Posted: March 5, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch |
Man will ja auch mal abschalten
Felicitas Woll lächelt nett, zur Begrüßung in einem Hamburger Luxushotel. Sie hat nette Klamotten an, einen netten Pulli, dazu hohe, aber nicht übertrieben sexy Stiefel, ihre Händedruck ist eher lasch als tough. Keine Powerfrau, so scheint es. Dabei ist die 33-Jährige aus Hessen als Schauspielerin längst gebucht auf vergleichsweise zähe Frauen wie die des Autopioniers Benz in Carl & Bertha (Samstag, SWR, 20.15 Uhr), eine historische Figur, das liegt ihr seit der Hauptrolle in Dresden vor acht Jahren. Damals spielte sie sich frei von ihrem Rollentypus der süßen Tanja aus Die Camper, mit er die Karriere der Krankenschwester 1998 begann. Oder der süßen Victoria aus Mädchen Mädchen drei Jahre später. Oder der noch süßeren Lolle beim Durchbruch Berlin Berlin. Oderoderoder. Jetzt darf sie sogar eine Kommissarin spielen in einer ZDF-Krimireihe. Reif sieht sie darin aus. Bisschen süß aber auch, noch immer.
freitagsmedien: Frau Woll, interessieren Sie sich für Autos?
Felicitas Woll: Nicht übermäßig, aber ich fahre sehr gerne und schaue älteren Modellen hinterher, so langweilig wie die neueren geworden sind. Ich könnte unmöglich aufs Auto verzichten, aber das Interesse gilt nur der Mobilität. Und der Ästhetik.
Zur Reparatur taugen Sie nicht?
Nee, nee, nee, nee, nee! Nicht mal eine Zündkerze. Meinen kleinen umweltfreundlichen Fiat 500 bringe ich schön in die Werkstatt.
Was finden Sie als Zuschauerin also interessanter an Carl & Bertha – das Technische oder die Romanze?
Wäre es eine fiktive Geschichte, fände ich die Romanze schöner, aber weil es eine wahre Erzählung ist, hat beides seine Bedeutung. Es ist die Geschichte eines Erfinders, der dafür verteufelt wurde, was er nur dank seiner Frau durchstehen konnte, die ihn jahrzehntelang unterstützt hat. Als ich mich erstmals mit dem Thema befasst hatte, interessierten mich die technischen Aspekte vor allem durch die Vermittlung der menschlichen daran. Wie sich Carl und Bertha gegen alle Konventionen und Widerstände gestellt haben – das beeindruckt mich sehr.
Wobei der Kfz-mechanische Teil des Biopics natürlich bestens belegt ist. Wie steht es mit dem zwischenmenschlichen?
Da ist die Textlage dünner. Es gibt ein paar zeitgeschichtliche Dokumente, die Lebensläufe, der Rest ist der Stimmigkeit der Gesamterzählung geschuldet.
Wie authentisch ist da die moderne Schilderung der Bertha Benz – ist es die Frau, die wir gern in ihr sähen, oder die, die sie tatsächlich war?
Von beidem etwas. Sie muss eine moderne Frau gewesen sein, um den reichen Schwiegersohnkandidaten ihrer Eltern für einen armen Träumer abzulehnen, für dessen Traum sie sich ihre Mitgift auszahlen lässt und später gar im ersten Langstreckenversuch testet. So was war im 19. Jahrhundert sicher nicht normal.
Aber auch darüber hinaus ist ihre Art zu leben, zu reden, zu sein eher aktuell, wie es in all den Frauenfiguren von Margarethe Steiff über Dr. Hope bis Marion Gräfin Dönhoff derzeit üblich ist. Filmen wir uns die Frauen von damals nicht stärker als sie waren?
Frauen wie diese, die sich in Männerwelten durchsetzen konnten, waren ihren Geschlechtsgenossinnen ohne Zweifel voraus. Die hat es immer gegeben, sonst wäre es mit der Emanzipation heute nicht weit her. Da stand die starke Frau eben nicht hinter einem starken Mann, sondern daneben.
Ließe sich ein Biopic auf dem Sendeplatz auch erzählen, wenn man die ganze Lebenswelt von damals erfasst, die häusliche Gewalt, die Hierarchien, das enge Regelkorsett?
Er ließe sich jedenfalls schwerer unterhaltsam erzählen. Und häusliche Gewalt ist ja weiter so verbreitet, dass sie oft genug zum Thema aktueller Filme wird, die nicht den wichtigen Handlungsstrang der Erfindung des Autos haben. Man kann nicht in jedem Film alles erzählen, für eine Romanze wäre das untauglich. Man will ja auch mal abschalten von der Realität.
Käme so ein Leben mit fünf Kindern im Schatten eines Mannes für Sie in Frage?
Nein, aber es gibt genug Frauen, für die das die Erfüllung von Familie, von sich selbst, ihrer Wünsche wäre. Ich bin auch gern zuhause und gerne Mutter, das sollte man nicht zu eindimensional sehen. Zumal so eine Frau für die neue Generation Männer ja auch nicht mehr erstrebenswert ist.
Hat die eigene Mutterschaft Ihren Blick aufs Leben da sehr verändert?
Nicht grundsätzlich, aber in manchen Momenten fällt es auf, wie sich meine Wünsche, meine Ziele gewandelt haben. Ich bin nicht mehr so auf Riesenkarriere aus, kann aber nach wie vor mein eigenes Leben leben. Solange das noch möglich ist, was ich jeder Frau wünsche, sind die Voraussetzungen perfekt. In meiner Situation überlege ich mir jeden Auslandsdreh zweimal, aber es gibt ja auch noch den Vater.
Der kein Erfinder ist, der nächtelang in der Werkstatt an seinem Traum bastelt?
(lacht) Ach, der erfindet und bastelt schon viel, aber er will damit nicht die Welt verändern.
Carl Benz wollte es und war sich dessen voll bewusst. Im Gegensatz zu den Konsequenzen. Kann man ihn im Licht des Klimawandels bloß als Erfinder betrachten?
Das muss man sogar. Sein Ziel war die Mobilität, die Demokratisierung des Transports. Von Umweltschutz konnte er noch keine Ahnung haben. Sein Auto hatte nur einen Hebel, vorwärts und rückwärts; ich bin unlängst mit einem Benz abgeholt worden, der schon mir wie ein Raumschiff vorkam mit all den Schaltern, Monitoren, elektrisch verstellbaren Sitzen und Hunderten von PS. Wie wäre es ihm da erst vorgekommen? Wenn er das geahnt hätte, hätte er es in seine Überlegungen mit einbezogen, so gut hab ich ihn mittlerweile kennengelernt.
Das spürt man im Film, wo er durchweg positiv erscheint. Wie Ihre Rolle auch.
Bertha hat aber auch ihre Momente, wo sie nicht mehr kann und es Carl spüren lässt.
Der erste wirklich fiese Charakter, den Sie sich so sehnlich wünschen, lässt aber weiter auf sich warten.
Vielleicht muss ich noch ein bisschen warten. Man braucht da einen Förderer, der dich komplett neu besetzt, wie es Nico Hofmann in „Dresden“ getan hat, als man mich nur aus Berlin Berlin und Mädchen Mädchen kannte.
Dennoch verkörpern Sie meist einen Typus, der zwar durchaus tough ist, aber stets von Liebe getrieben. Ist das das Maximum an Emanzipation, was man Frauenrollen heutzutage zubilligt?
(lacht) Die Konstellation aus Stärke und Hingabe ist nun mal das, was die Leute sehen wollen. Mitten im Leben, aber bitte mit viel Liebe für einen Kerl, den sie sich aussucht, nicht jemand anders. Wie bei Carl & Bertha eben. Nichtsdestotrotz hoffe ich natürlich auch noch auf andere Herausforderungen und dass man jungen deutschen Schauspielern mehr zutraut. Warum nicht mal eine Mörderin, eine der man einfach nicht trauen kann. Jeder von uns möchte ja mal in den Abgründen unserer dunklen Seite wühlen und wir Schauspieler dürfen das sogar ungestraft. Die liebe Nette ist eine Zeitlang schön; jetzt wird es Zeit für die andere Seite. Und ich bin gerade an dem Punkt angelangt, an dem ich mir mehr aussuchen kann und vor allem auch mal etwas ablehnen. Das ist mit 31 Jahren doch gar nicht schlecht.
Haben Sie den Anspruch, emanzipierte Frauen zu spielen?
Überhaupt nicht, das war bislang eher Zufall. Spielst du einmal eine junge, emanzipierte Frau, wird dir das auch öfter angeboten, aber ich will natürlich mehr.
Haben Sie was das Bild der Frau im Film betrifft, ein Sendungsbewusstsein?
Wenn man eine Rolle authentisch spielt, hat man das zwangsläufig. Aber ich setze mich vorher nicht hin und sinniere über die Rezeption, obwohl ich mir natürlich durchaus Gedanken mache, was die Leute darüber denken, welche Fragen man mir dazu stellt, wie ich mit dieser Rolle zurecht komme? Ich muss mich wohl fühlen, mit dem, was ich tue. Aber ich will sicher nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen, dafür kenne ich die Welt zu gut.
Nun sind sie in der komfortablen Position, immer populärer zu werden und werden sofort durch die Verwertungsketten des Fernsehen gehetzt – von Kochshows bis zur Pro7-Märchenstunde – fühlt man seine Popularität da ausgebeutet?
Ganz ehrlich: Mein Beruf ist meine Leidenschaft, da muss ich mich nicht schämen, auch mal bei Raab auf dem Sofa zu turnen. Denn so was macht – auch wenn es nicht das cineastische Topniveau ist – Mordsspaß. Also: Ich fühle mich überhaupt nicht ausgebeutet. Im Gegenteil – als ich vor ein paar Jahren aus einer zweijährigen Babypause kam und immer noch Interesse an mir gespürt habe, war ich sehr glücklich darüber. In meinem Alter ist man nach einer Weile Abwesenheit nämlich ganz schnell weg vom Fenster. Jetzt stehe ich genau davor.
Und nun sogar auf der Bühne.
Ja, das ist die nächste Herausforderung. Vor dem Theater bin ich lange weggelaufen, als ungelernte Schauspielerin. Nach 13 Jahren im Beruf vor Publikum zu spielen, ist ein völlig neuer Weg für mich. Aber das Lampenfieber wächst. Durch dieses Feuer muss ich durch.
Interview: Jan Freitag
Posted: March 4, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 2 dienstagsmarthe |
Im Fernsehen nie fernzusehen klingt so, wie beim Atmen nicht zu atmen, hat aber sehr praktische Gründe: Den Fortbestand des Weltalls.
Von Jan Freitag
Es gibt Gedankenspiele, die sind so absurd, dass sie für Kopfsausen sorgen. Bei Zeitreisen etwa gibt es das „Großvaterparadoxon“. Superwort, Supertheorie: Was nämlich passiert, wenn man ein Vehikel baut, das in der Historie rückwärts fährt und dabei dummerweise auf dem eigenen Großvater landet – kann man dann überhaupt noch geboren werden, also in die Zeitmaschine steigen um später auf Opa…? In „Zurück in die Zukunft“ soll so was das Raum-Zeit-Kontinuum gefährden, also den Fortbestand des Weltalls.
Nach dieser Logik wäre der ähnlich gefährdet, sähe sich eine Filmfigur selbst im Fernsehen. Dr. Kleist schaltet also die Glotze an, erblickt sich samt seiner Familie am Bildschirm und puff! – schrumpft der Kosmos auf Erbsengröße. Sendeschluss. Womöglich ist diese Option der Grund, warum im Fernsehen praktisch nie das getan wird, was alle Welt eigentlich dauernd tut: fernsehen. Sonst würde besagter Dr. Kleist ja bei dem zugucken, was er da grad verzapft und in sich sofort dematerialisieren wie im schwarzen Loch. Was zur nächsten Erklärung führt: Vielleicht ist intelligenten, schlüssigen, guten Fernsehfiguren das Programm einfach zu blöd. Obwohl – müsste Dr. Kleist dann nicht andauernd…
Posted: March 3, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |
Rücksichtnahme
Die Fernsehwoche, die war: 25.2.-3.3.
Manche Fernsehformate erkennt man an nur einem Geräusch. Bei Michael Schanze war es das Plopp, bei Mork vom Ork ein Nannonanno, das Testosteronrodeo Alarm für Cobra 11 begrüßt jedes Episodendrittel mit einer nagasakiartigen Autobahnexplosion, die Tagesdosis Scripted Reality liefert das Grunzen gewaltaffiner Laiendarsteller zum Kaffee und nun also das hier, ein irgendwie amorpher, doch unverkennbarer Laut. Er klingt in etwa wie Mmmuha und kommt seit voriger Woche donnerstags zum Einsatz, bis das letzte Fettpolster verbrannt ist: Germany’s Next Topmodels fresskotzen sich wieder über den Pro7-Laufsteg, und dabei wird heftig backengebusselt, ohne Lippenkontakt, aber mit besagtem Ton. Und weil Heidi damit trotz Quotensturzflug immer noch reichlich Werbung akquiriert, werden wir ihr auch künftig dabei beobachten, wie sie ihre dürren Fohlen zu geldwerten Zuchtstuten zureitet.
Womit wir (noch vorm Papstrücktritt, der der Tagesschau jüngst sieben Minuten wert war) beim Newsblockbuster schlechthin wären, bei dem man bisweilen vergaß, dass Pferde nicht nur in der Lasagne landen, sondern gelegentlich in TV-Serien, die echte Klassiker wurden. Sechs Wochen nach der Erstmeldung, wo noch immer fast 75 Artikel dazu die 12 großen Magazine und Zeitungen verunreinigen, sei also kurz an Fury Ende der 50er erinnert, Black Beauty Anfang der 70er und die Immenhof-Ponys zwischendurch. Nicht, weil das irgendwas zur Sache täte, sondern Tiere/Kinder immer gehen. Und Wintersport natürlich. Meinen zumindest die öffentlich-rechtlichen nebst aller Sport-Sender und schießen damit seit Dezember aufs Publikum wie Schneekanonen auf Alpentäler.
Damit ist nun (anders als mit der Frankfurter Rundschau, die künftig vom einstigen Klassenfeind aus der gleichen Stadt verlegt wird) Schluss: Die Nordische Ski-WM ist vorbei, der Frühling kann kommen und damit andere Sendungen als wochenendlich zig Stunden teilbewaffentes Loipengerangel. Neue Leibesübungen zum Beispiel wie die TV total WOK WM am Samstag, Disziplin: Logo-Speedkleben, Marken-Dauerzeigen, PR-Parcours. Wer das vier Stunden erträgt, erträgt auch die neue RTL-Show Crash Cash, wo der neue Dschungelcamp-Kapo Daniel Hartwich was mit einer halben Million Gewinn wegmoderiert. Allerdings geht das offenbar nur besoffen, wie die Spots gegen zu viel Alkohol in den Werbepausen suggerieren. So wenig Unterhaltsamkeit erträgt selbst die trinkfesteste RTL-Klientel nämlich nicht nüchtern.
Aussichtsplattform
Die Fernsehwoche, die wird: 3.-10. März
Arte, wieder Arte, aber immerhin: Wenn Hendrik Handloegtens Drama Fenster zum Sommer dort Mittwoch erstmals im Fernsehen läuft, zeigt das Medium, zu welcher Kraft es fähig ist, falls das Kino mitproduziert. Dann versammelt es mit Nina Hoss, Mark Waschke, Fritzi Haberland, Lars Eidinger einen Schauspielschuljahrgang , der den Flatscreen zur Bühne adeln kann. In einem Film, dessen Geschichte um eine Frau, deren Leben plötzlich drei Monate zurückgedreht ist, still und sachlich, aber fesselnd erzählt wird. Mal sehen ob das bei einem Werk mit folgender Handlung auch so ist: Auf Bitten ihrer Freundin Reissa macht sich die Ärztin Sina von Wien aus auf nach Dubai, um dort Reissas Vater zu behandeln: Der stolze Beduinenfürst will trotz schwerer Krankheit keinen Arzt aufsuchen. Vom ersten Moment an ist Sina von der Wüstenlandschaft und der Kultur der Beduinen zutiefst fasziniert. Aber auch Reissas eleganter Bruder Khalid weckt ihr Interesse. Sie beschließt, als Wüstenärztin eine mobile Klinik für die Beduinen einzurichten. Als überraschend ihr Freund Marco in Dubai auftaucht… blablabla.
Wenn die ARD Filme so ankündigt, weiß jeder: it’s Friday und das Niveau hängt am Tropf, als wäre das Zielpublikum nicht nur deutlich älter als die Zielgruppe. Sondern so debil, wie Til Schweigers Serienkommissarname, der allen Ernstes Nick (Bumm) Tschaller (Bang) lautet und den Tatort Sonntag nach gut 40 Jahren endgültig zur Stuntshow degradiert, wodurch die ARD zusehends auch in anspruchsvollen Formaten Expertise darin erwirbt, ihr Publikum zu unterfordern.
Zu blöd, das die kommerzielle Konkurrenz das naturgemäß besser kann. Vox etwa, das dem Modezombie Harald Glöökler eine montägliche Homestory widmet. Oder RTL2, das sein 20. Jubiläum am Mittwoch mit viel Big Brother und Peep, nun ja: feiert. Oder RTL, dass Deutschlands beliebtestem Quizmaster Freitag 5 gegen Jauch mit Namen von Calmund bis Poth gegenübersetzt, während beim Großen Sat.1 Promiboxen zeitgleich doch nur frühere Dschungelbewohner aufeinander hetzt. Kleine Ausnahme: die neue Donnerstagsserie American Horror Story (22.35 Uhr), eine frische Poltergeistvariante, die in den USA zurecht für Furore sorgt und bei uns interessanterweise beim Frauenkanal Sixx läuft. Es wird trotz Til Kawoom Schweiger Rattattata also schon schlimmere TV-Wochen gegeben haben.
Posted: March 1, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 6 wochenendreportage |
Aus für Roche und Böhmermann
Es ist zum Heulen: Die einzig wahre, wirklich lustige, dazu informative, jedenfalls unvergleichlich unterhaltsame GEsprächssendung des deutschen Fernsehens passt dem ZDF nicht in die Struktur – weshalb es dessen Programmchef Thomas Bellut zur Abschaffung freigegeben hat. Wenigstens kann man sonntags ab 22 Uhr auf ZDFkultur Wiederholungen sehen. Die sind immer noch besser als jede frische Talkrunde.
Von Jan Freitag
Es gibt Momente, da müsste man mal mit Volker Herres und Thomas Bellut fernsehen. Chipstüte in die eine Hand, Pils in die andere, den ARD-Programmchef zur Linken, den ZDF-Intendanten zur Rechten – schon kann ein gemütlicher Sonntagabend mit den Verantwortlichen von Tatort oder Polizeiruf hier und Schnulze oder Schnulze dort beginnen. Und wenn das unterschiedlich temperierte Happyend sein jeweiliges Format in die Nacht entlässt, würden die Herren Herres und Bellut wie jede Woche frohlocken, weil mit der Quote die Laune steigt in diesem Geschäft. Seltsam nur, dass sie danach nicht in den Keller geht – die Laune, nicht die Quote.
Würden die zwei TV-Macher nun nämlich weiter durch die eigenen Kanäle zappen, sie müssten sich eigentlich in Grund und Boden schämen für die Gebührenvergeudung am Bildschirm. Denn während die Schlechteste aller Talkshows gleich nach dem Hauptfilm an prominenter Stelle läuft, läuft die Beste abseits aller Wahrnehmbarkeit, fortan sogar nur noch als Wiederholung. Doch Volker Herres und Thomas Bellut sind als Programmgestalter ihre eigenen PR-Abteilungen in Personalunion, da werden sie also sagen: Toll, der Jauch. Toll die Roche. Toll der Böhmermann.
Was stimmt und auch wieder nicht, womit wir mitten im Feld der Dialektik wären, also beim Punkt. Denn dass Deutschlands schlechtester Gesprächsleiter Günther Jauch trotz irritierend unzureichender Qualität als politischer Talkmaster den größten Zuschauerzuspruch all der Gesprächsformate erzielt, ist eine ebenso große Ohrfeige für Ästheten wie die Tatsache, dass Deutschlands kreativste Gesprächsleiter Charlotte Roche und Jan Böhmermann mit ihrem wunderbar anarchistischen Nostalgie-Talk Roche & Böhmermann nicht im Hauptprogramm des Zweiten laufen, sondern auf dem Anspruchsasyl ZDFkultur. Dort erzielten sie mit 0,4 Prozent zwar Werte weit überm Senderschnitt; 90.000 Zuschauer waren allerdings nicht mal ein Fünfzigstel derer, die Jauchs repetitive Redundanz so einschalten.
Nun sind das nur Zahlenspiele, Rechenexempel, Abstraktionen auf der Basis einer dubiosen Messtechnik zur Zuschauerzahlenermittlung, die mit der Realität weniger zu tun hat als das öffentlich-rechtliche Fernsehen zur Primetime mit seinem Staatsauftrag. Doch es wirft ein fahles Licht auf unser Leitmedium, deren Versorger und ihre Kunden. Roche & Böhmermann liefern schließlich das ab, was gebührenfinanzierten Sendungen (Kommerzkanäle sind seit langem nicht nur sinn-, sondern dialogfrei) zusehends abgeht: Gesprächskultur.
Die zeichnet sich ja durch Eigendynamik aus, Gedankensprünge, durch ein geordnetes Chaos, das sich vom Kopf aus Bahn bricht in die Welt. Wer miteinander spricht, spricht durch sich selbst zu anderen. Wer bei Günther Jauch spricht, spricht trotz andrer mit sich selbst. Das konnte man acht Wochen bestaunen, Sonntag für Sonntag. Etwa vor knapp einem Jahr, als der Politkonservative Peter Altmaier, der Kulturkonservative Heinz Rudolf Kunze und der Sozialkonservative Henning Scherf mit dem Quotenlinken Bodo Ramelow und der Quotenfrau Ines Pohl von der taz, abermals (oder immer noch?) über Christian Wulff, nein, nicht diskutierten, sondern formatierte Parteistatuten und PR-Strategien zum Besten gaben. Bei Roche & Böhmermann dagegen trafen der Schönheitschirurg Afschin Fatemi, der Kolumnist Harald Martenstein, der Ökoaktivist Thilo Bode und das Exgirlgroupsternchen Lucy Diakowska, also eine bunte Mischung unerwarteter, interessanter Gäste aufeinander, um wahrhaft zu debattierten: über alles und nichts.
Das ist der Wesenskern: ob miteinander, durcheinander, gegeneinander, sinnfrei, gehaltvoll oder ziellos – Charlotte und Jan, lassen laufen, denken, reden, Zwanglosigkeit herrschen. Falls sie denn wollen; falls nicht, spulen sie einfach die MAZ zurück, um Fäden neu zu verknoten, überpiepsen per Knopfdruck Unliebsames oder stoppen die Realität zur Beratung. Dazu servieren sie verrauchte Schwarzweißaura wie einst im Internationalen Frühschoppen und führen die Talkshow somit zurück zur Substanz dessen, was Dietmar Schönherr 1973 bei ihrer BRD-Premiere darin sah: „Eine Rederei.“
Mehr liefert auch „Günther Jauch“ nicht, mehr sind selbst seine kompetenteren Konkurrenten von Will bis Plasberg nicht, eher weniger: Monologverwaltung statt Gesprächskultur. Nur, dass sie sich alle so furchtbar viel wichtiger nehmen als die neue Generation Trash-Talker wie Ärzte-Trommler Bela B., der in Hotel Bela den Zombie-Filmer George Romero als Fan befragte. Oder das Nachwuchsduo Joko und Claas, die bei neoParadise schon mal im Schrank interviewen. Oder Ausflug mit Kuttner…, Vorname Sarah, ein Rohdiamant des TV-Dialogs, leider nur bei Eins Plus. Oder alles mit Katrin Bauerfeind. Und eben Roche & Böhmermann.
Die mögen sich bisweilen verrennen im Laissez-faire, mit Viagra im Selbstversuch jeden Gesprächsfluss stoppen und Henryk M. Broders Quatsch unhinterfragt erdulden. Doch es bleibt echtes Reden. Miteinander. Nicht beieinander wie bei Jauchs. Trotzdem darf der weitermachen, Charlotte und Jan nicht. Ihre Sommerpause dauert fünf Monate, seine kostet Millionen. Jauchs Vertrag wird verlängert solange Jauch will, Roche/Böhmermanns Vertrag wird beendet, weil Thomas Bellut das so will. Nach einer Stunde Zeit mit allen Dreien wären er und Volker Herres dennoch sattsam zufrieden. Letzterer über sein Gespür für Erfolg ohne Inhalt, ersterer für seinen Mut zu Inhalt ohne Erfolg. Der hat ihn jetzt verlassen. Das deutsche Fernsehen, es ist und bleibt trotz seltener Beherztheit am Ende doch ein Häufchen Elend.
Posted: February 28, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 3 mittwochsporträt |
Flexibilität, Effizienz, Komfort
Eckehart Rotter, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie VDA
Interview: Jan Freitag
Herr Rotter, gibt es zu viele oder zu wenig Autos in Deutschland?
Eckehart Rotter: Die Frage ist nicht, ob es zu viele oder zu wenige Autos gibt, sondern genügend effiziente. Deutschland braucht individuelle Mobilität, aber sie muss sowohl klimaschonend als auch effizient, sicher, komfortabel und finanzierbar sein
Wird nicht auch mit so einer Flotte bald ein Sättigungsgrad erreicht sein?
Da nur zehn Prozent aller Neuwagenkäufe in Deutschland Erstkäufe sind und der Rest Ersatzbeschaffungen, erneuert sich der Pkw-Bestand bei einer Gesamtzahl von gut 42 Millionen Autos und drei Millionen Neuzulassungen alle 14 Jahre komplett. Da geht es also nicht um Sättigungsgrad, sondern um Kundenzufriedenheit.
Und wie sähe es mit den Klimazielen aus, wenn Afrika irgendwann durchmotorisiert wäre?
Ich würde das zunächst mal durch China ersetzen, wo der Fahrzeugbestand vor zehn Jahren unter dem deutschen lag und nun über dem europäischen. Heute hat der Welt-Pkw-Markt ein Volumen von 70 Millionen Autos, im Jahr 2020 werden es 90 Millionen sein. Das klimaneutraler zu schaffen, erfordert alternative Antriebe, also Elektromobilität. Dann sind die Ziele erreichbar.
Was ist eigentlich ein effektiver Jahreszins, mit dem die Autoreklame wirbt?
Da würde ich Sie gerne an die Vertriebsabteilungen der Hersteller verweisen, aber grob vereinfacht stellt der effektive Jahreszins die Kosten dar, die Sie bei der Neuwagenfinanzierung haben. Die Alternative ist Barzahlung des vollen Kaufpreises beim Kauf. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus ist die Finanzierung eines Neuwagenkaufs derzeit die Variante, die von den meisten Käufern genutzt wird.
Und was ist ein Preisvorteil?
Bei der Finanzierung haben Sie – im Gegensatz zur Barzahlung des gesamten Kaufpreises – eine geringere Kapitalbindung.
Was ist auf der Strecke Hamburg – München ökonomisch, ökologisch, zeitlich im Vorteil: Pkw, Bahn, Bus oder Flugzeug?
Wenn Sie allein reisen und nur einen Termin haben, der auch noch in Hauptbahnhofsnähe liegt, ist die Bahn im Vorteil. Falls Sie aber eine Reihe von Terminen an verschiedenen Orten haben, ist das Auto am flexibelsten und komfortabelsten. Noch klarer wird der Vorteil des Autos, wenn Sie mit einer vierköpfigen Familie unterwegs sind.
Wie fahren Sie persönlich die Strecke am liebsten und warum?
Wenn ich unter Termindruck stehe, fliege ich von Berlin nach München und nehme vor Ort einen Mietwagen. Privat nehme ich lieber das Auto. Ebenso wie bei der Fahrt ins Büro. Im eigenen Auto ist die Erkältungsgefahr doch deutlich geringer als in einer voll besetzten S-Bahn im Winter.
Posted: February 26, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch |
Das Bürgerliche ist ein guter Platz
Interview: Jan Freitag
Die wahre Würze liegt bekanntlich im Unerwarteten. Und von Henning Baum war bestenfalls Hausmannskost zu erwarten, als er über seine Paraderolle als stahlharte, unterschwellig zarte Hauptfigur der Sat1-Serie Der Letzte Bulle erzählen sollte. Dann aber wurde daraus ein Mehrgängemenü voll gediegener Zutaten eines Schauspielers um die 40, der exakt so männlich ist, wie seine Rollen, dem man das aber nicht recht übel nimmt, weil hinter Sechstagebart, Bikershirt und Riesenmuckis ein intellektueller, wacher, ja: emanzipierter (Frei-)geist steckt. Von einem lebhaften Interview mit Deutschlands größten Fernsehmacho über starke Kerle und starke Frauen, Machiavelli und Dorfrichter Adam.
Henning Baum: [bricht einem beim Händedruck fast die Finger] Oh, Handschuhe – Sie sind bei der Kälte mit dem Fahrrad hier? Respekt!
freitagsmedien: Aber Sie wären wahrscheinlich mit freiem Oberkörper gekommen.
[lacht] Das nicht, aber ich kann einiges vertragen.
Deshalb hab ich auch immer gedacht, Henning Baum sei ein Künstlername.
Nee, das ist schon der richtige Name. Passt aber oder?
So wie Leo Kraft.
Jetzt, wo Sie’s sagen: Steckt Löwe drin, steckt Power drin, stimmt, das war vielleicht Kalkül der Produzenten. Andererseits ist Leo in Mit Herz und Handschellen schwul, und als es vor zehn Jahren damit losging, hatte ich mein heutiges Image bestenfalls bei einigen Castern.
Was steht bei Castingagenturen in Ihrer Mappe – Raubein?
Kann schon sein. Kernig.
Einer, der halbnackt im Wildbach Fisch mit der bloßen Hand fängt.
Genau.
Haben Sie das schon mal selbst gemacht?
Natürlich. Zumindest mit der Harpune beim Tauchen.
Und so Männerzeugs wie als Letzter Bulle – allein in der Hütte zu sich selbst finden?
Klar, aber das ist doch kein Männerzeugs, das ist menschlich. Wenn man es in so einer Hütte etwas gemütlich macht, Kerze rein, warmes Wasser, ist das auch was für Frauen. Ich bräuchte das allerdings nicht, mir reicht es einfach.
Klingt alles so, als sei Mick von Henning gar nicht so weit entfernt.
Er raucht, das tue ich nicht. Nicht oft. Aber ich fülle die Figur so sehr mit mir aus, bringe so viel von mir ein, es gibt so viele Gemeinsamkeiten – das bin ich, das ist nicht nur eine Rolle, im Gegenteil. Wir hatten bislang nur noch nicht die Möglichkeit, meine Filmfigur in einer Komplexität zu erzählen, dass sie wirklich mir entspricht. Dem steht die Krimisituation im Weg. Sein wahres Naturell entwickelt sich am ehesten im Privaten.
Wo er zum Beispiel zeigt, was er sonst nicht zeigen darf: seine weichen Seiten?
Klar, sonst wäre er ja unvollständig. Anthropologisch hat die Evolution in der Tat dazu geführt, dass Männer ihre harten Seiten tendenziell verstecken. Aber was in Ihrer Frage mitschwingt, ist ja, dass Frauen keine harten Seiten hätten oder sie unterdrücken. [wird laut] Das bestreite ich energisch! Frauen können mittlerweile so knochenhart sein, dass die Unterschiede zum Mann verschwimmen. Dafür müssen sie nur nicht durch den Schlamm kriechen.
Sondern?
Frauen zeigen ihre Härte eher durch seelische Kälte, sprachlich, sozial. Giftmord ist weiblich.
Was für ein Männerbild transportiert aus Ihrer Sicht Der letzte Bulle?
Ein aufgeklärtes.
Ernsthaft bitte!
Ich bin ernst! Mick ist ein Mann, der sich nicht hinters Licht führen lässt. Er ist ein Mann, der die Dinge hinterfragt, bürokratische Strukturen, menschliche Vorgänge, einer, der es wissen will. Man dichtet ihm gern etwas Atavistisches an, aber das stimmt gar nicht. Er ist wertkonservativ, aber weil er das auch belegen kann und will, macht es ihn progressiv.
Zum Beispiel?
… schaltet er sein Handy gern ab, weil er die modernen Kommunikationsstrukturen als unkommunikativ betrachtet. Statt jeden Trend mitzumachen, entlarvt er ihn als Firlefanz, als Unsitte, als schlechtes Benehmen.
Reflektierte Machismo ist progressiver Machismo?
Das ist mir zu plakativ. Wichtig ist die Ironie dahinter. Er kann über sich selbst lachen und stellt sein Verhalten gegenüber seinen Kollegen zur Disposition. Darin ähnelt er mir besonders: Er provoziert gerne. Er mag Interaktion, will sie aber spielerisch.
Und da bedient sich Sat1 eines Tricks: Weil der Der letzte Bulle aus der Vergangenheit kommt, ist sein unmodernes Verhalten in der Gegenwart quasi entschuldigt.
Worin besteht da der Trick?
Darin, dass der Sender überkommene, aber massentaugliche Klischees gegenwartstauglich macht.
Das ist ein wenig überinterpretiert. Es geht nicht um trojanische Pferde, sondern die Lust am unmittelbaren Gegenüberstellen von damals und jetzt, damit sich das Gestern ein wenig übers Heute lustig machen kann und umgekehrt. Seit Mick ins Koma gefallen ist, kurz vorm Fall der Mauer, sind die Männer in unseren Breitengraden eben nicht nur emanzipierter geworden, sondern vor allem immer verwirrter. Das hat großes Unterhaltungspotenzial. Aber wenn Sie heute einen im Jemen fragen, was er vom neuen Mann hält, würde er schulterzuckend sein Quat kauen. Oder Niederbayern; da liest doch keiner Men’s Health und denkt, oh Gott, ich muss an meinem Waschbrettbauch arbeiten.
Aber die Moderne führt den Mann ja gerade weg von der Kraft, hin zum Femininen. Shoegazer, Hipster und Slacker gibt es längst sogar auf dem Land.
Was ist das denn alles?
Junge, dürre Männer mit Röhrenjeans, die trotz Vollbart ihre weiblichen Seiten pflegen.
Geile Begriffe, merke ich mir. Durch schwule Modemacher wie Tom Ford, den ich sehr verehre, ist da ist ein mehrheitsfähiger Stil entstanden, für den Männer früher für verprügelt wurden, aber so ist eben die Mode. Selbst harte Burschen wie Mick und ich dürfen sich bisweilen emanzipiert geben. Wobei Mich im Grunde mehr den frühen Sechzigern als den späten Achtzigern entstammt wie ich, als viele Geschlechterklischees längst aufgebrochen waren.
Wo standen Sie damals, Ende der Achtziger?
Da wo ich heute stehe. Ich bin vielleicht älter geworden, aber eigentlich immer gleich geblieben. Nicht mehr so ein Heißsporn, bisschen gelassener vielleicht. Wobei sich diese Gelassenheit auch aus der Ernüchterung speist, die Welt wohl doch nicht verändern zu können. Man vermag höchstens in seinem unmittelbaren Umfeld zu wirken, das ist ein Trost. Als junger Mensch möchte man an der Ungerechtigkeit in der Welt schier verzweifeln, als älterer lernt man sie, hinzunehmen.
Ist das Resignation oder Weisheit.
Weder noch. Ich würde mir wünschen, dass es Weisheit wäre. Am Ende ist es die Erkenntnis, dass sich Machtverhältnisse potenzieren, aber selten zum Nutzen aller. Wer Machiavelli liest, lernt, dass das Streben nach Macht immer eine Triebfeder menschlichen Handelns war.
Sie lesen Machiavelli?
Hab ich schon vor 20 Jahren getan.
Klingt nach einem bildungsbürgerlichen Ansatz.
Ansatz ist das richtige Wort [lacht]. Wie vertieft das ist, müssen andere beurteilen, aber ich bin schon bürgerlich groß geworden. Mein Vater war Arzt, so sah auch das Umfeld aus und ähnlich ist mein heutiges. Dieses Milieu ist mir vertraut, auch wenn ich gern mal daraus ausbreche. Und es ist mir auch wichtig. Damit unsere Gesellschaft nicht auseinander fällt. Das Bürgerliche ist ein guter Platz, um darin zu leben. Ein verlässlicher.
Sollten Sie was Verlässliches wie Ihr Vater?
Das nicht, aber als Rettungssanitäter hab ich damit geliebäugelt. Dann wollte ich aber doch lieber herausfinden, ob mein Talent zum Schauspielen hinreichend genug ist, um daraus einen Beruf zu machen. Das hab ich an der Schauspielschule Bochum getan. Aber ich finde es immer noch komisch zu sagen, ich sei Schauspieler. Ich kann mich damit nicht richtig identifizieren. Ich spiele gern, entspreche aber nicht dem Typus dieses Berufs im Ganzen.
Inwiefern?
Mir fehlt die Ganzheitlichkeit, Schauspieler durch und durch zu sein, immer in Pose, großer Künstler, vor allem am Theater. Ich bin diesem Typus schon 1995 begegnet, als ich meine erste Hauptrolle hatte. Marivaux, Der Streit, eine Geschichte aus der Aufklärung, wo vier Jugendliche isoliert voneinander in einem adligen Garten aufgezogen werden, bis er den Zaun wegnimmt und alles seinen Lauf nimmt und total aus dem Ruder läuft, bis bei uns in Bochum am Ende alle in Zwangsjacken gelandet sind.
Welche Rolle hatten Sie darin?
Eine sehr archaische, etwas wilder als die anderen. Meine Figur war noch eher am Affen angelegt. Das Stück war sehr physisch und wurde komplett nackt gespielt.
Sie veräppeln mich grad…
Nein, nein. Das ist nachzulesen.
Hat das die Körperlichkeit Ihres späteren Spiels geprägt?
Ich glaube jedenfalls, dass uns der Körper ungeheuer beeinflusst. Je nachdem, welchen wir haben, gibt er uns eine Grunddynamik vor. Hinter der Lokomotive des Körpers hängen wir die Haltung, die wir darin einnehmen, gewissermaßen an wie Waggons. Es ist nicht der Verstand, der spielt, sondern der Körper, der daraus Gefühle macht.
Äh…
Der Verstand leistet zwar die Vorarbeit, indem er den Text so weit durchdringt, dass er begreifbar wird. Doch erst der Körper macht daraus Stimmungen, die das Publikum spürt. Text alleine ist blutleer. Sie können einen Kleist ohne Verstand nicht begreifen, aber erst der Körper gibt ihm Dynamik. Wenn Sie den Zerbrochenen Krug spielen [springt auf] und Ruprecht steht vor Richter Adam, kann man ihn so spielen [druckst leise und gebeugt herum] oder so [rezitiert lautstark und aufrecht]. Der Text ist der Gleiche, die Haltung steuert den Sinn. Mein Ansatz ist es da, nach Brüchen zu suchen, ob im Fernsehen oder auf der Bühne. Das mache ich manchmal auch beim Letzten Bullen. Wenn das Drehbuch sagt, er regt sich auf und kriegt so’n Hals, dann bleibe ich manchmal erst recht ganz ruhig und kontrolliert. Das ist viel spannender.
Aber Ihr breites Kreuz wird dadurch ja nicht schmaler.
Kriegt aber eine andere Präsenz. Das hab ich von Kleist gelernt.
Sind Sie heute überhaupt noch für ein Kleist besetzbar oder als Star kommerzieller TV-Ware fürs Theater verbrannt?
Na ja, rein pyhsisch komme ich langsam ins Dorfrichter-Adam-Alter, aber warum nicht? Spannender fände ich allerdings Macbeth, einen liebenswerten, loyalen Menschen, der plötzlich in Machstrudel gerät und zum Mörder wird. Einer, der sich um 180 Grad dreht. Oder ein Hamlet. Super!
Schön, dass Sie es sich selbst zutrauen, aber wie ist es mit den anderen – Regisseuren, Produzenten, dem Feuilleton?
Fragen Sie die! Aber gerade das Theater ist bereit und in der Lage, ums Eck zu denken. Dafür bringe ich eine Physis mit, dessen Versprechen sich irgendwann einlösen wird, ganz sicher. Ich hatte gerade ein Angebot vom Theater, bin aber zu sehr vom Fernsehen eingebunden. Man kann nicht überall zugleich sein, selbst mit meinen Schultern.
Der Letzte Bulle, montags, 20.15 Uhr, Sat.1
Posted: February 26, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 2 dienstagsmarthe |
Im Fernsehen sind die Unterschiede zwischen Duschen und Starkregen marginal. Da hat viel mit Brennweiten zu tun. Und noch mehr mit Symbolik
Von Jan Freitag
Kameras von heute sind hoch entwickelt. Selbst im Laufschritt erzielen sie fast unbewegte Bilder, für dreidimensionale Effekte brauchen sie nicht mehr zwei Objektive, und die perfekte Tiefenschärfe in HD-Qualität schafft heute jedes Grabbeltischmodell. Fragt sich nur, warum Regen in Film und Fernsehen nur dann erkennbar ist, wenn er in Strömen fällt. Die Antwort klingt ein bisschen langweilig: Durchschnittsniederschlag bricht kaum Licht. Nicht genug jedenfalls, um ausreichend sichtbar zu sein. So sichtbar nämlich, dass er tut, was er eben tun muss. In handelsüblichen Dramaturgien wäre das: Dramatik erzeugen.
Denn wer glaubt, in fiktionalen Formaten diene Himmelwasser meteorologischen Kreisläufen, der Natur also, ihren Gesetzen, der hat wenig Ahnung vom Medium. Wenn es am Bildschirm tropft, läuft garantiert gleich irgendwer herbei, bleibt vor irgendwem stehen und fleht, nicht zu fliegen/fahren/gehen. Bitte! Und das wirkt triefnass nun mal eindrücklicher als bloß befeuchtet. So wie aufgespannte Regenschirme bei Beerdigungen, Tatortsicherungen im Krimi und Einsamkeit, vornehmlich in abgelegenen Tälern oder beim Campen. Weil nur krasse Gefühle telegen sind, gibt’s also exakt zwei Wetterlagen: grelles Licht und starker Regen. Aber Kameras von heute sind ja wetterfest.
Posted: February 25, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |
Rücksichtnahme
Die Fernsehwoche, die war: 18.-24. Februar
Von Jan Freitag
Im Fernsehhumor ist Saturday Night (zumindest ohne Fever hintendran) ein Qualitätsmerkmal, weshalb es von solcher Tragweite war, dass mit Christoph Waltz der erste Deutschsprachler den gleichnamigen Klassiker (mit Night hintendran) moderieren durfte. Und zwar so erfolgreich, dass es als Omen für seinen Oscar galt, dessen Verleihung Pr7 in der Nacht zu Montag inkl. Warm-up runde 7 überdrehte, aber unterhaltsame Stunden zeigte. Für etwas weniger Güte stand Montag zuvor derselbe Begriff (plus Party-Report hintendran), mit dem RTL2 insistierte, von Werbepausen weit mehr zu verstehen, als vom Programm dazwischen. Aber das teilt der sinnärmste aller sinnfreien Kanäle mit seinem leidlich sinnigeren Muttersender, dessen Bachelor sich Stunden nach der sinnlosen Verpaarung mit der sinnentleerten Hochhackenbarbie Alissa trennte, was für RTL insofern Sinn ergibt, als sich das zwar nicht kürzer ausschlachten lässt, als ein intaktes Trash-TV-Paar, aber lauter.
Ein anderes Trash-TV-Paar heißt Thomas Helmer und Yasmina Filali. Zum Auftakt von Shooting Stars durfte es an gleicher Stelle von neunmalklugen Gören irgendwas Bühniges lernen, was ungelogen den Wesenskern der neuen Freitagsshow mit dem Untertitel Promis am Limit darstellt, deren Moderatorin Kate Abdo ungelogen wie die geliftete Mutter der Dauerkandidatin Silvie van der Vaart aussah. Dagegen wirkte Wetten, dass…? fast edel, auch wenn Markus Lanz in der Rüstungsmetropole Friedrichshafen das alte Quotenkriegsklischee widerlegte, er könne besser talken als Gottschalk. Kann er nicht. Können kann er Wikipedia-Wissen abfragen. Aber das kann er richtig gut. Weshalb die Show künftig auch Ich hab gelesen, dass…? heißen könnte.
Apropos Lesen: Wenn ZDF-Programmchef Thomas Bellut wie vorige Woche angedroht seinen Ableger für Anspruchsvolle mit kultur hintendran abwickelt, fällt eines der letzten Angebote für jene fort, die neben der Fernbedienung auch noch wissen, wie man ein Buch bedient.
Aussichtsplattform
Die Fernsehwoche, die wird: 25.2.-3.3.
Fernsehen kann gesprächig sein, wie Bauerfeind, jeden Montag um 21.30 Uhr bei 3sat. Es kann informativ sein, wie der Arte-Themenabend zur japanischen Mafia Yakuza am Dienstag. Auch mal spannend, wie beim DFB-Viertelfinale Bayern-Dortmund tags drauf denkbar. Sogar fiktional kreativ wie in der zarten Korruptionskomödie Eine Hand wäscht die andere (wieder Arte am Freitag). Oder retrospektiv, wie die tägliche Seriennostalgie á la Magnum auf ZDFneo. Fernsehen kann also echt erbaulich sein.
Muss aber auch nicht.
Denn oft ist Fernsehen wie Pro7 am Montag, wo Joko und Klaas machen, was Joko und Klaas ständig machen, nur diesmal unterm denkbar dusseligen Titel Circus Halligalli, was zwar nahezu mit Neo Paradise auf einem Sender identisch sein dürfte, der sein Publikum nicht verachtet – aber egal: geht ja nicht um Inhalt, sondern um Markenkerne, Quoten, Werbung. Deshalb läuft die lausige Krimiadaption Schneewittchen muss sterben nach Nele Neuhaus’ Bestseller zum Wochenauftakt zur besten Sendezeit im ZDF. Deshalb darf Christine Neubauer Dienstag auf gleichem Kanal als Holzbaronin erneut zeigen, dass ihr darstellerisches Talent jedes Schultheaterniveau unterbietet. Deshalb wird ein dämlicher Society-Roman der Bild-Chef-Gespielin Katja Kessler parallel bei Sat1 zum Filmevent namens Herztöne aufgeblasen. Deshalb nötigt RTL acht Paare zu 7 Tagen Sex vor der Kamera und verkauft die Mittwochsspannerei als dokumentarische Aufarbeitung ehelichen Libidoverlusts. Deshalb bittet Heidi Klum ihre bulimischen Zuchtgören zum Auftakt von Germany’s Next Top Model ab Donnerstag erst mal in Highheels zum Wüstenshooting.
Wegen alldem rät freitagsmedien jetzt mal als televisionäres Antidepressivum ausnahmsweise zu einer Wiederholung: The Royal Tenenbaums, Donnerstag, kurz nach zehn auf 3sat. Vielleicht lässt sich die tägliche Groteske des aktuellen TV-Pogramms ja mit einer Einzelgroteske von 2001 kontern.
Posted: February 23, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 6 wochenendreportage |
Von Filmtönen in Tonfilmen
Der Ton führt auf Bildschirm und Leinwand ein Nischendasein. Und das, obwohl er immer lauter wird. Jan Freitag über die Hassliebe zum Filmgeräusch
Von Jan Freitag
Wer beim Zusehen nicht auf den Ohren sitzt, der kann, der muss es hören. Es gibt kein Entkommen: eine Katze, die kreischend aus dem Dunkel springt, wo auch das Böse hockt; jener Bass, der jedes Ereignis ankündigt und mit dem das ZDF Zeitgeschichte zum Event aufbläst; das Käuzchen, das notorisch aus dem Wald ruft, sobald bei Wallace der Landsitz im Nebel auftaucht. Dies alles Dräuen, Dröhnen, Detonieren, die Geigen, Trommeln, Soundkaskaden, das Brodeln und Glucksen, Hauen und Stechen, Reifenquietschen und Bangboombang – schon merkwürdig, bei einem visuellen Medium.
Doch rein visuell ist es eben nicht nur, meinen die Musikwissenschaftler Frieder Butzmann und Jean Martin. Jeder Blockbuster, jede Dokumentation, jedes Fernsehspiel, heißt es in ihrer famosen Ode an den Ton namens Filmgeräusche, sei “ein kleines Paralleluniversum” sensorischer Eindrücke abseits von Dialog und Schauwert. Deshalb ersetzen sie den sinnlich limitierten Zuschauer durch ein Kunstwort: “Sehhörer”.
Sehhören wir uns also mal durch Kino und TV, werfen wir einen Hörblick in die Geschichte gedrehter Geschichten – und siehe da: Selbst Stummfilm war ohne Ton undenkbar. Man mag ihn zwar vornehmlich als Begleitmusik erleben, der im Idealfall echter Soundtrack statt Klangsoße ist und dann am besten, “wenn man sich nicht an sie erinnert”, wie die Medienforscherin Claudia Gorbman in Narrative Filmmusik schreibt. Doch Ton ist so viel mehr als bloß Untermalung. “Ton ist der halbe Film”, sagt mit George Lucas einer, dessen Star-Wars-Trilogie neue Wege des Sound Engineering ging, in der das Geräusch endgültig vom Nebendarsteller zur Hauptfigur wurde.
Ton ist ein Telefonklingeln, das im Thriller drängender, eben bedrohlich klingt, wenn es der Angerufene fürchtet. Ton ist ein Gewitter, dessen Donner den Blitz überholt, wenn sich der T-Rex bei Jurassic Park mit zitternden Pfützen ankündigt. Ton ist große Oper, wenn Tarantinos Songs mit den Szenen reden. Ton ist das utopische Computerfiepen im Hackerfrühwerk War Games und das dystopische Rechnerraunen der Matrix-Trilogie. Ton ist das infernalische Schlachten im Soldat James Ryan, das jede Kugel im Helm der Invasoren spürbar macht, er ist aber auch die Stille nach dem Schuss. Wenn alles wie in Watte wirkt.
Ton hat also nur bedingt mit Geräusch zu tun. Deshalb zeichnen im Abspann von The Artist 17 Experten dafür verantwortlich, obwohl erst im Finale mehr als Musik ertönt. Guter Ton glänzt also auch durch Abwesenheit. Umso lästiger wird das Leitmotiv schlechten Tons: Redundanz. Im Sperrfeuer akustischer Reizkanonaden geht es immer seltener darum, Handeln zu orchestrieren, Stimmungen zu evozieren, geschweige denn Realitäten abzubilden; der zeitgenössische Soundbrei soll wie manch visueller Effekt von Zappelschnitt bis Shutter-Technik das Denken dimmen; wer Massenware zwischen Piraten der Karibik und Sat1-Romanze sehhört, könnte glatt meinen: abzuschaffen.
Denn ob Phonem, Musik, Geräusch – kaum etwas bleibt unerzählt. Der Hindenburg droht bei RTL das Ende? Ein subkutanes Grollen zeugt davon ab Sekunde eins! Im Herrn der Ringe droht Mittelerde das Aus? Dem Ohr droht neun Stunden Tinnitus-Gefahr im Geigenhagel! Vaders Todesstern platzt? Ein gewaltiger Knall hallt durchs lautlose All! Ein Protagonist wird eingeführt? Da nennt er gleich mal ungefragt Name, Alter, Filmfunktion! Gegen die Kakophonie übereifriger Tonmeister sind Inhalte zusehends chancenlos. Und seit der ZDF-Historiker Guido Knopp Zeitgeschichte eventtauglich machte, erinnert auch das Dokumentargenre an Wagneropern. Das Schallspektakel duldet keine Stille.
Deshalb gerät selbst leichtes Nieseln via Dolby Digital zu Starkregen, Papier rauscht wie Wellblech, Spaziergänge erinnern an Stechschritt, jede Bewegung erhält einen suggestiven Sound. Wenn ein vorbeihuschender Schatten die Angst der Tatort-Kommissarin im Parkhaus verdinglicht, erklingt eine virtuelle Pauke, und wenn sie zufällig den Täter passiert, ein sinistres Hauchen. Schwenkt die Kamera andernorts über Istanbul, ruft zwingend der Muezzin, und wo Bud Spencers Hiebe an Bauchklatscher erinnerten, landet Bruce Willis’ Faust nun am Kopf wie ein ICE im Turnmattenstapel. “Getrennt sind Sehen und Hören nur im Blindsein oder Taubsein”, sagt der Filmexperte Jürgen Palmer. Fusioniert aber beides zu bloßer Effekthascherei, fehlt für die lästige Frage nach dem Sinn genau der.
In diesem Spannungsfeld wird heute der nächste Nachfolger von Douglas Shearer gesucht, dessen Hölle hinter Gittern 1930 den ersten Oscar dieser Kategorie gewann. Mit Argo oder Life of Pi ist jedoch wie üblich optisch aufwändiger Radau favorisiert, dessen Bombast von Skyfall noch übertroffen wird, der Ton nicht als Empfindungshelfer versteht, sondern als Wahrnehmungspolizei, die einschreitet, sobald eigenes Denken den dramaturgischen Masterplan belästigt.
Dabei geht es auch anders. Das Grundrauschen in David LynchsEraserhead zeigt, wie Ton seinen eigenen Klangkosmos abseits visueller Wirklichkeiten herstellt, und das von Kubricks 2001, wie wenig Laute lärmen können. In Being John Malkovitch wird der schleichende Egoverlust im Kopf des Hauptdarstellers wie unter Wasser gefilmt verdeutlicht, und wenn sich die Figuren der letzten Lückenlasser des deutschen Films von Christian Petzold bis Dominik Graf in ihren Lebensentwürfen verirren, bleibt fürs Ohr oft nur lautes Atmen. Der Rest ist Interpretation – ein Wort, das man von ProSieben bis Spielberg nicht so gerne hört.
Aus ZEIT-Online: http://www.zeit.de/kultur/film/2013-02/oscar-filmgeraeusche-sound-effects
Posted: February 21, 2013 | Author: Jan Freitag | Filed under: 3 mittwochsporträt |
Die zweite Jahreshälfte
Bahnsprecher Reinhard Boeckh
Von Jan Freitag
Eigentlich sollten hier die Antworten auf 7 Fragen an die Deutsche Bahn stehen. Eigentlich hätte die gewaltige DB-Pressestelle auch genug Zeit dazu gehabt. Eigentlich, könnte man meinen, würde eine(r) der mindestens zwei Dutzend Konzernsprecher(innen) schon zehn Minuten Zeit finden für ein paar erhellende Worte zu folgenden Anliegen:
1. Warum „erhält“ ein Zug „Einfahrt“, statt einfach „einzufahren“?
2. Warum gibt es auf den Toiletten der DB-Züge keine Klobürsten?
3. Warum ist die Seife aus Pulver?
4. Wie setzt ein Zugangsberechtigter einen Bahn-Comfort-Platz durch, wenn alle besetzt sind?
5. Welcher deutsche Topschauspieler war noch nie auf dem Cover von mobil?
6. Hat Hartmut Mehdorn eine 1. Klasse Bahncard-100 auf Lebenszeit und falls ja: warum?
7. Was sind die drei beliebtesten DB-internen Wortspiele zu Bahnchef Rüdiger Grube?
Keine komplizierten, geschweige denn kompromittierenden Fragen, weder Staatsbahngeheimnisse noch Betriebsinterna betreffend, nichts Anrüchiges also oder sonstwie Unangenehmes. Das Gespräch lief dann aber sinngemäß doch wie folgt ab:
Reinhard Boeckh: Herr Freitag, wir können Ihnen die Fragen gern beantworten, aber nicht jetzt sofort.
freitagsmedien: Oh, schön, wann denn dann?
Zweite Jahreshälfte.
Bitte?
Vorher geht’s nicht, keine Chance.
Sie finden in den nächsten fünf Monaten niemanden in Ihrer Pressestelle, der zehn Minuten Zeit für sieben unkomplizierte Fragen findet?
Herr Freitag, wenn Ihnen das nicht reicht, können wir das Interview auch ganz lassen.
Nein … äh … danke … also … melde ich mich … im Sommer.
Das wäre nett. Danke. Auf Wiedersehen.