Guido Cantz & Conny Plank

Die Gebrauchtwoche

8. – 14. Juni

Der bürgerliche Antirassismus treibt gerade auch am Bildschirm skurrile Blüten. Während vielerorts Denkmäler kolonialistischer Menschenschinder geschleift werden, bereinigen Fernsehsender ihr Programm um reaktionäre Sendungen. Weil Sklaven darin nicht allzu helle, ihre Halter dafür umso humaner dargestellt werden, hat HBO zum Beispiel Vom Winde verweht aus dem Portfolio genommen. Auch sonst fällt von Comedy wie Fawlty Towers oder Little Britain bis hin zur amerikanischen Real Life Doku Cops so einiges einer elastischen Moral zum Opfer, die plötzlich auch Joyn ergriffen hat.

Weil der Untertitel Milf oder Missy pornografische mit rassistischen Klischees mischt, muss die Kuppelshow M.O.M. künftig ohne ihn auskommen. Chinesische Regimekritik dagegen muss nun ohne Zoom auskommen, das vorm chinesischen Regime eingeknickt ist und User sperrt, die ans Jubiläum des Tienanmen-Massakers erinnern – dürfte nicht das letzte Einknicken des Konferenz-Tools vorm Unrecht gewesen sein. Dass Fußball weiterhin ohne Stadiongäste auskommen muss, tut da erstmal gar nichts zur Sache, macht sie aber spätestens seit dem DFB-Pokal noch schlimmer – so unsportlich, öde, belanglos waren die Halbfinals der vorigen Woche live im Ersten.

Letzteres gilt in Teilen auch für eine eigentlich gute Idee der ARD zum 50. Geburtstag ihrer wichtigsten Fiktion: Ab Sonntag darf das Publikum die frisch angebrochene Sommerpause des Tatorts aus einer Bestenliste füllen. Interessanterweise stammt der älteste darauf von 1999 – als hätte es in den 29 Jahren zuvor keine besseren Fälle gegeben. Das erinnert an die kürzliche Selbstgerechtigkeit von Guido Cantz, die Top 10 der besten Fälle aus 40. Jahren Verstehen Sie Spaß? mit sechs aus seiner eigenen Zeit zu füllen. Schon merkwürdig, dieser Mainstream.

Die Frischwoche

15. – 21. Juni

Aber eben auch auf bemerkenswerte Art und Weise schmerzbefreit – anders ist nicht zu erklären, dass RTL die miserabelste aller Moderationsattrappen der Menschheitsgeschichte Freitag zur besten Sendezeit abermals humor-, moral- und inhaltslos aufs Publikum loslässt – diesmal im saumäßig getimten Urlaubsformat Pocher und Papa auf Reisen, um 22.20 Uhr gefolgt von Absolut, dem liebedienerischen Porträt dieses parasitären Selbstdarstellers.

Ein ebenfalls wohlgesinntes Porträt schenkt die ARD dem visionären Toningenieur Conny Plank – was allerdings auch kein Wunder ist. Der Produzent hat die Musik der Gegenwart in den Siebziger- und Achtzigerjahren geprägt wie kaum ein zweiter. Schade nur, dass der abendfüllende Film erst um 23.45 Uhr läuft. Immerhin 60 Minuten früher war heute Wuhan – Chronik eines Ausbruchs angesetzt. Da die dreiviertelstündige Rekonstruktion der Pandemie-Ursprünge ausschließlich auf Filmmaterial der chinesischen Propaganda-Abteilung CICC basiert, hat das Erste den Film aber vom Sender genommen. Tags drauf hält Arte an seiner weitsichtigen Primetime-Doku Feindbild Polizei fest, die bereits vorm Tode George Floyds Ordnungshüter ins Visier nahm.

Fiktional ist am ARD-Mittwoch noch Elisabeth Scharangs Romanadaption Herzrasen mit Martina Gedeck über die identitätsstiftende Kraft menschlicher Makel interessant. Ansonsten herrscht dieser Tage eher Streamingvielfalt. Auf Starzplay gibt Elle Fanning Donnerstag eine opulent inszenierte Katharina The Great. Parallel überzeugt Stana Katić auch in der Fortsetzung von Absentia als disruptive FBI-Agentin (13th Street). Bei Netflix knüpft die Realsatire The Politician 2 nahtlos an die Unterhaltsamkeit des Auftaktes an. Und dort verspricht auch die Kriegsveteranen-Doku Father Soldier Son ab Freitag Tiefgang mit Anspruch.

Apropos: in den Wiederholungen der Woche zeigt Arte am Samstag Das Böse unter der Sonne mit Peter Ustinov als Hercule Poirot von 1982. Angemessen zeitgemäß ist diesbezüglich am Dienstag Wolfgang Petersens Virenthriller Outbreak auf Kabel1 (1995). Und am gleichen Abend gibt es abgesehen vom vermeintlichen Sonntags-Best-of einen Gebraucht-Tatort im NDR (23.30 Uhr): Haie vor Helgoland mit Kommissar Stoever, 1984 noch ohne Brockmöller.


Drab City, Jules Ahoi, Sammy Brue

Drab City

Wenn ein Album von der ersten Sekunde an Kopfschmerzen bereitet, ab der zehnten ergänzt um bohrendes Zahnweh, was bis zur 87. in gesamtkörperliches Unwohlsein mündet, das auch der Beginn des zweiten Stücks bestenfalls mildert, wo befinden wir uns dann – auf Ibizia Ende Juli? Am Tor des Schlagerpurgatoriums? In Tom Waits’ Panic Room? Falsch, beim Plattendebüt von Drab City. Und es zeigt, selbst höllisches Leid kann himmlisch gut klingen.

Die beiden Berliner*innen Asia und Chris zeigen sich nämlich als Konfrontationstherapeutinnen musikalischer Schmerztherapien. Ihr wattierter Mix aus Dreampop, Psychobeat und dissonantem Krautwave verklebt zwar flugs den Kopf, befreit ihn aber sogleich mit einem Lösemittel aus irritierenden Gitarrensoli, Lofi-Punk und Asias bekifften Brigitte-Bardot-Gedächtnis-Gesang. Good Songs for Bad People – ein Fiebertraum zum Wohlfühlen.

Drab City – Good Songs for Bad People (Bella Union)

Jules Ahoi

Das Problem leicht larmoyanter weißer Singer/Songwriter allein mit ihren Lagerfeuergitarren auf Barhockern in riesigen Hallen ist ja bekanntlich, dass sie leicht larmoyante weiße Singer/Songwriter allein mit ihren Lagerfeuergitarren auf Barhockern in riesigen Hallen sind, also auf fremdschamheischende Art und Weise massenhaft bei sich. Dass der Niedersachse Jules Ahoi mal nicht aus UK kommt, ab und an Autotunes in seinen Folkpop rührt und auf Fotos schon mal mit Baseballschläger posiert, macht das nicht unbedingt besser. Dass er dabei klingt wie der Missing Link zwischen Passenger und Jamie T schon eher.

Sein neues Album Dear ____ ist nämlich zum Glück ein bisschen wuchtiger als die zwei vorherigen, ohne dabei schon im Orchestralen von Mumford & Sons zu landen. Er ist also immer noch sehr weiß, trotz Begleitband sehr allein, also sehr sehr bei sich. Und die 15 Songs über Liebe, Isolation, Andersartigkeit und so Sachen bemühen zwar ein Instrumentarium von Drums bis Piano und lassen die Gitarren schon mal elektrisch scheppern; sie sind aber doch überwiegend von einer androgynen Innerlichkeit, die seine Emotionen aufrichtig mitfühlen lässt.

Jules Ahoi – Dear ____ (Moon Blvd. Records)

Sammy Brue

All das gilt gewissermaßen auch für Sammy Brue, wenngleich mit völlig anderen Mitteln. Dem Folk nur noch am Rande artverwandt, macht der Singer/Songwriter aus dem Hipsterhotspot Portland eher Punk mit einer gehörigen Beimengung Country und Western, was in den lauteren Momenten fabelhaft nach Bands wie Giant Sand klingt. Besonders in den (eher wenigen) leiseren aber klingt es nach gar nichts Spezifischem außer seiner ulkigen Ausstrahlung. Mit Nerd-Brille, Beck-Aura und Westcoast-Slang ist sein zweites Album vor allem echt weird.

Weird im Sinne von unkonventionell und überraschend, nicht im Sinne von unzugänglich oder durcheinander. In seiner verstiegenen Klangfarbe zu singen – schön zerkratzt, aber durchaus vielschichtig – schimmert auf Crash Test Kids zwar permanent ein Anflug von Satire mit. Uptempo-Stücke wie Teenage Mayhem oder der fantastisch skurrile Bombast-Pop Skatepark Doomsday Blues allerdings sind dann doch instrumentell zu virtuos, um nur als verspielter Blödsinn durchzugehen. Da kann noch was draus werden, Sammy Brue.

Sammy Brue – Crash Test Kid (New West Records)


Atemnot & Barrikaden

Die Gebrauchtwoche

1. – 7. Juni

Zerstörung kann das Alte vernichten, um darauf etwas Neues, womöglich Besseres zu errichten. Nimmt man den selbsternannten Conan Rezo beim Wort, hat die Zerstörung der CDU vor einem Jahr allerdings weder für das eine noch das andere gesorgt. Trotz aller Krisen und Querelen führt die Kanzlerinnenpartei sämtliche Umfragen solide an und ist damit – hoffentlich – das Rolemodel fürs nächste Objekt im Visier des Youtubers: Die Zerstörung der Medien.

Nach drei von 60 Minuten gut recherchierter, gewohnt eloquenter, jugendsprachgesättigter Schnellsprechattacke jedoch relativiert Rezo den dekonstruktiven Ansatz und begnügt sich eher konstruktiv damit, „Missstände“ aufzudecken, die „Vertrauen zerstören“. Trotzdem ist auch dieser Angriff zuweilen ein wenig wild. Rezo setzt den Regenbogen mit Journalismus gleich und Bild mit Qualitätspresse, er verwechselt Haltung und Stil mit Handwerk und Fakten, ist also nicht vor Miss(ver)ständ(niss)en gefeit, die das Vertrauen in Rezo (zer)stören. Was er allerdings ebenfalls ist: absolut notwendig.

Wie unseriös selbst seriöse Medien manchmal arbeiten, zeigt ja nicht nur der Feldzug des Springer-Konzerns gegen alle journalistischen Minimalstandards im Umgang mit Christian Drosten; man konnte es auch gut in den Talkshows über die Unruhen der USA nach dem Tod von George Floyd erleben, bei dem die Polizei nach ersten Zählungen 45 Journalisten verhaftet und 132 attackiert hat. Sandra Maischberger und Markus Lanz brachten nämlich das Kunststück fertig, ohne Opfer über Rassismus zu diskutieren, was die hastig nachgeladenen Priscilla Layne und Mo Asumang nur schlimmer machten.

Die Frischwoche

8. – 14. Juni

Weitsicht beweist diesbezüglich Netflix, wo Freitag Spike Lees Da 5 Bloods um farbige Vietnam-Veteranen anläuft, die an den Kriegsschauplatz von damals reisen und dabei auch dem anhaltenden Rassismus ihrer Heimat nachspüren. Auf andere Art rückwärtsgewandt zeigt sich der Streamingdienst zeitgleich mit einer Abwerbung von Youtube. Nach ein paar Netzausgaben wandert Frank Elstners Kuscheltalk Wetten, das war’s? aufs Videoportal.

Der Gastgeber allerdings mag ein verdienstvoller Star des hiesigen Unterhaltungsfernsehens sein; die langen Dialoge mit Epigonen wie Klaas Heufer-Umlauf sind in ihrer biederen Harmlosigkeit eher öde. Auf den Barrikaden sind andere, etwa die Protagonisten der gleichnamigen, durchaus erhellenden ARD-Doku (Montag, 20.15 Uhr) über verschwörungsideologische Hygiene-Demos unserer Tage.

Auf die Barrikaden gehen sollte man parallel dazu symbolisch gegen das Pilotprojekt der „European Alliance“, in der das ZDF gemeinsam mit RAI (Italien) und FTV (Frankreich) hochwertige TV-Kost anrühren will. Der sechsteilige Spionagethriller Mirage um irgendwas mit Liebe, Verrat, Atomkraft und Arabern ist nämlich noch konventioneller als der deutsche Titel Gefährlich Lügen und entfacht damit ein ähnlich laues Feuer wie die Geisterspiele im DFB-Pokal, den das Erste ab Dienstag überträgt.

Die letzten Zuckungen des Lockdowns erleben wir derweil ab Dienstag auf Youtube und ab Sonntag bei TNT. Dann startet die fünfteilige Impro-Dramedy Ausgebremst mit Maria Furtwängler, die vom geplanten Suizid versehentlich zur Seelsorgerin wird und dabei Kolleg*inn*en von Maren Kroyman bis Annette Frier Lebenshilfe erteilt. Da die Branche langsam in den Normalbetrieb zurückkehrt, könnten aber nicht nur solche bemerkenswert professionell gemachten ad-hoc-Produktionen bald schon weider Geschichte sein – und zugleich das digitale Innovationsmonopol sachte wanken.

Bis dahin aber saugt Netflix mit der Klinikserie Lennox Hill und dem Schlussakt des Highschooldramas Tote Mädchen Lügen nicht nochmals Aufmerksamkeit ab, die das lineare Fernsehen immerhin noch mit den Wiederholungen der Woche erzielt. Am Samstag zum Beispiel mit dem vierstündigen Bandportrait Stayin‘ Alive – Die spektakuläre Story der Bee Gees von 2013 auf Vox, tags drauf mit Stephen Daldrys Coming-of-Age-Perle Billy Elliot (2000) auf Arte, am Mittwoch (22.05 Uhr, MDR) mit Dror Zahavis Leipziger Tatort: König der Gosse von 2016.


Henning Venske: Kriegskind & Corona-Krise

Mauern sind zum Einreißen da

Henning Venske (81, Foto: Wikipedia) als Kind selbst Flüchtlingskind, hat sich in gut 50 Jahren zu einem der streitbarsten Kabarettisten der Republik entwickelt. Ein Gespräch mit dem Hamburger aus Stettin über Satiriker im Ruhestand, die Ausnahmezustände seines Lebens und welche davon sogar noch dramatischer waren als die Corona-Krise.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Venske, als 1939er-Jahrgang haben Sie vom Zweiten Weltkrieg über Kuba-Krise, 68er-Revolte, Deutscher Herbst, Tschernobyl oder 9/11 bis hin zum Bankencrash 2007 schon so manchen Ausnahmezustand mitgemacht.

Henning Venske: Oh ja.

Ist dieser Ausnahmezustand im Zuge der Corona-Pandemie, den wir alle grad durchmachen, da überhaupt was Besonderes für Sie?

Wissen Sie, ich lebe sehr zurückgezogen hier in Hamburg und mein Leben ist genauso eingeschränkt wie das, anderer Leute auch. Für einen 81-Jährigen ist dieser Ausnahmezustand aber natürlich insofern außergewöhnlich, als ich mit den Vorbelastungen COPD, Emphysem und Asthma gerade in absoluter Isolation zu allen anderen außer meiner Frau lebe. Mir fehlt nicht nur, aus- oder ins Theater zu gehen; ich traue mich ja nicht mal, einzukaufen.

Und was macht die Krise mit den Menschen, der Gesellschaft insgesamt?

Sie löst sowohl Hysterie und Selbstmitleid als auch Fantasie und Hilfsbereitschaft aus. Umso abstoßender finde ich, wie andere Katastrophen jetzt übergangen oder vergessen werden: Der Ausnahmezustand in Syrien und Afghanistan, die Ertrinkenden auf dem Mittelmeer und das Elend in den Flüchtlingslagern, die Not der Kurden oder der Obdachlosen bei uns – für viele ist das alles nicht so wichtig wie genügend Klopapier. Aber gemessen daran, was Sie vorhin aufgezählt haben, ist Corona dennoch nur ein drittklassiger Ausnahmezustand.

Warum?

Lesen Sie bitte die ersten 40 Seiten meiner Autobiografie Es war mir ein Vergnügen. Da steht, welcher Ausnahmezustand mich geprägt hat, nämlich zunächst das letzte Jahr des 2. Weltkrieges, mein Fußmarsch vom Wolfgangsee in Österreich durch ein zertrümmertes Land bis nach Kiel, Sommer 1945, mehr als 1000 Kilometer. Dass Donald Trump und Emmanuel Macron im Kampf gegen Corona nun dauernd von „Krieg“ reden, zeigt doch nur, dass beide nie einen erduldet haben und Verwandte aus Trümmern buddeln mussten.

Macht dieser Erfahrungsschatz im Umgang mit weniger dramatischen Ausnahmezuständen da gelassener, womöglich gar angstfrei?

Männer in meinem Alter haben in der Regel keine Angst mehr, zumindest nicht ums eigene Leben – deshalb sind sie ja so gefährlich für andere (lacht).

Gibt es selbst bei Ihnen also etwas wie Alterskonservatismus?

Nicht, wenn er bedeutet, zu glauben, früher sei alles besser gewesen; dafür treffe ich in meiner Seniorenwohnanlage in Bramfeld zu viele Menschen meines Alters, die sehr aufgeschlossen, sehr freundlich, sehr selbstkritisch, sehr witzig sind. Da tut es mir gerade in dieser Krise leid, wenn sie einerseits den Vorurteilen junger Leute ausgesetzt sind, rückständig zu sein, andererseits nur als Wirtschaftsfaktor gelten, deren Schutz die Jüngeren gerade noch mehr Geld und Freiheit kostet. Die Lebenswelten der Generationen sind da schon sehr getrennt.

Wobei Sie durch Ihre zwei Enkelinnen auch einen Blick auf jüngere haben.

Und schon deshalb bereitet mir deren Zukunft auch angesichts des Klimawandels Sorge. Aber es gab schon früher Endzeitstimmungen. Als Helmut Schmidt noch Kanzler war, kursierte der Witz, eine Langspielplatte brauchst du nicht aufzulegen, die schafft’s eh nicht bis zum Ende…

Hat es Ihnen im Laufe ihres Lebens als Satiriker geholfen, selbst größeren Katastrophen mit Humor zu begegnen?

Ach, so viel Humor hab‘ ich persönlich gar nicht (lacht). Privat neige ich selten dazu, die Realität zu überzeichnen oder wegzulachen, aber beruflich sorgt diese Fähigkeit dafür, gleichzeitig Distanz und Nähe zu erzeugen. Im Schopenhauerschen Sinne sitzen Satiriker wie fools on the hill aufm Hügel, gucken sich die Welt darunter an und geben ihren Senf dazu.

Um den Menschen am Ende aber auch Corona-Krisen wenn schon nicht erträglich, so doch verständlich zu machen oder?

Mag sein, aber das entspringt nicht unbedingt dem Frohsinn des Satirikers. Grundlage des politischen Humors ist es ja, die Realität nicht auf die leichte Schulter, sondern besonders ernst zu nehmen. Sonst ist es weder witzig noch relevant.

Gibt es dabei Grenzen, die der Humor nicht übertreten sollte?

Nein, jeder Satiriker bestimmt die Grenzen seines Humors selbst, daran ändert sich auch in Ausnahmesituationen nichts. Aber wissen Sie, was das wichtigste Motiv des Kabarettisten ist?

Sagen Sie es mir!

Mitleid. Mitleid mit den Zukurzgekommenen, Unterdrückten, den Ausgebeuteten bei gleichzeitiger Abneigung gegen jene, die dafür verantwortlich sind. Die Analyse der näheren Umstände macht politischen Humor – zumindest in meinem Fall – zu harter Arbeit.

Ist der private Henning Venske demnach ein anderer als jener auf der Bühne?

Im Gegenteil: Obwohl ich gelernter Schauspieler bin, bin ich in keinem meiner Solokabarettprogramme in eine Rolle geschlüpft, habe mir nie einen Lederhandschuh angezogen und statt meiner eigenen die Gedanken die eines kriegsversehrten Sozialdemokraten geäußert. Ich wollte mich nie verstecken, ich war immer nur ein bekennender Oppositioneller.

Aber was macht es mit einem Kabarettisten links der Mitte, wenn er wie Sie sechs Jahrzehnte lang gegen ein System opponiert, in dem am Ende doch immer Konservative, Kapital, mittlerweile ja sogar wieder Rechtsradikale den Ton angeben?

Das macht mit ihm, dass er allmählich die Lust verliert; irgendwann ist ja auch alles gesagt. Die Themen, mit denen sich Satire auseinandersetzt, sind seit Aristophanes schließlich immer dieselben. Es geht um Krieg und Frieden, Arm und Reich, Macht und Ohnmacht, Moral und Religion, Ausländer und Korruption. Das einzig neue Thema seit 2500 Jahren ist die Atomenergie – weil sie der Menschheit die Möglichkeit gibt, sich selbst auszurotten. Alles andere wiederholt sich. Ob ich über Seehofer rede oder Herrn Seebohm…

Seebohm?

Können Sie vielleicht nicht wissen… Der war in den Fünfzigern Verkehrsminister, Heimatvertriebenenfunktionär und aus meiner Sicht ein rechtsradikales Arschloch. Den habe ich damals ähnlich gesehen wie heute Herrn Seehofer. Wenn mir also gesagt wird, wie viel Stoff die Politik dem Kabarett gerade zur Verfügung stellt, entgegne ich, dass die Politik allenfalls austauschbare Charaktermasken liefert.

Sind Sie dennoch gerne ihr ganzes Leben gegen diese Mauern gerannt?

Mittlerweile möchte ich zwar lieber mit meiner Frau irgendwohin reisen, als irgendwo gegen zu laufen; nach 60 Jahren im Geschäft darf ich mir vermutlich erlauben, diesbezüglich ein wenig müde zu sein. Aber Mauern sind zum Einreißen da und so lange, wie ich das durchgehalten habe, habe ich es ja vermutlich gerne getan.

Hatten Sie als Kabarettist und Mensch den Einfluss, gesellschaftliche Realitäten wirklich verändern zu können?

Punktuell, ja. Inwieweit ich dazu einen Beitrag geleistet habe, müssen andere beurteilen, aber ich fühle mich sozialen Bewegungen zugehörig, die immer wieder für positive Veränderung gesorgt haben – sei es bei der Emanzipation, die längst nicht an ihr Ende gekommen ist, aber einen Grad erreicht hat, von dem die Frauen in meiner Jugend nicht mal zu träumen gewagt hätten; sei es im Schulwesen, das zu meiner Zeit noch von Lehrern aus der Wilhelminischen Zeit geprägt war. Kinder werden heutzutage mit viel größerem Respekt behandelt als Anfang der Sechziger. Es ist ein gutes Gefühl, an dieser Entwicklung Anteil gehabt zu haben.

Waren Sie als Vater in den Sechzigern denn noch wilhelminisch geprägt oder bereits antiautoritär?

Ich war mit großer Begeisterung antiautoritär – inklusive aller Fehler, die da gemacht werden konnten.

Bei all den politischen und sozialen Katastrophen Ihrer langen Karriere, war eine der größten privater Natur, als Anfang des neuen Jahrhunderts ihre Zwillingskinder im Abstand weniger Jahre mit Mitte 40 gestorben sind. Wie sind Sie damit umgegangen?

Damit kann man nicht umgehen, Trauer lässt sich nicht manipulieren. Ich reagierte mit einer Art Eskapismus und flüchtete mich in die Arbeit oder besser: versuchte es. Wenn das gesamte Leben plötzlich aus Trauer besteht, ist es eine Illusion anzunehmen, für solche Schicksalsschläge gäbe es Instrumente, die man einfach zur Anwendung bringen könnte.

Konnten Sie sich keine aus ihrer künstlerischen Arbeit zunutze machen, die den Irrsinn der Realität ja auch irgendwie leichter erträglich machen?

Hui (überlegt lange). Ich glaube nicht. Wenn bei einem Erdbeben Tausende ums Leben kommen, ist das entsetzlich, aber das Mitgefühl, das man bei einer dieser relativ regelmäßig stattfindenden Katastrophen empfindet, ist etwas ganz anderes als die Trauer beim Tod des eigenen Kindes. Das kann man nicht vergleichen. Und in der Realität von Corona sieht es noch anders aus: Hunderttausende Tote machen Angst, aber Mitleid wird vor allem gefordert und praktiziert für die sogenannte Wirtschaft.

Ist man mit Anfang 80 und der Gewissheit, nicht mehr ewig zu leben, manchmal sogar froh, das ganze Elend bald hinter sich zu haben?

(lacht) Das frage ich mich auch oft, wenn ich von meinem Hügel aus ins Tal blicke. Am Ende bin ich froh, nicht noch mal die Pubertät durchmachen zu müssen und alle anderen Probleme junger Menschen. Aber wenn man mir anböte, nochmals 50 Jahre jünger zu sein, würde ich schon deshalb nicht nein sagen, um mal wieder schmerzfrei spazieren gehen zu können. Mit dem Elend der Welt dagegen beschäftige ich mich eigentlich nur dann noch intensiver, wenn mich die taz zum Gespräch darüber bittet. Ich gönne mir mittlerweile ein bisschen Gleichgültigkeit und bleibe zuhause.

Wie lange ist dieses Zuhause eigentlich schon Hamburg?

Seit 1966. Ich war zwar zwischendurch acht Jahre in München, hatte aber immer mein Haus hier.

Macht es die Stadt da zu so etwas wie Heimat für Sie?

Ich habe ein etwas gestörtes Verhältnis zum Begriff Heimat, ich nenne es lieber „zu Hause“. Den Kellner bei meinem Stamm-Italiener in Hamburg habe ich jahrelang auch für einen Italiener gehalten, bis er mir beim Schnacken mal sagte, er sei Pole und stamme aus Stettin, wo ich geboren wurde. Obwohl ich den kleinsten Teil meines Lebens dort verbracht habe, war auch das plötzlich ein Stück zu Hause. Dasselbe Gefühl verbindet mich mit Minden in Westfalen, wo ich acht Jahre zur Schule gegangen bin, und wo ich noch immer viele Menschen kenne, und auch München ist ein klein bisschen zu Hause. Ich habe das Glück, mich vielerorts zu Hause zu fühlen.


Reichelts Lügen & Waldheims Walzer

Die Gebrauchtwoche

25. – 31. Mai

Was Christian Drosten Gutes zu tun hat, dürfte selbst Einsiedlern ohne DSL langsam bewusst sein. Allen, die dennoch Zweifel haben, verlinkte der Wissenschaftler vorigen Montag seinen Tweet, mit dem er auf einen Bild-Befehl reagierte, sich zur anstehenden Titelstory zu äußern. In ihr knattert das Springer-Blatt, Drosten sei schuld an Schulschließungen, wofür Autor Filipp Piatov zwar keine Fakten, aber ein paar gegoogelte Statistiker zusammenstümpert. Damit nicht genug: Piatov, der einst auf den Titanic-Hoax „Neue Schmutz-Kampagne bei der SPD“ reingefallen war, gab dem Virologen exakt 60 Minuten Zeit zur Stellungnahme.

Drostens Reaktion: Die Bild bemühe „Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang“ für eine „tendenziöse Berichterstattung“. Anstatt zu antworten, twitterte er folglich: „Ich habe Besseres zu tun.“ Doch während sich alle Beteiligten flugs vom Text distanzierten und Anzeigenkundschaft absprang, während allenfalls die AfD noch an Julian Reichelts rechter Seite blieb und selbst Friede Springer den Chefredakteur kritisierte, trat der erst nach und bat Drosten dann allen Ernstes zum Gespräch. Aber wie gesagt – der hatte Besseres zu tun, etwa ein sehr erhellendes Interview im Spiegel.

Das indes dient Maria Furtwänglers Stiftung als neuerlicher Beleg medialer Ungleichbehandlung. Nur 22 Prozent aller Fachleute, die von Presse, Funk & Fernsehen in Corona-Fragen konsultiert werden, sind einer Malisa-Studie zufolge Frauen. Schöne alte Männerwelt – deren größtmöglicher Macho mit einem Vehikel seiner Herrschaft hadert: Weil Twitter es gewagt hat, die erste seiner 17.000 Unwahrheiten seit Amtsantritt – diesmal: Briefwahl fördere Wahlbetrug – faktenzuchecken, drohte er ausgerechnet jenem Kurznachrichtendienst mit Regulation, auf dem er seine 80 Millionen Follower im Schnitt 26 Mal pro Tag belügt.

Die Frischwoche

1. – 7. Juni

Passend zum Beginn einer zaghaften Selbstreflexion „neuer“ Medien könnte man sich Mittwoch auf Arte in Erinnerung rufen, was Radikalen der Marke Trump mal blühte: um 23.50 Uhr rollt Waldheims Walzer auf, wie ein Nationalsozialist der ersten Stunde 1986 nur dank kollektiver Empörung nicht österreichischer Präsident wurde. Zwei Tage später der nächste Skandal beim Kulturkanal: in der sehenswert wahrhaftigen Fiktion Wackersdorf geht es um die bürgerkriegsähnlichen Zustände an der Wiederaufbereitungsanlage fünf Jahre zuvor.

Annähernd dokumentarisch ist ein Spielfilm, den Sky übermorgen aus dem geschlossenen Kino befreit: Das Ende der Wahrheit. Darin wühlt Ronald Zehrfeld tief im Dreck des BND und fördert Dinge zutage, die bei aller Fiktionalität absolut realistisch sind. Realistischer zumindest als das modernisierte Remake vom holländischen Kommissar van der Valk, der ab Montag überm merkwürdigen Untertitel Duell (statt wie im Original Love) in Amsterdam bei der ARD ermittelt.

Zwei Tage später zeigt 13th Street mit Deputy noch eine Polizeiserie mehr voll schöner, tougher, schlagfertiger US-Detectives, während TLC mit Autopsy zeitgleich noch eine Real-Crime-Doku mehr um prominente Todesfälle startet und Netflix zwei Tage später eine Comic-Adaption zeigt, die – nein, trotz gebrauchten Themas nicht nur ein Bankraubfilm mehr ist, sondern The Last Day of American Crime, ein Cyberpunkmix aus Oceans’s Eleven und Pulp Fiction ohne Humor, aber mit viel Brutalität ist.

Am selben Tag beginnt (boykottiert) Amazon eine Serie mit hochaktuellem Sujet: El Presidente ist ein sanft verfremdeter Fußballfunktionär aus Chile im FIFA-Skandal, dessen Authentizität das genaue Gegenteil jenes Bastian Schweinsteiger darstellt, den Til Schweigers FIFA-Fanporträt SCH31NS7EIGER an gleicher Stelle anhimmelt. Und damit in aller Distanz zu den Wiederholungen der Woche, angeführt vom Borowski Schichtwechsel (Samstag, 22.05 Uhr, MDR) aus dem Werftenmilieu von 2004. Viel älter (40 Jahre) ist French Connection (Montag, 21.35 Uhr, Arte), der absolut brillant ist, von der Fortsetzung (Mittwoch, 21.55 Uhr) aber noch übertroffen wird.


Caleb Landry Jones, Flying Lotus, Gary Olson

Caleb Landry Jones

Ach, was wäre Musik doch langweilig, würde sie bloß Erwartungen erfüllen, einerseits. Denn andererseits wird sie schnell schwer erträglich, wenn ihr alle Erwartungen gleichgültig sind. Caleb Landry Jones ist dennoch in dieses bewegte Wasser gesprungen und hat ein Album kreiert, besser noch: gewürfelt, dessen Abläufe so konfus sind, dass Ordnung zu finden unmöglich scheint. Scheint. Denn wer sich darauf einlässt, all die vielen Brüche zwischen Schweine- und Glamrock, Avantgarde- und Chartspop zu erkunden, wird reich belohnt.

Als eine Art Lofi-Bigband fühlt sich der texanische Schauspieler (Twin Peaks) von kaum glaublichen 30 Jahren Beatles, Beethoven und Big Beat gleichermaßen so nahe, dass sein Debütalbum The Mother Stone zum psychedelischen Ritt durchs geschlossene Theater unseres inneren Kindes wird. Eines, das auf die Pauke hauen will, aber gewiss keine Metrik verstehen. Dass dieses heillose Durcheinander dennoch auch für Erwachsene hörbar wird, liegt am großen Gespür des Wizzards für Struktur im Chaos. Trotzdem: besser mal zwei, drei Gläser Wein vorm Hören…

Caleb Landry Jones – The Mother Stone (Sacred Bones Records)

Gary Olson

Das exakte Gegenteil von Durcheinander, Erwartungsbruch und Wizzardness ist dagegen das selbstbetitelte Solodebüt von Gary Olsen, der als Kopf und Trompeter des Indiepop-Ensembels The Ladybug Transistor seit 25 Jahren auch nicht gerade fürs musikalische Chaos bekannt ist. Und ohne Band im Rücken, wirkt sein Wirken kein bisschen weniger strukturiert. Trotzdem erschafft Gary Olson hier etwas, das es vielleicht so nur am Standort New York gibt: Avantgarde, die schwer nach Mainstream klingt oder umgekehrt.

Oder wie er es ausdrückt: “Mach die Augen zu und spüre, wie die Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen hindurch fallen. Dann öffne allmählich die Augen und stelle fest, dass du deine Haltestelle verpasst hast. Fang nochmal von vorne an.” Genau das drängt sich auf: der bisweilen geigenumflorte Feel-Well-Gitarren-Pop lümmelt so schimmernd schön unter Olsons sanftem Ostküstengesang herum, dass die Trompeten dazu weiter im Kopf herumspuken, ohne zu stören. Das ist nicht die Quintessenz anspruchsvoller Musik, manchmal aber etwas, wofür sie noch ein Eckchen im Gemüt freihält.

Gary Olson – Gary Olson (Tapete Records)

Flying Lotus

Never trust a Plattencover. Das neue von Stephan Ellison aka. Flying Lotus wirkt zum Beispiel, als wäre in einen Topf voller Walgesänge gefallen und hätte sie mit Offbeats zu jamaikanischen Dancehall verdickt. Völlig falscher Eindruck! Auf Flamagra Instrumentals, einer Art Selbstreduktion aufs Wesentliche seiner Arbeit, hat der HipHop-Elektroniker aus L.A. sein fast gleichnamiges Album von 2019 um alle Vocals erleichtert und daraus ein flächiges Klangerlebnis gemacht, das wie ein Brückenkopf zwischen avantgardistischem Pop und experimentellem House wirkt.

https://flying-lotus.com/flamagra-instrumentals/

Ohne den Rap und Gesang des Originals verliert die Instrumentalversion zwar gehörig an deklamatorischer Wucht; dafür wird das Vokabular der insgesamt 27 Stücke so intensiv aufs Grundgerüst seiner klanglichen Vielfalt zurückgeworfen, dass Flamagra Instrumentals fast wie ein Glossar elektronischer Sounds erscheint. Sie eröffnen mal aufgewühlt wie der Opener Heroes die Clubnacht, bitten mal ausgelaugt wie Post Requisite im Anschluss zum Ausgang oder verfüllen die Zeit dazwischen mit der Ruhe vor dem Sturm wie das darauffolgende More. Partymusik zum Chillen, auch mal schön.

Flying Lotus – Flamagra Instrumentals (beats international)


Breitbeinigkeit & Beischläfer

Die Gebrauchtwoche

18. – 24. Mai

Mia san mia. Dieser Spruch bayerischer Breitbeinigkeit gilt seit jeher nicht nur in Bierzelten und Fußballclubs, sondern auch im Fernsehen. Schon als es um NS-kritisches Fernsehen wie Holocaust, religionskritische Justiz wie im Kruzifix-Urteil oder einfach grundlegend kritischen Humor wie beim Scheibenwischer ging, hat sich der BR aus dem ARD-Programm geklinkt. Und nun bitte dreimal raten, welcher Landessender ausschert, wenn die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von Sachsen-Anhalt aus gemeinsam mit ZDF und Deutschlandradio ein digitales Kulturangebot bündelt?

Genau! Genau! Genau!

Vordergründig geht es BR-Intendant Ulrich Wilhelm zwar um irgendwas mit Gebühren. Darunter jedoch steckt fraglos ein gottgewollter Erhabenheitsgestus, der bayerische Medienpolitik seit jeher prägt. Mit dem im Rückgrat endet Loyalität halt gern am eigenen Testosteronspiegel. Der war offenbar auch bei Kevin Meyer gefährlich hoch, als Disneys mächtiger Streaming-Chef parallel verkünden ließ, er werde künftig die chinesische Plattform TikTok leite und gleichzeitig das operative Geschäft des Mutterkonzerns Bytedance.

Vom größten Unterhaltungskonzern freiwillig zum dubiosesten Netzplayer – da muss der Amerikaner aber mal ernstlich in seiner Männlichkeit angekratzt worden sein, Bob Iger doch nicht wie erwartet an der Disney-Spitze zu folgen. Apropos dubiose Unternehmen: der Amazon-Kanal Prime hat am Montag überraschend Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen ohne Zusatzkosten von Eurosport übernommen. Klingt banal. Ist es auch. Aber banal mit Folgen fürs Gefüge im künftigen Rechtepoker um Live-Lizenzen.

Die Frischwoche

25. – 31. Mai

Bis dahin darf Amazon mit Sky die englische Geisterspielwoche zeigen, was für den profitfreudigen Versandhändler neueres Neuland ist als Fernsehen. Wie man das vermasseln kann, zeigt er allerdings Freitag in Der Beischläfer. Das Komödienstadl um den bayerischen Autoschrauber Charlie (Markus Stoll), der als Schöffe ans Amtsgericht der süßen Richterin Julia (Lisa Bitter) berufen wird, ist in seiner verschwörungstheoretischen Justizverachtung so blöde, dass selbst der absurde Weltraum-Roadtrip Vagrant Queen tags zuvor auf SYFY oder die intergalaktische Netflix-Sitcom Space Force ab Mittwoch realistischer wirken.

Ein wenig mehr Realismus hätte auch die Joyn-Serie Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers vertragen. Kostja Ullmann gibt sich zwar ersichtlich Mühe, sechs Taxitouren unterschiedlicher Passagiere durch Hamburg mit authentischer Empathie zu füttern. Das Ausbeutungssystem Uber kommt dabei jedoch nicht mal am Rande zur Sprache. Aber gut – wer reine Sachlichkeit erwartet, sollte vielleicht Dokumentationen wie Rabiat (heute, 22.45 Uhr, ARD) über die bizarre Welt des Rechtsrocks sehen oder den zweiteiligen Blick 1968 auf Die globale Revolte, morgen um 21.45 Uhr auf Arte, sehen.

Trotzdem dürfen Fiktionen mit Wirklichkeitsbezug schon auch mal so wahrhaftig sein wie der Mittwochsfilm Das freiwillige Jahr mit dem großartigen Sebastian Rudolph als Vater einer Tochter, die ihre Provinz partout nicht zur Verwirklichung seiner geplatzten Träume verlassen will. Und auch Staffel 1 des italienisch-britischen Finanzkrisenthrillers Devils mit Patrick Dempsey als Strippenzieher darf ab Donnerstag auf Sky beanspruchen, die Wirklichkeit ebenso zum Maßstab zu nehmen wie der deutsch-schwedische Wirtschaftskrimi Hidden Agenda, dessen acht Teile Neo Freitag um 22 Uhr am Stück zeigt.

Noch was? Ach ja: die Bitte, Oliver Pochers eitler RTL-Late Night Gefährlich ehrlich noch weniger Beachtung zu schenken als Balls – für Geld mache ich alles, inmer Dienstag nach Joko & Klaas. Lieber Wiederholungen der Woche zu sehen. Etwa Michael Hanekes Meisterwerk Das weiße Band übers bigotte Deutschland vorm 1. Weltkrieg von 2009 (Montag, 20.15 Uhr, Arte), um 0.25 Uhr gefolgt vom Schwarzweißklassiker Dieb von Bagdad, der 1924 den unbekannten Douglas Fairbanks zum Weltstar machte. Und der Tatort-Tipp: Das letzte Rennen, Frankfurter Perle mit Sawatzki/Schüttauf von 2006 aus dem Marathonmilieu.


Ferge X Fisherman, Love-Songs, K.v.Schleicher

Ferge X Fisherman

Rap-Jazz ist weder neu noch speziell, geschweige denn ungewöhnlich. Schon, als HipHop noch recht jung war, haben ihn Künstler von Gang Star über The Jungle Brothers bis hin zum Küchenkollektiv Jazzmatazz in die Ursuppe des Urban Pop gemischt, was einer wie Anderson .Paak gerade massentauglich nachwürzt. Ferge X Fisherman wäre demnach nur eine Schaumkrone der Welle, die schon lange geritten wird – käme das Duett nicht aus Nürnberg und würde dennoch Fusionjazz von Weltruf machen.

Produzent Luka (Ferge) und Rapper Kolja (Fisherman) sind ja nicht nur Virtuosen ihres Fachs, sie haben sich mit den Lakesideboys eine Liveband organisiert, dank deren musikstudierter Hilfe das Debütalbum Blinded by the Neon zu einer Perle des antiquierten Sounds für intellektuelle Hipster wird. Allein schon ein Stück wie Anna Nicole, das die schwülstige Clubeleganz mit Psychogitarren unterwandert, zeigt was HipHop aus dem Jazz kitzeln kann und umgekehrt.

Ferge X Fisherman – Blinded by the Neon (Eigenlabel)

Love-Songs

Weniger distinguiert und doch von großer Filigraneität, dabei national gesehen aus einer Metropole, im globalen Kontext aber doch Provinzgewächse, versucht sich das Hamburger Trio Love-Songs seit acht Jahren auf dem schwierigen Feld electroakustischer Beats und hat es dabei allenfalls zu lokaler Bekanntheit gebracht. Und nach ein paar EPs dürfte auch das Debütalbum diesen Dunstkreis kaum nennenswert erweitern, dafür ist ihr Sound schlicht zu hintergründig.

https://soundcloud.com/bureau-1/love-songs-nicht-nicht-album-preview

Dennoch ist Nicht Nicht ein Stück weit die Antithese des eigenen, nihilistischen Titels. Ihr flächiger Mix aus Electro, Percussion und Bass wirkt schließlich wie eine Art achäologischer Struktursuche, bei der Thomas Korf, Sebastian Kokus und Manuel Chittka tief im Boden des Pop wühlen und von Field Recordings über Improvisationen bis hin zu dadaistischen Vocals dauerhaft fündig werden. Es kostet auch beim Zuhören Mühe, in dieses Gespinst der Töne vorzudringen. Aber sie lohnt sich.

Love Songs – Nicht Nicht (Bureau B)

Hype der Woche

Katie von Schleicher

Wer Kate Bush zu verstiegen findet, sich jedoch gelegentlich gern in popferne Sphären träumt, wer Tori Amos zu esoterisch findet, ab und zu aber ein Bedürfnis nach bodenständiger Entrückung verspürt, wem (weiblicher) Folkpop also entweder zu verkopft oder gefühlig ist, manchmal aber auch von beidem unterversorgt, der/dem bietet bietet eine Songwriterin aus Brooklyn seit Jahren Stoff zur Versöhnung beider Pole: Katie von Schleicher. Ihr sedierter Gitarrenrock vollführt das Kunststück, abwesend und raumgreifend in einem zu sein. Auch das fünfte Album Consummation (Full Time Hobby) klingt demnach wie ein Kellerkind mit Platzangst, mittig zwischen Fern- und Heimweh, was jedes ihrer selbstgespielten Instrumente gleichermaßen opulent und schüchtern umschmeichelt. KvS liefert also nicht weniger als die Quintessenz urbanen Pops, nur eben im Feenwald aufgenommen.


Michael Mittermeier: Pointen & Wuchtln

Humor ist immer gleich wichtig

Dank seiner Gabe, Stand-up mit Kabarett zu versöhnen, ist Michael Mittermeier ein Lichtblick im trüben Comedy-Teich. Bei 3sat läuft nun sein Solo-Programm Lucky Punch. Ein Telefonat mit dem 54-Jährigen über Lachen in der Krise, miese Corona-Witze, den Charme der Wuchtl und was er von seiner Tochter gerade fürs Leben lernt.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Michael Mittermeier, zu Beginn Ihres Bühnenprogramms Lucky Punch, das noch vor der Corona-Krise aufgezeichnet wurde, sagen Sie heute Abend auf 3sat, wir müssten uns in dieser Zeit einfach unseren Humor bewahren.

Michael Mittermeier: Und er stimmt auch heute, denn Humor ist immer gleich wichtig.

Aber ist er in einer globalen, alles umfassenden, unkalkulierbaren Krise wie dieser jetzt womöglich noch ein bisschen wichtiger als zuvor?

Es mag sein, dass er in weniger krisenhaften Situationen leichter fällt. Aber als ich vor zehn Jahren in Burma einen Komiker besuchen wollte, der dort im Gefängnis saß, befand ich mich zum einzigen Mal in meinem Leben wirklich in Gefahr und wusste ihn besonders zu schätzen, als wir dort von Bewaffneten verfolgt wurden. Deshalb gilt der Satz auch und grad jetzt. Wobei ich das große Glück hatte, die Show im März, zwei Tage bevor alle Bühnen geschlossen wurden, noch aufzeichnen zu können.

Obwohl Corona schon in aller Munde war, kommt das Virus darin allerdings nicht vor.

Ganz bewusst. Ich hatte die Wochen davor ein bisschen damit improvisiert und gelästert, dass die Ellbogengesellschaft in der Ellbogenbegrüßung ihre Vollendung findet. Aber als ein Kollege bei einer Open-Mike-Veranstaltung wie wild gehustet hat, fiel mir auf, dass alle acht Komiker dasselbe Mikro benutzen. Deshalb habe ich bei Lucky Punch dazu improvisiert. Weil die Krise da allerdings schon Fahrt aufnahm, haben wir im Schnitt entschieden, es rauszunehmen; das hätte sonst rückblickend in die Irre geführt. Und ich meine – Klimawandel, Harvey Weinstein, der Brexit haben ja kein bisschen an Aktualität verloren.

Aber was haben diese Themen Ihres Programms den Zuschauern inmitten der laufenden Krise denn zu geben?

Ich bin selbstbewusst genug, zu sagen: das ist einfach ein geiles Standup-Special zu den Fragen der Zeit, die sich auch durch Corona kein bisschen gebessert haben. Und dabei wird passieren, was immer passiert: die einen reflektieren die Gegenwart, andere entfliehen ihr damit für einige Minuten, alle fühlen sich dabei auch ohne Corona hoffentlich gut unterhalten. Denn ehrlich: ich habe so viele auf die Schnelle geschriebene Witze darüber gehört, dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Warum nicht?

Weil ich es nicht erproben könnte. Früher bist du mit deinen Ideen durch kleinere Formate gegangen und hast sie vor wenig Publikum ausprobiert. Heute gibt’s kein Publikum. Und wer Witze direkt vom Blatt aufnimmt, macht den Humor nicht besser.

Sind Sie trotzdem aktiv und arbeiten an Programmen von übermorgen?

Nein. Kurz vorm Lockdown habe ich bei Dieter Nuhr noch eine Nummer darüber gemacht, wie ich mit meiner zwölfjährigen Tochter zuhause sitze, Serien gucke und merke, dass es draußen aussieht wie bei der Zombie-Apokalypse von Walking Dead. Seither beschäftige ich mich auf Facebook und Instagram mit anderen Dingen.

Nämlich?

Die Gespräche mit meiner Tochter, das ist ein Stück Krisenbewältigung für beide. Denn wer hört den Jüngeren sonst schon wirklich zu? Selbst in meiner Branche gibt es höchstens Witze über die Pubertät. Auch deshalb rede ich jetzt unter anderem auf Instagram mit meiner Tochter über die Französische Revolution und höre, wie sie Ludwig XVI. mit Donald Trump vergleicht. What?!

Sie führen diese Gespräche also nicht als Komiker?

Das versuche ich zumindest und lerne dabei seit zwölf Folgen ohne Drehbuch, nur aus dem Gespräch heraus enorm dazu. Trotzdem ist das hoffentlich nicht nur ehrlich, sondern amüsant.

Ihr Programm trägt im Untertitel das österreichische Wort „Wuchtl“ für unverhoffte Schlagfertigkeit. Ihre social-media-Gespräche basieren also eher auf Wuchtln als Pointen?

Ganz genau. Wenn ich mit meiner Tochter Star Wars sehe und sie sagt, hör mal, der hat sein Beatmungsgerät immer dabei, dann ist das eine Wuchtl in Reinform.

Arbeiten Sie beruflich eher mit impulsiver Wuchtl oder gescripteter Pointe?

Ich lasse mich immer ein aufs Publikum, weshalb manche Themen fünf Minuten dauern, andere das Dreifache. Fürs Fernsehformat werden die sichtbarsten Improvisationen zwar reduziert, aber im Grunde entstehen meine Programme auf der Bühne. Ich bin keiner, der vorher lange schreibt, sondern habe Ideen und nehme sie mit.

Welche Ideen kämen Ihnen angesichts der Corona-Krise, die vermutlich auch bei Ihnen Teil kommender Programme sein wird?

Also kürzlich dachte ich, dass dieser Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann nur deshalb veganer Koch geworden ist, weil er wirklich daran glaubt, dass Bill Gates und George Soros Krisen wie diese nutzen, um billig an Kinderfleisch zu kommen. Man kann der Absurdität nur mit noch mehr Absurdität begegnen. Trotzdem kann ich nicht sagen, welche Witze ich irgendwann darüber mache. Vielleicht merke ich das während der Autokino-Shows, die jetzt gerade aufpoppen.

Sind die denn adäquater Ersatz für echte Live-Shows vor Publikum?

Nicht annähernd, aber auch dort kann man kleine Momente der Wahrhaftigkeit schaffen. Und um die geht es mir. Humor ist wie Wasser: du kannst ihn nie ganz aufhalten. Auch das wurde mir in Burma bewusst, wo sich die Gefangenen so lange Witze erzählt haben, bis sie vor der Knastmauer gelandet sind. Diese Kette konnten wir tatsächlich nachvollziehen! Und als wir auf der Flucht einmal schnell das Hotel verlassen mussten, bin ich an einem roten Telefon an der Wand vorbeigelaufen, das plötzlich klingelte. Da sagte ich zu mir, jetzt bist du wirklich in der Matrix gelandet, und musste lachen.

Sind Sie denn rangegangen?

Dafür war leider keine Zeit, aber schon dieses Lachen hat mir gutgetan. Lachen hilft immer.

Gibt es dennoch Dinge, über die sich das Lachen oder Witzemachen verbietet?

Billige Lacher auf Kosten Schwächerer, wie sie einige meiner Kollegen gern machen, schon. Ansonsten ist alles erlaubt; das zeigte sich besonders im jüdischen Humor zur NS-Zeit, der vielfach für Erleichterung gesorgt hat. Trotzdem maße ich mir nicht an, zu entscheiden, welche Art Witz worüber erlaubt sein soll. Das Gremium müsste man mir noch zeigen, das dazu befugt wäre. Wenn Jesus oder Gandhi auferstehen, würde ich es mir von denen vielleicht vorschreiben lassen. Aber auch nur, wenn sie Humor haben.


Männerwelten & Homecoming

Die Gebrauchtwoche

11. – 17. Mai

Aha, ein „strukturanalytisches Element“ – das ist es, was Caroline Fetscher vom Tagesspiegel an den 15 Minuten von Joko & Klaas vom Mittwoch bei ProSieben fehlte, als die beiden eine entlarvende Ausstellung namens Männerwelten aufgebaut haben. Anders gesagt: obwohl der Sondersendung am Mittwoch ganze 900 Sekunden zur Verfügung standen, sah auch das Missy Magazine einen Mangel an hermeneutisch-historischer Gesamtbetrachtung aller soziokulturellen Aspekte männlicher Gewalt gegen Frauen seit Beginn der Jungsteinzeit.

Es ist echt ein Kreuz mit der Emanzipation: Wenn zwei Spaßvögel über ihre Lichtkegel springen und einen Spaßkanal mit relevanter Ernsthaftigkeit zum gesellschaftlichen Missstand fortgesetzter Misogynie füllen, ist auch wieder alles doof. Dabei gibt es gewiss Kritikpunkte an der Kunstausstellung struktureller Frauenverachtung, durch die Sophie Paßmann das Publikum führt: Protagonistinnen weiß, Ambiente dramatisch, Inhalt verkürzt. Trotzdem könnte man auch einfach mal würdigen, welchen Einfluss so ein Film auf Menschen hat, die in ihrer Filterblase sonst selten mit Wahrhaftigkeit belästigt werden.

Menschen, die den Pegida-Comedian Dieter Nuhr nun für seine Virologen-Schelte feiern. Menschen, die befriedigt grunzen, wenn Donald Trump wegen der kritischen Nachfrage einer chinastämmigen Reporterin sein Pressebriefing abbricht. Menschen, die auf Hygiene-Demos über Schlafschafe blöken. Menschen also, die am Ende dafür mitverantwortlich sind, was Christian Bräuer befürchtet: Da viele Kinobetreiber bei der Neueröffnung mit reduzierter Platzzahl womöglich in jedem Saal Blockbuster für schlichte Gemüter zeigen, wird es aus Sicht des der AG Kino zur „brutalen Verdrängung“ anspruchsvoller Filme für klügere Geschmäcker kommen.

Leidtragender wäre mittelbar ein Fernsehen, das die Geisterspiele der Fußballbundesliga am Samstag am Ende doch noch etwas bereichern konnte. Weil Kino-Koproduktionen mittelfristig die Leinwand zur Rechtfertigung von Filmförderung fehlen könnte, macht sich schon jetzt das Fehlen oder Verschieben hausgemachter Formate im Programm bemerkbar.

Die Frischwoche

18. – 24. Mai

Um den Herbst nicht vollends auszudünnen, zeigt das Erste etwa anstatt des wichtigen Mittwochsfilms eine Wiederholung von Schnitzel de Luxe, während das Zweite am Samstag immerhin die ermittelnden Brüder Schwartz & Schwartz zeigt. Aber gut – obwohl Golo Euler und Devid Striesow dank der Humorbegabung von Regisseur Alexander Adolph auch im dritten Einsatz wunderbar dissonant harmonieren, geht Krimi natürlich immer in Deutschland.

Was ebenfalls immer gut geht, sind Biopics starker Frauen wie Astrid Lindgren, der die dänische Nachwuchsschauspielerin Alba August am Donnerstag (20.15 Uhr, ZDF) trotz fürchterlicher Synchronisation spürbare Dringlichkeit verleiht. Und das? War’s schon mit bemerkenswerter Fiktion des koproduzierenden Network-Fernsehens. Selbst die Dokumentarabteilung dämmert mit Die großen Kriminalfälle der Bundesrepublik vor sich hin, wenn das ZDF am Dienstag zum 2064. Mal den Mord an Rosemarie Nitribitt aufrollt.

Also, mal wieder, die Streamingdienste: der 18-teilige Krimiklumpatsch Stumptown um eine bildschöne (gähn), megatoughe (supergähn), beziehungsgestörte (megagähn), spielsüchtige (gigagähn) Privatdetektivin mit Militärbiografie ist ab Dienstag auf Sky womöglich deshalb noch so plump, weil er von der alten ABC stammt. The Plot Against America dagegen schreibt die Geschichte zwei Tage später an gleicher Stelle hochinteressant um: die Serie denkt sich ein Amerika aus, in dem 1940 der Faschist Charles Lindbergh an die Macht kommt und das Leben einer jüdischen Familie beeinflusst.

Und dann wäre da Teil 2 des Veteranen-Thrillers Homecoming auf (kauft nicht bei) Amazon-Prime. Ohne Julia Roberts, aber mit viel Mystery, wühlt sich Janelle Monaé ab Freitag durchs Geflecht eines dubiosen Pharmakonzern. Und das ist fast so exzellent wie die Karriere von Clint Eastwood. Zum 90. Geburtstag des schweigsamsten Action-Stars, schenkt ihm 3sat Sonntag (22 Uhr) zwei Wiederholungen der Woche: Sergio Leones Italowestern Für eine Handvoll Dollar von 1964 und die Fortsetzung Für eine Handvoll Dollar mehr. Ohne Umschweife zum Tatort: Borowski und die Rückkehr des Stillen Gastes von 2015 (Donnerstag, 20.15 Uhr, WDR) mit Lars Eidinger als Stalker mit Todesfolge.