Ludger Pistor: Bescheiden & brillant

Die zweite Riege

Nebenrolle hat einen despektierlichen Klang. Im Film sind das die Akteure hinter den Stars. Einer von ihnen, Ludger Pistor, hat es in Ein Schnitzel für alle (Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD) mal von hinten ins Rampenlicht geschafft – und erzählt, wie es sich auf beiden Seiten anfühlt.

Von Jan Freitag

Wir leben in einer Welt großer Namen. Der Boulevard, diese promisüchtige Welt öliger Gazetten, schmiert sein Geschäft praktisch mit nichts anderem. Bekannte Köpfe sind die Leitwährung der Erregungsökonomie. Heutzutage können sogar Arbeitslose Vorsitzende großer Dax-Konzerne benennen. Selbst Bundestagswahlen gewinnt man nun ohne jedes programmatische Profil spielend, solange nur ein gewohntes Gesicht von den Plakaten grinst. Und da ist noch nicht mal vom Film die Rede, dieser Oberflächenkunst, deren Topgagen fürs Titelpersonal nicht bloß in Hollywood zusehends den Löwenanteil der Produktionskosten fressen. Da klingt ein Begriff wie „Nebenrolle“ beinahe despektierlich.

Nebenrolle, das ist schließlich zweites Glied. Zufahrtsstraße. Ein lauschiges Plätzchen am Rande der Aufmerksamkeit, nicht irrelevant, aber austauschbar. Und wer will das schon sein? „Niemand“, glaubt Ludger Pistor. „Auch ich steh ja gern im Mittelpunkt“, fügt der ungemein rührige Darsteller unzähliger Filme und mindestens ebenso vieler Serienepisoden, von denen einem nur grad irgendwie keine einzige einfällt, hinzu. Auch er wolle sich „nicht auf Krampf nach vor spielen“, Gott bewahre; doch jeder Schauspieler, Pistor lacht fröhlich, „hat Angst, nicht wichtig zu sein und ersetzbar“.

Anders als in Schnitzel für alle also. Denn in der ARD-Komödie, „ich traue es mich gar nicht zu sagen“, so Pistor, spielt das Ruhrpottgewächs nach bald 30 seiner 54 Jahre auf Erden erst die zweite wirklich bedeutsame Hauptrolle. Und das auch nur, weil es die Fortsetzung seiner ersten ist: Ein Schnitzel für drei. Mit der durfte Ludger Pistor 2010 einen netten Wahrnehmungserfolg vorn auf der Besetzungsliste verbuchen. Davor wie danach allerdings gab es zwar Sprechauftritte in bedeutsamen Blockbustern – Schindler’s Liste oder Casino Royale, selbstredend Inglorious Basterds, zuletzt X-Men, solche Kaliber. Vor allem aber gab es nach seinem furiosen Kinodebüt in Der Name der Rose vor knapp drei Jahrzehnten reihenweise Assistenzeinsätze bei Schimanksi, allerlei Parts in Filmen mit Titeln wie Lüg weiter, Liebling, außerdem viel Trash von GZSZ bis Cobra 11. Und dann diese eine preisgekrönte RTL-Serie, in der er freilich nur den Sidekick der Titelfigur Balko gab.

Ludger Pistor, dieser gut geschulte Mime mit Ausbildungsstationen in New York bis Wien, mit markanter Nase und reichlich Bühnenerfahrung, er war also ein langes Berufsleben lang bloß Ergänzungsspieler. Das wirft die Frage auf: reicht ihm das? Tja, sagt Ludger Pistor zögernd, und verweist auf Theo Lingen. Theo Lingen, das war – für die Jüngeren – Pistors beruflicher Vorfahre, der sich einst durch die schwarzweiße Filmära näselte wie sonst nur Hans Moser – noch so einer, der Pistors, nun ja: Schicksal teilt. Denn Lingen, erklärt dieser, habe vorm Krieg vor allem Hauptrollen gespielt. Im Wirtschaftswunderland dagegen, das vornehmlich Aufsteiger liebte und strahlende Helden, sei Lingens Paradetypus vom „kleinen Mann“ zusehends im Hintergrund gefragt gewesen. Selbst ein Heinz Rühmann, glaubt Pistor, „würde heute nicht mehr reüssieren“.

Dabei zeugt es durchaus von Selbstbewusstsein, dass sich sein leidlich bekannter Kollege von am Großschauspieler dreier Staatssysteme misst. Aber auch Pistor, selbst aus „kleinen Verhältnissen“ stammend, sieht den Ottonormalverbraucher schließlich ebenso wie Rühmann als Kernkompetenz. Figuren wie jener Wolfgang, der in „Schnitzel für alle“ an Armin Rohdes Seite so weit unten im sozialen Ranking startet, wie ihn der erste Teil entlassen hatte, liegen ihm quasi genetisch. Die zwei Überlebenskünstler helfen dem Glück diesmal zwar gemeinsam mit einer Behinderten-WG auf die Sprünge, indem sie fremdes Geld (nach diversen Stolpersteinen) im Kasino mehren; doch auch jetzt wird das Happyend eines mit Haken sein. Etwas zum leise Lächeln, statt lauthals Jubeln.

Im deutschen Film, der Unterschicht meist als Desaster verhandelt, das übliche Fiktionspersonal von Kommissar bis Studienrat dagegen stets in Designervillen von Rem Kohlhaas einquartiert, ist derlei Heiterkeit am Rande der Gesellschaft die Ausnahme. Und somit ein Glück für Ludger Pistor, der es als „Mr. Germany, wie ich mich hin und wieder nenne“, endlich mal schafft, „90 Prozent der Bevölkerung zu repräsentieren“ und trotzdem an der Bühnenkante zu stehen. Dabei ist es ihm ungeachtet ihrer Größe viel wichtiger, „meine Rolle nach Kräften auszufüllen“. Zumal Nebenfiguren zwar oft „im Schatten der Titelfiguren stehen, aber trotzdem im Rampenlicht“. Wie Derricks Assistent Harry, den Pistor „eine der dollsten Figuren der deutschen Fernsehgeschichte“ nennt. „Und stellen Sie sich Schimanski mal ohne Thanner vor.“

Undenkbar, würde auch Hanns Zischler sagen, der seit 1970 weit mehr als 100 Filme mit seinem „schweigenden Gesicht“, wie es der Stern mal lobte, bereichert hat. „Ich stehe in der Besetzungsliste oft an vierter, fünfter Stelle“. Das aber sei kein Verharren auf halber Treppe zum absoluten Erfolg, sondern eine Frage der Ökonomie. „Man muss in jeder Rolle geistesgegenwärtig sein“. Schließlich sei niemand entbehrlich, nicht im Film noch auf der Bühne. „Supporting Act“ nennt die amerikanische Filmwissenschaft Charaktere seiner Güte. Nachfahren großer Nebendarsteller von Hanns Lothar bis Elisabeth Flickenschild. Heute heiße sie Johanna Gastorf, Martin Brambach und Sandra Borgmann, die sich ganz offen zur Nebenrolle bekennen: Famose, aber uneitle Diener am Großen Ganzen, im Hintergründ tätig und doch Handlung selbst wie die erste Garde.

In „Ein Schnitzel für alle“ sind das übrigens eine großartige Therese Hämer, die als Wolfgangs Frau abermals hinter den Stars agiert. Oder Christina do Rego als deren Tochter Jessica, die nicht nur in Pastewka bereits ausgiebig ihr komisches Talent bewiesen hat. Auch das sind Typen jenseits gängiger Klischees, Schönheitsideale oder Altersgruppen, die an der Besetzungsspitze schwer zu vermitteln, aber keinesfalls unterbeschäftigt, gar unterfordert sind. „Je besser die Qualität bei der Besetzung der Nebenrolle ist“, hat Berthold Brecht übers Theater gesagt, „desto besser ist die Inszenierung“. Und auch, wenn das zweiteilige Schnitzel eher leichte Kost ist: Mit guten Nebendarstellern, und seien es welche auf Ausflug in Hauptrollen, wird daraus eine nahrhafte Mahlzeit.


Cordula Stratmann: Kühe & Lokalpolitik

Scheitern am Arschloch Alltag

Seit der legendären Schillerstraße war es ruhig geworden um Cordula Stratmann. Jetzt kehrt die begnadete Improvisationskomödiantin mit gleich zwei Serien zurück auf den Bildschirm.

Von Jan Freitag

Das Landleben, schenkt man dem TV-Programm Glauben, muss wie eine Seefahrt ziemlich lustig sein. Urige Gestalten liefern da im Sendeminutentakt mal harte, mal zarte Zoten. Von Nachkriegsschnulze bis Schmunzelkrimi, von Fjord bis Alm, von Hengasch bis Husum, von Kluftinger bis Alles Klara – das Fernsehen zeigt die Provinz gern als Hort heiterer Betulichkeit. Nach den traumschiffflüchtigen 80er, den technoiden 90er und den krisenhaften 00er Jahren jedoch gerät die Pampa nicht nur zum entspannenden Teilzeitexil gestresster Städter, sondern förmlich zur Comedybühne. Landflucht, Überalterung, Bauernhofsterben? Alles allenfalls am Rande relevant. Im (vor)abendlichen Unterhaltungsprogramm hingegen wird jenseits der Speckgürtel schenkelgeklopft und geschunkelt, dass sich die Scheunenbalken biegen.

Womit wir in Oberbreitbach wären, neuester Spielort dörflicher Sorglosigkeit, dem die ARD ab heute freitags vor der düsteren Tagesschau eine Extraportion Sonne durchs Idyll jagt als herrsche im Bergischen fortwährender Sommer. Und mittendrin: Cordula Stratmann. Als Kuhflüsterin spielt sie acht Folgen lang ein Landei aus dem Klischeekatalog: Tierheilpraktikerin, Klatschtante, Gartenzaunwacht, leicht esoterisch, sehr bodenständig, das Basisrepertoire der Feldwaldwiesenwelt im Clinch mit dem urbanen Nachbarn (Simon Boer), der sich als kerniger Bulle entpuppt, also der in Uniform, heitere Verwicklungen garantiert.

Solche Gegensatzpaare im gemütlichen Umfeld ziehen im Stromlinienfernsehen. Fragt sich nur, warum es die ARD ausgerechnet mit der überzeugten Wahlkölnerin besetzt, die bei „Landleben“ abseits von „bloß nicht“ bloß an drei Dinge denkt: „Urlaub, Kindheit, Langeweile“, wegen der man mich“, erklingt es im Tonfall ihrer Heimat, „in den Schulferien gar nicht aus Düsseldorf hätte rausholen müssen“. Stratmann und die Provinz – das passt scheinbar gar nicht. Und passt doch perfekt.

Weshalb das komödiantische Naturtalent dort zwei Wochen später abermals auftaucht: In Ellerbeck, tiefstes Emsland, wo es fürs ZDF eine umweltbewusste Erzieherin spielt, die im Streit um eine Schweinemastanlage den Kindergarten unverhofft gegen das Bürgermeisteramt ihrer fiktiven 15.000-Seelen-Gemeinde tauscht. Doch auch in der Rolle wirkt die langjährige Sozialarbeiterin keinesfalls deplatziert. Was weniger an den Geschichten selbst liegt, die abseits einiger schöner Dialoge weder durch Wackelkamera (Ellerbeck) noch Ausstattung (Kuhflüsterin) an Substanz gewinnen. Es liegt an der Selfmade-Kabarettistin allein.

Seit ihre hyperbürgerliche Kunstfigur Annemie Hülchrath zwei Jahrzehnte zuvor von rheinischen Kleinbühnen aus das Leitmedium eroberte, hat sich die schauspielerisch ungelernte Quereinsteigerin als Ausnahmeerscheinung der brachialen Spaßindustrie erwiesen. Abgesehen vielleicht von Annette Frier, an deren Seite Cordula Stratmann nicht ohne Grund mehrfach grundsoliden Wehrdienst am TV-Humor abgeleistet hat, gelingt schließlich keiner Darstellerin die Mischung aus Authentizität und Übersteuerung, kalauernder Comedy und feiner Realsatire mit ähnlich selbstverständlicher Arglosigkeit wir ihr. „Weil ich eher Geschichtenerzählerin als Pointenreißerin bin“, lautet ihr Berufsgeheimnis, „gebäre ich die Komik lieber aus alltäglichen Situationen, als dauernd die griffigste Punchline zu suchen“.

Schließlich sei es am lustigsten, „wenn jemand am Arschloch Alltag scheitert“. Momente zumal, „wo ich am lautesten über mich selbst lache“. Beobachtungsgabe, Selbstironie, Menschenliebe – drei Zutaten, die zwar nicht immer unterhaltsam sind, wie ihre satt missratene Miss Marple für Arme Ein Fall für Fingerhut vor fünf Jahren bewies, die sorgsam beigemengt aber eine Kunstform grundieren, von der nur wenige was verstehen. Aber dass Cordula Stratmann eine davon ist, durfte sie ja auch in einem Subgenre schulen, das unter Kennern als Königsdisziplin ihres Fachs gilt: Improvisation.

Bis 2007 hat sie in der Schillerstraße im Kreise unverstellter Kollegen mehr oder weniger sich selbst verkörpert, damit Preise gesammelt wie Mario Barth Einparkwitze und ihr Alleinstellungsmerkmal zur Vollendung gebracht: Witze allenfalls auf eigene Kosten zu machen. Der Freude am Würdeverlust anderer hingegen kann sie wenig abgewinnen, „denn das ist Schadenfreude und da hört bei mir der Spaß auf“. Bleibt die Frage, ob Ellerbeck und Kuhflüsterin in ihrer schützenfesthaften Provinzialität nicht doch genau das tun – an der Würde von rund 50 Prozent der Bewohner Deutschlands zu kratzen? „Ich finde potenziell jeden komisch, nehme aber auch jeden gleich ernst“, entfährt es ihr da in einem Hamburger Luxushotel, das der unprätentiösen Jeansträgerin von 51 Jahren spürbar zu glamourös ist, ernster als sonst und fügt hinzu: „Ich habe nichts gegen Klischees einzuwenden, solange sie nicht auf Vorurteilen basieren.“

Mit diesem Ansatz kehrt die rheinische Karnevalshasserin nach längerer Abstinenz also gleich doppelt zurück auf den Bildschirm. „Schöner Zufall“, wie sie findet, „aber ich fand die Zeit ohne Fernsehen auch fantastisch, habe zwei Romane geschrieben, mein Kind beim Größerwerden begleitet und auch sonst genug zu tun“. In den Medien, sie lacht ihr raumgreifend lautes Lachen, „herrscht ja der seltsame Glaube, wer darin nicht regelmäßig auftaucht, hört auf zu existieren.“ Das sei natürlich Unsinn. „Mich gibt es täglich, auch wenn mir dabei fast keiner zusieht.“ Jetzt sehen wieder ein paar mehr zu. Kein schlechter Zeitvertreib.

Seit 3. Juli, 18.50 Uhr, ARD: Die Kuhflüsterin, ab 16. Juli, 22.15 Uhr, ZDFneo (24. Juli, 22.30 Uhr, ZDF): Ellerbeck; der Text ist vorab unter http://www.zeit.de/kultur/film/2015-07/cordula-stratmann-kuhfluesterin-ellerbeck erschienen


ZDFneo: Themenwochen Horrorfilme

Voll Porno, der Horror

Mit einer aberwitzigen Reihe zeigt ZDFneo seit voriger Woche sechs Samstage lang bis zum Morgengrauen die ganze Bandbreite des Horrorfilms und was sein Erfolg mit uns, dem Publikum, zu tun hat.

Von Jan Freitag

Worte, die es sinnübergreifend in den landläufigen Jugendslang schaffen, haben das Klassenziel sprachlicher Relevanz meist mehr als übererfüllt. „Porno“ zum Beispiel stand auf Schulhöfen eine Weile lang für „dufte“, wie es Großeltern der Benutzer Jahrzehnte zuvor noch weit betulicher ausgedrückt hatten. Deren Kinder wiederum umschreiben es unverdrossen mit dem zeitlosen „geil“, das die Enkelgeneration kurz ums zeitgemäß robuste „Dildo“ ergänzte, was Vati, seit neuestem „Babo“ genannt, schon mal einen Ausruf unbehaglichen Missfallens entlockt, der wirklich meint, wonach er klingt: „Horror!“

Während Dildo, Porno, geil nämlich von Muttis Nachtisch bis zum üblen Partyabsturz alles Mögliche bezeichnen kann, ist der Begriff blanken Entsetzens vor allem für wahrhaftige Scheußlichkeiten reserviert: mindestens Gammelfleischpartys über 30-Jähriger, tendenziell schlimme Autounfälle, Enthauptungsvideos, Trennungen per WhatsApp oder auch das, was ZDFneo ab heute aneinanderreiht, bis die Nackenhaare senkrecht stehen. Unter der Steigerungsform von „Grusel“ (übertroffen allenfalls durch „Splatter“ genannte Kunstblutorgien) zeigt der Spartenkanal dann sechs Samstage lang von der „Tagesschau“ bis zum, pardon, Morgengrauen Horrorfilme zwischen „atemberaubendem Nervenkitzel und wohlig gruseligem Schauer“, wie es Redakteurin Gabriele Weyand ein bisschen altbacken ausdrückt.

Die Intensität körperlicher Abwehrreaktionen dürfte bei den knapp drei Dutzend vorwiegend amerikanischen Exemplaren (aus Deutschland stammt nur der moderne Zombiefilm Rammbock, 25. Juli, 1.20 Uhr) zwar variieren – davon zeugt die enorme Bandbreite vom Monstermovie der Nachkriegszeit über die Hollywoodschocker der Siebziger bis in die psychoterrorisierende Gegenwart voll exzessiver Gewalt und atmosphärischer Knalleffekte. ZDFneo geht es allerdings weniger um einen Wettbewerb maximaler Angstschweißausschüttung; im Fokus des sommerlichen Schwerpunkts steht eher die Vielschichtigkeit eines Genres, das seit der Stummfilmära zum festen Repertoire des Kinos zählt. Und beides hat gute Gründe.

Die Bilder lernten schließlich gerade laufen, als der ungebremste Industrialisierungswahn erstmals offenkundig an soziale, technische, also menschliche Grenzen stieß. Naturzerstörung, Armut, der Weltkrieg und ein angeblich unsinkbares Schiff, das schon bei der Jungfernfahrt sank, sorgten für einen Skeptizismus, der sich vor allem in Kunst und Kultur wiederspiegelte. Die erste Verfilmung von Mary Shellys Frankenstein versetzte dem Fortschrittsglauben schon 1910 einen weithin spürbaren Dämpfer und etablierte die Furcht vorm Unbekannten, Bedrohlichen, Entfesselten als Triebkraft des Kintopps. Geister, Dämonen, Vampire und bald auch die ungeheuer angesagten Zombies markierten fortan bedrohliche Antipoden der Zivilisation, denen auch Ordnungsstaat und Happyend nie ganz beikommen konnten.

So sicher zumindest die westliche Gesellschaft nach 1945 geriet, so beherrschbar ihre Mechanismen wirkten, so sehr die Todesgefahr früherer Epochen aus dem Alltag verschwand – stets dräute da etwas Unheimliches im Untergrund wachsender Städte und ihrer Vorortidyllen. Zeitgenössische Ängste vorm Unbeherrschbaren, die durch Arnolds Tarantula am vorigen Sonntag früh, Hitchcocks Die Vögel (11. Juli, 21.35 Uhr) oder Spielbergs Weißer Hai (18. Juli, 1.15 Uhr) verkörpert wurden und bald ihren Weg ins Unterbewusstsein fanden, wo das Böse mal im Keller von Halle Berrys Psychiatrie lauert (Gothika, 1. August, 22.05 Uhr), mal in einem hermetischen Kubus samt sechs unwissentlich Eingeschossener (Cube, 0.55 Uhr), besonders gern jedoch im eigenen Kopf jener, die sich fortan selbst bekämpfen müssen wie in The Unborn (23.40 Uhr). Und das sind längst noch nicht die krassesten Auswüchse eines Metiers, dass mit The Walking Dead gerade eine der erfolgreichsten Serien aller Zeiten fortsetzt, deren lebende Leichen einst allenfalls Bahnhofskinos entvölkert hätten.

Wie jedes Konsumgut unterliegt auch das Gruselige zwar einer Steigerungslogik des freien Marktes, um im Reizgewitter der Erregungsindustrie wahrnehmbar zu sein; wenn selbst „Torture Porn“ genannter Folterhorror wie Hostel zu Kassenschlagern werden, hat das jedoch nicht nur mit einer Perversionsspirale zu tun. Überspitzt zu Untoten, Raketenwürmern, Knochenjägern, Katzenmenschen, Triebtätern wie in der ZDFneo-Reihe, lassen sich die Abgründe menschlicher Natur vom Sessel aus mit etwas Gänsehaut nun mal gemütlich abstrahieren, als existierten sie nur in 2 bis 3D. Am Ende entspringt demnach auch George Clooney als Gewohnheitsverbrecher beim aberwitzigen Splatter-Finale im Titty Twister nur der irren Fantasie von Quentin Tarantinos From Dusk Till Dawn zum Auftakt. Nichts als Kino.

Oder?


30 Rock: Jack Donaghy & Alec Baldwin

Arschlochfernsehen

Die fabelhafte Sitcom 30 Rock blickt so artifiziell wie realistisch hinter die Kulissen der amerikanischen Comedy-Industrie. Der verdiente Lohn dafür sind allerlei Fernsehpreise und die Primetime, zumindest in den USA. Bei uns hingegen wird die Serie mal wieder abseits der Wahrnehmbarkeit versendet (donnerstags, 22.55 Uhr, RTL Nitro).

Von Jan Freitag

Ein – pardon, das Wort muss jetzt mal sein: Arschloch gilt gemeinhin als Königsdisziplin des Schauspiels. Wen immer man in der Branche fragt, er würde den schlichten Romantiker Romeo leichten Herzens gegen seinen intriganten Widerpart Tybald tauschen, diesen bauchgetriebenen Unruhestifter. Herausfordernd ist ein Bernd Stromberg, kein Prof. Brinkmann. Und süffige Sympathieträger(innen) von Christine Neubauer über Erol Sander bis Veronica Ferres haben ja auch deshalb ein derart lausiges Renommee, weil ihre Figuren frei von jedem Makel sind. Grundsätzlich. Immer.

Arschlöcher hingegen sind in Film und Fernsehen mehr noch als in der Realität vor den Studiotüren Makelmillionäre. Windige Fehlersammler. Vermeintliche Unsympathen, die all das öffentlich raushauen, was sich selbst rückständige Normmänner allenfalls mal daheim am Stammtisch trauen. Unflätige Dinge tun zum Beispiel, etwa einer Mitarbeiterin beim ersten Treffen lächelnd „natürlich kochen Sie nicht“ ins Gesicht zu sagen, „sie sind ja eine New Yorker Feministin mit Collage-Abschluss, die vorgibt, glücklich zu sein als überlasteter, untervögelter Single“.

So unverfroren nimmt der neue Chef einer amerikanischen TV-Varietésendung Tuchfühlung zu seiner fortan wichtigsten Autorin auf. Und wie dieser charmante Soziopath Jack Donaghy auch sonst mit der klugen, aber spröden Liz Lemon umgeht, wie er überhaupt alle Leute seines Einflussbereichs in Grund und Boden ekelt, wie ihm der Hollywood-Star Alec Baldwin zu verachtenswerter Grandezza treibt, ohne ihn aller Menschlichkeit zu berauben – da zeigt sich abermals: Wenn irgendein Land jenseits deutscher Grenzen Fernsehunterhaltung produziert, kann Spaß tatsächlich Tiefgang haben und umgekehrt.

30 Rock heißt die sehenswerte Ausnahmeerscheinung am gesättigten Markt importierter Sitcoms und läuft ab heute – wie hierzulande für alles Serielle von Belang üblich – auf einem Spartenkanal zur Nacht. Das ist schade, nein: unerhört. Denn so fiktiv die permanente Kollision von Donaghys elitärer Selbstgerechtigkeit mit seinem Umfeld bisweilen auch wirkt, so realistisch ist die spielerische Eleganz, mit der Alec Baldwin sein kultiviertes Arschloch auf ein höheres Niveau hebt. Das liegt daran, wie er die Frage, warum er tagsüber einen Smoking trage, mit der Antwort abbürstet, „es ist halb sechs, bin ich ein Bauer?“. Es liegt aber mehr noch an Tina Fey.

Die Hauptdarstellerin verleiht ihrer Liz nicht nur eine hinreißende Balance zwischen Ostküsten-Emanzipation und männerdominierter Wirklichkeit, sie hat 30 Rock auch noch im Ganzen ersonnen, produziert, gemacht. Was zudem nicht ihrer Fantasie entsprang, sondern einem tiefen Blick in die Branche: Vor Feys bislang größten Erfolg, der nach Startproblemen am heimischen Markt weltweit läuft und sämtliche relevanten Fernsehpreise im Dutzend abräumt, hat sie jahrelang Witze für die Comedy-Legende Saturday Night Live geschrieben, die hier ziemlich unverblümt als Vorbild der persiflierten „Girlie Show“ firmiert. Die Mittvierzigerin kennt den amerikanischen Humorbetrieb somit von innen und spielt sich darin ebenso selbst, wie Baldwins Donaghy zum wahrhaftigen Stammpersonal des Großsenders NBC zählt, der hier unter seinem Klarnamen durch den Kakao gezogen wird.

Diese Bereitschaft zur Selbstironisierung war 2006, als die erste von 138 Folgen in sieben Staffeln anlief, selbst in den USA selten. Mittlerweile hat sich dieses Prinzip bissiger Selbstreflexion jedoch bis nach Deutschland durchgesetzt, wo Lerchenberg zuletzt das ZDF an der Nase durch den eigenen Ring zog. 30 Rock hat dazu aber etwas, das in Mainz fehlt: Die Bereitschaft, auch ein größeres Publikum zur prominenten Sendezeit daran teilhaben zu lassen, was Gaststars von Al Gore über Oprah Winfrey bis Steve Buscemi ins New Yorker Rockefeller Plaza 30 lockte. In Lerchenberg trat mal Wayne Carpendale auf. Witzig.


Two and a Half Men: Ende der Lachkonserven

Null und kein halber Mann

Nach 225 Folgen in zwölf Jahren und Milliarden fröhlicher Zuschauer ist der Vorreiter des jüngsten Sitcom-Booms am Dienstag auch in Deutschland vom Bildschirm abgetreten. Natürlich wird Pro7 noch bis in alle Ewigkeit Wiederholungen senden, doch mehr denn je stellt sich nun die Frage, warum Two and a Half Men eigentlich so absurd erfolgreich waren? Ein Erklärungsversuch.

Von Jan Freitag

Es gibt unzählige Arten zu lachen: Gehässiges und herzliches Gelächter, schallendes und bauchiges, bitteres und blödes, überdrehtes und verstohlenes, falsches wie ehrliches. Lachen, das im Halse stecken bleibt, zu Herzen geht oder nach innen erfolgt. Es gibt also schönes und hässliches Lachen. Das hässlichste aber, schlimmer als jedes schadenfroh sarkastisch hinterhältige Fieslingslachen ist: Lachen vom Band.

Nicht umsonst nennt man es in den USA, wo so eine Tonspur seit 1950 über den Fernsehhumor gekippt wird, Lachkonserve: abgekocht, aseptisch, wenig nachhaltig, ewig haltbar. Da es den Zuschauern vorm Bildschirm schwerfällt, Gefühlen freien Lauf zu lassen, delegieren sie ihre Empfindung an andere. Die Sozialwissenschaft spricht von Interpassivität: Pointe, Plastiklacher, Pulsanstieg samt Spaßgefühl, als habe das Publikum selbst gelacht. Klingt nach einem netten Service in  isolierter Zeit. Einerseits. Andererseits signalisieren Lachkonserven auch an ziemlich witzlosen Stellen Humor.

Womit wir in Malibu-Beach wären.

Hier nämlich haben Charly, Alan, Jake und Walden ein Häuschen am Strand, in dem es zwar meist komisch zugeht, aber selten so brüllend, wie das ständige Kunstlachen suggeriert. Beispiele gefällig? „Morgen, Jake, wie willst du deine Eier?“ Antwort: „Im Osternest!“ Hysterisches Lachen. Oder: „Warst du im Bett?“ Antwort: „Nicht in meinem!“ Hysterisches Lachen. Oder: „Ist dir dein Vater plötzlich nicht mehr gut genug?“ Antwort: „Was heißt denn hier plötzlich!“ Hysterisches Lachen. Mal zum Schmunzeln, mal zum Grinsen, nie zum Brüllen – so geht es immerfort, bei Two and half men, der erfolgreichsten Sitcom ihrer Generation.

Zwölf Staffeln, 225 Folgen, gut ein Jahrzehnt lang Quotenkrösus in 40 Ländern, auf ProSieben schon mal ganztätig, Kalauerfutter für Milliarden rund um den Erdball. Mit Fließbandwitzen zum Thema Sex, Saufen, Saufen und Sex schreibt die CBS-Serie seit der Erstausstrahlung am 22. September 2013 Fernsehgeschichte. Genauer: schrieb. Jetzt lief die Story um eine groteske Männer-WG mit Charly Sheen als trinkfreudigem Weiberheld, John Cryer als sein geschiedener Bruder, Angus T. Jones als dessen dicker Sohn Jake und Ashton Kutcher als melodramatischer Milliardär, der die moralisch versiffte Hauptfigur zur neunten Staffel ersetzt hat, zum letzten Mal.

Das ist schon eine Würdigung wert. Kritiker würden sagen: auf dem Weg zur Hölle, Fans hingegen: gen Himmel. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Two and a Half Men hat ja in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Wirtschaftlich war die Serie derart erfolgreich, dass Charly Sheen zum Gründungsmitglied des Million-Dollar-Clubs jener Seriendarsteller wurde, die pro Episode siebenstellig verdienen, was der junge Angus zwar nur zu einem Viertel erreichte, damit aber zum bestbezahlten Kinderstar seiner Generation wurde. Personell hatte Chuck Lorres Erfindung auch nach dem Rauswurf des zügellosen Superstars vor gut drei Jahren eine so große Sogwirkung, dass die Liste prominenter Gastauftritte von Sean Penn über Mila Kunis und Megan Fox bis hin zu Arnold Schwarzenegger schier endlos ist. Doch selbst dramaturgisch ging das Format über die Aneinanderreihung derber Zoten hinaus.

Die blutsverwandte Männergruppe war nämlich nicht weniger als ein Abbild der Anschlussblockade ihrer Geschlechtsgenossen ans neue Jahrtausend. Zwischen Spaßgesellschaft, Dauerkrise und Hyperindividualismus wurden nach 9/11 ausgerechnet die Herren der Schöpfung abgehängt. Ausgerechnet diese zweieinhalb Kerle kennzeichnen da drei Archetypen dieser Verkümmerung: Auf der einen Seite Alan, ein Emanzipationsverlierer mit prekärem Job im Gesundheitswesen, dessen Männlichkeit im steten Clinch mit Anspruch und Wirklichkeit liegt. Auf der anderen Charly, ein Adoleszenzverweigerer, der den drohenden Bedeutungsverlust mit verantwortungslosem Sex, reichlich Alkohol und mangelndem Realitätssinn kompensierte. Und mittendrin Jake, der seinem Vater die Coolness des Onkels soufflieren muss und umgekehrt etwas Vernunft, was den heillos verfressenen Teenager zuletzt von der Spielkonsole zur Army führt, also hinein in die letzte Bastion amerikanischen Männlichkeitskults, aber raus aus der Serie.

Besser könnte man die Abwärtsspirale im Way of Life der USA kaum darstellen. Im Kern geht es allerdings nicht um soziokulturelle Relevanz, sondern ein Medieninvestment zur heiteren Entspannung nach Feierabend. Auch im gestrigen Finale ging es also bestenfalls hintergründig um ein Fazit, gar Lösungsansätze für die Zukunft, sondern ausschließlich um die Show. In durften Gaststars wie Arnold Schwarzenegger auftreten, Rückkehrer wie der gereifte Jake und nicht zuletzt Charly, den man zwar nur hüftabwärts von hinten sehen konnte, als umflort von den üblichen Sexwitzchen mit Promille ein fliegendes Klavier auf ihn herniederging und sodann ein zweites auf den Showrunner. Es ist also wirklich zu Ende. Ist es?


heute+: Infotainment & Netznudisten

Plus minus News

Seit Montag ist das gute alte Nachtmagazin im Zweiten 21 Jahre nach Nina Ruge Geschichte. Stattdessen will das ZDF mit heute+ junge Zuschauer übers Netz vor den Fernseher ziehen. Das Rezept: Infotainment im Pseudohipstersprech statt echter Nachrichten, von Netznudisten wie Daniel Bröckerhoff, die sich doch etwas besser mit tainment als Info auskennen.

Von Jan Freitag

Da steht er nun, mitten im Raum, wie ein Hologramm in Krieg der Sterne, nur nicht so körnig wie Prinzessin Leia. Wir schreiben das Jahr 2015, Daniel Bröckerhoff ist also gut zu sehen, als er im Greenscreen-Großstadtverkehr eine Premiere feiert: Heute Nacht ist 22 Jahre nach Nina Ruges erstem Auftritt im ZDF seit Montagabend Geschichte. Die nachrichtliche Geisterstunde heißt nun:heute+. Die Sendung soll fortan alles grundlegend anders machen als die Ahnherren aus dem analogen Regelprogramm. News der Generation Internet, Instant-Infos für Bröckerhoffs Peergroup. Fern der weihevollen Würde von Anchormen wie Claus Kleber, der dem Nachwuchsmoderator ein possierliches Werbevideo gedreht hat, in dem sich der Platzhirsch herrlich selbstgerecht über den Frischling mokiert: Ohne Krawatte?! Ohne Tisch?!? Crazy!!!!

Genauso trat der Neue am alten Sendeplatz gestern tatsächlich auf, um 23 Uhr live in der ZDF-Mediathek, 50 Minuten später im traditionellen Fernsehkanal. Das Hemd guckt dem öffentlich-rechtlichen Newcomer von auch schon fast 40 Jahren lässig aus der verwaschenen Jeans, die Hände stecken hipstergerecht in tief sitzenden Hosentaschen, als er de Zuschauer zu den “neuen Nachrichten im ZDF” begrüßt. Die heißen, der Reihe nach: Flüchtlingspolitik, Klimawandel, irgendwas mit Drogen, dazu die übliche Dosis Bahnstreik, ein bisschen Krieg (IS im Irak), ein bisschen Popkultur (LED-Radtouren durch Berlin), fertig nach 15 Minuten.

Die informationelle Revolution ist ganz schön kurz. Vor allem aber ist sie alles Mögliche, aber nicht informativ. Fünf meinungslastige Beiträge in einer Viertelstunde plus Newsblock und Eigenwerbung – das bietet allenfalls Raum für Kasuistik und Häppchen. Zwei iranische Asylbewerber erzählen von ihrer Ankunft in Deutschland, ein kenianischer Schlepper erzählt vom Schleppen, ein substituierter Junkie vom Substituieren. Kontext? Metaebene? Relevanz? Zweitrangig! Zusätzlich geht es um menschelnde Modethemen, wie diese Radfahrer, die als LED-beleuchtete Critical Mass durch die Hauptstadtnacht rollen – nachhaltig wie Bubble Tea. Ab und zu mögen Statistikfetzen übers Touchpad wehen; zur Illustration globaler Fluchtwege sagen drei haltlose Sätze eines Betroffenen in Nairobi ebenso wenig übers globale Megathema aus wie sechs künftige Engpässe im Kühlschrank, die, ja genau, der Klimawandel zu verantworten hat. Kaffee wird irgendwann knapp? Armes Kreuzberg.

Die Frage also lautet: Bekommen die öffentlich-rechtlichen Gebühreneintreiber mit dem banalen Mix aus Logo, LeFloid und Tagesschau24 die Jugend weg von RTL oder Instagram zurück vor den Fernseher, der längst kein Fernseher mehr ist, sondern ein Flatscreen zum Anfassen, gern in Form eines Smartphones mit beiläufiger Telefonfunktion, jedenfalls mobil, das heißt, nicht fest installiert, im Wohnzimmer gar, sondern überall und nirgendwo und immerzu und überhaupt und war das jetzt eigentlich zu viel Wort und Schwall und Kraut und Rüben und Zackzackzack in mehr als 500 Zeichen, die übrigens an einem uralten Netbook entstanden sind, Baujahr ungefähr, pardon: approximately 2009, also multimediahistorisch Steinzeit, gewinnt man – zurück zur Frage – multitaskinggeschulte Digital Natives der auch schon wieder dritten Generation auf diese Weise also zurück fürs klassische Programm?

Die Antwort muss anspruchsvollen Sachkonsumenten durchaus Angst bereiten, denn sie lautet: langfristig vermutlich schon, wenn auch die Premiere im stationären Fernsehen eine schwache Quote von 660.000 Zuschauern aufwies. Der moderierende Netznudist Bröckerhoff glänzt weniger durch Eloquenz und Kenntnistiefe als durch optische Zielgruppenanschlussfähigkeit und 44.800 Tweets für 10.300 Follower. Wenn er den nächsten Bahnstreik verkündet, bedient sein “und alle so Yeah” das Pro7-Publikum wie die urbane Partycrowd, der auch seine vielen Versprecher im Onlinedebüt herzlich egal sein dürften – in der anschließenden Fernsehfassung waren diese wie von Geisterhand geglättet. Vielleicht macht es seine Co-Moderatorin Eva-Maria Lemke besser, mit der sich Bröckerhoff täglich abwechselt.

heute+ will nicht informieren, sondern um seiner selbst Willen crossmedial sein, bis der Server dampft. Deshalb werden einige Beiträge schon vor Sendungsbeginn online veröffentlicht; deshalb darf bei Facebook und Twitter fleißig Einfluss genommen werden auf Sendung, Inhalt, Moderatoren, alles “in Echtzeit, immer verfügbar”, wie die Redaktion wirbt. “Ich hoffe”, beendete Daniel Bröckerhoff die Show, “wir haben niemanden zu sehr verstört”. Doch, sie haben. All jene, die durch Nachrichten etwas von der Welt erfahren wollen, anstatt sie bloß youtubegerecht zubereitet zu bekommen wie einen netten Videoclip. Claus Kleber, übernehmen Sie, zur Not auch mit Krawatte!

http://www.zeit.de/kultur/film/2015-05/heute-plus-zdf-nachrichten-broeckerhoff


Tocotronic: Popkultur & Relevanz

TocoFette Heringe

Wohl keine andere Band hat die deutsche Popkultur seit Kraftwerk mehr bereichert als die Hamburger Musterschüler Tocotronic. Pünktlich zum elften Album feiert nun ein opulenter Bildband 20 Jahre Studioplattengeschichte. Das ist ein bisschen zu fett für die drei Heringe aus Hamburg und doch genau richtig.

Von Jan Freitag

Was in einer Hansestadt von Gewicht ist, hängt selten mit Gramm und Kilo zusammen. Gut, in München oder Köln, den absolutionskatholischen Epizentren rheinisch-fröhlicher bis hedonistisch-bayerischer Selbstgerechtigkeitsbeben bringt man gern mal mehr auf die Waage, um oben mitzuspielen. Millowitsch? Zwei Zentner. Strauß? Locker drei. Karneval? Vier Promille. Bierzelt? Schon mal fünf. In Hamburg hingegen pflegt man lieber das Distinktionselement der Askese, als allzu physische Präsenz. Quinn, Lindenberg, Albers, Kabel und erst die Honoratioren Schmidt, Voscherau, Dohnanyi: alles eher Heringe im Wellenbad der Weltstadt.

Hier herrscht halt Understatement, Effizienzethik, Demut – und dann das: Fünf Pfund Hochglanzpapier, verteilt auf 384 Seiten mit noch mehr Bildern, knallrot wie die Mao-Bibel, wuchtig wie eine von Gutenberg: Tocotronic, kulturell das wichtigste Schwergewicht der Region seit Brahms, feiern 20 Jahre Debütalbum. Und sie tun es mit einem Bildband im Coffee-Table-Format. Fett!

Fett?

Kein Attribut könnte das Trainingsjackengeschwader der systemkritischen Poplinken unzutreffender beschreiben als dieses. Fett, das waren im Musikbiz andere, die Athleten, die Househopser – physisch, psychisch, dramaturgisch. Fett war Rave, der damals die Rückkehr des Rock zur Disco bezeichnet hatte, dann die Aneinanderreihung von Monstertrucks zu Liebesparaden. Fett waren Eurodance und Hair Metal und Big Beat und MTViva und überhaupt die ganze entpolitisiert feiernde Jugend jener Tage, als deren Antithese Tocotronic Anfang der Neunziger aus den Ruinen musikalischer Independenz aufgestiegen ist.

Rein körperlich war das Trio spindeldürr und linkisch, zwar irgendwie exaltiert, aber sonderbar unterschwellig, so profan wie politisch, alltagslyrisch und philosophisch, alles in einem und nichts davon oder wie es Jens Balzer im Vorwort zu besagten fünf Pfund bebildertem Papier ausdrückt: „Die schönste und klügste und bewegendste Gruppe, die dieses Land in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat.“ Und das ist dann doch mal einen Folianten dieser Größenordnung wert.

Er heißt Tocotronic Chroniken und ist laut Autor weniger Biografie als Montage. Eine Installation dreier Leichtmatrosen in Motto-Shirts, die dank großer Beharrlichkeit und zeitloser Originalität längst auf der Kommandobrücke des deutschen Diskursrocks stehen, von der „Mithüpfband zur Zuhörband“ gereift, wie ein Kritiker schrieb. Wer Dirk von Lowtzow, Jan Müller, Arne Zank als erstere erlebt hat, wird sich beim Durchblättern abermals wundern, wie das passieren konnte, was da passiert ist. Ende 1993 etwa, als sie es in einer Genossin namens Rote Flora wagten, zu kreischenden Rockriffs von der Freundin (und ihrem Freund) zu singen statt der Revolution (und wie man die hinkriegt). Auf Deutsch! In bunter Kleidung! Eher beschleunigter Powerpop als ortsüblicher Hardcore!  Die anwesenden Autonomen im dampfenden Keller wirkten spürbar irritiert und repräsentierten damit eine Haltung, die der Band aus dem Eimsbütteler Bunker bis heute entgegenschlägt.

Selbst zu viert mögen Tocotronic plus Rick McPhail weniger wiegen als jedes Mitglied von Grönemeyers fantastischen vier Ärztehosen: Seit dem unausgereiften Debüt Digital ist besser hat fast jedes Album was Bleibendes in der popkulturellen Ikonografie hinterlassen. Ihr dadaistisches Songwriting ersann so viele Bonmots, dass selbst Feinde wie die FAZ Teil dieser Jugendbewegung sein wollten, deren Texte von Lowtzows Textzeilen nur so strotzen. Ihre Ästhetik füllt die Kleiderschränke einer ganzen Generation Großstadtslacker. Ihr androgyner Habitus ist bis heute stilbildend. Und auch Das rote Album, Platte Nummer elf, setzt musikalisch Maßstäbe.

All dies ist nicht nur in den vorigen 20 Jahren singulär, es hat also spielend Potenzial für 384 Seiten Hommage. Strikt entlang der Platten (und gottlob ohne die üblichen Kinderfotos) erzählt, sagen sie viel über Tocotronic, aber auch ihre Zeit an diesem Standort: Hamburg. Als die Band 1993 hier entstand, war keine Stadt vergleichbarer Größe mehr vom Rückzugsgefecht des popkulturellen Anspruchsdenkens betroffen. Doch just, als die unkommerzielle Club- zur Eventkultur aufpoliert wurde, kombinierten junge Bands von Huah! bis Blumfeld NDW so erfolgreich mit Garagenrock, dass daraus ein Sammelbecken selbstironischer Systemanlysten entstand: die Hamburger Schule, in der Tototronic noch 1995 neu waren, bald aber den Ton angaben. Vor allem im Klassenzimmer Heinz Karmers, wo die Band bis zum Abriss fast im Wochenrhythmus Familienfeste gab.

Weil aber nicht nur Freunde und Verwandte mitfeierten, sondern eben jener popkulturelle Mainstream, dem die drei Diskursrocker leidlich kostümierte Verachtung entgegenbrachten, vollzog die „intellektuellste Boygroup Deutschlands“, wie sie ausgerechnet die verhasste Springerpresse lobte, den Wandel zur Erwachsenenband. Trainingsanzüge, WG-Ästhetik und Erste Person Singular wanderten ins Archiv der Nachwendegesellschaft und machten Platz für poetische, oft kryptische, doch unverblümte Systemkritik. Aber hier leben? Nein Danke! Was Tocotronic 1999 auf K.O.O.K. andeuteten und drei Jahre später mit dem Weißen Album vollendeten, war kein Kurswechsel, sondern radikale Abkehr. Und die Überraschung, fast ein Wunder: In den Jubelchor des Feuilletons stimmte niemand geringeres ein als das Publikum!

Es ließ sich sogar etwas gefallen, wovon andere Gassenhauer-Lieferanten nur träumen: Als Schall & Wahn vor fünf Jahren sensationell die Hitparade anführte, standen im Übel & Gefährlich vielleicht zwei Klassiker auf der Set-List. Der Rest war Politlyrik von heute, die verlässlich einstellige Chartsplätze erreicht und dennoch zum hartlinken Soundtrack von Deutschland du Opfer! bis Recht auf Stadt taugt. Man kann das in Balzers Chroniken nachlesen, dem Kompendium einer Band, deren Erfolg – gerade in dieser Permanenz – noch immer virtuell erscheint. Spindeldürr sind sie noch immer. Nur wiegen sie längst mehr. Viel mehr.

 Jens Balzer, Die Tocotronic Chroniken, 384 Seiten, Blumenbar, 49,90 Euro; der Text ist vorab erschienen unter http://www.zeit.de/hamburg/kultur/2015-05/tocotronic-bildband-chroniken-20-jahre-studiogeschichte


Ron Jeremy: Pornostar & Schmuddelimage

Der größte Lover aller Zeiten

Auch mit gut 60 Jahren ist Ron Jeremy ein Superstar des globalen Porno. Niemand hat so viele Sexfilme gedreht wie der haarige New Yorker. Für die Goldenen Jahre des Genres steht er daher wie sonst nur Linda Lovelace, deren Leben 2013 verfilmt wurde (11. Mai, 22.15 Uhr, ZDF). Anders als das gefallene Sternchen aus Deep Throat hat es Jeremy allerdings als einer der wenigen Darsteller zu Reichtum gebracht. Porträt eines Getriebenen des lukrativen Treibens.

Von Jan Freitag

Sex und Lüge sind Geschwister. Ob zur Anbahnung, Durchführung oder Nachbereitung erotischer Erlebnisse jeder Art – stets ist die Unwahrheit mit im Liebesspiel des Größerlängerbesserhärterzarteröfter. Und wenn dann noch einer wie Ron Jeremy behauptet, 4000 Frauen im Bett gehabt zu haben, auf Tischen, Stühlen, Bänken, Straßen, Stränden, Stahlträgern, wer weiß wo, dann scheint das Blendwerk perfekt. Mit Schmerbauch, Doppelkinn und ergrautem Schnauzer hat der winzige Kerl schließlich in etwa die sexuelle Attraktion eines Mopsterriers. Und das soll der größte Lover aller Zeiten sein?

Er ist es und Ron Jeremy hat Beweise. Besser: halb so viele wie die Anzahl seiner Gespielinnen und einer steht sogar im Bestleistungskompendium der Welt, dem Guinnessbuch. Mit 1750 Rollen in Pornofilmen ist Ron Jeremy dort verzeichnet und es kommen auch in einem Alter neue hinzu, da viele Männer auf Penetration zu verzichten beginnen. Erst kürzlich gab es wieder einen. Jeremy lacht: „Sobald ich für einen Ständer Viagra bräuchte, ziehe ich mich aus dem Pornogeschäft zurück“. Noch muss er nicht, behauptet er. Wie gesagt: Wir befinden uns im Kosmos der Sexualität, der professionellen zumal. Es ist ein Märchenland. Genau so muss dem 62-jährigen Amerikaner das Leben vorkommen, seine Arbeit, sein Ruhm und vor allem: dieses Stehvermögen. „Bin ich ein verdammter Glückspilz oder was?“, lautet die rhetorisch gemeinte Frage in seiner Biografie, gänzlich unbescheiden mit Ein Mann und viertausend Frauen betitelt, „es ist noch nicht mal Mittag und ich habe schon Sex mit 14 Frauen gehabt“.

Nun ist hier die Rede von Pornografie. Harter Pornografie. Ein System extremer Ausbeutung, an dem zumeist nur eine winzige Minderheit der Beteiligten gut verdient. Und wenngleich Jeremy, in gewisser Weise ihr Uropa, lieber arglos von „Erwachsenenfilmen“ spricht, die ein gigantisches Publikum finden, ist ihr Ruf unterm Strich erbärmlich. Porno steht für Frauenverachtung, Ausbeutung, Verrohung und Warenförmigkeit, für Ekel, Gewalt, ja Prostitution und Unterwelt. Ein Männergewerbe voller Sklavinnen, klagen nicht nur Feministinnen. Ron Jeremy sieht es, nun ja, differenzierter. Und das wirft vor allem auf die deutsche Sexindustrie kein gutes Bild. Hier würden die richtig harten, grenzwertigen, die „perversen“ Filme gedreht, sagt er und tut dies ohne Groll. Sein Credo ist das der Toleranz. Solange kein Zwang herrscht… Dennoch: er selbst mache „nur lustigen Blümchensex“.

In der Tat, denn als knallharter Macho hat er trotz seiner dichten Körperwolle, die ihm den Spitznamen „der Igel“ einbrachte, nie getaugt. Auch nicht zu Beginn seiner Karriere, Ende der Siebziger, als er noch äußerst durchtrainiert war und der Hardcore seinen kurzen Stopp im Mainstream feierte. Werke wie Deep Throat oder Behind the green Door vertausendfachten locker ihre Produktionskosten an den Kassen, Darstellerinnen wie Linda Lovelace oder Marilyn Chambers waren Superstars, „Porn Chic“ katapultierte nicht nur die offene Ejakulation in Frauengesichter auf die Leinwände großer Kinosäle, sondern inhaltsreiche Drehbücher, fürstliche Budgets, reichlich Drehzeit und echte Requisiten an den Set. Porno war angesagt und da kam ein charismatischer Bursche mit grünen Augen und viel Humor aus New York gerade recht, der seinen Höhepunkt perfekt terminieren konnte und mit einem Viertelmeter im Schritt bestückt war. „Fünf Zentimeter … überm Boden“ – so pflegt er die Länge seines Gemächts zu beschreiben. Gern auf Kleinkunstbühnen, die er seit 20 Jahren als Stand-up-Comedian erfreut.

Als er noch Ronald Jeremy Hyatt hieß, wollte der studierte Theaterwissenschaftler und ausgebildete Sonderpädagoge richtige Rollen haben, natürlich. Dass er es am Ende auch vollständig bekleidet in 60 Filme geschafft hat, spricht Bände über den Rang der Pornografie. Die Talkshowtingelei einer Gina Wild oder Jenna Jameson ist dafür so beredtes Zeugnis wie Ron Jeremys Engagement für die Tierschutzorganisation Peta oder zahllose Fotos im Innern seiner Biografie, die ihn Wange an Wange mit Berühmtheiten von Dustin Hoffman bis Sting zeigen. Jeremy ist Kult, ein Klavierspielender Charmeur aus gutem Hause, einer der alten Schule, als Porno noch Niveau besaß. Behaupten seine Fans.

Ihr dienstältester Hengst hat beides erlebt, gestaltet, geprägt: Qualität und Quantität, millionenschwere Überhöhung als Kunstform und milliardenschwere Fließbandproduktion mit standhaften Männern, vor allem aber gefügigen Frauen als Gebrauchsgegenstände einer gnadenlosen Verwertunglogik, die völlig zu Recht den feministischen Zorn auf sich gezogen hat und immer noch zieht. Dank eines Nacktfotos im Playgirl war er 1978 in die Horizontale geraten und aus Rücksicht auf seine jüdischen Eltern ohne Nachnamen liegen geblieben. Sein Kontostand indes ging stetig in die Höhe. Als Ergebnis harter Arbeit, wie er betont. „Wir machen das nicht zu unserem Vergnügen, sondern zu eurem“. Für Romantik sei so wenig Platz wie für privates Liebesglück, das weiß er, das beklagt er, das will er erst ändern, wenn er mal eigene Kinder hat und glaubt doch gleichsam, den Spaß am Sex nie zu verlieren – daheim und am Set. Schließlich hat er eine Mission. „Ich bin doch der lebende Beweis dafür“, sagt der Weltrekordmann und lacht laut auf, „dass jeder Mann eine Chance bei Frauen hat“.

Der Mensch

Ron Jeremy, 1953 als Ron Jeremy Hyatt in New York geboren, hat in mindestens 1700 Pornofilmen mitgespielt, mehr als jeder andere Darsteller. Der studierte Theaterwissenschaftler und Sonderpädagoge ist seit 1978 in der Szene. In über 100 Pornofilmen hat er selbst Regie geführt und in 60 Nichtpornos mitgewirkt, u.a. bei Killing Zoe und Studio 54. Ron Jeremy lebt allein in New York.

Und das Buch

Ron Jeremy – Ein Mann und viertausend Frauen. Die Autobiografie des größten Pornostars aller Zeiten. Mit Eric Spitznagel. 336 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 14,90 Euro


Katharina Schüttler: Aggressiv & zerbrechlich

Katharina_Schüttler,_portraitiert_von_foto_di_mattiIch bin nicht Hedda Gabler…

…aber wenn jemand seine Rollen so intensiv, so glaubwürdig verkörpert wie die Schauspielerin Katharina Schüttler (Foto: Matti Hillig), muss man sich mit Rollenvergleichen arrangieren. Ab Montag ist sie wieder drei Tage lang zur besten Sendezeit als brüchige Nazi-Sängerin in ihrem Welterfolg Unsere Mütter, unsere Väter (20.15 Uhr, 3sat) zu sehen. Eine Begegnung in ihrem Prenzlberger Heimatkiez mit Blick auf die halbe Welt.

Von Jan Freitag

Manchmal muss eben die Requisite dran glauben. Wenn eine Rolle sie förmlich durchflutet, wenn eine von der anderen Besitz ergreift, dann tritt Katharina Schüttler schon mal so oft ins Bühnenbild, bis eine Tür zerbirst. „Meine Figur steckt voller Aggressivität“, erklärt sie die kaputte Kulisse bei der Besetzungsprobe zum RAF-Melodram Es kommt der Tag. Katharina Schüttler spürt darin Iris Berben als ihre Mutter auf, die sie einst auf dem Weg in den Untergrund verlassen hatte. „Da konnte ich gar nicht anders“. Manchmal muss auch der Stolz dran glauben. Von fiktiven Häftlingen etwa, mit denen sie als Theaterregisseurin im ARD-Film Schurkenstück ein Dürrenmatt-Werk probt. „Bin ich hier im Kindergarten?“, fragt die zarte Frau da in die harte Runde, und als sie feststellt, „ich werd’ nicht alles mit ihnen diskutieren“, da bröckelt der Hochmut schwerer Jungs aus schweren Verhältnissen hörbar.

Manchmal aber muss Katharina Schüttler selbst dran glauben. Als Hedda Gabler zum Beispiel, die an der eigenen Wut zerbricht, irgendwo zwischen Anpassung und Ausbruch. Sie spielt das sogar ohne Sprache als „Inkarnation der neuen deutschen Patzigkeit“, wie der Spiegel jubelte, nicht mal aufzuhalten von einer Kehlkopfentzündung. Die Stimme als Kollateralschaden ihrer Leidenschaft – es scheint, als müsse stets etwas zu Bruch gehen, wenn Katharina Schüttler ihren Spieltrieb von der Leine lässt. Ob beim Casting, im Film oder auf der Bühne. Die „Kampfmaschine“, wie Iris Berben ihre Kollegin halb anerkennend, halb erschrocken nannte, er steht nicht nur in Flammen, er brennt sich aus. So glaubhaft, so authentisch, dass sie nach dem Ibsen-Erfolg in Berlin zur Schauspielerin des Jahres gekürt wurde: Mit 26, jung wie keiner zuvor. Mit dem Titel kamen Hauptrollen, es wuchs aber auch der Druck. Noch vier Jahre später spricht sie von einer Bürde. Katharina Schüttler hat gelernt sie zu tragen.

„Unter jeder Schwäche liegt eine Stärke“, erklärt sie ein Wirkmuster, das ihr zum Credo geriet, „und unter jeder Schwäche eine Stärke“. Beruflich wie im Leben. Und wie sie das so sagt, beim Latte Macchiato im Trendviertel Prenzlauer Berg ums Eck ihrer Wohnung, wird auch im Privaten die Ambivalenz ihres Zaubers spürbar. In ihrem „Textlern-Café“ redet sie tiefgründig, aber auf bodenständige Weise von sich und ihrer Arbeit. Sie vergöttert das Theater, liebt den Film, schätzt das Fernsehen, pflegt aber keine Dogmen. Sie ist bildhübsch, man muss die Schönheit nur über einige Hürden hinweg entschlüsseln, den zu spitzen Mund, die kindliche Figur, das hypnotische Grün der Augen unterm strengen Scheitel. Katharina Schüttler wirkt durchscheinend, rätselhaft, zerbrechlich. Oberflächlich. Auf den zweiten Blick ist es der emanzipierte, kraftstrotzende, umwälzende Charakter, den sie so spielt. Bis zum nächsten Blick… Sie ist ein Widerspruch in Echtzeit.

Darin ähnelt die 35-Jährige den Schauspielerinnen ihrer Generation: Lavinia Wilson, Julia Jentsch, Hannah Herzsprung. Alle gut gebucht, selbstbewusst fragil, alle eher vertrackt als einfach attraktiv, alle zuhause im seriösen Fach. So verschieden sie besetzt werden: es eint sie das Geheimnis einer Angreifbarkeit, die Angriffe an gläserner Wand abprallen lässt, eine Fertigkeit, zugleich lenkbar und am Hebel zu sein. Niemand beherrscht diese Multifunktionsweiblichkeit der Gegenwart wie Katharina Schüttler. Der Spross einer Kölner Theaterfamilie hat das Wesen des Berufs zutiefst verinnerlicht. Es geht nicht nur darum, eine Rolle gut zu spielen, schon gar nicht, sich mit ihr gemein zu machen, schließlich sei abseits der Bühne „eine total schlechte Lügnerin“. Es gilt, ihr wirklich alle Facetten abzutrotzen. Und Katharina Schüttler trotzt da sehr hart. Mehr Forscherin als bloß Verkörperung, ist sie eine Art Trafo, der die wechselnden Spannungen ihres Fachs ohne Energieverlust nutzbar macht: Den schwangeren Spät-Teeny (Sophiiiie!) so wie Marcel Reich-Ranickis Frau Tosia (Mein Leben), die blinde Cellistin Elli in Almut Goettes Drama Ganz nah bei dir nicht weniger als die Zeitzeugin Beatrice Rohner in Eric Friedlers Dokumentation Aghet über den türkischen Genozid an den Armeniern. In Titel- wie Neben- und Episodenrollen.

Mit denen ist Katharina Schüttler zufrieden, mit ihrem Metier weniger. Sie wünscht sich andere Filme mit eigener Sprache, mutige wie Ich, Du und alle die wir kennen von Miranda July, Experimentelles für den Mainstream also. „Es gibt in Deutschland so viele tolle Bücher, die nie zu Ende finanziert werden“. Gerade im Fernsehen, sie wird da sehr energisch, herrsche die Diktatur der Quote. In der Tat, denn manchen Film rettet nur Katharina Schüttler selbst vor dem Verriss. Sie schafft das mit dieser Mixtur schwer vereinbarer Teile: Pathos und Vernunft, Larmoyanz und Furchtlosigkeit, Resignation und Willensstärke, Ying und Yang, wie sie es ausdrückt. Nicht umsonst erklärte Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier die Vergabe Hedda Gablers an die Nachwuchsmimin damit, dass sie „eine weibliche Autonomie ohne verkrampften Feminismus“ verkörpert. Es steckt alles in ihr. Das Publikum mag so was eigentlich nicht.

Mit großen Augen im riesigen Gesicht erzählt sie gestenreich aus einem Theater- und Filmleben in einem Theater- und Filmland, das stets auf der Suche nach Schubladen ist. „Auf meiner stand nie jung und wild“, verneint sie das Etikett aller Darsteller unter, sagen wir: 35. „Eher magische Zicke, die nicht mehr süß sein will und radikal aufbegehrt.“ Die linke Braue schnellt wie so oft empor bei der Frage, was davon in ihr stecke: Nichts und alles eben. Sie sei nur ein extrem empathischer Typ, „offen, sehr ungeschützt“. Das könne hilfreich sein, aber auch hinderlich. „Beim Spielen dringt viel in mein Innerstes vor“. Zu viel bisweilen, um die Balance zu wahren.

Darum pflegt sie ihre Schutzräume. Die meisten Figuren „bleiben mir so abstrakt, dass ich mich nur mit meinem Handwerk, nicht der Person in den Dienst der Geschichte stelle“. In der Öffentlichkeit dagegen werde man rasch auf Kunstfiguren zugespitzt, die Eigenarten einer Rolle. „aber ich bin nicht Hedda Gabler“. Eher eine Art Kontrastgel beim Ultraschall, ein Transportmittel. „Wenn das Gerät auf meine Organe blickt, eröffnen sich Aspekte, die ich zu spielen habe.“ Schöne Analogie einer Schauspielerin, die kaum anders konnte, als Schauspielerin zu werden.

Der Vater ist Theaterintendant, die Mutter Autorin, selbst ihr Freund dreht Filme. Und auch wenn beide Geschwister mit Architektur und Ethnologie andere Wege gehen, war ihrer vorgezeichnet. „Ich kann mich an nur einen Ausflug mit meinen Eltern erinnern“, erzählt sie aus ihrer Jugend: Ins Freibad. „Sonst waren wir immer im Theater“. Nicht, dass sie schon als Gymnasiastin Klassiker verschlungen hätte, aber die Bühne besaß von klein auf das, was sie als „große Normalität“ empfand. Kein Wunder, dass sie bereits mit elf vor der Kamera debütierte. Wochenlang neben den Profis am Set, dieses Zugehörigkeitsgefühl – „das hat mich früh erwachsen werden lassen“.

Vielleicht rührt es daher, dass sie so häufig getragene Rollen spielt, nicht frei von Gefühlen, aber im Kern sachlich, am Rande sozialer Brüche und Abgründe, die Schüttlers Karriere kennzeichnen. Das macht eine banale Schwiegermutterklamotte beim Plastikkanal ProSieben fast zum Akt der Befreiung. „Ein wunderbarer Ausbruch“, sagt sie fünf Jahre danach. „Wenn ich im Kino eine Komödie sehe, fühle ich mich hinterher ja auch besser als nach Lars von Triers Dancer in the Dark.“ Nicht dass sie sich um leichte Stoffe bemühe, „aber wenn sie anklopfen und charmant sind, öffne ich die Tür einen Spalt“. Wie einen Fluchtweg aus der unerträglichen Schwierigkeit des Seins, fort vom Ernst ihres Schaffens. Er führte sie schon in körperliche Abenteuerkomödien, aber auch zum Welterfolg Unsere Mütter, unsere Väter, wo Katharina Schüttler eine Sängerin spielt, die im NS-System Karriere macht – elaboriertes, aber durchweg massentaugliches Historytainment, mit globalem Millionenpublikum statt jener 5000 Kinobesucher, die sich schon mal für sie ins Kino verirren. Beides sorgt mittlerweile dafür, dass ihr Stigma ewiger Jugend in fiktionaler Reife mündet.

Noch mit 26 spielte Katharina Schüttler in Wahrheit oder Pflicht ja eine Schülerin. Und ihr Äußeres taugt bis jetzt für die Lolita, mit der die Theaterlaufbahn 2002 Fahrt aufnahm. Dagegen steht ihre Knastregisseurin vergleichbar tief im Leben. Fast wie jene Figur, zu der sie eine Maskenbildnerin mal machen wollte. „Wir waren sogar im Perückenladen“, erinnert sie sich. Bis ihr auffiel, dass eine Mutter nahe 40 viel abstrakter war, als eine Mörderin im eigenen Alter. Sie strich die Rolle. Rein handwerklich könne zwar das Irreale glaubhaft geraten. Aber die reale Fiktion einer Mutter am Scheideweg? „Eher nicht.“

Nicht genug. Nicht für die Ansprüche des Publikums, des Mediums, ihrem Perfektionismus. Dem habe man zu genügen. Punkt. „Wo Leute den Blick fürs Ganze verlieren, fühle ich mich fast verletzt.“ Halbherzigkeit fache ihr Helfersyndrom an, dann greife sie ein. „Wenn ich etwas nicht richtig machen will, kann ich auch am Strand sitzen.“ Schwer zu glauben, dass Katharina Schüttler das kann, fernab von Kamera und Bühne, wo alle Furcht des Alltags von ihr weicht. Bis Anfang des Jahres kannte sie nicht mal Lampenfieber. Dann drehte sie erstmals in Englisch. „Wenn ich auf einer Hochzeit singen soll, bin ich total aufgeregt.“ Beim Spielen aber, da sei sie durch ihre Figur geschützt. Die Bühne, so Katharina Schüttler, „macht mir keine Angst“. Warum auch? Als Elftklässlerin trat sie nach wenigen Tagen ihres Highschool-Jahrs in Florida vor die Theatergruppe und bewarb sich in stotterndem Englisch. Mit Erfolg. Mut, sagt sie „schafft Haltung“. Auch wenn es gelegentlich erschreckt.


Heino Ferch: Stoizismus & Rückenschule

Kernige Auster

Heino Ferch zählt zu den erfolgreichsten Schauspielern im Land. Und den umstrittensten. Schuld daran sind Theatralik, Haltung und Männlichkeit, die der Norddeutsche seinen Charakteren oft verleiht. Das tut er Freitag im Ersten auch als Vater eines Sohns, der zur Frau verwandelt vom Austauschjahr zurückkehrt. Schlecht macht er es nicht.

Von Jan Freitag

Die Verschlossene Auster ist ein Preis für verschwiegene Geister. Wem er verliehen wird, der hält es nicht so mit dem Reden. Er pflegt lieber die Aura des Mysteriösen als aufgeweckter Offenheit. In den Medien gilt die Verschlossene Auster daher als Trophäe für Firmen, Leute, Institutionen, die aus Prinzip Geheimniskrämerei betreiben, was keinesfalls nett gemeint ist. Gäbe es den Preis dagegen auch für Schauspieler, er wäre positiver besetzt. Wer nicht gleich nach der ersten Klappe sein Innerstes nach außen kehrt, hält die Spannung schließlich hoch. Sorgt für Überraschungen. Bietet Raum für Publikumsgedanken.

Charakterdarsteller dieses Typs gab es immer mal wieder auch im deutschen Film, und nicht selten konnten sie ihrer Epoche gar in aller Stille einen Stempel aufdrücken: O.E. Hasse zum Beispiel der schwarzweißen. Wolfgang Kieling dem Übergang zur farbigen. Oder ein Hanns Zischler jener Phase, da kommerzielle Sender den öffentlich-rechtlichen reichlich Staub aus den Kleidern klopften. So haben gelernte Theatermimen alter Schule den Übergang in eine neue Filmästhetik mit viel Leib und noch mehr Seele etwas erträglicher gemacht. Womit wir beim jüngsten Vertreter schweigsamer Schauspieler wären: Heino Ferch.

Wann immer das Nordlicht mit der kantigen Optik auf dem Bildschirm erscheint, sinkt darauf sogleich der Schallpegel. Denn während das digitale Zeitalter sein Angebot zusehends auf Krawall bürstet, reduziert Heino Ferch jede seiner Figuren aufs Allernötigste. Kritiker nennen das zwar zuweilen: langweilig. Fiese Spötter gar: öde. Doch wer sich das Werk des Kapitänssohns aus Bremerhaven genauer ansieht, erkennt: Heino Ferch mag „ein Mann der leisen Zwischentöne“ sein, wie er selbst einräumt, einer der mit Understatement statt Exaltiertheit agiert. Doch genau darin hat er seine Bestimmung gefunden und variiert sie zwar oft verschwiegen wie Meeresgetier, in ihrer Nachdrücklichkeit jedoch meist lautstark.

Wie sehr, das belegt heute auch Mein Sohn Helen, wo er einen stabilen Familienvater spielt, dessen 17-jähriger Sohn zur Frau gewandelt vom Austauschjahr zurückkehrt. Das ist oft degetoüblich freitagsschlicht erzählt, aber Ferch tut darin eben, was er tun muss, um ein Film leidlich auf Niveau zu halten: Er gibt seinen Part als Stoiker, der diesmal gar zur Selbstreflexion fähig ist. Das ist eindrücklich gespielt, wie viele seiner Rollen zuvor in wechselnder, aber wesensverwandter Funktion. Obwohl ihm seit seiner ersten Episodenrolle beim Alten vor drei Jahrzehnten ein Serienkommissar – im Land der Todschlagsdichter und Morddezernatslenker die höchste Weihe – verwehrt bleibt, hat er es dabei immer wieder mit Kapitalverbrechen zu tun.

Schon sein Polizeipsychologe Bender ermittelte mit minimalem Gefühlsaufwand gegen einen Wiener Feuerteufel von 1999. In Dror Zahavis Terrordrama München 72 gab Ferch zum 40. Jahrestag des Olympiaanschlags (2012) den Polizeipräsidenten Waldner, der mit stoischer Mine das Antiterrorchaos dirigiert. In Matti Geschonnecks Mord am Meer von 2005 klärte sein Kripomann gewohnt wortkarg ein deutsch-deutsches Uraltverbrechen auf. Im ausgezeichneten Zweiteiler Entführt vom gleichen Regisseur tat er vier Jahre darauf das Gleiche mit dem Tatbestand des Titels. Und wie er da im anthrazitkühlen Anzug durchs eigene Designerappartement stromert, wie er das innere Erstarren am Rande der Depression zum Stilmittel implodierender Anspannung erhebt, schien das die Generalprobe für seine erste echte Reihenfigur zu sein. Vielleicht, der bestens gebuchte Darsteller auf der Suche nach Wegen aus dem Labyrinth seiner Schublade zögert lange mit diesem Wort, „meine Paraderolle“.

Sie heißt Richard Brock. Ein Wiener Psychologe auf den Spuren des Bösen, der den offiziellen Ermittlern immer dann beispringt, wenn klassische Polizeiarbeit an Grenzen stößt. Viermal hat Ferch seiner Figur bereits Leben eingehaucht, indem er es ihr scheinbar entzieht. Viermal brachte ihm die Interpretation des gefühlsmäßig, nennen wir es vorsichtig: limitierten Seelenarztes gute Kritiken und noch bessere Quoten gebracht. Viermal zementierte er damit jedoch auch das Rollenklischee vom schmallippigen Streiter gegen das Schlechte, der sich mit geradem Kreuz Richtung Showdown flüstert.

„Solange ich nicht Quasimodo spiele, wird meine Haltung eine mir eigene sein“, hält der frühere Bundesligaturner, Akrobat und Tänzer gegen und bittet energisch: „Geben Sie mir einen Wallenstein!“ Dann erlebe man seine andere Seite, eine laute, exaltierte, die er als Darsteller diverser Berliner Großbühnen der Achtzigerjahre unter Beweis gestellt hatte. Einsame, stille, verhärtete, Figuren wie Brock wecken zwar sein Interesse, würden ihm aber zu häufig angeboten. Heroische Typen mit Zug zum Guten, wie die Kritik gern spottet. Ferch nennt sie Antihelden. Klassische Helden spiele er gar nicht.

Nicht mehr, muss man hinzufügen.

Nachdem seine Karriere 1997 als Comedian Harmonist erst im Kino und vier Jahre darauf im Fluchtdrama Der Tunnel auch auf dem Bildschirm Fahrt aufgenommen hatte, gab er sie noch regelmäßiger: die Anpacker mit Anstand, Herz oder Muskeln, gern alles zusammen. Den Spiegelsonnenbrillen-General der Berliner Luftbrücke etwa. Heinrich Schliemann auf der Sat1-Jagd nach dem Schatz von Troja. Oder Albert Speer als Gegenpol zum keifenden Hitler in Hirschbiegels Untergang. Derlei Blockbuster mögen Ferchs Ruf als Star des hiesigen Historienmelodrams befördert haben; auf der Strecke blieb im öffentlichen Bewusstsein die Vielseitigkeit.

Daran ändern selbst erfolgreiche Abstecher ins Heitere (Meine schöne Bescherung), Absurde (Vom Suchen und Finden der Liebe) oder Internationale (Napoléon) wenig. Ferch kann die wunderbare Komödie Vincent will Meer noch so furios mit dem Vater eines Autisten bereichern oder Stefan Krohmers Gesellschaftsstudie Verratene Freunde mit einem windigen Unternehmer – sein Ruf bleibt seltsam eingeklemmt zwischen Steward Granger und Bruce Willis, Nachkriegs- und DMAX-Männlichkeit. Nur: warum sollte einer, der seine Mitte gefunden hat, nicht darin verweilen? Anders gefragt: Wer spielt sie denn hierzulande besser – die Standardfigur des Erlösers, der an seiner Mission leidet? „Durchaus gebrochene, auch schwache Charaktere“, sagt Ferch feierlich, „die unter Druck von außen den Weg ins Licht suchen“. Wer also könnte all die Brocks im deutschen Krimi besser verkörpern?

Eben!

Und so ist die Verschlossene Auster, die dem 51-Jährigen gewissermaßen inoffiziell gebührt, auch kein Preis für Verschwiegenheit. Sie prämiert den stillen Gegenpol im aktuellen Reizgewitter: manchmal etwas kernig vielleicht, gelegentlich pathetisch, am Ende in aller Ruhe erfolgreich. „Ich bin gesund, habe zwei wohl geratene Kinder, eine liebevolle Familie, ein glückliches Leben“, sagt das Nordlicht vom Ammersee zum Abschied, „es gibt nichts, das ich zu beklagen hätte.“ Schon gar nicht seine Filme.