Weltraumwahnsinn & Jennifers Klischees

0-GebrauchtwocheDie Gebrauchtwoche

14. – 20. Dezember

Es ist nicht so einfach, über zweidimensionale Medien zu schreiben, wenn praktisch alle Zeitungen, Bildschirme und sonstigen Kanäle von Star Wars besetzt sind. Das sechste Sequel der zusehends endlosen Weltraumsaga zieht momentan die dritte Nachkriegsgeneration so fest in den Bannstrahl der Macht, dass abweichendes Angebot kaum Aufmerksamkeit erlangen kann. Das hat allerdings naturgemäß auch mit der Relevanz dessen zu tun, was eben abseits vom Krieg der Sterne so läuft

Shows zum Beispiel wie Pilawas Spiel für Dein Land, wo es die ARD schaffte, das sozialkritische Potenzial des neuen Heidi-Films so aus dem Zusammenschnitt zu hacken, dass darin doch wieder nur heile Alpenwelt strahlt. Oder Markus Lanz, der Deutschlands umstrittensten Gewerkschafter Weselsky im ZDF-Rückblick Menschen 2015 fünf Minuten Interview schenkte, die den streikfreudigen GDL-Chef vor wirklich jeder kritischen Frage bewahrte. Da Relevanz aber auch sonst nur im Krisenfall das öffentlich-rechtliche Programm kontaminiert, übertrug das Erste statt eines DFB-Pokalspiels zuvor Bayern gegen Darmstadt, was zwar sportlich egal war, aber die Mindestquote von 2500 Stunden ARD-Präsenz des Rekordmeisters pro Jahr komplettierte.

Verglichen damit war es fast bedeutsam, wie Stefan Raab, der die gehässige Verunglimpfung Schutzloser via TV total zum Wesenskern des Privatkernsehens verfeinert hat, beim Abschied auf Pro7 weinte. Etwas mehr als Krokodilstränen wären dagegen jene 40 Euro wert, die ein Moskauer Gericht dem ARD-Sachfilmer Hajo Seppelt für seine Doku Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht wegen angeblich „unglaubwürdiger“ Vorwürfe aufgebrummt hat. In einem Land übrigens, dessen Präsident Sepp Blatter für den Friedensnobelpreis vorschlägt, was nur noch das nationalrassistische Talkshowinventar Roger Köppel überbot, dessen Weltwoche den verhassten Fifa-Besitzer zum „Schweizer des Jahres“ kürte. Die Welt am Rande des Wahnsinns.

0-FrischwocheDie Frischwoche

21. – 27. Dezember

Dort befindet sich ab Donnerstag dank der einzig nennenswerten Premiere dieser Woche auch die Provinz. In der NDR-Serie Jennifer kriegt es die norddeutsche Vorstadtfriseurin gleichen Namens mit allerlei Hindernissen bei ihrer Sehnsucht nach was Besseres zu tun, namentlich ihrem Chef Dietmar, dem Olli Dittrich um 22.25 Uhr wunderbar wackelige Überheblichkeit verpasst, die das Format im Ganzen allerdings trotzdem nicht vorm Reinfall retten kann.

Ansonsten aber halten sich die Programmplaner seit dem Ende der Weihnachtsmehrteiler gewohnt zurück mit Neuigkeiten von Wert zum Fest. Zu nennen wäre allenfalls die opulente Neuverfilmung von Victor Hugos Historienspektakel Les Misérables am Mittwoch (23 Uhr, ZDF) mit Hugh Jackman als geächteter Ab- und Aufsteiger im Frankreich des 19. Jahrhunderts, wofür es 2013 zu recht drei Oscars gab. Und dann wäre da noch das lieb gewonnene Ritual, die Feiertage mit modernisierten Märchen zu versüßen. Die vier neuen am Freitag und Samstag ab 14 Uhr zeigen zwar, dass sowohl populäre Grimm-Stoffe als auch die großen Stars der ersten acht Jahre knapp werden. Besonders die Adaption von E.T.A Hoffmanns Kunstwerk Nussknacker und Mausekönig lässt jedoch am 1. Weihnachtstag das Gute und Böse auf Fingergröße geschrumpft so furios im Kinderzimmer der hinreißenden Mala Emde aufeinanderprallen, dass es die reine Freude ist.

Darüber hinaus aber lodert am Flatscreen das Flämmchen üblicher Gewissheiten. Im Ersten erkennt der suizidgefährdete James Stewart Heilignacht nach zwei erneut, dass das Leben doch schön sein kann, im ZDF kriegt Helene Fischer tags drauf wie üblich ihre mehrstündige Eigendauerwerbesendung, während RTL Minions und ähnliche Animationskracher absondert. Pro7 Sat1 verwechselt Christ- mit Schlachtfest, Sat1 füllt die Hobbit-Premiere Smaugs Einöde Freitag mit 45 Minuten Reklame und wochenends gibt’s gleich zwei Tatorte, wobei Ulrich Tukur seiner Filmrolle Murot im letzten allen Ernstes leibhaftig begegnet.

Vieles wie gehabt also, einiges unterhaltsam, wenig dafür geeignet, was an dieser Stelle irgendwann zur Wiederholung der Woche taugen könnte wie Die Ferien des Monsieur Hulot von 1953 am Montag auf Arte (20.15 Uhr) im Rahmen eines ganzen famosen Abends rund um den schwarzweißen Komiker Jacques Tati. In Farbe hingegen darf der unverwüstliche Chevy Chase am Dienstag auf Vox nochmals für Schöne Bescherung (1989) sorgen. Und im dokumentarischen Wochentipp widmet der RBB parallel um 22.15 Uhr Hildegard Knef ein fabelhaftes Porträt. Frohes Fest.


Reportage: Sightseeing & Wirklichkeit

stadtfuehrerVieles Fassade

Wer sich Hamburgs präsentable Ecken von professionellen Touristen-Guides à la Olivia Jones zeigen lässt, kriegt vornehmlich Jubelarien über die vermeintlich „schönste Stadt der Welt“ zu hören. Weil die ein reiner PR-Mythos ist, war Zeit-Online mit Fremdenführern wie Dominik (Foto: Florian Schüppel) oder Daniell unterwegs, die auch mal hinter die Fassade blicken.

Von Jan Freitag

Und dann sagt Dominik Schönemann ihn doch, den peinlichsten Satz regionaler Selbstüberschätzung. Vier Wörter, die das ortsüblich obergärige Gebräu aus Minderwertigkeitskomplex und Größenwahn zur lokalpatriotischen Phrase verdichten: „Schönste Stadt der Welt.“ Hamburg!

Hamburg?

Die Stadt hat ihren Reiz, keine Frage: Den Hafen samt Speicherstadt, baumgesäumte Gründerzeitpracht weiter nördlich, dazu ein Rathaus mit Seeblick – schon schön, aber am schönsten? Gäbe es so etwas wie eine Miss-Wahl der Metropolen, hätte diese dank mitteleuropäischer Randlage ohne Brandenburger Tor oder Meeresbrandung ganz klar Standortnachteile. Nur: davon wollen ihre Fremdenführer hier nichts hören, geschweige denn sagen. Berufskrankheit, Standesbewusstsein, Überzeugung? Wer weiß.

Einige Hundert sind in diesem hochkomplexen Ballungsraum unterwegs, um ihn für Zugereiste auf seine Hotspots zu reduzieren. Zu Fuß wie Daniell mit dem blauen Haar, motorisiert wie Dominik mit der bürgerlichen Aura, beide grundverschieden und doch unterwegs in gemeinsamer Mission: Die Stadt zu zeigen, wie sie ist, nicht wie es das Marketing mag. Dominik tut dies auf einem der 30 verschiedenfarbigen Doppeldeckbusse, die Hamburg 365 Tage durchmessen. Ihre Routen sind der zuständigen Wirtschaftsbehörde egal, solange StVO und Beförderungsrecht beachtet werden. Trotzdem führen fast alle vom Alten Elbtunnel gen City um die Alster zum Kiez mit Halt an Speicherstadt und Michel – fertig ist die Posterwelt fernab aller Brenn- und Kritikpunkte.

Dann aber betritt dieser unscheinbare Hamburger Jung seine Bühne ohne Bretter, und der Sound wird rauer, ehrlicher. „Augen rechts!“, befiehlt Dominik mit Blick zur Stadthausbrücke. Ein Dutzend Augenpaare auf dem Oberdeck leistet Folge und staunt hörbar angesichts der napoleonischen Pracht. So stellen sich Gäste die Stadt eben vor: kaufmannsstolz, aber nicht protzig. Und immerzu Wasser, überall.

Im Phrasenfechtsport Sightseeing könnte Dominik nun das Florett ziehen: Ja, so schön ist‘s an der Waterkant. Touché! Doch was tut der Jurist beim touristischen Zubrot? Wählt den Säbel und haut „Achtung, alles Fassade!“ in den Bus der „gelben Doppeldecker GmbH“. Innen Entkernen, außen verputzen, geschichtslose Augenwischerei: „Genau so geht Hamburger Denkmalschutz!“ Genau so hat er ihn auch erklärt, als er vor Landungsbrücke 4 Besucher an Bord koberte. „Ich darf den Leuten von einer Stadt erzählen, die ich wirklich liebe“, beteuerte der 32-Jährige im beige-grauen Outfit desjenigen, der nicht vom Arbeitsobjekt ablenken will. „Aber sie macht mir das echt nicht leicht.“

Wenn man ihr unbeirrt die steinerne Identität aus dem Baubestand reißt oder pastellfarben verputzt, bis Hamburgs architektonische Textur verwechselbar wird und arm. Da könne der Barmbeker, den die Tourismusbehörde mitten im Referendariat nach einem „Riesenhaufen Broschüren“ über Highlights und Historie zweisprachig zum staatlich anerkannten Stadtführer prüfte, nicht einfach auf eitel Sonnenschein machen, als sei seine Heimat schick wie ihre polierten Hüllen.

Offiziell geprüft wurde sein Kollege Daniell nicht, ein bisschen gebüffelt hat er trotzdem, mehr als alle Theorie hilft dem Multijobber mit Barschwerpunkt jedoch die Lebenserfahrung: Ein Drittel seiner 33 Jahre lebt der Lübecker auf St. Pauli, „mein Viddel“, das er in dieser Klaren Herbstnacht knapp 20 Gästen zeigt. „Was ist der Unterschied zwischen Touristen und Terroristen?“, fragt der buntgescheckte Freak von nebenan die buntgemischten Gäste aus sieben Ländern plus Wien zur Begrüßung und erntet verstörtes Kichern: „Terroristen haben Sympathisanten!“ Ein Säbeltreffer unter die Gürtellinie und dennoch die ideale Einstimmung auf das, was zwei Stunden folgt.

Sein St. Pauli Tourist Office wurde ja von einem befreundeten Anwohner zur Fußball-WM 2006 gegründet, um kostümierten Jubelpersern wie Olivia Jones endemische Stimmen mitfühlender Vernunft entgegenzusetzen. „Das wahre St. Pauli“, sagt Daniell mit Astra plus Kippe am Hals und beginnt einen Parforceritt durch die Schattenseiten der Glitzerwelt. Nur einmal quert er kurz die Reeperbahn, warnt vorm Nepp der Großen Freiheit, umkurvt wortreich alles, was die Guides in Hörweite feiern und schimpft lieber 20 Minuten am Park Fiction auf Verdrängung, Kommerz, Eventkultur, bevor es über den Hans-Albers-Platz hinter den Kiez geht, wo sich zwischen S/M-Club und Komet auch Einheimische blicken lassen.

Und sein Publikum? Macht alles mit. Auch, weil Daniell jene Standards liefert, für die es 20 Euro pro Person zahlt: den Weg des Gettos dreckiger Berufe zum Spaßviertel, gepflastert mit Störtebekers, Reepschlägern, Hafenhuren, Fußballfans. Instantwissen, versiert verabreicht, rasch vergessen, und man merkt: Nach drei Jahren auf Tour ist er ein empathischer Profi wie Dominik Schönemann. Auch der begrüßt seine Zuhörer, wie sie es von ihm hören wollen: „Moin, Moin erstmal“. So viel Klischee muss erlaubt sein. Die Berliner nicken sodann als er den Startpunkt Landungsbrücken mit acht Millionen Besuchern zu Deutschlands beliebtestem Baudenkmal kürt; die Pfälzer prusten, als er vom Weinberg gegenüber erzählt; die Paderborner kichern, als er die Wallanlagen als Schutz vor „Katholiken wie euch“ im 30-jährigen Krieg lobt; die Schweizerin blinzelt, als er ihr Reiseziel als „eine der ältesten Demokratien der Welt“ lobt. Doch all dies ist eher Häkchenmachen als Herzensangelegenheit.

Zu der wird es erst, als der Guide die Kosten der Elbphilharmonie abfragt. „500 Millionen?“, lacht er den mutigsten Vorschlag des Münsteraners nieder – „Hälfte dazu, dann sind Sie knapp dran“, was er „peinlich für die Freie und Kaufmannsstadt Hamburg“ nennt. Mit der hat Dominik bei aller Liebe viel Last und äußert sie laut: Wenn er die Hafencity „architektonischer Würfelhusten“ nennt, vom Alster-Pavillon abrät oder fragt, wer am Rödingsmarkt aussteigen wolle. Niemand? „Hätte mich auch gewundert.“ Neben einer zerbombten Kirche, die 1872 das weltgrößte Gebäude war, „gibt’s hier bloß Autos“.

Doch nicht nur Verkehr und Steine kriegen ihr Fett weg, auch Fleisch und Blut, vor allem die Haute-Volée, deren Garagen und Baumhäuser am Harvestehuder Weg manch Einfamilienhaus in den Schatten stellten. Halb respektvoll, halb spöttisch leiert der Kleinbürgersohn klangvolle Namen runter. Stich, Sander, Joop, Lagerfeld, dazu Reeder-Erben von Laeisz bis Rickmers. Und erst ein Stück uferaufwärts, wo Napoleon im Angesicht des Sees entzückt „quelle belle vue“ gerufen haben soll, Schönemann grinst, „da leben wirklich die Reichen.“

Nur, dass man von denen nicht laut spricht; eine Frage des Understatements, aber auch des Persönlichkeitsrechts, meint der angehende Anwalt und verfremdet die Anwohner. Der da drüben heiße wie ein ostfriesischer Komiker. Daneben der trinke Kaffee Marke Eigenröstung. Etwas weiter „niest man ins eigene Papiertaschentuch“. Stadtführerhumor als wohlmeinende Infiltration um der Wahrheit willen, dass diese Stadt nicht nur die meisten Bäume, Brücken und eine Börse mit direktem Rathauszugang hat, sondern hinter all der Fassadenschönheit ein Inneres, das vielerorts ums Lebenswerte gebracht wird.

Die Sophienterrassen zum Beispiel, eine „Gated Community mit Concierge und Security für Hamburgs Geldadel“, trägt der Barmbeker genüsslich vor, dessen Lobby mit all ihrer Macht grad ein Flüchtlingsheim verhindert. „Dabei waren es Migranten, die Hamburg groß gemacht haben“, empört er sich, verweist auf St. Pauli und St. Georg, in die Hamburgs Patrizier seit jeher alles Unliebsame von Huren über Galgen abschieben, zitiert noch das Bonmot von Freiheit, die stets an der des anderen endet und siehe da – der Redner erntet Applaus.

Vielleicht wollen Touristen also gar nicht mit Jubelarien beschallt werden. Vielleicht interessiert selbst die Anspruchsloseren leichtes Baedeker-Wissen weniger als schweres vom Gängeviertel, „dessen kreatives Chaos verhindert, dass das Kapital auch dieses Stück City übernimmt“. Um Dominik Schönemann nicht misszuverstehen: Der Mann mit dem akkurat gekämmten Kurzhaarschnitt ist kein linker Ideologe. Er nennt sich „eher bodenständig“, die Berufswahl Jura „was Solides“ und dessen Vorfinanzierung im Doppeldeckerbus für 14 Euro pro Stunde plus Trinkgeld „Berufung“. Deshalb serviert er die Stadt statt filetiert am Stück.

Das ist nicht nur für Ortsfremde nahrhaft. Wer an Fahrern wie dem wortkargen Tarek zu Guides wie dem redseligen Dominik aufs Cabriodeck klettert, versteht seinen Lebensraum fortan ebenso besser wie nach einem Kiezmarsch mit Daniell. Für 18.50 Euro erhält man ja nicht nur nützliches Halbwissen wie jenes, dass die erste Asphaltstraße am Jungfernstieg gebaut wurde und schon 1852 eine „Kinderverwahranstalt“ am Holstenwall. In den Zwischenräumen zweistündiger Highlight-Betankung gewähren gute Guides auch Blicke über den Tellerrand einer Metropole, deren Bewohner die Alster allenfalls zum Dom oder Horner Kreisel queren, als seien ferne Viertel zollrechtlich Ausland wie einst die Speicherstadt.

Da wäre es wünschenswert, die Illusionsverkäufer des Lokalmarketings führen mal Bus mit einem wie Dominik, den es gewiss auch bei anderen Anbietern gibt, deren Zahl 2009 nach wildem Kampf um Marktanteile von zehn auf sieben gesenkt wurde. Sie würden lernen, wie weit sich ihr Handelsobjekt davon entfernt, eine besondere Stadt zu sein. Weil die Dominiks und Daniells ihre Seitenhiebe mit so spürbarer Zuneigung garnieren, erhielten sie einen realistischeren Blick auf Hamburg, der ein nachhaltigeres Lächeln aufs Gesicht zaubert als die Katalogsprache mit Ah- und Oh-Garantie.

Daniells Gruppe jedenfalls nimmt spürbar Anteil, als er vom Kampfgeist erzählt, den seine Nachbarn im Kampf gegen Investorenträume zuweilen an den Tag legen. Und als Dominik drei Gründe sucht, warum Hamburger zum Fischmarkt gehen, antwortet er selber „Besuch von auswärts, eine lange Nacht auf dem Kiez oder Hochwasser, um abgesoffene Touristenautos anzugucken“. Schwer zu sagen, ob das Lachen der Gäste herzlich oder verlegen ist, aber sein Nachsatz sorgt für Erlösung. „Schön ist der Fischmarkt trotzdem“. Recht hat er ja.


Go March, Fraktus, Begemann

 TT12 Go MarchGo March

Der Advent ist (nicht nur, aber besonders musikalisch) eine Zeit des eskapistischen Wohlklangs. Selbst wenn die Realität jenseits der Lichterpyramide im Fenster gemeinhin klingt wie Einstürzende Neubauten auf Speed, sind viele Wohnzimmer durchdrungen von Harmonie und Eintracht. Da muss man durch, das darf man sogar mögen, man kann sich aber auch ein wenig eleganter einigeln, subtiler, gediegener. Mit Go March. Das Trio aus Antwerpen ermöglicht dem Bedürfnis nach begrenzter Innerlichkeit eine Chance zur wohltemperierten Weltflucht, die dem gewöhnlich verabreichten Weihnachtslied kaum ferner sein könnte und gleichsam atmosphärisch so nah.

https://www.youtube.com/watch?v=KP9GLaNu0dI

Mit breitflächiger Gitarre, mathematischem Schlagzeug und schwelgerischen Synths knüpft das Debütalbum von Philipp Weies, Hans De Prins und Antoni Foscez einen Flokati aus Avantgarde, Emo-Rock und technoidem Ambientnoise, auf dem man die kalten Winternächte geflissentlich verträumen kann, dabei jedoch nicht völlig wegdöst. Dafür fordert jedes der acht instrumentalen Stücke viel zu viel Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Beiläufig konzentrierter, kann man sich der Illusion weihnachtlicher Eintracht demnach eigentlich kaum hingeben.

Go March – Go March (Unday Records)

TT12 FraktusFraktus

Man kann dem infantilen Ernst familienfestlicher Anlässe aber auch ein Breitseite Blödsinn vor den Bug knallen. Wie Rocko Schamoni, Heinz Strunk und Jacques Palminger, deren Fake-Band Fraktus 2012 mit so furioser Dilettanz an der Legende dreier Technopioniere bastelte, dass daraus längst eine zeitlos unterhaltsame urban legend wurde. Schon der Soundtrack von Lars Jessens Mockumentary war allerdings abgesehen vom textlichen Mumpitz viel seriöser als promoted. Wenn sich der Nachfolger Welcome to the Internet also noch weiter vom Filmkontext löst, kann selbst die debilste Pose nicht kaschieren, wie viel Seriosität dem Spaßprojekt innewohnt.

Schon der Titeltrack mag im hunnenenglischen Dada-Duktus daherkommen – die technoide Wave-Peitsche ist nicht nur dank eines virtuosen Querflöten-Breaks von Heinz Strunk schlichtweg zu elaboriert, um bloß plumper Quatsch zu sein. Und auch wenn sodann lispelnd von Flugzeugen aus Gelee und Cousins aus Suppe gefaselt wird, wenn Reime ausbleiben, wo sie hingehören, und prasseln, wo sie stören: Viele der elf mehr oder weniger wunderbaren Stücke glitzern verspielt zwischen Dorau, Daft Punk und – genau: Fraktus, der großartigsten Band, die gar keine ist.

Fraktus – Welcome to the Internet (Staatsakt)

00088904Bernd Begemann

Der großartigste Superstar, der gar keiner ist, ist Bernd Begemann. Bis in die brillantinierten Haarspitzen bourgeois und bohemistisch, aber selten elitär, singt der BoBo schlechtin seit nunmehr 30 Jahren unverdrossen an gegen das Ungerechte und Schlechte, das Spießbürgerliche, Kapitalistische, Böse und ist doch allenfalls ein kleines Licht am hiesigen Pophimmel. Wenn er seinen gefühlt 500 Songs nun also Eine kurze Liste mit Forderungen hinzufügt, dürfte davon abgesehen von einer überschaubaren Schar Unentwegter kaum jemand Notiz nehmen. Schade eigentlich.

Denn wie er auf seiner 22. Platte gleich 28 Mal zum gewohnt schmissigen Bigbandkammerrock von Reife und Würde im Urbanen berichtet, vom schwierigen Vatersein und Vergeben, von St. Pauli natürlich, dem hübsch versifften, potthässlich polierten Stadtteil Hamburgs, der den schönen Bernd aus Bad Salzufflen zum Meister des Rotlichtviertelswing reifen ließ, dann ist das wie immer ein besonderes Stück Unterhaltung. Sicher, zu Beginn denkt man sich als Kenner der Materie: alles schon gehört, keine neuen Facetten, nur die alten aufgemöblet, aber was soll’s – wenn der König bodenständiger Arroganz an die Tage erinnert, als wir beide gemütliche Beziehungsprobleme hatten / dieser Luxus muss jetzt warten, möchte man mitwarten, Stück für Stück. Bis in alle Ewigkeit.

Bernd Begemann & Die Befreiung (popup-records)


Interview-Classics: Armin Mueller-Stahl

800px-Armin_mueller-stahlDie Monster sind in der Mehrzahl

Am heutigen Donnerstag wird einer der größten Schauspieler deutscher Sprache 85 Jahre alt: Armin Mueller-Stahl (Foto: Matthias Schindler). Vom Defa-Film übers westdeutsche Autorenkino bis hin nach Hollywood hat sich kaum ein Kollege auch international vergleichbare Reputation erarbeitet wie der gebürtige Ostpreuße. Zum Geburtstag dokumentieren freitagsmedien ein Interview, dass er zu einem ARD-Porträt vor sieben Jahren gab.

Interview: Jan Freitag

Herr Mueller-Stahl, Sie sind Künstler auf vielen Ebenen. Welche ist Ihnen die liebste?

freitagsmedien: Die Schauspielerei immer weniger, die Malerei immer mehr und mit meinem Geigenspiel verblüffe ich eigentlich nur noch, weil ich eher mit ihr spreche, als auf ihr zu spielen.

Sie sagten unlängst, die Kunst sei tot. Ist sie das, weil in ihr alles erlaubt ist?

Ja, leider ist alles erlaubt und ich sage das deswegen mit dieser Einschränkung, weil dadurch mit ihr und durch sie auch viele Fehler entstehen. Verherrlichung von Kriegen, Verherrlichung von Monstern, Verherrlichung von Diktatoren; das empfinde ich als absolut verkehrt, denn Kunst hat wie die Kultur insgesamt ein brückenbauendes Element in sich. Zerstörerische Elemente gehören aus meiner Sicht in den Krieg, nicht in die Kunst. In diesem Rahmen ist in der Kunst alles erlaubt, Kunst lebt nicht von Verbotsschildern.

Ist Deutschland aus Ihrer Sicht immer noch das Land der Dichter und Denker?

Ich kann das nur bestätigen. Deutschland war schon immer das Land der Dichter und Denker, so wie auch Russland eines war und viele andere Länder auch. Das macht ja nicht an einer bestimmten Grenze Halt und an keiner Schublade. Natürlich können wir stolz sein auf eine Kultur zu einer bestimmten Zeit, wo Dichter, Denker, Kultur ein Land noch prägen konnten. Heute haben das die Medien übernommen und die sind aus meiner Sicht nicht gerade denkend, sondern im Gegenteil: Gedanken wegwerfend in den meisten Fällen. Das liegt an ihrer Schnelllebigkeit. Die Medien richten sich vor allem nach dem allgemeinen Geschmack derjenigen, die – wenn ich das so sagen darf – nicht so gebildet sind, um die Quoten jeder Art in die Höhe zu treiben.

Die Medien bilden also keinen Geschmack…

sondern verbilden ihn. Ich will damit sagen: auch ein Gehör kann sich ebenso bilden wie verbilden. Spiele ich jahrelang auf einer verstimmten Geige, verbilde sich mein Gehör und ich höre die Intonation nicht mehr richtig. Genau so verhält es sich mit dem Geschmack: Wenn ich dem Publikum zur Unterhaltung permanent Kitsch serviere, verbildet sich auch sein Geschmack. Der Reich-Ranicki hat es genau richtig formuliert: Die Medien unserer Tage machen den Klugen klüger und den Dummen dümmer.

Welche Rolle spielt das Fernsehen in diesem Zusammenhang.

Die entscheidende Rolle. Wenn es nur ernste schöne Dinge gäbe, wobei ernst durchaus komödiantisch sein kann, wenn es also nur niveauvolle Sachen gäbe, würden sich die Leute schon was ausdenken.

Jetzt feiert Sie das Fernsehen als einen der bedeutendsten Künstler. Teilen Sie diese Sicht oder sind Sie einfach nur einer der bekanntesten in Deutschland?

Also das mit den bekanntesten stimmt schon mal nicht. Und was die Bedeutung betrifft: Diese Frage ist ja kein Hundertmeterlauf mit einer Zielankunft und messbaren Sekundenabständen. Man wird, was mich betrifft, sicherlich honorieren müssen – und das ist ja schon mal was –, dass ich in meinem Alter noch immer am Laufen bin, immer noch beschäftigt und im Gegenteil, derzeit mehr Angebote habe, als ich eigentlich möchte, denn im Grunde will ich gar nicht mehr so viel drehen wie zuvor. Aber dem das Prädikat „bedeutend“ zu verleihen obliegt sicherlich nicht mir. Und wem obliegt es überhaupt? Wer macht das? Das ist doch alles zutiefst nebulös. Aber man hält mich da offenbar für würdig und ich sehe, dass ich in Amerika einen ganz guten Ruf als Profi habe. Einen besseren vielleicht, als ich es verdiene. Aber den habe ich mir erarbeitet, indem ich den Beruf stets so ernst genommen habe, wie es irgend geht. Ich habe nie versucht, leicht zu Geld zu kommen und immer aufgepasst, was ich tue.

Fühlt man sich denn tatsächlich gewürdigt durch so eine Hommage oder auch ein wenig ausgeschlachtet?

Das müssten Sie die Macher fragen. Aber ich habe von Anfang an gesagt, dass ich dieses Porträt gar nicht will, weil es bereits ein sehr gutes über mich gibt: von Gero von Böhm – nehmen Sie das! Aber die ARD wollte es anders machen, es soll in den Mittelpunkt einer Reihe gerückt werden, um meinem Bereich ein Gesicht zu verleihen. Nun gut, dann habe ich es gemacht, weil mir sehr herzliche Briefe geschrieben wurden, um mich zu überzeugen. Ich habe es dann zur Bedingung gemacht, mich relativ unbehelligt zu lassen. Sie haben mich dann bis auf die Interviews weitestgehend in Ruhe gelassen und ansonsten viel Schnittmaterial und O-Töne anderer verwendet. Aber ob das nur eine Würdigung ist – um halb zwölf in der Nacht, wenn der Film gezeigt wird? Weiß ich nicht… Das steht in den Sternen. Aber ich bin ja in einem Alter, das man als Endspurt bezeichnen könnte. Was meinen Sie denn, was, wenn der Sargdeckel zuklappt, noch zählt: Nothing!

Das klingt jetzt, als sei Ihnen die Sendezeit doch egal.

Nein, ich finde sie nicht schön. Wenn man das schon mit sich machen lässt, sollte es auch einen besseren Platz haben. Ich habe den späten Sendeplatz gerade erst erfahren. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich vielleicht gar nicht… obwohl, wer weiß. Wollen wir sehen, ob ich auch um diese Zeit ein paar Menschen glücklich damit mache. Es sieht doch gut aus, was die gemacht haben.

Das Publikum und die Kritiker eines Landes neigen ja dazu, seine internationale Prominenz für eine nationale Sache zu vereinnahmen. Und sei es nur auf künstlerischer Ebene. Lassen Sie das mit sich machen?

Was heißt denn „nur“ auf künstlerischer Ebene? Dieses nur ist doch eine falsche Einschränkung, denn worauf sind wir denn letzten Endes stolz in Deutschland. Doch nicht auf Hitler, auch wenn er immer wieder vorkommt, weil es Quote bringt. Bismarck kommt da schon seltener vor, weil er keine so großen Gehässigkeiten abgeliefert hat, war aber sicherlich einer der größten deutschen Staatsmänner. Wir sind aber stolz auf Goethe und Schiller und die Kultur der Dichter und Denker, die Sie vorhin erwähnt haben. Wir sind stolz auf Beethoven, auf Mozart, sogar auf Arnold Schönberg. Das Zeitalter der Medien ist allerdings nicht mehr stolz auf Kultur, sondern nur darauf, die Tagespolitik mit guten Quoten zu befriedigen. Das ist allerdings sehr kurzlebig. Und wir haben es nicht geschafft, mit Langzeitgedanken, mit interessanteren Dingen zu fesseln.

Interessant nach Ihren oder allgemeinen Kriterien?

Das muss nicht nach meinen Geschmack gehen. Mit 18 konsumiert man Medien anders als mit 25, 30, 50 oder 80. Alle Geschmäcker wollen befriedigt sein, aber doch bitte nicht auf eine so dumme Weise wie es derzeit geschieht. Wie auch in der modernen Kunst übrigens. Wo ein Künstler blutige Tampons zusammenfügt und teuer verkauft, liegt etwas schief. Es gibt halt überall Oligarchen mit viel Geld für, aber wenig Ahnung von Kunst. Die kaufen alles und verkünden ihren guten Geschmack. Das ist Quatsch, das sind kurzfristige Verkaufsmechanismen. So gesehen ist die Kunst doch tot.

Wo hört denn ihr Verständnis im Fernsehen auf: bei Castingshows, bei Eventfernsehen, beim Boulevard?

Im Fernsehen sind die Monster noch immer in der Mehrzahl und nicht die Humanisten, die Krieger, nicht die Brückenbauer. Aber wissen Sie, ich bin da kein guter Gradmesser, weil ich recht wenig fernsehe. Ich schaue mir in der Regel die Kulturzeit bei 3sat an, die Nachrichten und dann mach ich aus. Gelegentlich sehe ich mir ein Konzert oder Tierdokumentationen an. Und in den USA sehe ich gern Charlie Rose an, einen wunderbaren Moderator und Talk-Host, klug, alle Gäste sehen gut aus bei ihm und da sieht man eine riesige Spannbreite. Von Politik bis in die Kunst wird dort alles bedient auf eine sehr widersprüchliche Weise, die immer auch der Gegenposition Raum bietet. Das empfinde ich als hochinteressant. Fernsehen ist derzeit nicht gerade das, was mich am Leben erhält. Das ist vielleicht auch altersbedingt, ich lese lieber ein Buch oder höre gute Musik. Und auch das ist breit gefächert: ich mag einen guten Jazz ebenso wie den Grönemeyer.

Ein Künstler in der ARD-Reihe ist Jonathan Meese. Was halten Sie von dem?

Den kenne ich zu wenig, aber er ist momentan ungeheuer in und der Baselitz hat Recht: er ordnet sich nicht in die große Gruppe derjenigen ein, die das machen, was sie gelernt haben, sondern er tut gerade das, was er nicht gelernt hat. Das ist zunächst mal ein guter Approach. Und wenn er damit Erfolg hat, heißt das nicht, dass es sich ewig verkauft, aber dass er hoffentlich einen Weg gefunden hat, mit dem er zufrieden ist.

Wenn man wie Sie auch international bekannt, insbesondere in den USA, macht das wählerischer in Bezug auf die Rollenauswahl in Deutschland?

In gewisser Weise war ich immer wählerisch, sonst hätte ich ja die Schwarzwaldklinik gespielt, für die ich auch im Gespräch war, oder den Alten. Oder Dieter Wedels Bellheim, den später der Mario Adorf mit großem Erfolg verkörpert hat. Ich habe mich aber für The Power of Run in Amerika entschieden. Wählerisch war ich immer. Das heißt aber nicht, immer richtig gelegen zu haben. Die Nase geht eben nicht immer konform mit der Zukunft. Nach Avalon hätte ich mir 1990 aussuchen können, was ich wollte. Es lag alles auf dem Tisch, aber das meiste war Scheiße. Ich habe mich viel geirrt im Leben, aber auch zehn, elf, zwölf Mal nicht.

Zum Beispiel?

Es waren meisten Doppelpacks: Avalon und Musicbox, Oberst Redl und Bittere Ernte, Faust und Mephisto. In einem Jahr den Chef einer jüdischen Familie und einen War-Criminal – das klafft ganz schön auseinander.

Gab’s mal eine Rolle, die Sie richtig bereut haben.

Ja, gewiss, aber das führte jetzt zu weit.

Der Serienkommissar stünde eigentlich noch an – als Altenteil quasi für altgediente Schauspieler.

Ganz sicher nicht, es hat sich auskommissart. Ich sollte mal den Alten spielen, das habe ich damals nicht getan.

Haben Sie darüber nachgedacht?

Ja, das habe ich. Damals bestand durchaus noch ein Wunsch nach Sicherheit und man hatte mir für deutsche Verhältnisse eine hohe Gage angeboten zu einer Zeit, als es nicht gänzlich gesichert war, immer meine Brötchen auf den Tisch zu kriegen. Trotzdem habe ich abgesagt; jetzt immer noch zu fragen: „Was haben Sie gestern um halb sieben gemacht“ – das wäre mir doch zu wenig. Aber Götz George ist ja auch darüber hinweg gekommen. Ich halte ihn wirklich für einen großartigen Schauspieler und meine, er würde es verdienen, deutlicher über den Schimanski hinaus wahrgenommen zu werden, für seine Charakterrollen, die er ja gespielt hat. Ich wünsche ihm wirklich alles Gute und bin sehr glücklich, dass wir Schauspieler wie ihn haben.


Helene Fischer: Cash-Cow & Weihnachtsfrau

FischerDie Biegsame

Als Helene Fischer kürzlich zur allerbesten Sendezeit zwei Stunden lang kostenlos ihr Weihnachtsalbum in der ARD bewerben durfte, zeigte sich die Schlagerpopqueen erneut als Opfer und Täter einer gnadenlosen Branche, der im Adventsprogramm unmöglich zu entgehen ist. Nächster Streich: Die Helene-Fischer-Show (Foto: ZDF/Ludewig) am 1. Weihnachtsfeiertag, noch so eine Dauerwerbesendung in der werbefreien Zeit des ZDF.

Von Jan Freitag

Es ist womöglich nur Gerede, Gemunkel, Geschwätz, aber es hält sich doch zäh wie so vieles, das durch die Gerüchteküche wabert: Kommende Woche, an einem Dienstagabend zwischen Mitternacht und drei Uhr früh soll es angeblich im deutschen Vorweihnachtsprogramm ein kleines Zeitfenster von mehreren Minuten geben, in dem Helene Fischer weder singt noch tanzt, moderiert oder sonstwie am Bildschirm zu sehen ist. Gewiss, das scheint bei genauerer Betrachtung mehr Tratsch als Tatsachenbericht zu sein. Aber falls ihnen der Frieden im Land wirklich am Herzen liegt, wären die Spitzen aus Politik, Kultur und Wirtschaft gut beraten, ihm nachzugehen.

Sonst droht der offene Aufruhr.

Helene Fischer nämlich, das zeigen bereits oberflächliche Recherchen im Medienland, ist derzeit ähnlich präsent wie Angela Merkel zu Krisenzeiten oder Joko & Klaas bei Pro7, also eigentlich ständig. Was immer Anfangsdreißigerin anfasst, macht ihr biegsames Organ aus einem biegsamen Resonanzkörper zu Gold, Platin, Kryptonit. Wenn Fräulein Fischers Management ein neues Album errechnet, wird es schon Monate im Voraus als Top-News aller Suchmaschinen vermeldet. Wenn es eins mit Weihnachten drauf ist, engagiert es dafür das Royal Philharmonic Orchestra im Londoner Abbey Road Studio. Wenn Florian Silbereisen sodann zum Adventsfest der 100.000 Lichter ins Erste lädt, räumt er seiner Liebsten dafür reichlich öffentlich-rechtliche Werbezeit nach acht frei.

Weil das der Reklame noch immer nicht genug war, schenkte die ARD ihrem Zugpferd vor zwei Wochen gleich noch zwei weitere Stunden zur besten Sendezeit. Als das konkurrierende ZDF kurz darauf mal wieder samstags im Schulterschluss mit der Springer-Presse sein Herz für Kinder zeigte, half Helene Fischer selbstredend am Telefon mit, das Ansehen ihres Aufmerksamkeitsmultiplikators Bild aufzupolieren. Sie zeigt sich bei Jauch, auf dem Traumschiff, in der Sesamstraße, und falls Fischers PR-Stab sein Premium-Produkt gern abseits ihres süffigen Kerngebiets prominent platzieren will, dann in Til Schweigers Bombast-Tatort am Neujahrstag, kurz nachdem sie abermals zur Helene Fischer Show ins Zweite geladen haben wird – ein Starauflauf sondergleichen, produziert von der Kimmig Entertainment GmbH, der auch die Verleihung jener Branchenpreise von Bambi bis Echo unterliegt, mit denen Helene Fischer seit zehn Jahren überhäuft wird.

Nach dem dauernden Alltagsbeschuss der Schlagerpopqueen, wird ihr Sperrfeuer gen Fest also langsam ein Fall für die Genfer Konventionen. Man kommt an der Frau nicht vorbei. Niemals. Nirgendwo. Es ist ein Rätsel. Und auch wieder keins. Denn als Flüchtlingskind der kriegskalten Achtzigerjahre müsste Jelena Petrowna Fischer aus dem sibirischen Krasnojarsk den rassistischen Lügenpressekrakeelern von Pegida bis AfD eigentlich ein Dorn im germanisch blauen Auge sein – wäre die schöne Helene nicht so deutschrussisch blond und wohlgeformt, zudem ein Musterbeispiel gelungener Assimilation an die hiesige Leitkultur, die so selig von den Schönheiten der eigenen Art singen vermag und dabei alle Sorgen zuhause lässt.

Denn von denen will Helene Fischer nichts hören. Interviews mit ihr sind Lehrstunden in Arglosigkeit, bei denen hinterher alles als ungesagt gilt, was das glattgebügelte Image auch nur oberflächlich anrauen könnte. Ein kleiner Satz zur eigenen Überpräsenz? Gestrichen! Ein offenes Wort zur Last der Berühmtheit? Raus! Selbst ihre Aussage, sie halte sich aus Debatten wie der um die völkischen Brachialrocker Freiwild raus: Nicht freigegeben. „Professionell zu liefern, was erwartet wird, zählt zu meinem Beruf dazu“ – so viel immerhin durfte sie am Ende des Gesprächs zu ihrer Moderation des letztjährigen Echos gesagt haben über eine Industrie, in der Helene Fischer Objekt und Subjekt zugleich ist, Täterin und Opfer, stinkreich und bettelarm in einem. „Ich muss mich auf der Bühne für nichts verbiegen“, sagte die gelenkige Multifunktionschiffre für nahezu jedes Publikumsinteresse vom feuchten Teenagertraum bis zum Fernsehsessel im Seniorenstift noch. Sie glaubt das vermutlich selber.


Das Dienstagsgeheimnis

fragezeichen_1_Durschnittsheldenextremgefährt

Ganz gleich, ob in Deutschland oder der großen, weiten Welt – fiktionale Film und Fernsehfiguren werden chronisch durch ungewöhnliche Oldtimer oder anderweitig verrückte Autos aufgehellt. Angesichts der breiten Masse stinknormaler Gebrauchsfahrzeuge ist das mindestens: Merkwürdig

Früher, als die Bilder noch schwarzweiß liefen, waren Pferdestärken nach Schicht verteilt: der Pöbel fuhr Käfer, der Bonze Benz und auch andernorts variierten die Vehikel strikt zwischen dick für oben und dünn für unten. Dann aber, in den materialistischen Eighties, raste ein Bulle namens Crockett im eigenen Ferrari durch Miami und die Regeln klassenspezifischer Motorisierung schienen außer Kraft gesetzt. Mit dem Ergebnis, dass Pkw nun kein authentizitätsstiftendes Requisit mehr sind, sondern Distinktionsmerkmal schlechthin. Mit den absurdesten Folgen.

Denn wer sich durchs Regelprogramm herkömmlicher Kanäle zappt, stößt unentwegt auf Figuren von göttlichen Medizinern bis fidelen Nonnen, von spät verliebten Sekretärinnen bis früh vergreisten Witwern, die ihre Bürgerlichkeit mit total krassen Kisten aufmöbeln. Da parken gewienerte Oldtimer mit Quietschlackierung vor der Reihenhaussiedlung, als drehe die Degeto nur in Beverly Hills, wo es doch meist Suhl ist oder Südschweden. Seltsam. Aber nachvollziehbar.

Denn während Charaktere und Storys handelsüblicher Schmonzetten den Glanz einer Schrankwand in rustikaler Eiche versprühen, konterkarieren Requisiteure die dramaturgische Tristesse besonders in den Auto-Nationen BRD und USA gern mit exaltierten Kraftwagen. Nur Sonnys Testarossa in Miami Vice – der wäre deutschen Produzenten dann doch zu drüber; da fährt Christine Neubauer doch bloß Mini in Pink mit Rennstreifen. Crazy Biedermeier.


ARD-Vasallen & Tatortreiniger

0-GebrauchtwocheDie Gebrauchtwoche

7. – 13. Dezember

Neigt sich das Jahr dem Ende zu, beginnt die Zeit der Ausblicke aufs nächste. Weil die Welt auch weiter um Krisen kreist, dürften sie zwar wenig Erbauliches erbringen. Doch eine Aussicht stimmt hoffnungsfroh: Klara Blum verlässt den badischen Tatort und damit die ödeste Ermittlerin in knapp 1000 Fällen. So gesehen darf man die Notbremse der ARD als humanitären Akt bezeichnen, gepaart wird mit einem Neuanfang: Ersetzt werden Eva Mattes und der heillos unterforderte Sebastian Bezzel durch Hans-Jochen Wagner (der dafür sein ZDF-Engagement an der Seite von Kommissarin Heller beenden muss) und Eva Löbau (was nicht nur dank Harald Schmidt als Kriminaloberrat etwas Lakonie ins badische Jammertal bringen könnte). Lustig, gar ulkig will das Trio aber nicht werden, wenn es wie Dienstag verkündet die Schnarchnasen vom Bodensee ablöst.

Weder lustig noch ulkig war Sonntag zuvor die Live-Sendung der Lindenstraße, besonders für Erfinder Hans W. Geissendörfer, der sich angesichts des mageren Bruchteils jener Zuschauer, die das Geburtstagskind 30 Jahre zuvor eingeschaltet hatten, erneut fragen muss, ob sein Dauerbrenner noch weiter beheizt werden sollte. Schluss mit lustig dachte sich im Übrigen fast zeitgleich ein gewisser Hape Kerkeling, als er 1984 erstmals in Bremen ein Fernsehstudio betrat und schon damals, wie der zurückgetretene Entertainer dem Spiegel anvertraut hat, ans Aufhören dachte.

Tiefgründig bis brüllend komisch hingegen ist das, was eine der großen Unbekannten des hiesigen Humors aufschreibt. Nach vier Staffeln Tatortreiniger hat Mizzi Meyer ihr geheimnisumwittertes Pseudonym gelüftet. Sie heißt im wahren Leben Ingrid Lausund und war mal als Hausautorin und Regisseurin des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg tätig, womit bewiesen wäre: E und U schließen sich auch an der Autorenquelle keineswegs aus.

0-FrischwocheDie Frischwoche

14. – 20. Dezember

Wie wenig, zeigt sich im NDR, wo Donnerstag um 22 Uhr die erste dreier Doppelfolgen mit Bjarne Mädel als hemdsärmelig liebenswerte Putzkraft „Schotty“ läuft, der gewissermaßen den klebrigen Rest vom Krimibrei besserer Sendeplätze beseitigt. Sendeplätze, die abermals von Massengeschmacksunterhaltern wie Markus Lanz besetzt sind, der zwei Stunden zuvor auf ganz großer ZDF-Bühne emotional übersteuern darf, wenn er die Menschen 2015 in den Schmalztiegel seiner klebrigen Anteilnahme tunkt.

Wer dort – parallel zum furiosen Staffelfinale des heillos unterfrequentierten Serienereignisses von Deutschland 83 bei RTL – zwingend landen sollte (und wohl auch wird), ist Stefan Raab. Der beendet tags zuvor nach 2243 Folgen TV total und bittet Samstag letztmalig, ihn zu schlagen. Was das Feuilleton über Jahre schriftlich in Abertausenden von Verrissen getan hat, um ihm nun eifrig nachzutrauern: dem kreativsten Kopf des kommerziellen Entertainments, ein „altruistischer Egoist“, wie ihn die Süddeutsche Zeitung lobpreist.

Nach ihm herrscht wieder jene Leere, die das stete Quizzen hochdifferenter Alterskohorten, Nationalitäten, Intelligenzquotienten bei Kernerhirschhausenpilawa immer nur vergrößert. Es sei denn, dafür sorgt der raffgierige König Fußball, dessen DFB-Pokal ab Dienstag mithilfe ergebener ARD-Vasallen die Konten von Bayern bis Dortmund füllt. Da schaltet man also besser zu Arte, um sich Mittwoch (20.15 Uhr) am Remake des Weihnachtsmehrteilers „Die schwarzen Brüder“, nun ja: zu erfreuen. Das realitätsgetreue Sozialdrama um Tessiner Familien, die ihre Söhne im 19. Jahrhundert aus materieller Not als Kaminkehrer nach Mailand verkaufen mussten, ist ja nicht nur toll kostümiert und zurückhaltend inszeniert; es glänzt auch durch Moritz Bleibtreu als hinreißend skrupellosen Geschäftsmann.

Sehenswert ist an gleicher Stelle auch die Dokumentation Ein gefährliches Buch, in der tags zuvor (20.15 Uhr) das Ende des Urheberrechts an Mein Kampf analysiert wird und wie dessen Inhaber Bayern eine kritische Neuauflage im Frühjahr verhindern will. Typischer Fall von Schattenboxen: das wirre Pamphlet dient heutzutage selbst unter geistig limitierten Stiefelnazis allenfalls als ungelesener Fetisch, auch wenn es vor 90 Jahren das gefördert hatte, was die schwarzweiße Wiederholung der Woche heute erlebbar macht: Nackt unter Wölfen (Montag, 20.15 Uhr, Arte), ein Defa-Film von 1963 mit Armin Müller-Stahl als Buchenwald-Insasse, der versucht, mit einem kleinen Kind die Seelen aller NS-Opfer zu retten. Der farbige Tipp spielt parallel auf EinsFestival in der Zukunft: Moon, Duncan Jones‘ düstere SciFi-Parabel (2009) um die kosmische Energiegewinnung von morgen. Und am Dienstag wagt die Doku der Woche namens Bad Brain (Dienstag, 23.35 Uhr, Arte) ein Gedankenexperiment über einen Computer, der alles mit allem zu einem gigantischen Großhirn verbindet. Beängstigend und faszinierend.


Udo Lindenberg: Panikrocker & Fotomotiv

UdoIch bin ein Trademark

Udo Lindenberg (Foto: Tina Acke) schleicht mit brennender Davidoff durchs rauchfreie Hotel Atlantic, seinem Erstwohnsitz, in Richtung Raucherlounge, seinem Zweitwohnsitz. Hier ein Schnack mit dem Portier, da ein Winken zur Rezeption. Man kennt sich, man mag sich, man sieht sich nicht nur dauernd im Fünfsternehaus, sondern auch in einem opulenten Bildband oder diesen Sonntag am Bildschirm,  wenn N24 dem gealterten Panikrocker um 15.20 Uhr eine kleine feine Reportage über seine besondere Beziehung zu Berlin widmet.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Lindenberg…

Udo Lindenberg: Udo, bitte!

Gern, Udo, du bist im Bildband Stark wie zwei gleich zu Beginn ohne Brille zu sehen. War das ein Unfall?

Nein, nein. Das Ding hat ja Tine gemacht und es ist ihr Lieblingsfoto von mir. Very personal. Eigentlich sollte das ja nur ein kleines Geburtstagsheftchen werden für mich. Und da meinte ich zu ihr, Tine, das sind so geile Fotos, die dürfen wir einer großen Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Das ist wie ein Flugschreiber, die Blackbox der letzten vier Jahre meines Lebens, immer zwischen Notärzten und großer Bühne.

Aber noch kein Abgesang oder?

Nein, nein. Nur eine fotografische Zwischenbilanz. Ich habe noch sehr, sehr viel vor. Nächstes Jahr erstmal MTV-unplugged, da checke ich gerade Lou Reed und es sieht ganz gut aus. Ich am Schlagzeug, Contra-Base, dazu Andreas Herwig, die alten Jammer und ich und natürlich Jan Delay.

Ist das eine richtige Freundschaft geworden?

Absolut. Wir sind ein echtes Team geworden, sind viel zusammen, tauschen uns aus, hören Demos, quaken uns voll, checken unsere Sounds. Der verändert sich ständig, das imponiert mir, hier HipHop, da Disko, dann Soul, wer weiß, was noch kommt. Man muss sich immer neu erfinden, so wie David Bowie oder ich, Atlantic Affairs, New York, next year. Und dann mein Musical in Berlin, auch was ganz Neues, die Story von mir und Thomas Brussig, Ulrich Waller – eine echte Fusion von Theater und Rockshow.

Gibt’s bald eine neue Platte?

Ganz sicher den Soundtrack des Musicals, aber für eine komplett neue Platte brauch ich erstmal Zeit zum Spielen, zum Scheißbauen, zum Unterwegssein, zum Aufnkopfstellen, für Abenteuer, neue Eingebungen, weltweit. Es ist ja nicht so schwierig, Musik zusammenzustellen; das Themenfinden ist es.

Zum Beispiel – politischer zu werden.

Das wäre mein Plan.

Ist das eine Frage des Alters?

Ich war ja früher auch schon politisch. Straßenlieder, DDR, Wozu sind Kriege da, Waffenhandel, Atomkrieg aus Versehen, all so was. Nicht so sehr Tagespolitik, nicht Barschel in der Badewanne. Doch jetzt freu ich mich erstmal über den Bildband.

Udo drückt eine halbe Zitrone in seinen Tee. In manchen Momenten wirkt er erstaunlich klar, manchmal driften seine Gedanken in unverständliches Genuschel ab und nie ist wirklich klar – hat man hier einen Menschen oder das Image vor sich, das er selbst gern in die Welt streut.

Darin sind fast 400 Bilder von dir zu sehen. Welchen Udo Lindenberg zeigen die. Den ganzen?

Erstmal den rund um Stark für zwei, die very Anfänge, die Demos, die Begegnungen, das Überlegen, die vielen Zettel, Fragmente, Ideen, die Talks mit allen Teilnehmern. Die ersten Videos.

Es ist also nur ein Ausschnitt deines Lebens, kein Querschnitt.

Genau. Only four years. Es ist vor allem ein Feierbuch, weil because: there was a big party. Natürlich auch mit Schwierigkeiten. Egal. Big family.

Du bist auf jedem Bild mit Hut und Brille zu sehen.

Wie sonst?

Bist du das tatsächlich selbst oder ist das vor allem ein Image, das die Öffentlichkeit von dir hat?

Das bin schon ich. Ich gehe zwar nicht mit dem Hut ins Bett, gehe aber mit ihm schwimmen. Ich hab halt eine tolle Frisur, nur dass der Scheitel immer höher rutscht… Der Hut steht mir gut seit meinen Detektivaufnahmen aus dem Film Panische Zeiten, das war 1980. Warum soll ich da jetzt noch was dran ändern.

Und die Brille?

Nicht ganz so lang, aber mit der sehe ich auch besser, vor allem in die Ferne. Außerdem ist es ein Schutzvisier, mein Schutzschild, weil ich den ganzen Tag observiert werde.

Aber das hast du dir doch selber ausgesucht.

Hat mich aber trotzdem lange gestört. Jetzt allerdings nicht mehr so. Aber stimmt schon, ich wollte immer das die Leute über den kleinen Jungen aus Gronau sagen, das geht der berühmte Udo L. Verstehst du? Der Macher aus der Provinz, der sein Ding regelt. Ich bin ein Trademark und das pflege ich eben.

Man weiß gar nicht, wie du ohne aussiehst.

Zum ersten Mal in 20 Minuten blickt Udo Lindenberg unter seiner tiefsitzenden Hutkrempe hervor und dann passiert’s: er lüftet sogar kurz seine Brille. „Wenn Augen töten könnten“ sagt er und lacht. Sind eigentlich ganz warme Augen und seit Ewigkeiten vor Lichteinfluss geschützt auch erstaunlich junge. Fast wie die seiner Freundin Tine Acke, die jetzt die Raucherlounge betritt.

Oh, da ist Tine. Danke für das Buch.

Wenn du auf vier Bühnenjahrzehnte zurückblickst – gibt es da irgendwas, das konstant war an Udo Lindenberg, das ihn die ganze Zeit hindurch kennzeichnet?

Die eigene Sprache, die ich erst erfinden musste. Sprachlich konnte ich mich da an nichts orientieren, musikalisch ging das leichter, mit Bowie, den Stones, von den großen Akustikmeistern. Meine Shows sind auch gleich geblieben, Felliniesk, würde ich mal sagen, mit vielen Darstellern, viel Wirkung. Dazu meine Scheißegalhaltung, ob so was im Radio gespielt wird. Obwohl ich immer ein bisschen auf die Charts geschielt habe; ich wollte, das jeder was davon mitkriegt. Ich bin Breitensportler, kein Nischenkünstler. Vor mir gab es im deutschen Rockbereich Rio Reiser, Macht kaputt was euch kaputt macht, sehr wichtig für mich, für alle. Das hat mich sehr inspiriert. Dazu Ihre Kinder aus Nürnberg.

Beide ungeheuer politisch.

Ernst vor allem. Dem wollte ich eine Partyband gegenüberstellen, Streiche spielen, alles auf den Kopf stellen mit Udo ohne Hut, ein good looking man, das kam an.

Bis in die Neunzigerjahre, da gab es einen Bruch.

Da hatte ich eine Krise. Eine künstlerische, eine Sinnkrise. Ich wusste nicht, wie man den Schritt vom Jugendidol zu einem würdevollen Rockchansonnier hinkriegt, der mit 60 noch große einsame Songs singt. Das haben nur wenige geschafft, Paul McCartney, Bob Dylan, David Bowie, solche Kaliber. Und die großen Franzosen: Yves Montand, Charles Aznavour.

Die klangen ja schon als sie jung waren recht alt.

(lacht) Das stimmt. Ich hab das zuerst nicht geschafft, da hat mir die Malerei sehr geholfen. Und Tine, wir kennen uns ja schon seit über 15 Jahren. Ich dachte Anfang der Neunziger, jetzt ist alles vorbei, mein Lebenswerk ist over.

Klingt nach Ruhestand.

Wusste ich nicht. Ich hatte jedenfalls große Zweifel. Dazu Notarzt, Kliniken, zu viel Alkohol, der ganze Scheiß. Dann hab ich plötzlich neue Aufgaben gesehen, Atlantic Affairs, neue Richtungen, und ich wusste, das schaffst du nur, wenn du fit bist und frisch. Also: viel Sport, kein Saufen, lieber andere Drogen, sonst kriegst du die Kurve nicht.

Tine Acke: Zwischendurch war aber auch noch Aufmarsch der Giganten, das vergisst du immer.

Udo Lindenberg: 30 Jahre Panik-Orchester, stimmt, Jubilee. Mit Nina Hagen, Eric Burdon on stage. Großartig.

Das Ende der Kurve war aber Stark wie zwei von 2008, dein ersten Nr.-1-Album.

Ganz genau.

Hat dich der Erfolg selber überrascht?

Schon, aber so viel Arbeit und Nerven wie darin stecken, auch irgendwie nachvollziehbar. Und alles dokumentiert in diesem Buch. Ich sehe das auch als eine Hommage an die Freundschaft zu all den Leuten, die mir dabei geholfen haben.

Was finden so junge Leute wie Jan Delay oder deine Freundin Tine, die rein theoretisch deine Enkel sein könnten, eigentlich an jemandem wie dir?

Wieder: die Sprache. Jan hat mir erzählt, als er ein kleines Kind war, lief ich im Autoradio seiner Eltern und er war wie elektrisiert von ihr. Daran hat er sich später erinnert und gemerkt, geil, man kann gute Sachen auch auf Deutsch singen. Das war in den Achtzigern nicht selbstverständlich, kein Rilke, kein Hesse, kein NDW, sondern Umgangssprache, die sich nach einer langen Phase der deutschen Sprachlosigkeit nach all dem Nazischeiß und dem Schlagerdreck und zwei kleinen Italienern erst neu bilde musste in der Musik. Ich habe das meiste auf Bierdeckeln in Kneipen nach dem einen oder anderen Doppelkorn verfasst. Da war ich glaube ich ausersehen. Mittlerweile singen ja alle deutsch wie der Alte.

Im Buch steht was von „Der Greis ist heiß“.

Das bin ich, aber als Persiflage auf andere, die in meinem Alter im grauen Sterbeflanell durch die Gegend laufen und Kinder Angst vor dem Alter machen. Ich dagegen bin der Meinung, das Alter steht für Radikalität und Meisterschaft; je älter man wird, desto weniger hat man zu verlieren, zu buckeln. Die Zeit ist knapp, da muss man weniger Rücksicht auf Hierarchien und Karriere nehmen.

Fühlst du dich denn alt?

Manchmal, wenn ich meine Glieder strecke, gerade nach Tourneen. Aber innerlich fühle ich mich zeitlos.

Aber 100 wirst du nach deinem Lebenswandel nicht?

Ganz sicher sogar. Ich sage immer, wenn grad keine Freunde zuhören (flüstert): zehn, vielleicht noch 15 Jahre.

Aber trinken tust du nicht mehr.

Selten. Früher dauernd, heute gezielt.

Früher, sagt er noch,  hätte hier eine Flasche Whisky gestanden. Jetzt schwappt eben reichlich Alkoholfreies über den Tisch, wenn er davon trinkt. Udo Lindenberg wirkt fahrig, für einen Berufsjugendlichen, aber fit für einen Mann Mitte Sechzig. Er zieht an seiner Zigarre, die längst erloschen ist. Willst du noch ’ne Platte mit Autogramm? Man wird nicht lesen können, was er da auf die CD geschrieben hat, aber es stammt immerhin von ihm.

Wirst du irgendwann noch mal sesshaft, mit eigener Wohnung, vielleicht sogar Häuschen im Grünen?

Niemals. Ich bleibe in Hotels, ich liebe die Anonymität, die Unverbindlichkeit. Zurzeit fahre ich unheimlich gern Schiff. MS Deutschland, Queen Mary.

Und die Brille bleibt.

Unbedingt. Ich bleibe Abenteurer, Explorer, aber nur mit Schutzschild. Vielleicht wechsel ich irgendwann mal meine Frisur. Wer weiß.

Das Interview entstand vor vier Jahren zur Veröffentlichung von Udol Lindenbergs Fotoband

The Man in the High Castle: Siegreiche Nazis

AmazonEr war gar nicht weg

In der Amazon-Serie The Man in the High Castle haben die Nazis doch gesiegt und halb Amerika besetzt. Nach der englischen Originalversion ist der erfolgreichste Serienstart des Online-Händlers parallel zur Hacker-Serie Mr. Robot nun auch auf Deutsch abrufbar. Was zeigt, dass sich die klassischen Sender auch hierzulande im Kampf mit Online-Anbietern zügig warm anziehen sollten.

Von Jan Freitag

Guter Geschmack zählt abgesehen von ein paar Tausend weit unappetitlicherer Eigenschaften nicht grad zum Kernbestand nationalsozialistischer Leitkultur. Fliegerfilme, Kolossalarchitektur, Jungmädelzöpfe oder Hirschgeweihkunst – alles nichts für Feingeister mit Niveau. Bis auf die Einrichtung repräsentabler Räumlichkeiten, sagen wir: einer deutschen Botschaft am Westrand der USA. Die nämlich besticht durch ein exquisites Interieur zwischen Art Déco und Bauhaus: Gedeckte Farben, dezentes Mobiliar, ausladende Fenster, bisschen hakenkreuzlastig vielleicht, stilistisch aber durchaus ansprechend – zumindest in The Man in the High Castle.

Ab heute ist die zehnteilige Dystopie, in der Hitlers Tätervolk den Zweiten Weltkrieg zusammen mit Japan doch gewonnen hat, bei Amazon Prime abrufbar. Es ist ein verstörendes, oft bizarres, vielfach ideensprühendes Gedankenexperiment, das den Westteil Nordamerikas nationalsozialistisch besetzt hält und den östlichen kaiserlich, geteilt durch eine Pufferzone namens „Rocky Mountain States“, die zu Beginn der Serie (noch) verhindert, das beide totalitären Siegermächte zum Kampf um den ganzen Kontinent blasen. Bis dahin halten sie die Urbevölkerung dank eines gehörigen Anteils Kollaborateure eben gemeinsam unter faschistischer Knute.

Wie soll man das nennen – wahnsinnig, fantastisch, Quatsch? Bei allem Aberwitz jedenfalls ist es auch nicht vollends an den Haaren herbeigezogen! Schließlich standen die Nazis gegen Kriegsende offenbar kurz vor der eigenen Atombombe und hätten sie gewiss wahlloser eingesetzt als Washington, das Hiroshima und Nagasaki im Sinne der Dramaturgie hier doch nicht pulverisiert hat. Doch um Authentizität, Realismus, gar Wahrheit geht es dieser Serie nicht; dafür birgt schon Ridley Scott als ausführender Produzent, der nach „Blade Runner“ bereits das zweite Buch des kalifornischen Endzeit-Experten Philip K. Dick adaptiert.

Ohne ein konkretes Datum zu nennen, erzählt bereits „Das Orakel vom Berge“, wie die okkupierte Juliana Crain in den Besitz mysteriöser Schmalspurfilme gerät, auf denen laufende Bilder vom Triumpf der Alliierten über die angeblichen Kriegsgewinner zu sehen sind, auf deren Spur sich neben dem dubiosen Joe Blake auch Obergruppenführer John Smith begibt. Showrunner Frank Spotnitz besetzt seine Hauptfiguren mit der schönen Alexa Davalos, dem süßen Luke Kleintank und Rufus Sewell als scharfkantiger SS-Scherge (also mal nicht mit deutschen Nazi-Darstellern), verlegt den Rahmen ins Erscheinungsjahr 1962 und ergreift somit die Chance zum bipolaren Kostümfest, die Tristesse von 1984 Tür an Tür mit dem Sixties-Pop der Mad Men, das gediegene Ambiente der NS-Vertretung beim japanischen Freundfeind gleich neben blutigen Folterkellern oder dunklen Widerstandsnestern.

Und genau da liegt das Problem: die Optik befindet sich im dauernden Wettstreit darum, ob sie den Inhalt definiert oder umgekehrt. Einerseits werden die Figuren kreativer entwickelt als hierzulande üblich und sodann mit Brüchen, Finten, Tiefen versehen, die deutsche Serien gern vermeiden. Andererseits begeht The Man in the High Castle jenen Fehler, der unser Historytainment oft unsäglich macht: Da entwirft sich der Untergrund ein schickes Wappen, das die Jagd auf ihn ungemein erleichtert; da müssen Hakenkreuze selbst auf der Wählscheibe normaler Telefone prangen; da sehen die Bösen echt böse aus und Helden meist hinreißend; da ist also vieles optisch überdreht, als traue man dem Sog der Erzählung nicht.

Zu unrecht. Denn der kostenlos abrufbare Pilotfilm war Anfang des Jahres nicht ohne Grund der erfolgreichste Start einer Eigenproduktion auf Amazon. Da dürften auch die nächsten Folgen den magischen Sog des Auftakts trotz einiger Mängel entfalten – gerade jetzt, wo totalitäre Extremisten die Gewaltspirale mal wieder fernab aller Kausalität aufwärts rasen. Da passt es zum Epochenbruch, dass die Arte-Serie Occupied derzeit die Besetzung Norwegens durch russische Truppen infolge abgedrehter Ölhähne (woran auch die Verbündeten kein Interesse haben) zum Thema macht. Auch nicht grad realistisch, aber undenkbar? Harte Zeiten, gute Serien…


Deine Freunde: Neue Platte & Gewinnspiel

 KindskoepfeDeine Freunde

Zur Feier der dritten Platte von Deine Freunde, zeigen freitagsmedien ein Interview mit Flo, Lukas, Pauli und verlosen exklusiv dreimal die neue CD Kindsköpfe. Die Frage steht unterm Gespräch.

Kinder sind das Derbste

Als Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimscheck vor gut drei Jahren in Hamburg Deine Freunde gründeten, war nicht absehbar, was das für Wellen schlagen würde. Ihre zwei ersten Alben waren schnell in aller Munde. Kindermunde. Aber auch Erwachsenenmunde. Denn Flo, in der Rapszene bekannt als Jim Pansen, Markus, genannt Pauli, Tour-DJ von Fettes Brot, und Lukas, zugleich Moderator beim Ki.Ka, machen echten HipHop für Kinder, der sie musikalisch ähnlich fordert wie textlich. Auch auf dem neuen Album Kindsköpfe geht es wieder um Ferien und Hausaufgaben, Heimweh oder Flummis, also alles, was das Leben gewöhnlicher Familien wirklich prägt.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Liebe Freunde, es geht die Legende, ihr seid entstanden, weil die Kita, in der Florian arbeitet, eine Rap bestellt hat. Stimmt das so?

Florian: So ähnlich, allerdings aus Eigeninitiative, weil wir in der Kita seit Jahren dieselbe Musik gehört hatten. Das wollte ich mal ein bisschen variieren und habe Pauli gefragt, mit dem ich schon seit Jahren Musik mache und der wiederum mit Lukas.

Pauli: Und weil wir uns alle schon gut kannten und die Aufnahmen zu Schokolade so viel Spaß gemacht hatten, haben wir einfach zusammen weitergemacht und eigentlich jede Woche im Übungsraum ein neues Lied aufgenommen.

Mit dem Ziel, die Kindermusik zu revolutionieren?

Florian: Nein, wir wollten uns nie gegen etwas, sondern höchstens für uns positionieren. Es ging zunächst mal um unseren eigenen Spaß an der Sache. Und dass den auch Kinder haben, konnte ich ja jedes Mal bei mir in der Kita testen, wenn ich ein neues Demo vorgespielt habe. Daraus ist eine große Eigendynamik entstanden.

Lukas: Zumal man nur gegen etwas revoltieren kann, was man auch kennt. Von uns weiß bis heute keiner allzu viel von anderer Kindermusik. Aber stimmt schon: was wir im Laufe der Zeit kennengelernt haben, war oftmals relativ unerträglich. Da sind wir hinein gestoßen.

Florian: Erst als wir einen Fuß in der Tür dieser Musikrichtung hatten, habe ich angefangen, mich umzuhören. Trotzdem haben wir uns keine Marktlücke gesucht, die Marktlücke hat uns gefunden.

Und zwar eine, die Kinder ruhig musikalisch und textlich fordern darf?

Lukas: Absolut. Aber wir wollen dabei nicht didaktisch sein und den Kindern mit jedem Lied zwanghaft irgendwas beibringen: Zähneputzen, links-rechts-links gucken – so hört man ja als Erwachsener auch keine Musik. Wir wollen gut unterhalten und ganz wichtig: unsere Songs genauso gut produzieren wie für jede andere Altersklasse.

Pauli: Deshalb hat sich die Arbeit an sich an den Songs auch überhaupt nicht geändert. Da erfordert jeder einzelne die gleiche Sorgfalt.

Florian: Das macht es zu Musik für Kinder, die auch für Erwachsene funktioniert. Deshalb haben wir überraschend viele von denen ohne Kinder im Publikum.

Pauli: Selbst in der HipHop-Branche, bei denen man ja schnell mal als nicht „real“ gilt, haben wir richtige Fans.

Lukas: Man darf ja auch nicht vergessen, dass jene, die mit deutschem HipHop aufgewachsen sind, jetzt oft eigene Kinder haben. Denen bieten wir, auch wenn das kitschig klingt, ein Erlebnis für die ganze Familie.

Florian: Da mussten auch viele Konzertveranstalter erst lernen, dass Erwachsene sich das allein anhören können. In dem Punkt setzen wir uns doch von anderer Musik für Kinder grundsätzlich ab.

Weil ihr die anders als andere mit Ironie fordert?

Lukas: Ich würde es eher Überhöhung nennen.

Florian: Ein verträgliches Augenzwinkern. Etwa wenn es um ernste Themen wie Leistungsdruck und Streit geht, also echte Probleme.

Also doch ein didaktischer Ansatz.

Lukas: Aber eben nicht als Ursache, sondern Effekt. Und ich höre auch eher von Eltern, dass das nach hinten losgeht, wenn sie mir sagen, immer wenn ihre Kinder aufräumen sollen, singen sie unseren Refrain Räum doch selber auf!. Das gab’s vorher wohl eher nicht.

Was aber schon gewertet wird, wenn ihr zum Auftakt der neuen Platte in „Attacke“ erst „Dutzi Dutzi Dutzi, ganz genau nau nau“ singt und dann zu „Scherz, keine Sorge, Deine Freunde klingen so“ den Bass reindrückt.

Lukas: Aber auch da hab ich mein Testpublikum in der Kita, das den Dutzi-Dutzi-Einstieg zu Beginn ebenso ernst nimmt wie den Rap danach. Wir wollen nichts schlecht reden, ehrlich.

Florian: Es geht nur darum, was wir selber mögen, nicht was wir an anderen ablehnen.

Pauli: Da ist kein erhobener Zeigefinger.

Florian: Und wir wollen mit niemandem Streit anfangen.

Auch nicht mit Rolf Zuckowski?

Florian: Mit dem schon gar nicht. Unser Pate.

Lukas: Wir veröffentlichen ja auf seinem Label, das er eigens für uns gegründet hat.

Pauli: Genau damit wollte er zeigen, dass es mittlerweile auch andere Kindermusik gibt.

Florian: Wobei Kinder in seinen Texten auch schon Probleme haben durften. Deshalb passen wir gut zueinander. Er lässt uns von seiner Erfahrung lernen, ohne uns reinzureden.

Lukas: Ein sehr weiser Kumpel.

Aber musikalisch aus einem völlig anderen Metier.

Lukas: Eher Singer/Songwriter, genau. Aber auch wir kommen ja aus unterschiedlichen Richtungen. Ich zum Beispiel habe vorher nie HipHop gemacht, sondern mit Pauli eher Remixes.

Florian: Wobei wir auf dem neuen Album weiter weg vom HipHop in den Pop vordringen, was kleinen Kindern musikalisch oft einiges abverlangt.

Pauli: Wir müssen uns ja auch weiterentwickeln, statt immer nur Viervierteltakt. Rumfrickeln macht gerade mir mehr Spaß.

Florian: Und ich habe gemerkt, dass man selbst Kleinkindern musikalisch viel mehr zumuten kann, als Erwachsene oft denken. Deshalb nehmen wir die auch genauso ernst. Als ich meine Kinder in der Kita mal gebeten hatte, ihre Lieblingsplatte mitzubringen, war alles Mögliche dabei: Peter Fox.

Slayer.

Florian: (lacht) Das nun nicht. Aber Dinge, die sie inhaltlich vielleicht nicht verstehen, aber musikalisch schon.

Lukas: Man lügt sich ja auch in die eigene Tasche, wenn man Kinder unterfordert. Denn die haben ja auch ein Leben abseits von Deine Freunde, sehen fern, spielen Computerspiele. Und da geht ja auch nicht alles wie beim Sandmännchen zu.

Pauli: Und wenn wir auf Festivals gespielt haben und in den Umbaupausen lief Techno, haben die Kinder eben dazu getobt.

Lukas: Obwohl wir oft schreien, laut und technoid sind, gibt bei uns vor der Bühne keine heulenden Kinder. Und das, obwohl die schon bei Märchenvorführungen teilweise heulend auf Mamas Arm landen. Darauf sind wir wirklich stolz.

Aber kommt nicht auch manchmal das Bedürfnis auf, wieder Musik ohne Furzwitze und Kinder vor der Bühne zu machen?

Pauli: Ja, aber das machen wir ja auch alle in anderen Projekten, nur nicht zusammen. Ich trete zum Beispiel mit Fettes Brot auf.

Florian: Mir haben Deine Freunde sogar aus einem kreativen Tief geholfen, deshalb fühle ich mich grad zu wohl, um was zu vermissen.

Lukas: Zumal man in Zeiten von Social Networks in der Erwachsenenmusik immer getrieben wird, ob das cool genug ist, Underground oder doch Mainstream. Diese Sorge haben wir grad nicht. Man wird sehr entspannt. Auch, weil der Tour-Rhythmus wahnsinnig unstressig ist.

Florian: Nicht wie sonst morgens aufbauen, nachmittags Soundcheck und dann diese nervöse Zeit bis zum Auftritt; jetzt bauen wir auf und eine Stunde später geht’s los.

Lukas: Und dann sind Konzerte für uns auch noch geradezu therapeutisch, weil wir danach unglaublich viel positive Resonanz kriegen, was die Musik Eltern und Kindern bedeutet.

Florian: Gerade Kinder begegnen uns dabei voll auf Augenhöhe, die haben noch nicht dieses Star-Denken. Das macht echt Spaß. Kinder sind halt das Derbste.

GEWINNSPIELFRAGE

Vervollständige folgende Strophe vom ersten Song der ersten Platte Deiner Freunde:

Ich esse jeden Tag Obst / Yes Yo / Mal weniger, mal mehr :

Antworten bitte an janfreitag@gmx.net oder mit email-Adresse als Kommentar hinter den Text. Die Gewinner werden gezogen, der Versand erfolgt so, dass die Platte vor Weihnachten da ist.