Generation Heidi & Generation F
Posted: February 7, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a comment
Die Gebrauchtwoche
31. Januar – 6. Februar
Sie hat es getan. In der 17. Auflage von GNTM sprach Heidi Klum den zentralen Satz ihrer frühjährlichen Frauenverachtungsparade und benutzte dabei womöglich erstmals die grammatikalisch korrekte Form, es könne „nur eine Germany’s Topmodel“ werden, nicht einer, wie sie es seit 2006 zu sagen pflegte. Maskulinum. Und nicht nur das: Ihre Kandidatinnen, deren Alter bislang meistens weitaus höher war als ihr jeweiliger Body Mass Index, heißen nun nicht mehr Mädels, sondern Models, deren Alter obendrein teilweise dreimal so hoch ist wie der durchschnittliche BMI.
Fast könnte man meinen, Heidi Klum habe sich auf ihre etwas älteren Tage vom Sexismus emanzipiert. Das zwar nicht; ihr Frauenbild bleibt eines weiblicher Zuschaustellung jenseits innerer Werte. Aber es ist ein Anfang. Ein – zumindest vorläufiges – Ende hat dagegen die Deutsche Welle erlebt. Keine 24 Stunden, nachdem die deutsche Kommission für Zulassung und Aufsicht von Medienanstalten (ZAK) RT DE eine Sendelizenz verweigerte, um die sich der russische Staatspropagandakanal noch gar nicht beworben hatte, entzog Moskau der DW die Akkreditierung.
Mehr noch: ihre Journalist*innen dürfen nun gar nicht mehr aus Putins Zarenreich berichten. Womit er einmal mehr beweist, dass Diktaturen wie seine nicht mal mehr den Schein diplomatischer Regeln wahren. Dass China zeitgleich eine PR-Show aufführt, die nur olympisch singt und lacht, ist keine Ausnahme dieser Entwicklung, sondern ihr zynischster Ausdruck. Wir dürfen daher gespannt sein, wann chinakritische Sportkorrespondenten plötzlich – hoppela – positiv auf Corona getestet werden und – hoppela – mit kaputtem Netz in Isolationshaft geraten.
Noch was? Ach ja: 7 Tage 7 Köpfe ist zurück, und zwar leider mit dem unerträglich selbstversessenen Guido Cantz, aber zum Glück auch einigen jener Momente, die das Promi-Panel auf RTL einst trotz erbärmlicher Frauenquote so unterhaltsam gemacht hatten. Kurzfristig ausgeladen: Woopie Goldberg – aber nicht, weil sie gerade mit Antisemitismus-Vorwürfen zu tun hat, sondern weil Promi-Panels in den USA einfach viel besser besetzt werden.
Die Frischwoche
7. – 13. Februar
Dass Prominenz nicht alles sein muss, belegt die sehenswerte WDR-Doku Generation F in der ARD-Mediathek. Jeden ersten Dienstag im Monat werden dort Sportlerinnen porträtiert, die wie Weitspringerin Maryse Luzolo zum Auftakt aus der 2. Reihe starten, dabei aber sehr viel zu erzählen haben. Immer in der 1. Reihe, wenn auch ohne dorthin zu gehören, war die realexistierende Anna Sorokin alias Delvey, der Showrunnerin Shonda Rhimes ein fiktionales Porträt auf Netflix widmet.
Inventing Anna bietet dabei alles, was Biopics bedeutsam macht: Realismus und Entertainment, ganz große Show und noch größere Emotionen, alles ohne Pathos, also grenzenlos unterhaltsam. Zumindest letzteres dürfte auch für den deutschen Netflix-Horror Das Privileg (Mittwoch) um einen Teenager (Max Schimmelpfennig) gelten, dessen innere Dämonen sich nach dem Tod seiner Schwester irgendwann als fürchterlich real erweisen.
Nach realer Vorlage zeichnet die Sky-Serie Landscapers ab Donnerstag die Ehe von Susan (Olivia Colman) und Christopher (David Thewlis) nach, deren scheinbar heile Welt von zwei Toten in ihrem Garten zerstört zu werden droht. Vollständig mord- und totschlagfrei, aber auch weitestgehend ecken- und kantenfrei sind dagegen die Amazon-Romedy I Want You Back und das Apple-Beziehungsdrama Über mir der Himmel, beide ab Freitag online.
Für alle anderen, deren Sportbegeisterung nicht zu groß oder aktiv oder einfach übermächtig ist für völlige Abstinenz vom diktatorischen Eigen-PR-Event dieser Tage: Bitte Finger weg von den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking!
Jan Verstraeten, Los Bitchos, yeule
Posted: February 5, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 5 freitagsmusik | Leave a commentJan Verstraeten
Der Teufel im Kopf muss dort nicht unbedingt gleich ein Fegefeuer entfachen, aber einheizen kann er ihm schon. Der Belgier Jan Verstraeten zum Beispiel singt zum Auftakt seines Debütalbums Violent Disco über seine inneren Dämonen, die anschließend auch in Gone Gone Gone ihr Unwesen treiben. Zum Glück für den Groove allerdings vermengt er all die Düsternis nicht mit Dark Wave, sondern einem orchestralen Neo-Funk, der frei schwingt, ohne zu flattern.
Als würden Junius Meyvant und The Last Shadow Puppets Pete Doherty im rosa Bademantel übers verschlammte Jazzfestivalgelände geleiten, vermengt Verstraeten lässige Streicher mit molligem Cello zu einer Art englischsprachigem Psychiatrie-Swing von Fans alter Filmmusiken, also der richtig fetten Scores fürs Crooner-Kino der Siebziger. Das ist von einer so seelenzerkratzten Erhabenheit – man möchte glatt die Leiche spielen.
Jan Verstraeten – Violent Disco (Popup Records)
Los Bitchos
Leichen, so scheint es, pflastern auch den Weg jenes Soundtracks, den die vier Londonerinnen mit dem wenig woken, aber weil selbst verliehen doch irgendwie emanzipativen Band-Namen Los Bitchos auf ihr grandioses Erstlingswerk gestempelt haben. Tarantinos Leichen. Let The Festivities Begin! klingt nämlich wie eine Wüstensafari im schrottreifen Chevrolet, voll besetzt mit kosmopolitischen Musikgenres, die Los Bitchos auch personell repräsentieren.
Keytar-Spielerin Agustina Ruiz aus Uruguay sorgt für südamerikanische Rhythmik und Bassistin Josefine Jonsson für schwedischen Popappeal, Drummerin Nic Crawshaw bringt britischen Punkrock mit ein und die australische Gitarristin Serra Petale Orientalistik. Diese PR-Zuschreibung mag so stimmen, ist aber auch egal. Denn im Ensemble erzeugen sie ein wortloses Instrumentalfeuerwerk, das sehnsüchtig auf die Eröffnung der Festivalsaison erwartet. Und wir auch.
Los Bitchos – Let The Festivities Begin! (City Slang)
yeule
Schwer zu sagen, für welches Festival Nat Ćmiel alias yeule aus Singapur wohl geeignet sein könnte. Das Jahrestreffen der Tinnitus-und Psychose-Geheilten? Ein Rave für Rave-Geschädigte? Die Abschiedsparty vom halbjährlichen Winter oder wahlweise Sommer am Nordkap? Das neue Album der Künstlerin aus London lässt viele Verbreitungswege offen, aber kein einziger davon führt durch annähernd zugängliches Terrain.
Glitch Princess heißt es, übersetzbar mit Pannenprinzessin. Dabei klingen die sägenden Harmoniebrüche und Disharmonien auf dem Experimentierfeld digitaler Flächen nicht zufällig fehlerhaft. Im Gegenteil: alles ganz gezielt knapp am eben noch Eingängigen vorbei, alles aber regelmäßig auch wieder von linearer Verspieltheit. Ein psychotischer Tinnitus der Möglichkeiten, die elektronisches Sampling bieten, wenn man nicht nur in Strophe, Bridge, Refrain denkt, sondern Emotion, Variation, Rezeption.
yeule – Glitch Princess (Bayonet Records)
30 x Marie Brand: Millowitsch & Schönemann
Posted: February 3, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | 1 CommentMeine Schauspielgene waren stärker
Mariele Millowitsch und Hinnerk Schönemann ermitteln seit stolzen 14 Jahren gemeinsam im ZDF. Ein Gespräch zum 30. Fall von Marie Brand über merkwürdige Kleider und coole Anzüge, Mathe-Sechsen und Siez-Freunde.
Von Jan Freitag
freitagsmedien: Frau Millowitsch, Herr Schönemann – erinnern Sie sich noch an Marie Brands ersten Fall vor 14 Jahren?
Hinnerk Schönemann: Ich kann mich vor allem an die Begegnung mit Mariele erinnern. Wir hatten uns zwar vorher schon einmal getroffen, hier aber erstmals intensiv zusammengearbeitet. Und ich erinnere mich noch gut, wie merkwürdig Maries Kostüm aussah.
Mariele Millowitsch: (lacht) Merkwürdig?!
Schönemann: So ein langes blaues Kleid. Das hat sich bei mir ebenso eingebrannt wie dieses Gefühl, auf jeden Fall noch mehr Fälle drehen zu wollen.
Millowitsch: Stimmt. Den Film hab‘ ich seither aber nicht mehr gesehen, warum fragen Sie?
Weil auffällt, dass sich die Ästhetik seit damals anders als in vielen anderen Krimreihen gar nichts so sehr verändert hat. Liegt das an Ihnen oder dem Format?
Millowitsch: Eher an uns, denn wir haben uns ja schon verändert. Ich habe deutlich mehr Falten, Hinnerk ist verglichen mit damals ein richtiger Kerl geworden. Inhaltlich allerdings sind wir uns in der Tat treu geblieben.
Schönemann: Als mir die Rolle angeboten wurde, wollte ich was anderes machen als die Anzugträger von damals, so mit Jeans und Hoodie, eher cooler New Yorker als normaler Kölner. Der Kostümbildner war aber irgendwie anderer Meinung und gab mir einen Satz Anzüge. Ich verstehe dieses Kleidungsstück bis heute nicht, habe es aber anprobiert und gemerkt: funktioniert. Nur in einem Punkt nicht: Die waren damals so schmal geschnitten.
Mariele Millowitsch: Sind sie heute ja wieder.
Schönemann: Aber weil meine Figur so sportlich ist und ständig laufen muss, waren die Hosen einfach zu eng. Deshalb wurden mir so elastische Streifen eingenäht. Ich hatte bis dahin weder beruflich noch privat je Anzüge getragen, privat mach ich das bis heute nicht. Aber als Simmel kann ich mir mittlerweile gar nichts anderes mehr vorstellen. Das ist sozusagen der Teil von mir, dem Klamotten wichtig sind.
Millowitsch: Das schafft auf jeden Fall großen Wiedererkennungswert, der ist den Zuschauern wichtig.
Dafür haben seit 2008 handgezählte 19 Autorinnen und Autoren sowie 15 Regisseure gesorgt. Kriegen die alle einen Werkzeugkasten mit Standards zur Hand, die erfüllt werden müssen, oder kommt der Wiedererkennungswert durch Sie beide automatisch?
Schönemann: Sowohl als auch. Es gibt uns als wiederkehrende Figuren, aber auch Wiedererkennbares in der Erzählung unserer Fälle. Dazu zählt zum Beispiel, dass ich vor jeder Verfolgung in jeder Folge einmal mein Jackett ausziehe und Marie gebe, die dafür schon ihre Hand aufhält. Solche Running Gags sollten alle Regisseure berücksichtigen. Ebenso wie die Art, in der Marie und Simmel kommunizieren, dieses leicht neckische. Gehört einfach dazu.
Millowitsch: Ich glaube auch nicht, dass es so einen Werkzeugkasten gibt, lege aber schon Wert darauf, dass sich neue Regisseure zuvor intensiv mit den Figuren befassen – und sei es bei YouTube. Das gehört zu den Hausaufgaben einer Regisseurin oder eines Regisseurs, die eine solche langlaufende Reihe übernehmen. Ich hätte keine Lust, ihnen das erstmal mühselig zu erklären.
Aber drohen die Running Gags nicht nach mittlerweile 30 Einsätzen, sich irgendwann totzulaufen und das Publikum eher zu nerven?
Millowitsch: Ich denke, die Leute lieben solche sich wiederholende Gags, das merkt man schon auch an den Einschaltquoten. Als Simmel mir sein Jackett mal nicht in die Hand gedrückt hatte, sind sie jedenfalls nicht eingebrochen.
Schönemann: Wenn man eine Krimireihe wie diese macht, wäre es einfach unachtsam und damit respektlos gegenüber Format und Publikum, alte Gewohnheiten grundlos wegzulassen.
Darf man eigentlich davon ausgehen, dass Sie sich privat duzen?
Schönemann: Selbstverständlich.
Wieso siezen sich ihre Figuren dann beharrlich, obwohl sie seit 14 Jahren eng miteinander zusammenarbeiten und ständig in höchster Gefahr aufeinander angewiesen sind?
Millowitsch: (lacht) Also bei mir zuhause um die Ecke gibt es einen Polizisten, der hat mich das Gleiche fragt und meint, das würde er mit Kollegen definitiv nicht machen.
Schönemann: In Notsituationen rutscht Simmel schon mal der Vorname raus. Aber wenn man sich die Persönlichkeitsstrukturen ansieht, würde es ihnen einfach nicht entsprechen, sich das Du anzubieten.
Millowitsch: Ich finde das Sie auch deshalb gut, weil es für Respekt voreinander steht und für berufliche Distanz und damit für eine Grundhaltung der beiden.
Wie einst die erklärten Siez-Freunde Gerhard Delling und Günter Netzer als ARD-Moderatoren…
Schönemann: Aber wer weiß, ob die sich privat nicht doch geduzt haben.
Nach eigener Aussage nicht. Färben die Eigenschaften oft gespielter Figuren eigentlich irgendwann auf ihre Darsteller ab?
Millowitsch: Außer, dass ich privat viel mehr gestikuliere als Marie und viel weniger analytisch bin, sind wir gar nicht so unterschiedlich. Aber es färbt definitiv mehr von mir auf sie ab als umgekehrt.
Schönemann: Also der Simmel ist ja nicht nur vom Kleidungsstil her weit weg von mir. Vielleicht spiele ich ihn deshalb auch so gern. Zugleich hole ich einen Teil von ihm aber natürlich aus mir raus und vergrößere es. Deshalb erkennt man sich in seinen Rollen immer mal wieder, aber nicht mal annähernd zu 100 Prozent.
Millowitsch: Ich sammele jedenfalls keine Primzahlen wie Marie das macht. Im Abitur hatte ich in Mathe ‘ne 6.
Schönemann: Ernsthaft?
Millowitsch: Das war noch vor dem Punktesystem, ich bin ja schon ganz schön alt (lacht) und war damals mit 5 vorbenotet. Es gab noch nicht mal Leistungskurse.
Schönemann: Ich musste mich auch eher durch die Schule quälen, obwohl – Biologie mochte ich sehr, das wollte ich ja auch mal studieren und später eher was Handwerkliches machen als Schauspieler werden. In den Beruf bin ich eher reingeschubst worden.
Das kann man von Ihnen definitiv nicht behaupten, Frau Millowitsch…
Millowitsch: Ich habe eher versucht, vom Beruf meiner Ahnen wegzukommen und vermute mal, es geht fast jedem Kind einer solchen Familie so, Distanz zu suchen. Immerhin habe ich dadurch Tiermedizin studiert und hatte mit normalen Menschen zu tun. Aber meine Schauspielgene waren offenbar stärker.
Ist Tierärztin eine Exit-Option, wenn es mit dem Schauspiel nicht mehr funktioniert?
Millowitsch: Nee, das ist zu lange her. Ich möchte spielen, bis ich umfalle.
Auch noch im Millowitsch-Theater?
Millowitsch: Nein. Theater reizt mich gar nicht mehr.
Schönemann: Geht mir genauso, ich habe ein paar Jahre Theater gespielt, aber gemerkt, das ist nicht meine Ausdrucksform. Ich mag das Schnelle des Films, statt dieser langen Vorbereitung auf jedes Stück, das dann auch noch häufiger aufgeführt wird.
Wie häufig kann Marie Brand denn noch aufgeführt werden, bevor es sich abnutzt?
Schönemann: Solange wir dürfen
Millowitsch: Und solange ich mich noch ohne Hilfe zur Leiche runterhocken kann und auch wieder hochkomme. Wenn Hinnerk mir hochhelfen muss, ist es vorbei.
Warum heißt es eigentlich Marie Brand, obwohl sie von Anfang an gleichberechtigte Partner darin sind?
Schönemann: Weil es für Mariele geschrieben wurde und sie auch früher als Besetzung feststand als ich. Damit kann ich gut leben.
Millowitsch: Na ja, du sagst beim Drehen schon öfter, pass auf, die Reihe heißt bald „Simmel ermittelt“ (lacht).
Schönemann: Auch so’n Running Gag.
Arte-Doku: Rottet die Bestien aus!
Posted: February 2, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 3 mittwochsporträt | Leave a commentDer endlose Kreislauf des Rassismus
Die vierteilige Arte-Doku Rottet die Bestien aus vom preisgekrönten Filmemacher Raoul Peck (online in der Mediathek) zieht erschreckend gerade Linien von der Inquisition über den Kolonialismus Richtung Holocaust und weiter zum Alltagsrassismus von heute.
Von Jan Freitag
Florida, fast 200 Jahre vor unserer Zeit. Friedlich sirrt der Dschungel, als die stolze Frau vom unbeugsamen Volk der Seminolen im Dezember 1836 mit einer Gruppe entflohener Sklaven den Kampf gegen rücksichtslose Invasoren beschließt, die sich Siedler nennen. „Gebt uns unser Eigentum zurück“, sagt ein US-Soldat, sonst drohe ein Blutvergießen. „Ihr stehlt Land, ihr stehlt Leben, ihr stehlt Menschen“, entgegnet die Eingeborene und fragt: „Welche Spezies tut so was?“ Diese hier, sagt der Angehörige einer Zivilisation, die sich für zivilisierter hält als ihre. Dann schießt er ihr ins Gesicht.
So beginnt ein Arte-Essay, das beim Blick aufs Äußere der amerikanischen Eroberung ins Innere einer ganzen Gattung sieht. Unserer Gattung. Homo Sapiens. Krone der Schöpfung, so loben sich viele Schriftreligionen. Ausgeburt der Hölle, so korrigiert sie Raoul Peck in seiner vierteiligen Dokumentation Rottet die Bestien aus!. Nach einem Zitat aus Joseph Conrads berühmter Novelle Herz der Finsternis, zeichnet der Filmemacher aus eigener Perspektive ein Menschenbild, dessen Titel offenlässt, ob er vollzogene Ausrottungen unserer Spezies beschreibt oder den Aufruf zur eigenen. Beides wäre schlüssig.
Denn Peck, der nahezu zeitlebens die Abgründe gewöhnlicher Gesellschaften und Geschöpfe erforscht und für sein Rassismus-Essay I Am Not Your Negro 2018 fast den Oscar gewann, zeichnet ein fürchterliches Bild der Bestie Mensch. Aus Sicht seiner eigenen Biografie, die den Haitianer Ende der Fünfzigerjahre von Port-au-Prince übers kolonialistisch ausgeschlachtete Belgisch-Kongo oder das amerikanische Schwarzen-Ghetto Brooklyn zum Filmstudium nach Berlin führte, macht er die Unterdrückung aller Nichtweißen zu seiner und umgekehrt.
Viermal 60 Minuten reist er damit durch die kolonisierte Welt entrechteter, geknechteter, vernichteter Bevölkerungen der letzten 600 Jahre und findet Belege destruktiver Energie, die selbst das Mittelalter in den Schatten stellen, aber keineswegs nur finster sind. Während die Siedler genannten Eroberer von Komparsen gespielt noch wehrlose Seminolen niedermetzeln, schneidet Peck zwar Finsterlinge von heute dazwischen wie hitlergrüßende Neonazihorden oder Donald Trump. Mittendrin allerdings poppt ein Musical von 1949 auf, in dem Gene Kelly debil grinsend durch ein zeitgenössisches Völkerkundemuseum tanzt, das Ethnien aller Herren Länder abseits der Weißen ausnahmslos als Wilde zeigt.
Ziel dieser Gegenüberstellung: Klarheit. Anders als es der herrschende, also westliche, also weiße, also männliche Diskurs suggeriert, bleibt der Holocaust in seiner industriellen Effizienz zwar singulär, nicht aber die Basis aller Vernichtungsexzesse. Sie nämlich verortet der schwedische Literaturhistoriker Sven Lindquist, auf dessen Werk Pecks Serie beruht, in Europas Expansionsdrang der Neuzeit. „Zivilisation, Kolonisation, Vernichtung“, sagt der Ich-Erzähler aus dem Off – „diese drei Worte reißen eine gewaltsame Spur in die westliche Weltgeschichte.“
Wer der popkulturellen Collage aus gezieltem Reenactment und kreativem Archivmaterial fast ohne Talking Heads, die deutsches Zeitgeschichtsfernsehen Art gern überfrachten, vier Stunden lang schadlos folgen kann, blickt fortan anders auf Gewissheiten westlichen Perspektiven. Die „Entdeckung“ Amerikas zum Beispiel, die einen der elendsten Völkermorde der an Völkermorden so reichen Menschheitsgeschichte nach sich zog. Die „Missionierung“ der neuen Welt, die den Katholizismus endgültig als rassistische Doktrin entlarvte. Oder die „Inquisition“ des 13. Jahrhunderts, die einen Grundstein fürs hartnäckige Selbstbild Weißer Überlegenheit legte. Was Pecks Serie so beispiellos macht, ist seine Bereitschaft, auch dort nach Ursachen rassistischer Handlungsmuster zu suchen, wo andere nicht mal hinsehen.
Irlands Eroberung durch England etwa im 16. Jahrhundert, die nicht nur Abertausende angeblich minderwertiger Iren vorsätzlich das Leben kostete, sondern weitere Abermillionen infolge von Plünderung und Misswirtschaft westwärts drängte – nach Amerika, dessen Ureinwohner aus Sicht der Neuankömmlinge ihrerseits minderwertig waren und beinahe ausgerottet wurden. Bestien halt. Wie Wölfe. Oder Ratten. Der Todesschütze vom Anfang, Angehöriger einer Zivilisation, die sich für zivilisierter hält als andere, war womöglich Nachfahre verachteter Ahnen aus Irland und schloss den Kreis des Rassismus. Er dreht sich immer weiter.
Big Busch & Bestien
Posted: January 31, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
24. – 30. Januar
Man muss sie nicht kennen, nein wirklich nicht – all diese Taras und Erics, die Filips und Jasmins aus dem Abklingbecken exhibitionistischer Privatfernsehreaktoren. Aber wenn sie wie (fast) jeden Januar seit 2004 im Dschungel ihre Popularitätsakkus aufladen dürfen, geschieht das trotz aller Belobigungen selbst seriöser Feuilletons eher selten durch Esprit, Anspruch, gar Intellekt, sondern mithilfe brachialer Aufmerksamkeitsbetteleien. Brachialer als die Südafrika-Reisende Janina Youssefian in der 15. Staffel Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! aber waren sie selten.
Das Model mit Big-Brother-Besuch war schon mehrfach ins Model mit Bachelor-Biografie gerasselt, da bat sie die Schwarze Frau aus Hanau „in den Busch“ zurück, „wo du hingehörst“. Das war dann selbst dem Fernsehboulevard zu rassistisch. Nachdem die Dschungelmitcamper*innen protestiert hatten, schickte RTL Janina heim in Reich und bewies damit etwas, das dem Sender sonst so fremd ist wie gute Unterhaltung: Haltung.
Die bewies auch der österreichische, nun ja: „Journalist“ Richard Schmitt, als er das verstörend wahrhaftige ZDF-Kammerspiel Die Wannseekonferenz beim konservativen Online-Medium Exxpress mit den Worten kommentierte, die beteiligten Kader aus NSDAP, SS und Ministerialbürokratie vom 20. Januar 1942 „waren nicht nur Mörder, sondern durch und durch Sozialisten“. Okay, falsche Haltung. Aber auch die führte zur Entlassung. Was ist denn bitteschön bloß mit den Ballermannmedien vom rechtspopulistischen Rand los?!
Fehlt nur noch, dass Erdogan dem Welt-Reporter Deniz Yücel 12.500 Euro Schadenersatz zahlt, die ihm der europäische Gerichtshof für Menschenrechte für ein Jahr unberechtigter Untersuchungshaft zugesprochen hat. Aber gut, das wird natürlich nie geschehen. Eher schon verdoppelt DAZN seinen Abo-Preis auf 30 Euro. Obwohl – hat das Sport-Portal gerade gemacht und damit vorherige Ankündigungen widerlegt. Ist halt die Woche wackelnder Gewissheiten…
Die Frischwoche
31. Januar – 6. Februar
Zum Beispiel die, dass der Kolonialismus nichts mit dem Faschismus zu tun hat oder umgekehrt. Hat er nämlich. Und wie viel genau, erfahren wir heute Abend in der herausragenden Arte-Dokumentation Rottet die Bestien aus, womit der vielfach preisgekrönte Filmemacher Raoul Peck (I Am Not Your Negro) die regelmäßigen Genozide unserer Spezies unter anderem genau damit erklärt: unserer Spezies. Und das Besondere: damit wird die Shoah nicht relativiert, sondern nur leichter verständlich. Starker Tobak, der Vierteiler.
Und damit ein Kontrastprogramm zur beeindruckendsten Serie der Woche: Pam and Tommy. Darin zeichnet Disney+ ab morgen das wilde Leben des Glamourpaars Pamela Anderson & Tommy Lee in den Neunzigerjahren nach. Trotz expliziter Sexszenen, die das Portal sogar zur Installation einer Altersbarriere veranlasste, ist der Zehnteiler jedoch aus mehr als Sex-and-Drugs-and-Rock’n’Roll. Wenn er die Erpressung der beiden mit einem Porno-Video übersteuert, geht es auch um Konsumwahn und Misogynie kurz vor 9/11.
Zwei von gut 300 Gründen, die Olympischen Winterspiele in der effizientesten Diktatur aller Zeiten ab Donnerstag zu boykottieren und stattdessen heute Abend zwei ARD-Dokus nebst Debatte bei Frank Plasberg über diesen Irrsinn zu sehen. Was allerdings auch kein einziges Opfer des chinesischen Regimes wieder lebendig machen würde. Es ist kompliziert, mit der Haltung. Also einfach leutselig fernsehen? Wäre eine Möglichkeit. Zum Beispiel den zehnteiligen SyFy-Grusel Surreal Estate über amerikanische Spukhausmakler ab Dienstag.
Oder parallel dazu die 30. Folge von Marie Brand im ZDF. Oder die Schwarze Kammerspielserie Sacha ab Mittwoch auf Arte. Oder das Thriller-Highlight der Woche tags drauf: Suspicion, ein dramaturgisch verschachteltes Entführungsdrama mit Uma Thurman. Oder der Vollständigkeit halber: Power Book IV, ein maximal männerlastiger, ebenfalls zehnteiliger Starzplay-Krimi aus Chicago mit einer ziemlich interessanten Hauptfigur.
Saitün, Eels, Kreidler
Posted: January 29, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 5 freitagsmusik | Leave a commentSaitün
Orient – ist das ein kolonialistischer Begriff aus Zeiten, als sich Europa die Welt Untertan machte und falls nicht, zumindest kulturelle Aneignung, sofern ihn jene verwenden, die ihm gar nicht entsprungen sind? Solche Sprachfragen sind heutzutage (zum Glück) die Regel und müssen daher auch auf die Baseler Band Saitün angewendet. Ihr melodramatischer Psych-Rock wird nämlich nicht nur mit dem angedickt, was landläufig als orientalisch gilt; er spielt auch inhaltlich mit arabischen Codes und Chiffren.
Das machen sie hervorragend. Sinfonisch wälzen sich die Klangteppiche über englischsprachige Kritik am Kapitalismus, als hätten Faith No More Sauerkraut vergoren. Vom 1. bis zum 10. Track ist das Debütalbum Al’ Azif fesselnd wie ein vertonter Tsunami. Zugleich aber fragt sich, was die Assoziationsketten offenbar sehr weißer Protagonisten sollen – alles nur Spaß, alles sehr ernst, alles kulturell diffus, wie uns das Label versichert? Alles Auslegungssache, für die man Al’ Azif halt durchhören und selber urteilen sollte.
Altün – Al’ Azif (mon petit canard)
Eels
Mit Eels hingegen kann man seit einem Vierteljahrhundert eigentlich nie was falsch machen – was weniger deshalb überrascht, weil das Quartett aus Washington D.C. jemals irgendwas politisch auch nur ansatzweise Unkorrektes getan hätte. Erstaunlicher ist die Tatsache, dass Alternative-Fans der Stimme des Quantenphysiker-Sohns Mark Oliver Everett vermutlich auch auf dem 14. Album nicht überdrüssig werden. Und das hat schon echt was Magisches.
Denn es ist ja nun wirklich nicht so, als klänge Extreme Witchcraft grundlegend anders als das brillante Debüt Beautiful Freak von 1996. Im Gegenteil: die lässige Eastcoast-Americana, gepaart mit countryeskem Surfersound suppt exakt so schläfrig schön aus Boomboxen wie einst vom Kassettendeck. Aber genau dieses Grundgefühl der Wiedererkennbarkeit im Tonfall völligen Desinteresses an Erfolgen, Geld, Karriere macht auch das Album beiläufige Art einzigartig.
Eels – Extreme Witchcraft (PIAS)
Kreidler
Und wo wir grad beim Zauber der Beständigkeit an sich sind, konzentriert allerdings in einer Gruppe musizierender Menschen, die damit einst unerforschtes Gelände betraten: Kreidler haben ein neues Album gemacht, das 15. in ungefähr ebenso vielen Jahren wie Eels, was aber auch schon die einzige Parallele beider Klanguniversen ist. Denn das der vier Eketroavantgardisten um den Drummer Thomas Klein schießt über die bekannten Sonnensysteme abermals weit hinaus.
Spells and Daubs nämlich erforscht die unendlichen Weiten der eigenen Originalität mit exakt jener Experimentierfreude, die den Pop-Standort Düsseldorf seit Jahrzehnten zur sprudelnden Quelle erst abseitiger, dann massentauglicher Ideen macht. Gleichermaßen vertrackt und eingängig, sedierend und tanzbar, meditativ und weltlich zieht das Album in einen Bann, der sich heute so wenig erklären lässt wie 1994, aber damals wie für alle Zeiten eines ist: auf eingeborene Art angenehm undeutsch.
Kreidler – Spells and Daubs (Bureau B)
Wannseekonferenz: ZDF-Fiktion & Wahrheit
Posted: January 28, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a comment
Aber wird das nicht sehr teuer?
Die dritte Verfilmung der Wannseekonferenz-Protokolle ist ein Kammerspiel, von fürchterlicher Anziehungskraft – gerade, weil das ZDF (in seiner Mediathek) zeigt, wer den Holocaust damals organisierte: ganz gewöhnliche Männer mit ganz gewöhnlichem Vernichtungswillen.
Von Jan Freitag
„Was nützen die besten Worte“, schrieb Kurt Tucholsky lange, bevor die Nazis erst seine Bücher verbrannt, dann seine Staatsbürgerschaft annulliert hatten, „wenn sie über die Wirklichkeit hinwegtäuschen“. Wäre der sprachgewaltige Schriftsteller nicht kurz darauf im schwedischen Exil gestorben, er hätte diesen Satz womöglich am 20. Januar ergänzt, als sich in anderthalb Stunden zeigte: die schlechtesten Worte können durchaus über die Wirklichkeit hinwegtäuschen – zuweilen sogar die Wirklichkeit derer, von denen sie stammen.
Als sich nationalsozialistische Spitzenfunktionäre aus Regierung, Partei, SS heute vor 80 Jahren in einer prächtigen Villa am Südwestrand Berlins trafen, um die „Endlösung der Judenfrage“ voranzutreiben, fiel daher kaum ein konkretes Wort zur geplanten Vernichtungsoffensive. Über 90 Sitzungsminuten hinweg haben die 15 Teilnehmer ihre elf Millionen Opfer schließlich nur „ausgekämmt“, dann „einwaggoniert“, mit „Abschubmitteln“ in „Zielräume“ mal „evakuiert“, mal „deportiert“, um sie nach Kriterien der „Nützlichkeit“ einer „Sonderbehandlung“ zu unterziehen, wie die „Vorgänge im Osten“ weiter westlich hier heißen.
Wer sich die neueste Verfilmung des akribisch stenografierten Protokolls der „Wannseekonferenz“ anhört, könnte folglich meinen, es gehe gar nicht um den Holocaust, sondern jene Umstrukturierung des Postwesens, zu der Ministerialdirektor Friedrich Kritzinger im Anschluss aufbricht. „Sie ham ja ‘ne Kondition“, gibt ihm NSDAP-Kanzleivize Gerhard Klopfer noch lächelnd mit auf den Weg, worauf der Beamte nüchtern „man muss Opfer bringen“ entgegnet – dann ist die folgenschwerste Sitzung der Menschheitsgeschichte beendet, ohne dass Worte wie Tod oder Vergasen, Konzentrationslager und Vernichtung fallen.
Der verharmlosende Duktus allein aber macht die Neuverfilmung der Zusammenkunft gar nicht so faszinierend; es ist die Banalität des Bösen, mit der sie Matti Geschonneck nach Drehbüchern von Magnus Vattrodt unter Begleitung des Vorlagengebers Paul Mommertz sie in Szene setzt. Kurz vor der Konferenz mit Seeblick hat Deutschland Amerika den Krieg erklärt, die russische Gegenoffensive rollt, doch als von der Etsch bis an die Memel bereits Bomben aufs Reich hageln, verteilt Genozid-Verwalter Adolf Eichmann (Johannes Allmayer) Platzkärtchen auf dem Verhandlungstisch, zu denen seine Sekretärin Ingeborg Werlemann (Lilli Fichtner) penibel Block und Bleistift legt. Ordnung muss sein.
Schon wegen des Durcheinanders. Wie Dietrich Mattausch im baugleichen Kammerspiel von 1984 (dem auch Paul Mommertz die Skripte schrieb), wie Kenneth Branagh in der BBC-Version 17 Jahre später, muss nun also auch Philipp Hochmairs Reichssicherheitsleiter Heydrich bei Kaffee und Cognac Profilneurosen und Machtkalküle ausbalancieren. Während NSDAP-Bevollmächtige der Art von Alfred Meyer (Peter Jordan) aufs Endlösungstempo drücken, das ein Regierungsbeamter à la Wilhelm Stuckart (Godehard Giese) juristisch bremst, würden SS-Aktivisten wie Rudolf Lange (Frederic Linkemann) schon zu Beginn der Sitzung gern symbolisch das Gas aufdrehen, von dem erst später die Rede sein wird.
Die resolute Nonchalance, mit der Hochmair den Zeremonienmeister gibt, grenzt da ans Genialische. Aber auch alle anderen Darsteller spielen das zynische Feilschen um Halb- und Vierteljuden, die geplanten Alterslager für Weltkriegsveteranen, den beklagten Arbeitskraftverlust durch massenhafte Deportationen mit einer opportunistischen Nüchternheit, die gleichermaßen fasziniert und abstößt. „Donnerwetter“, schwärmt Außenpolitiker Martin Luther (Simon Schwarz) über die Ablaufpläne der Massenvernichtung, „wenn ich als Spediteur einen gehabt hätte wie Eichmann, hätte ich auch so ‘ne Villa“, worauf der spätere Blutrichter Roland Freisler fragt: „Aber wird das nicht sehr teuer?“
Dieses selbstgefällige Kompetenz- und Kostengerangel zieht sich von der ersten bis zur 104. Minute durch die unerträglich sehenswerten Realfiktion einer unbegreiflichen Versammlung. Es verbirgt aber nie, dass wirklich jeder am Konferenztisch schuldig im Sinne sämtlicher Anklagepunkte von Nürnberg war. Anders, als es der reaktionäre Kollektivschuld-Leugner Guido Knopp vor 20 Jahren beim gleichen Sender getan hätte, wird bei dieser Wannseekonferenz also niemand entlastet. Dennoch verbietet sich Geschonneck überflüssige Interpretationsspielräume des Bösen und belässt es bei der Faktenlage, die den Holocaust als Werk gewöhnlicher Menschen überliefert.
Das unscheinbare Wörtchen „Gas“ fällt dabei übrigens erst am Ende, als die Sitzordnung schon aufgelöst wurde, gefolgt vom Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B. „Na, das passt doch“, meint Eberhard Schöngarth (Maximilian Brückner) süffisant. Vier Jahre später wurde der Sicherheitschef der SS im Generalgouvernement von den Alliierten hingerichtet – abgesehen von Adolf Eichmann als einziger der 15 Beteiligten, von denen viele weitgehend unbehelligt in der Bundesrepublik weiterlebten, als wäre nichts gewesen.
Lauer Stuhl & Konferenzen
Posted: January 24, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
17. – 23. Januar
Manche Rückkehr ist gar keine Rückkehr, sondern reanimierter Ist-Zustand. Dass der Bild-gestählte RTL-Politikchef Nikolaus Blome mit der Gossip-Beauftragen Frauke Ludowig den Heißen Stuhl aus der Asservatenkammer geholt, bei Stern TV einen Querdenker draufgesetzt und seine Lügen dort größtenteils unwidersprochen erduldet hat, ist ja ebenso wenig ein Revival wie die fortgesetzte Wiederbelebung von Wetten, dass…? im Zweiten.
Schließlich gehört mangelnde Originalität im Kampf um die Überreste linearen Publikums zum Wesenskern beider Kanäle – den jedoch niemand inniger bewahrt als Sat1, wo seit gefühlt 25 Jahren nichts Innovatives mehr lief. Als Jörg Pilawa nach seinem Wechsel dorthin sein erstes Format präsentierte, war damit klar, was es wird. Nämlich – Surprise – ein Quiz. Und zwar, nächste Überraschung: mit Prominenten für Charity-Zwecke nach einer Idee von John de Mol. Crazy Sat1!
Nach einer Idee von Margaret Thatcher möchte Boris Johnson derweil die BBC zerlegen. Das versucht er zwar ersichtlich, um von seiner desaströsen Führung der vergangenen, na ja, eher der kompletten Regierungsmonate abzulenken. Nichtsdestotrotz ist sein Plan, die Gebührenfinanzierung bis 2027 abzubauen und dann in ein Abo-Modell zu überführen, der bislang größte Angriff auf die Pressefreiheit der britischen Nachkriegszeit. Und damit eine ähnlich schlechte Nachricht wie jene, dass Julian Reichelt „was eigenes machen“ will, wie er in einer Talkshow seines rechtspopulistischen Mitverschwörers Dietrich Mateschitz sagte.
Dafür, sagte das SEXMONSTER, wie er seinesgleichen in der Bild betitelt hätte, rede er „mit sehr vielen, sehr spannenden jungen Kolleginnen und Kollegen“. Wobei erstere wohl vor allem willig sein dürften und letztere reaktionär. Währenddessen beschied das OLG Hamburg, der Spiegel dürfe sein Reichelt-Porträt „Vögeln, fordern, feuern“ wieder online stellen, während die #MeToo-Kanonade gegen Luke Mockridge in weiten Teilen verboten bleibt. Anders als im RTL-Urwald herrscht im Mediendschungel offenbar doch nicht immer nur das Recht der Stärkeren.
Die Frischwoche
24. – 30. Januar
IBIS läuft also wieder. Und wieder. Und wieder. Diesmal in Südafrika statt Australien, aber mit denselben D-Promis von der Bachelor-Kandidatin Linda Nobat bis zum Bachelorette-Kandidaten Filip Pavlovic. Was noch in der freitagsmedien-Pause anlief: die großartige HipHop-Dramaserie Queens (Disney+). Die großartigere Mafia-Realfiktion L’Ora (Sky). Oder die großgroßartige Tierschützer-Doku Animals Army (joyn+). Und die großgroßartige Fortsetzung vom Ritualmord-Thriller Der Pass (Sky).
Auf andere Art überragend sind dagegen zwei Spielfilme aus und über Deutschland: Matthi Geschonnecks brillante ZDF-Rekonstruktion der Wannseekonferenz, begleitet vom Netflix-Drama München, das jenes Gipfeltreffen zum Politthriller macht, bei dem Hitler (Ulrich Matthes) und Chamberlain (Jeremy Irons) die Annexion des Sudetenlands und damit den 2. Weltkrieg beschlossen haben. Beides ist in seiner wahrhaftigen Spannung fast unerträglich.
Diese Woche neu wäre folgendes: Heute zeigt die ARD um 22.50 Uhr Hajo Seppelts Doku Wie Gott uns schuf über Homosexuelle in der katholischen Kirche. Morgen skizziert Jud Süß 2.0 ab 22.40 Uhr auf Art den neuen Antisemitismus und seine sozialen Netzwerke genannten Verbreitungsportale. Parallel dazu startet die ARD das nächste Improvisationsexperiment von Jan Georg Schütte, bei dem er sechs Teile lang Das Begräbnis einer Provinzpersönlichkeit eskalieren lässt. Und ab Donnerstag porträtiert das Erste Die Gewählten wie den frühvergreisten CDU-Jungen Tilman Kuban oder den alterslosen SPD-Chef Klingbeil.
Zeitgleich importiert Arte die Mystery-Serie Das Seil aus Norwegen, bevor tags drauf der amerikanische Comedycrime-Achtteiler The Afterparty bei Apple+ beginnt. Höhepunkt der nächsten sieben Tage aber ist aus Unterhaltungssicht die Katastrophenserie Station Eleven, in der 99 Prozent aller Menschen einer Grippe zum Opfer fallen. Umso verblüffender, dass der Zehnteiler ab Sonntag bei Starzplay dennoch nicht dystopisch ist.
Jerome Latour: Ausstattung & Der Palast
Posted: January 20, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentVon Entzauberung keine Spur
Der Szenenbildner Jerome Latour verantwortet seit Ende der Achtzigerjahre alles Visuelle, was am Bildschirm abseits von Schauspiel und Licht zu sehen ist. Das ZDF-Revuedrama Der Palast (abrufbar in der Mediathek) hat den Ausstattungsprofi dennoch vor neue Aufgaben gestellt. Ein Gespräch über Sehgewohnheiten, Publikumserwartungen, Budgetfragen und warum ein wenig Übertreibung dazugehört.
Von Jan Freitag
freitagsmedien: Jerome Latour, erinnern Sie sich noch an die Hochphase des Revue-Films?
Jerome Latour: Oh, das ist lange her.
Bis Ende der Sechzigerjahre.
Da bin ich mal gespannt, wie unsere Version angesichts heutiger Sehgewohnheiten ankommt. Wobei ich die finale Version noch gar nicht gesehen habe, dafür brauche ich immer ein wenig Abstand. Aber man bekommt ja schon während des Drehens mit, wie es am Bildschirm aussieht. Früher wussten das im Grunde nur die Kameraleute. Heutzutage stehen überall am Set Monitore, wo man bis aufs Colour-Upgrading fast eins-zu-eins sehen kann, ob das Bild funktioniert – oder eben nicht.
Beim Revue-Film im 2. Drittel des 20. Jahrhunderts wurde die Story um Showteile mit den Bühnenstars jener Zeit, herumgestrickt. Ist hier die Geschichte einer DDR-Tänzerin mit unbekannter BRD-Schwester zentraler als die Legende Friedrichstadtpalast.
Inhaltlich stand die Story im Vordergrund. Was den Ausstattungsaufwand betrifft, war es hingegen die Palastbühne. Wobei für mein Team weniger wichtig war, in welchem Zeitraum und politischen System sie aufgebaut wurde, sondern wie man historische Revuestoffe in zeitgemäße Unterhaltung übersetzt: Die Interaktion zwischen Kulisse, Lichtdesign und Ensemble ist auf Bühnen völlig anders und komplexer als bei Straßen- und Studioszenen. Inszenierungen innerhalb einer Inszenierung zu choreografieren, ist für sich schon herausfordernd. Das Ganze aber auch noch mit dem unüblichen Stilmittel Musik und Tanz, macht die Challenge für alle noch größer.
Welche Challenge ist das denn, was genau macht ein Szenenbildner?
Plakativ ausgedrückt, hat er die Hoheit über alles Sichtbare, was nicht Schauspiel und Licht ist. Wie es am Ende wirkt, hängt zwar stark von Kamera und Regie ab; aber durch die stimmige Zusammenführung aller visuellen Elemente, erschaffen wir ein atmosphärisches Gesamtbild – und das ist bei einem Studiobau wie Der Palast natürlich gewaltig.
Besorgen Sie dafür alles Sichtbare auch schon mal selber?
Nein, die Aufgabe des Szenenbildners, heute auch Production Designer genannt, gleicht eher dem des Dirigenten, der das Gesamtwerk im Blick hat, während sich das Orchester auf die eigenen Instrumente konzentriert. Ich nähe nichts mehr selber zusammen, bin aber so eine Art Nadelöhr, durch das am Ende alles hindurchmuss, was im Bild zu sehen ist. Studienabgänger sind heute bisweilen erstaunt, wie groß der organisatorische Teil verglichen mit dem künstlerischen ist. Abgesehen vom Handwerk gehören dazu auch Budgetfragen oder der Umgang mit Menschen. Beides kann man nur bedingt lernen, das hat viel mit Berufserfahrung zu tun.
Die umfasst bei Ihnen mehr als drei Jahrzehnte. 1992 etwa haben Sie eine andere Legende ausgestattet: Liebling Kreuzberg.
Verglichen mit Kino und Theater waren Fernsehserien damals zwar noch ein wenig verpönt, aber man hat darin viel Handwerk gelernt, besonders Geschwindigkeit, Präzision. Wobei mir sehr geholfen hat, dass ich seinerzeit von der Hochschule für Bildende Künste am Hamburger Lerchenfeld kam, wo ich freie Kunst und Bühnenbild studiert habe.
Danach haben Sie von der Vorabendserie bis zum historischen Mehrteiler wie „Krupp“ und Das Adlon oder den Club der singenden Metzger verschiedenste Genres ausgestattet. Mögen Sie es eher opulent oder dezent?
Wir statten alle lieber Raumschiffe als Kammerspiele aus. Wer wie ich aber von Sandalen- über Ritterfilme bis hin zum Krimi alle Epochen ausstatten durfte, weiß jede einzelne für sich zu schätzen. Das gilt auch für den Revue-Film. Zumal solch ein Auftrag wahrscheinlich einzigartig bleibt.
Stimmt es, was einige Ihrer Kollegen und Kolleginnen behaupten: dass Epochen wie die Achtzigerjahre schwieriger auszustatten sind als das 18. Jahrhundert, weil das Publikum damit persönliche Erinnerungen verbindet und die Authentizität deshalb strenger beurteilt.
Interessantes Thema. Grundsätzlich beeinflusst die Existenz von Zeitzeugen unsere Dreh- und Sehgewohnheiten immens, unter anderem, weil sie eine visuelle Deutungshoheit für sich beanspruchen. Da muss die Ausstattung glaubhaft zwischen plakativer Zuschauererwartung und Realismus balancieren.
Aber im Zweifel statten Sie doch eher Publikumserwartungen als Geschichte aus, oder?
Es soll jedenfalls authentisch, aber auch gut aussehen. Und das ist schon deshalb gar nicht so einfach, weil sich die Leute lieber an Farben erinnern als an Grautöne.
Also: sah es im Friedrichstadtpalast, einem der meistgefilmten Orte der DDR, aus wie in Ihrem Mehrteiler?
Nein.
Nein?!
Nein (lacht). Davon abgesehen, dass wir nur teilweise darin gedreht haben, kann man heutzutage weder die Kulissen noch die Shows geschweige denn viele der Räumlichkeiten abseits der Bühne filmisch 1:1 übernehmen. Dank des fabelhaften Palast-Archivs konnten wir zwar gut recherchieren, aber um die engen Flure hinterm Saal zeitgemäß interessant zu machen, war eine Art neuerfundener Realität mit etwas Übertreibung nötig.
Lassen Sie dabei auch eigene Erfahrungen einer Zeit in die Arbeit aneiner Epoche fließen, die Sie als Ausstatter noch persönlich erlebt haben?
Die Zeit des Mauerfalls war jedenfalls dadurch geprägt, dass wir direkt danach in Ostdeutschland gedreht haben und auf der Suche nach Material und Sets weiter als nur in den damaligen Alltag vorgedrungen sind. Einen interessanteren Abenteuerspielplatz konnte man sich als Szenenbildern seinerzeit kaum wünschen.
Ist es teurer, diese Zeit auszustatten als unsere?
Geld spielt immer eine Rolle, und es reicht nie. Aber die Constantin hat uns ein gutes Gerüst zur Verfügung gestellt, und ich hoffe, man sieht es der Serie auch an. Wobei man wissen muss, dass osteuropäische Altstädte wie Breslau, wo wir gedreht haben, zwar bessere Annäherungen an die Zeitepoche liefern als deutsche; die Zeit ist aber auch dort nicht stehengeblieben. Außendrehs sind überall aufwändig, und ohne analoge Bauten zuzüglich digitaler Retusche undenkbar.
Was war da die größte Herausforderung bei Der Palast.
Abgesehen von der allgegenwärtigen Corona-Problematik die Ausstattung der Shows – inhaltlich, technisch, aber auch zeitlich, um den alltäglichen Betrieb dort so wenig wie möglich zu stören. Aber auch, weil der Friedrichstadtpalast damals eine riesige Baustelle war. Die gesamte Lichttechnik musste neu installiert werden.
Die Massenszenen auf der Bühne sind aber alles echte Menschen?
Auf der Bühne war alles analog, nur das Publikum wurde digital vervielfältigt.
Ist diese Digitalisierung aus Sicht des handwerklich ausgebildeten Ausstatters eigentlich eine Erleichterung oder womöglich eine Entzauberung.
Mehr noch: Es ist sogar eine Bereicherung. Dank digitaler Tools kann man sich heutzutage Welten erschließen, die zuvor undenkbar waren. Von Entzauberung keine Spur.
Arte-Serie Vigil
Posted: January 17, 2022 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDeep State im U-Boot

Die großartige BBC-Serie Vigil bündelt gerade donnerstags auf Arte und in der Mediatihek diverse Skandale der Royal Navy zu einer herausragenden Realfiktion vom militärischen Staat im demokratischen Staate
Von Jan Freitag
„Deep State“ ist ein Kampfbegriff aus dem Spracharsenal von Donald Trumps Terrormilizen, um die angeblich linke Unterwanderung staatlicher Strukturen zu behaupten. Wer dieses Märchen nicht miterzählen möchte, sollte ihn sich also besser verkneifen. Dummerweise aber gibt es diesen Deep State tatsächlich. In Diktaturen genauso wie in Demokratien. Er nennt sich nur anders. In Großbritannien zum Beispiel: Die Royal Navy.
Wie in jeder Waffengattung herrscht auch hier ein hierarchisches System eigener Sitten und Gebräuche mit eigener Rechtsprechung, gar eigenem Sauerstoffpegel, der an Bord eines britischen U-Boots bewusst niedrig gehalten wird, um Feuern im Brandfall die Nahrung zu nehmen. Als sich beim Tauchgang ein seltsamer Todesfall ereignet, kriegt es bei so viel militärischer Autonomie also selbst die Exekutive der gewählten Regierung mit dem tiefen Staat des Militärs zu tun.
Nach penibler Sicherheitskontrolle an Land wird Detective Amy Sylva (Suranne Jones) zu Beginn der BBC-Serie Vigil folglich nicht nur per Hubschrauber an Deck des titelgebenden Tauchschiffes geflogen, um darunter drei Tage zwischen Nuklearsprengköpfen und Männerbünden zu ermitteln; der prinzipientreue Kommandant Newsome (Paterson Joseph) zeigt ihr zur Begrüßung auch gleich mal, welche Staatsmacht unter Wasser das Sagen hat: „Tun Sie Ihre Arbeit, gehen Sie mir aus dem Weg, und sollte ich das Wort Mord außerhalb dieses Raumes hören, lasse ich Sie in die Kabine einsperren.“
So klingt es sechs Teile lang, wenn Arte nun drei Skandale der jüngeren Marine-Vergangenheit zu einer verblüffenden Miniserie verdichtet: Die tödliche Havarie eines Fischtrawlers, dessen Netz sich 1990 im realen Schwesterboot der fiktiven Vigil verfing. Der Drogenkonsum diverser Matrosen 27 Jahre später. Zuletzt das ungeklärte Ableben eines Unterseemannes. Und zwischendrin natürlich Berichte von Corpsgeist und Störfälle an Bord einer Flotte, deren Antrieb und Bewaffnung im postheroischen Zeitalter zunehmend auf Ablehnung stößt.
In dieser verschwörungstheorieanfälligen Nährstofflösung hat der dramenerprobte Autor Tom Edge (The Crown) dem krimierfahrenen Regisseur James Strong (Broadchurch) nun also 300 Minuten Realfiktion verfasst, von denen jede für sich fesselnd ist. Denn wenige Stunden, nachdem er die Besatzung der atomgetriebenen Vigil vergeblich dazu aufgefordert hatte, einem Fischerboot in Seenot zu helfen, liegt Officer Craig Burke tot in der Kajüte. Die herbeigerufene Kommissarin entdeckt zwar Heroin unter, aber nicht in seiner Nase, was die Ursache Überdosis ausschließt.
Während ihre Ermittlungen weitere Indizien von Fremdeinwirkung unter der feindseligen Besatzung – allen voran Officer Prentice (Adam James) – entdeckt, stößt Amys Kollegin Kirsten (Rose Leslie) auch bei der Spurensuche an Land auf Ungereimtheiten, die mehr als Drogenmissbrauch nahelegen. Schon diese Konstellation ist dank der beiden Hauptdarstellerinnen im Glasgower Dialekt hochinteressant. Aus Gründen von Geheimhaltung bis Prinzip darf die Kommissarin nämlich kaum mit ihrer (offenbar auch erotisch verbundenen) Partnerin kommunizieren, was beide in Lebensgefahr bringt und die Aufklärung ins Stocken.
Zum Glück geht Vigil also weit über den dusselig deutschen Untertitel „Tod auf hoher See“ hinaus. Mit einer brillanten Erzählung vom Staat im Staate, dem demokratische Regeln ungleich weniger bedeuten als militärische, hat sich das erfolgreichste BBC-Format seit der Terror-Serie Bodyguard von 2018 seine achtstellige Zuschauerzahl somit absolut verdient. Auch ohne die klaustrophobische Atmosphäre in Wolfgang Petersens Kino-Boot U 96 vor 41 Jahren, erzeugt die geräumigere Vigil – nach Aussage von Sylvas kooperativen Verbindungsoffizier Glover (Shaun Evans) „lang wie zwei Fußballfelder und hoch wie vier Doppeldeckerbusse“ – schließlich ein kammerspielartiges Ambiente, das virtuos mit der Weite schottischer Landschaften korrespondiert.
Unklar wirkt da eigentlich nur, warum ausgerechnet eine wasserscheue Stadtpolizistin, die seit ihrer Familientragödie das Trauma vom Ertrinken mit sich herumschleppt, drei Tage lang zu 140 Männern auf Tauchgang geschickt wird. Doch das bleibt der einzige Widerspruch einer Serie, die Arte Online auch im Originalton zeigt und damit nicht nur den Generationen Krieg bis X, sondern auch Y bis Z öffentlich-rechtliches Spitzenentertainment bietet.




