht. Wenn man da die Radiostationen besucht, wird sich neben den eigenen Songs meist auch ein Cover gewünscht. Das hat da irgendwie Tradition. So haben wir angefangen Lonely Boy zu covern. Wir finden den Song einfach super, deshalb spielen wir ihn auch auf manchen Konzerten.

Vielleicht kommen die Besucher der kommenden Konzerte ja auch in diesen Genuss. BOY sind ab jetzt auf großer Tour durch Europa. Die meisten Termine sind bereits ausverkauft. Wer noch Tickets ergattern möchte, geht auf http://www.listentoboy.com.