Feindbild ORF & Feindbild Europa

Die Gebrauchtwoche

6. – 12. Mai

Es ist ein besonders bizarrer Medienskandal einer an bizarren Medienskandalen überreichen Zeit. Während Jungsozialist Kevin Kühnert bis in dezidiert linke Medien hinein dafür gemobbt wird, jungsozialistische Forderungen zu stellen, macht der streitbare ORF-Moderator Armin Wolf in einer besonders bizarren Regierung eines an bizarren Regierungen überreichen Kontinents gerade nur seinen Job – und gerät dafür ins Visier seines Berichtsobjekts. Das kann passieren. Die öffentliche Kommunikation hat ihr (ungeschriebenes) Regelwerk schließlich auch in Österreich so der digitalen Realität angepasst, dass die lautesten Schreihälse jedes Argument niederbrüllen.

Bedenklich wird es allerdings, wenn dieses Berichtsobjekt die rechtsextreme FBÖ ist und vor laufender Kamera Journalisten bedroht, dafür aber vom vermeintlich bloß konservativen Koalitionspartner Sebastian Kurz nicht vom Hof gejagt wird. Wirklich absurd wird dieser Irrsinn jedoch, wenn ihn Armin Wolfs nicht immer diplomatische, aber ähnlich bissige Kollege Jan Böhmermann im ORF mit – zugegeben drastischem Vokabular – anprangert und dafür ausgerechnet vom regierungsamtlich attackierten Sender kritisiert wird. Der Lohn: Österreich rutscht im Ranking der Pressefreiheit ab und belegt, wie sehr sie selbst in Demokratien unterm Beschuss einer enthemmten Diskussionskultur steht.

Eine, an der selbstredend auch social networks schuld sind, jene Hasskatalysatoren, die sich nebenbei grad als Showmaster profilieren. Instragram zum Beispiel, sonst für bildreiche Belanglosigkeiten zuständig, hat mit The Story of Eva die wahre Geschichte eines jüdischen Mädchens im Nationalsozialismus fiktionalisiert und damit wohl mehr junge Menschen als jedes Bildungsprogramm erreicht. Auch Youtube erweitert derweil konsequent sein eigenproduziertes Programm. Und wenn die PR-Plattform Magenta TV mit der italienischen Coming-of-Age-Serie Meine geniale Freundin brilliert, wird deutlich, wie warm sich die Platzhirsche anziehen müssen.

Die Frischwoche

13. – 19. Mai

Sie tun dies immerhin auf einem Feld, das sonst niemand so nachhaltig beackert: seriöse Information. Wie alle öffentlich-rechtlichen Sender kümmert sich zum Beispiel das ZDF rührend um die Europawahl. Donnerstag überträgt es das #tvDuell der Spitzenkandidaten Timmermanns und Weber zur besten Sendezeit, gefolgt vom Schlagabtausch der Konkurrenz aus Grünen, AfD, Linke und FDP. Nachts zuvor um 0.45 Uhr stellt das Zweite dann die Frage Schafft Europa sich ab? und schreibt diese Bedrohung bereits am Dienstag um 20.15 Uhr jenen zu, die Laut, frech, national sind, also parallel dazu auf Arte die Demokratie unter Druck setzen mit ihrem Feindbild Brüssel, wie eine ARD-Doku heute zur Primetime entsprechend heißt.

All dies klingt zwar manchmal so alarmistisch, dass man sich zumindest ein paar Milligramm jener unbeirrbaren Europa-Euphorie wünscht, mit denen der ESC die kontinentale Glückseligkeit feiert. In den Halbfinals, Dienstag/Donnerstag ab 21 Uhr auf One, mehr aber noch beim Endspiel am Samstag live im Ersten, dient Europa aber dennoch wie gewohnt nur als Kulisse popkultureller Aufdringlichkeit. Wer in dieser kommerziellen Endlosschleife gefangen ist, wünscht sich bisweilen womöglich eine Zeitmaschine.

Die haben zwei afroamerikanische Nerds in der Netflix-Dramedy See You Yesterday erfunden, sie entkommen damit allerdings keinem Musikwettbewerb, sondern reisen ab Freitag unter Spike Lees Regie Richtung Vergangenheit, um die Welt zu retten. Wie knapp sie vor 33 Jahren zumindest teilweise vorm Kollaps stand, zeigt die HBO-Serie Chernobyl ab morgen auf Sky. Der halbfiktionale Fünfteiler zeichnet den SuperGAU vom April 1986 minutiös nach, stellt dabei aber nicht den Unfall selbst ins Zentrum, sondern das ignorante Versagen der sowjetischen Bürokratie – brillant verkörpert durch Stellan Skarsgård und Jarred Harris als Antipoden eines bizarren Kampfes gegen Verseuchung und Transparenz.

Mit so viel historischer Bedeutsamkeit können die zwei unterhaltsamsten Filme der Woche aus Deutschland natürlich nicht mithalten. Aber Michael Herbigs Bullyparade auf Sat1 und parallel dazu Joachim Król als eine Art Papa Alfred Tetzlaff ante Portas in der ZDF-Komödie Endlich Witwer sind im Kochtopf leichter Kost absolut vollwertig. Schwere Kost und dennoch unterhaltsam sind die Wiederholungen der Woche: Das legendäre DDR-Drama Jakob, der Lügner (Montag, 22.25 Uhr, 3sat) über einen Geschichtenerzähler, der sich und anderen Juden kurz vorm Einmarsch der Roten Armee 1944 in Polen Mut gemacht hat. Dafür gab es 30 Jahre später die einzige Oscar-Nominierung für eine DDR-Produktion. Lichtjahre von so was entfernt war im Anschluss Klaus Lemkes furioses Frühwerk Rocker, das der Kino-Anarchist 1972 mit echten Motorradhooligans gedreht hat. Jünger ist da der Tatort-Tipp Eine bessere Welt (Montag, 21.45 Uhr, HR) von 2011 mit Nina Kunzendorf und Joachim Król, die den formatüblichen Mord hier erst noch verhindern müssen.


Jamila Woods, Holly Herndon, Get Up Kids

Jamila Woods

Was es heißt, als farbige*r Künster*in im Umfeld weißer Dominanz aufzuwachsen, in einem Land zumal, dass sich auf dem Weg zur Gleichberechtigung auf halber Strecke rückwärts bewegt, statt vorwärts – wer also um die Ignoranz der Mehrheitsgesellschaft weiß, neigt noch stärker als die dazu, sich seiner Wegbereiter zu besinnen. Nachdem ihr erstes Album Heavn noch aus sich selbst zu kommen schien, widmet die politisch bewusste Sängerin Jamila Woods das zweite daher musikalischen Urahnen, ohne die sie – unabhängig von deren Hautfarbe – nicht wäre, wo sie ist. Der Titel lautet folgerichtig Legacy! Legacy! und dekliniert diesen Erbteil Vorname für Vorname durch.

In ZORA zum Beispiel setzt der afroamerikanischen Literaturikone Zora Neale Hurston ein sanft mäanderndes Soul-Denkmal aus dem dunstigen Hallraum des R’n’B. Mit milchigen Funk-Avancen huldigt sie kurz darauf FRIDA (Kahlo), in SONIA (Sotomayor) der lateinamerikanischen Bundesrichterin durch eleganten HipHop im Fugees-Style. Bei MILES (David) wird es wenig überraschend jazzig, durch MUDDY (Waters) weht eine verwitterte E-Gitarre. Und wenn die Aktivistin aus Chicago BALDWIN beehrt, klingt es schon deshalb so vielschichtig wie wahre Freundschaft, weil es um ihren Mann Jimmy geht. Was aber all die Hommages vereinigt: Jamila Woods kann betörend singen, betreibt aber nie Stimmakrobatik, sondern Gesangskommunikation. Gespräche zum Tanzen.

Jamila Woods – Legacy! Legacy! (Jagjaguwar)

Holly Herndon

Jamila Woods’ Landsfrau Holly Herndon dagegen unterhält sich auf ihrer neuen Platte mit niemandem. Ihre digital zerhechselten Vokalfragmente sind weder Kommunikation noch Gesang, ja im Grunde genommen nicht mal Teil einer kongruenten Sprache. Mit einer selbst entwickelten Voice-Processing-Technik montiert die Feldklangforscherin mit Doktorinnengrad der Philosophie Stimmfetzen mit Orchesterelementen zu einer Musik, die so selbst auf ihren vorherigen Arbeiten seit 2012 noch nie zu hören war. In einer Mischung aus Field Recordings und Bigbeat-Electronica erkundet die Wahlberlinerin aus Tennessee die Abseiten des Avantgarde-Pop. Und wird dabei fündig.

Das Thema auf PROTO ist dabei das Künstliche menschlicher Wesenszüge, artifizielle Intelligenz, Verfremdung und Rückaneignung. Die meisten der 13 Stücke klingen demnach wie wahllos zusammengewürfeltes Durcheinander, in dem Holly Herndon nach Struktur sucht und doch nur weiteres Chaos findet. Wer sich jedoch wirklich in ihr drittes Album hineinhört, womöglich gar fallen lässt, entdeckt darin die Schönheit vollsynthetischer Choräle und Sinfonien, denen offenbar kein Helicopterproduzent auf Zwang eine Richtung geben durfte. Der Begriff Harmonie erweist sich dabei als Chimäre unserer verbildeten Konsumhaltung. Hier ist alles Energie, Organik und dabei zum Niederknien fantasievoll.

Holly Herndon – PROTO (4AD)

Hype der Woche

The Get Up Kids

Nein, über The Get Up Kids muss man ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung als Emo-Garagenband in Kansas City nicht mehr viel sagen. Nicht, dass es immer ein bisschen heikel ist, wenn gealterte Skaterkids den selben ewig jungen Skaterkidpunk machen. Nicht, dass man besonders diesem Quintett ewig befreundeter Fourtysomethings irgendwie selbst ein Comeback aus Gründen der Geldnot gönnen würde. Nicht, dass der Sound ihres neuen Albums Problems (Big Scary Monsters) gebraucht klingt. Es ist einfach viel zu schön, Matthew Pryor dabei zuzuhören, wie er zu fröhlich geschredderten Fuzzgitarren unverdrossen vom Erwachsenwerden erzählt, das bei ihm auch auf den acht Alben zuvor so aufrichtig männerbewegt sympathisch klang, als sei er der einzige Kerl auf einer feministischen Poolparty. Nicht neu, nicht alt, nicht weltbewegend, nicht banal, einfach ewig The Get Up Kids.


Constantin Lieb: Arte, Eden & Dominik Graf

Fiktion ist subtiler

Obwohl der Nachwuchsautor Constantin Lieb (Foto: Antony Sojka) vor sechs Jahren noch weithin unerfahren war, hat ihn Arte für sein sechsteiliges Flüchtlingsdrama Eden verpflichtet, das derzeit mittwochs in der ARD läuft. Im Interview spricht der 32-Jährige über das europäische Großprojekt, amerikanisierten Kitsch in Serie und warum er gern mit Platzhirschen wie Dominik Graf arbeitet.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Lieb, während zeitgeschichtliche Ereignisse oft Jahrzehnte brauchen, bis daraus fiktionale Fernsehunterhaltung wird, hat es die sogenannten Flüchtlingskrise sofort zu Dutzenden von Spielfilmen und Seriengeführt. Woher rührt dieses Tempo?

Constantin Lieb: Es gab sogar vor Eden großartige Verfilmungen wie Maggie Perens Die Farbe des Ozeans. Unabhängig davon vollzieht mediale Berichterstattung sich aber generell in Wellen, die je nach Intensität auch das Thema Migration immer mal wieder an die Oberfläche spült – im Autorenkino der Siebziger etwa zum Thema Gastarbeiter.

Allerdings mit großer Verzögerung. Die Anwerbung von Gastarbeitern war schon 1973 beendet. Wie erklären Sie sich die Echtzeit, in der Migration derzeit verarbeitet wird?

Mit dem Hochdruck, unter dem dieses Thema unumgänglich ins kollektive Bewusstsein geraten ist. Es wurde in gewisser Hinsicht unmöglich, einfach wegzuschauen. Wir thematisieren ja etwas, das nicht Teil der Geschichte ist, sondern Tag für Tag für jeden relevant und damit die Politik zum Handeln zwingt. Sich damit nicht nur dokumentarisch auseinanderzusetzen, sondern fiktional, sehe ich als Chance. Fiktion ist emotionaler. Und subtiler. Für viele Menschen sind das unglaubliche Leid und die Strapazen auf der Flucht weiterhin abstrakt. Insofern ist die Fiktion auch eine Möglichkeit der Sensibilisierung.

Erwarten die Zuschauer womöglich sogar vom Fernsehen, ein derart schwelendes Thema umgehend auch fiktional aufzugreifen, um dafür sensibilisiert zu werden?

Erwartungen sind schwer einzuschätzen und noch schwerer zu erfüllen. In einem Land mit so starkem öffentlich-rechtlichen Rundfunk dürfen, ja sollten wir allerdings eine gewisse Erwartungshaltung an die Sender und ihre Verantwortung stellen – auch im Kontrast zu Privatsendern und Streamingportalen, also jenseits marktökonomischer Mechanismen. Dieser Auftrag ist auch eine Chance zur Profilbildung gegenüber dieser vermeintlichen Konkurrenz.

Gab es demnach Direktiven von Arte, das Thema in einer publikumswirksamen Tonalität und Stoßrichtung umzusetzen?

Was ich in der gesamten Entwicklungsphase nach meinem Einstieg in das Projekt erlebt habe, ist eine unglaubliche Offenheit hinsichtlich des dramaturgischen Zugangs und der politischen Haltung. Da haben wirklich alle an einem Strang gezogen, das Thema so realistisch und wertfrei wie möglich und konsequent multiperspektivisch zu erzählen. Es gab zu keiner Zeit Einwände, irgendwas könnte zu drastisch oder verharmlosend dargestellt werden.

Dennoch bedient Arte gewisse Zielgruppen stärker als RTL2. Sollten Sie der kultivierten Filterblase da nicht unterschwellig auch die Schattenseiten der Migration zeigen?

Es war stets unser Anliegen, nicht nur eine Seite dieses brisanten Themas zu zeigen. Dabei haben wir auch immer wieder darüber gesprochen, wie jene zu erreichen sind, die Ressentiments gegen Flüchtlinge hegen. Ich glaube nicht, dass Fernsehen Menschen in die eine oder andere Richtung nachhaltig beeinflussen, also politische Einstellungen verändern kann, aber es gibt Denkanstöße und regt zum Dialog an, ohne zu belehren. Aggressivität basiert ja in der Regel auf Angst, Unkenntnis, Distanz und Fremdheit; all dies kann Fiktion eindämmen. Allerdings nur, wenn man ein Thema wie dieses nicht ausnutzt, um rein unterhaltend zu sein.

Also eine Liebesgeschichte ins Zentrum stellen?

Das wollten wir keinesfalls! Es ging bei aller Komplexität um Augenhöhe aller Protagonisten. Worum es nicht ging: irgendeine Art Wahrheit zu präsentieren oder die Fiktion durch Schauwert, Cliffhanger, emotionalen Kitsch zu amerikanisieren. Ich finde es erschreckend wie sehr deutsche Serienmacher teilweise versuchen, einen bestimmten internationalen Style zu kopieren, der die eigene Identität ignoriert. In unserem Zentrum stehen die Motivationen und Konflikte unserer Protagonisten, ohne Hierarchie und Zuordnung von „richtig“ oder „falsch“.

Wie wird man bei so einem Thema sechsmal 45 Minuten nie pädagogisch?

Indem wir keine der Figuren bloß als gut oder böse darstellen. Eine Unternehmerin zum Beispiel, die ein Konzept erarbeitet hat, wie man Camps privat führt, ließe sich leicht als neoliberale Antagonistin selbstloser Helfer aufbauen. So einfach ist es aber nicht. Sie will in diesem Multimillionen-Markt zwar Geld verdienen, aber mit einem Weitblick, der auch das Wohl der Betroffenen im Auge behält, also nicht nur auf Wachstum gerichtet ist, sondern auch auf das Potential jener Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen.

Aber entstammt solch eine Figur nicht dramaturgischem Wunschdenken?

Nein, die gesamte Fiktion basiert auf akribischer Recherche. Wir hatten umfassenden Zugang zu Nichtregierungsorganisationen, der EU und verschiedenen Flüchtlingscamps, haben NGO-Mitarbeiter getroffen, Politiker, Rechtsexperten, Flüchtlinge und Menschen, die sich mit Schmugglern auskennen. Es war dem gesamten Team ungeheuer wichtig, keine Märchen zu erzählen, sondern der Wirklichkeit so nah wie möglich zu kommen.

Haben Sie in der kurzen Zeit, in der Sie als Autor tätig sind, je so umfassend geforscht?

Nie. Es war von Beginn an klar, dass man sich bei solch einem Projekt verpflichtet, ununterbrochen daran zu arbeiten und keine anderen Stoffe parallel entwickelt, wie es oft der Fall ist. Anfangs war ich daher kurz davor, abzusagen; der Respekt, fast die Angst vor der Komplexität war enorm. Gerade deshalb habe ich es aber doch gemacht; schon, um an dieser universellen, oft tagesaktuellen Herausforderung im permanenten Austausch mit allen zu wachsen.

Permanenter Austausch mit allen kann allerdings auch bedeuten, dass einem ständig andere in die Arbeit hineinreden!

Grundsätzlich ja, ich habe es allerdings zu keinem Zeitpunkt so empfunden. Mit etwas Erfahrung findet man heraus, wer bloß aus subjektiver Haltung statt inhaltlicher Beschäftigung Einfluss nimmt. Dies war aber bei keinem im Team der Fall. Eden war für alle Beteiligten ein Ausnahmeprojekt und für mich die Chance, mich zu beweisen und zu lernen.

Begonnen hat das Projekt allerdings mit anderen Autoren…

…richtig. Die Grundidee etwas über die politische Situation in Europa zu machen stammt von Felix Randau und Jano Ben Chaabane. Edward Berger hat dann als erster Regisseur mit Nele Mueller-Stöfen, Marianne Wendt und Laurent Mercier den Stoff entwickelt. Er ist allerdings ausgestiegen, um Patrick Melrose zu drehen. Damit hat sich auch die Autorensituation neu formiert.

Bis dahin war nur eins ihrer mittlerweile drei langen Bücher realisiert worden – Detlev Bucks Asphaltgorillas. Wie bitte kam ein Jungautor wie Sie zu diesem Riesenprojekt?

(lacht) Als Dominik Moll das Projekt als Regisseur übernahm und damit auch der ästhetische, narrative Zugang wechselte, sollte ich zunächst zwei Bücher schreiben. Der Produzent Felix von Boehm, mit dem ich schon lange eine große Vertrauensbasis habe, hat mich schließlich mit seiner Begeisterung fürs Projekt angesteckt und ich konnte mich mehr und mehr einbringen. Die Rolle des Headautors hat sich dann sukzessive herauskristallisiert, da Dominik und ich eine sehr gute Arbeitsbeziehung entwickelt haben. Außerdem bin ich ein Freund des multigenerationellen Arbeitens, das auch bei Detlev Buck und Dominik Graf gut funktioniert hat.

Spüren Sie dennoch ein hierarchisches Gefälle zu den Platzhirschen?

Überhaupt nicht, ehrlich. Das beste Argument gegen Hierarchien ist Qualität, Offenheit und Reflexionsvermögen. Auch Selbstironie sollte man nicht unterschätzen – egal mit wem und für was ich arbeite.

Sehen Sie Ihre Zukunft eher im neuen Kino Serie oder im alten Kino Kino?

Definitiv sowohl als auch. Ich kann und will Serie nicht ohne Kino denken. Es ist fatal, wenn man durch den sich weiter aufblähenden Hype das Kino als Medium vergisst. Als sozialer Ort des Erzählens ist es einmalig und wird es immer bleiben, egal wie groß die Retina-Displays dieser Welt auch sein werden.

Der Text ist vorab bei DWDL erschienen

24h Europe: Echtzeit & Wahrhaftigkeit

Europareise

Nach Berlin, Jerusalem und Bayern hat ein gewaltiges Team um den Filmemacher Volker Heise (Foto: RBB) den gesamten Kontinent in Echtzeit erkundet. Das Resultat steht seit Samstag in der Mediathek und ist nicht weniger als ein dokumentarisches Meisterwerk im Dienste vielfältiger Eintracht.

Von Jan Freitag

Der See, in den Rakel und Lovisa am Morgen einer durchwachten Mittsommernacht springen, ist trotz fast pausenloser Junisonne eiskalt –das spürt man am Nebel über Helsinkis Waldboden, das sieht man an den Augen der zwei Schülerinnen, das tönt aus jedem ihrer quietschvergnügten Schreie. Schließlich ist ein Bad um diese Zeit der ideale Wachmacher für sie, für uns, für alle. Denn wer den beiden beim Schwimmenin einem derAbertausend finnischen Gewässer zusieht, hat sich zwölf Monate später samstags vor sechs aus dem Bett geschält, um etwas Beispielloses zu erleben.

Bei Rakel und Lovisa ist es ein sensationell sorgloser, irgendwie aufregender, wiederholt wunderbarer Wochenendfrühsommertag, wie ihn wohl nur Teenager genießen. Bei ihrem Publikum hingegen ist es ein sensationell berauschender, irgendwie unfassbarer, wiederholt sehenswerter Beitrag des Kulturkanals Arte, der es zehn Jahre nach 24h Berlin wieder mal getan hat: einen Mikrokosmos so intensiv unter die Lupe zu nehmen, dass man buchstäblich nicht nur dabei ist, sondern wirklich mittendrin. In 24h Europe.

So heißt die Erweiterung von Volker Heises Panoptikum grundverschiedener, seltsam vertrauter Daseinsentwürfe, die von Deutschlands Hauptstadt übers welthistorisch noch wuchtigere Jerusalem nach Bayern führte und von dort aus nun kontinental erweitert wird. Statt Tempelhof und Tempelberg hat der versierte Dokumentarist am vorigen Samstag von 6 Uhr bis Sonntag um die selbe Zeit also gleich 26 Länder erkundet. Vergleichen mit den vorhergehenden Ausflügen in den Alltag grundverschiedener Menschen auf begrenztem Raum, sagt Volker Heise über diese Perspektiverweiterung, „war ein echter Quantensprung“.

Und weil der so gewaltig war, musste er sich Hilfe suchen. Nach drei vierundzwanzigstündigen Langzeitbeobachtungen als Showrunner hat der Produzent die künstlerische Verantwortung an Britt Beyer und Vassili Silovic abgegeben. Das Konzept jedoch bleibt identisch: Zwischen Island und Kreta, Atlantik und Ural begleiten 45 Teams 60 Protagonisten zwischen 18 und 30 Jahren im Spannungsfeld eines riesig kleinen Lebensraums von gut 10.000 Quadratkilometern Größe, den noch niemand zuvor in dieser Dichte beleuchtet hat.

Nach dem Anbaden der finnischen Schülerinnen zum Beispiel wandern die Kameras vom Plattenbau des russischen Stahlarbeiters Andreij zum Flüchtlingsschiff der italienischen Seenotretterin Chloé und zurück. Sie beobachten Taxifahrer und Geschäftsleute, Azubis und Arbeitslose, Bauern und Ingenieure, Ärzte und Patienten, Tagediebe und Workoholics, Naturliebhaber, Clubgewächse. Und während sich erstaunlich viele der jungenLeute in Empathie und Mitgefühl für andere üben, bereitet sich die hessische AfD-Aktivistin Marie ebenso wie ein polnisches Wehrsportgruppenmitglied eher aufs Gegenteil vor.

So widersprüchliche, zugleich jedoch engverbundene Einzelschicksale verbindet Arte also erneut zu einer soziokulturellen Echtzeitarchäologie, die im Licht der anstehenden Europawahl etwas Beispielloses versucht: Aus maximaler Differenz größtmögliche Nähe zu generieren. Es gehe um ein Gefühl von Verbundenheit, sagt Volker Heise. In 1440 Minuten Konzentrat Hunderter Drehstunden Sendezeit gelingt ihm das erneut mit verblüffendem Unterhaltungswert. Und das, obwohl sich der empathiefördernde Faktor Lokalkolorit auch aus deutscher Sicht auf einen Bruchteil der Charaktere reduziert.

Wie in der Dramaserie Eden, die das Megathema Migration – wenngleich bisweilen etwas konventionell – an gleicher Stelle fiktionalisiert, geht es Heises Team schließlich um neue Sichtachsen im Dienste des europäischen Projekts. Die permanenten Ortswechsel verlangen dem Zuschauer dabei zwar ein hohes Maß an Konzentration ab, der bis in den fünfzehnminütigen Abspann reicht. Wer bis zum Schluss dranbleibt, wird jedoch mit frischem Wind durchs brexit-, populismus, krisenwunde Gemüt belohnt und stellt sich unvermeidbar die Frage, wo das eigentlich noch hinführen soll – 24h Welt oder zurück ins Dorf? „Wir werden sehen“, sagt Volker Heise. Es klingt wie ein Versprechen.


Decibelles, Flamingods, Spelling

Decibelles

Angeschnauzt werden will ja eigentlich selbst dann niemand so richtig gerne, wenn ein wenig Distanz zwischen Absender und Adressat des Anschnauzens liegt. Wer sich das zweite Album der Decibelles anhört, spürt zudem sogar fast physisch, wie die Spucke durch den Raum fliegt – so derart ruppig schnauzt uns das Punktrio aus Lyon an. Und dann klingen dessen Riffs auch noch ein bisschen wie die dauernden Becken-Exzesse, ein einziger Hochfrequenzbrei, mit Schwung von der Bühnenkante ins Publikum geschleudert. Komisch, dass man sich dort trotzdem instinktiv hinsehnt wie auf ein eskalierendes Festival im warmen Sommerregen. Ist aber so.

Denn Rock Francais mag ein zwölfteiliger, punkgerecht dreißigminütiger Schlag in die Magengrube sein; was die zwei Jugendfreundinnen plus Kumpel aus Lyon da mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und einem Gesang anstellen, der selten unter volles Brett brüllt, gilt nicht ohne Grund als Reinkarnation früherer Rrrriot Grrrls von Team Dresch bis Sleater Kinney mit ähnlich feministischem Furor, aber chaostheoretischer zubereitet. Mehr noch, als beim Vorgänger Tight nämlich schreddern Fanny, Sabrina und Emile ihren Hardcore mit Noise-Elementen, streuen aber auch immer mal wieder mal fast balladenartigen Edgy Pop à la Manger son Ex ein. So macht selbst Angeschnauztwerden doch Spaß.

Decibelles – Rock Francais (Surprise Records)

Flamingods

Nicht annähernd so brüllender Sound, aber ähnlich brillanter Name zu einer gigantischen Portion Aberwitz – das sind die Flamingods aus London. Nach einer epischen Weltreise durch alle Einflussfaktoren zeitgenössischer Musik, insbesondere in Afrika und Südamerika, wirft das Quartett auf seiner vierten Platte alles in die Klangschale, was Pop zu Pop macht, ohne Pop, also shallow, berechnend und blöde zu sein. Denn heillos überbrachtet mit Myriaden teils naturalistischer, teils hochtechnologischer Gerätschaften, filetieren Kamal Rasool, Charles Prest, Karthik Poduval und Sam Rowe das, was mal Weltmusik hieß, und machen daraus ein galaktisches Durcheinander.

Wie auf den Alben zuvor zeigt es sich Levitation als psychedelisches Discofunk-Kompendium, in dem alles möglich ist, aber nichts nötig, das bei aller Filigranität dem Chaos huldigt und doch nie manieriert, gar unfertig klingt. Schon der Opener Paradise Drive zeigt dabei, wohin die wilde Fahrt elf Tracks lang geht: auf einen Roadtrip entlang der Fahrbahnmarkierungen von Talking Heads bis Monster Magnet mit ein paar Abzweigungen Richtung Grizzly Bear, Foxygen, Tame Impala. Wer sich auf dem großvateralten Feld intrinsischer Rockmusik bewegt, muss mit Referenzgruppen leben; dennoch sind die Flamingods in ihrer synthiegemästeten Verschrobenheit einmalig. Ein bisschen zumindest.

Flamingods – Leviation (Moshi Moshi)

Spelling

Und wo wir grad beim Thema Psychologie sind: Auch Chrystia Cabral bewegt sich mit ihrem Projekt Spelling tief in den Abseiten ihrer eigenen Seele, dort also, wo selbst Fachleute nur mit Abertausend Sitzungen auf der Couch hingelangen. Wer sich ihr zweites Album Mazy Fly anhört, käme daher nie auf die Idee, sie würde aus der kalifornischen Bay Area stammen, wo selbst im Winter ständig die Sonne scheint und Strandpartys als Menschenrecht gelten. Eher schon verortet man den Sound im London der frühen Neunziger, als Bands wie Tricky oder Massive Attack aus HipHop und Electrowave konzentrierten Schwermut gemacht haben.

Dabei ist Mazy Fly gar nicht wesensmäßig, also grundsätzlich mies gelaunt; die getragenen, oft leicht opernhaften Arrangement klingen nur einfach, als seien sie in Opiumhöhlen auf Absinth entstanden und wühlen sich nun mühsam kriechend zurück ans Tageslicht. Golden Numbers zum Beispiel erinnert zwar an eine der düsteren Kellerkuren frühfreudscher Psychoanalyse, mit Wassertherapien und Zwingsessel; zugleich aber flirrt ein artifizielles Glockenspiel durch knapp drei Minuten, die fast ein wenige R’n’B verströmen, während Under the Sun kurz darauf eher nach Siebziger-Soundtrack als Trübsinn klingt. Trotz aller Drones und Cellos muss man darüber also nicht in Depression verfallen.

Spelling – Mazy Fly (Cargo)


Elsners Tod & Elstners Talk

Die Gebrauchtwoche

22. – 28. April

Schauspieler kommen, Schauspieler gehen, der Lauf des Lebens macht auch vor Film & Fernsehen nicht Halt. Dennoch wirkte die mediale Nekrologie beim Durchsickern von Hannelore Elsners Tod vorigen Dienstag weniger routiniert als üblich. Der Tagesschau war das gar die Spitzenmeldung wert – so wichtig ist Deutschlands letzte Diva trotz aller Durststrecken dank ihres furiosen Spätwerks. Da zudem Martin Böttcher, dem wir Soundtracks wie Winnetou verdanken, und Ken Kercheval, der es als Cliff Barnes ewig mit J.R. zu tun hatte, gestorben sind, war die Woche ein weiterer Beleg fürs Verglühen eines Lagerfeuers, das in der eigenen Asche als Endlosschleife im Nachmittagsprogramm läuft.

Aber gut, immerhin hat es dafür viele Jahre länger gelodert als The Big Bang Theory, die sich relativ schnell nur noch selbst reproduziert hat. Von daher ist es eine gute Nachricht, dass die grotesk beliebte Endlos-Sitcom im Mai mit Folge 279 endet. Doch keine Sorge: Pro7 wird auch weiter ganze Tage mit TBBT-Wiederholungen zubringen. Also das tun, was RTL seit 1996 mit Cobra 11 macht. „Sage und schreibe 7.200 Fahrzeuge“, halluziniert der Sender in einer Pressemeldung, „fanden in der Kult-Serie bereits ein furioses Ende.“ Und weil der Klimawandel bekanntlich nur ein laues Lüftchen im nächsten Supersommer ist, fordert RTL „Fans dazu auf, es ihren Serienhelden gleich zu tun und ihr Gefährt – egal ob Auto, Mofa, Fahrrad, Bobbycar oder Einrad – in den ultimativen Heldentod in einer Cobra 11-Episode zu schicken“.

Wie angenehm muss das Leben sein, wenn man ihm wie RTL weder Ethik noch Moral zugrunde legt. Anders als Arte zum Beispiel, die ihre bedeutsame Doku Gottes missbrauchte Dienerinnen aus der Mediathek nimmt, weil darin die Persönlichkeitsrechte eines mutmaßlich vergewaltigenden Priesters verletzt werden. So moralisch, so ethisch handeln am Ende nur Sender, die – sagen wir – dem europäischen Gedanken derart große Bedeutung beimessen, dass sie ihm gleich 24 Stunden am Stück widmen.

Die Frischwoche

29. April – 5. Mai

Als Steigerung von 24h Berlin und 24h Jerusalem reist der Kulturkanal Samstag ab 6 Uhr nun durch den ganzen Kontinent und beleuchtet mit 45 Drehteams Menschen in 26 Ländern. 24h Europe betreibt also einerseits gigantischen Aufwand für ein recht kleines Publikum. Andererseits ist das die richtige Antwort aufs Zerbröseln europäischer Ideale. Zumindest ein Teil davon. Der andere heißt Eden und fiktionalisiert das Megathema Migration ab Donnerstag an gleicher Stelle sechs Folgen lang aus multiperspektivischer Sicht aller Beteiligten von Flüchtlingen über Politik, Wirtschaft, Justiz bis hin zu Helfern und Schleppern.

Dramaturgisch ist Dominik Molls Drama nach dem Buch von Constantin Lieb etwas bieder geraten; inhaltlich aber könnte es rechts für Empathie sorgen und links für Pragmatismus sorgen, also journalistisches Unterhaltungsfernsehen im besten Sinne sein. Das gelingt dank einer Prise Sarkasmus auch dem ARD-Mittwochsfilm Big Manni. Mit Hans-Jochen Wagner in der Titelrolle macht Niki Stein aus dem realexistierenden Fall Manfred Schmiders, der Staat und Kundschaft in den Neunzigern mit realnichtexistierenden Horizontalbohrern um Milliarden Mark betrogen hat – eine Wirtschaftsgroteske, die schon deshalb wahrhaftig ist, weil Handlung, Orte, Personen bis hin zum Firmennamen FlowTex unverfälscht bleiben.

Ein Attribut, das auch Deutschlands beliebtestem Frauenversteher anhaftet, aber langsam mal totgeritten sein dürfte, wenn Guido Maria Kretschmer ab heute auf Vox die nächste Lifestyleschulung namens Guidos Masterclass moderiert. Den Überflussstolz, der darin wieder gepredigt werden dürfte, nimmt Arte tags drauf in seiner Doku Die Erdzerstörer ins Visier, wo 200 Jahre Industriekapitalismus beleuchtet werden oder wie Andreas Scheuer sagen würde: 200 Jahre Fortschritt, Kreativität und Anreize. Wem so viel Moral lästig ist, kann sich Freitag ja mit der neuen ARD-Reihe Reiterhof Wildenstein um irgendwas mit Intrigen und Liebe sedieren. Oder zeitgleich Al Bundys früherer Dumpfbacke Christina Applegate dabei zusehen, wie sie in der pechschwarzen Netflix-Komödie Dead to Me zehn Folgen den Tod ihres Mannes verarbeitet. Oder Frank Elstner, wie er mit Jan Böhmermann im neuen Youtube-Talk Wetten, das war’s…? über altes und neues Fernsehen diskutiert.

Alternativen bieten wie immer die Wiederholungen der Woche, zum Beispiel Bryan Singers Halbwelt-Dekonstruktion Die üblichen Verdächtigen (Samstag, 22.05 Uhr, Servus), mit der 1995 ein gewisser Kevin Spacey weltberühmt wurde. Das war die Hauptfigur im Untergang (Sonntag, 20.15 Uhr, Arte) zwar schon vor 2004. Durch Oliver Hirschbiegels Führerbunker-Revue bekam sie jedoch ein menschliches Antlitz. Gleich im Anschluss um 22.45 Uhr zeigt Arte das Biopic Fritz Lang, den Heino Ferch als Forscher seiner eigenen Abgründe in Schwarzweiß verkörpert. Und aus gegebenem Anlass wiederholt der WDR am Dienstag (22 Uhr) den Tatort: Alptraum, in dem Hannelore Elsner 1997 zum zweiten und letzten Mal die Hamburger Kommissarin Lea Sommer spielte.


Billy Zach, van Kraut, Ezra Collective

Billy Zach

Ob schlechte Stimmung stets übellaunig klingt und gute beschwingt – die Frage ist spätestens unbeantwortbar, seit selbst The Cure im quietschfidelen Dur über Jungs sangen, die nicht weinen. Als tiefdunkler Wave plötzlich glockenhell klingen durfte, war Max Zacherl zwar nur ein grobes Konzept in der Familienplanung seiner Eltern, aber irgendwie hat er den Paradigmenwechsel mit der Muttermilch aufgesogen. Unterm Kunstnamen Billy Zach kreiert der gebürtige Bayer 32 Jahre später im WG-Zimmer seiner Hamburger Wahlheimat einem Sound kreiert und auf handsigniertes Vinyl gepresst, der zugleich tiefschwarz und strahlend weiß ist, eine Art Gothic Light gewissermaßen mit Songs, die unter der düsteren Oberfläche schwingen wie analoger Rave in einer entweihten Kirche.

Schon der Opener Elite wirkt, als hätte sich Tom Waits mit The Cramps zum Surf Punk verabredet. Riot Circus verliert zwar an Tempo, nicht aber an Verve, bevor uns die Gitarrenproklamation Fights wie ein Tarantino-Soundtrack durch staubige Canyons treibt. Der Schlüsseltrack von Shallow aber ist das epische Where Am I. Mit seiner Reibeisenstimme singt Billy Zach missmutige Zeilen wie „Hate my life and live my hate / I am justified to share your rage“. Im solo eingespielten Rockinstrumentarium zu Betrachtungen seiner gentrifizierten Großstadt schwimmen sie aber in einen Fluss, der mal aufwallt, mal abschwillt, bevor er geruhsam ins Meer eines schräg-schönen DIY-Manifests mündet, das nur selten so trübsinnig ist, wie dunkler Wave schon längst nicht mehr sein muss.

Billy Zach – Shallow (self)

van Kraut

Ungleich fetter und, hüstel, professioneller produziert, aber in einem absolut artverwandten Duktus präsentieren van Kraut am gleichen Standort ihr zweites Album. Auch auf Zäune aus Gold ist die Atmosphäre so getragen wie im poetischen Hardcore von Messer bis Die Nerven üblich. Auch hier dominieren düstere Riffs ein flatterndes Gerüst kulturpessimistischer Grundstimmungen. Auch hier geht es alles in allem eher missmutig zu. Augenscheinlich. Untergründig jedoch mag Christoph Kohlhöfer die Gated Community des Glücks seiner Stadt als elitären Selbstbetrug entlarven also gegen Aufwertung, Kapitalismus, Bürgertum pesten. Es klingt nur nie misanthropisch, sondern allenfalls trotzig.

Sollte es für dieses gesanglich reduzierte, instrumentell aufgewühlte Gitarre-Schlagzeug-Duett, dem Tobias Noormann sehr klug pointierte Drums beisteuert, Referenzgrößen geben – man würde vermutlich irgendwo zwischen Ja, Panik und Fehlfarben fündig. Entscheidend aber ist, dass sich von Kraut nirgends anbiedern, wenn ihr getragener Postpunk den alten Wave des vergangenen Kalten Kriegs ins Jahrtausend des neuen transponiert. Das Resultat ist die meisten der neun Stücke lang zwar angemessen emotional, aber gottlob nie larmoyant oder frei von Selbstironie. Ein wirklich gelungenes Alternative-Album mit gelegentlichem Potenzial zur Bauwagenplatzpartybeschallung.

von Kraut – Zäune aus Gold (DIAN Recordings)

Ezra Collective

So ganz ganz anders, weil ganz ganz lebensbejahend und dabei ganz ganz wunderbar ist hingegen das Ezra Collective. Im Lichtkegel der UK Jazz Invasion, die den angestaubten Distinktionssound ergrauter Professoren und Anwälte gegenwarts-, also poptauglich macht, vermengt das Quintett aus London 2000 Jahre Jazzhistorie mit HipHop, Afrobeat, Ska, Funk, Soul und etwas Grime zu einer Melange, die vom Ohr übers Gehirn ins Herz durch den Schritt Richtung Beine geht und dort für Bewegung sorgt. Befeuert vom Schlagzeug des Bandleaders mit dem fabelhaften Namen Femi Koleoso ist das Debütalbum You Cant’t Steal My Joy demnach mehr als ein Mashup verschiedener Stile.

Es ist ein Manifest der Grenzüberwindung, das besonders in den Songs mit Gaststars wie Jorja Smith oder dem Cockney-Rapper Loyle Carner große Kraft enftacht. Sein What Am I To Do erinnert an die Ursprünge dieser Art des Crossovers, als Jazzmattaz oder Arrested Development den Sound alter weißer Männer mit dem junger schwarzer, na ja – auch Männer, aber androgynerer Selbstwahrnehmung versöhnt haben. So wahnsinnig soziokulturell bis politisch muss man You Cant’t Steal My Joy aber gar nicht höre; die 13 Stücke flattern bis zum karibischen Shakara feat. Kokoroko so hingebungsvoll spielfreudig durch den Kosmos weltweiter Klänge, dass man sich die nächste Fernreise getrost sparen kann. Ist auch besser fürs Klima…

Ezra Collective You Cant’t Steal My Joy


Notre-Dame & Sabine Postel

Die Gebrauchtwoche

15. – 21. April

Disaster Porn ist ähnlich wie Herdprämie für die staatlich alimentierte Hausfrauenehe ein Begriff, der Kritikern gesellschaftlicher Missstände von den Kritisierten um die Ohren gehauen wird. Katastrophenpornografie bezeichnet nämlich den Hang vieler Medien, die Zahl der freigeräumten Sendezeit und Zeitungsseiten von Opferzahlen und Knalleffekten abhängig zu machen. Deshalb schaffen es Busunglücke wie das in Madeira vom Mittwoch selbst dann die Schlagzeilen dominiert, wenn sie im hinterletzten Winkel Südasiens geschehen, was im Umkehrschluss bedeutet: Der gewöhnliche Überlebenskampf vor Ort interessiert leider nur dann, wenn die Liedtragenden zufällig alle auf einmal, statt tagtäglich sterben.

In diesem Licht der Aufmerksamkeitsindustrie muss man – obwohl dort niemand körperlich zu Schaden kam – auch den Brand der Kathedrale Notre-Dame sehen. ARD und ZDF wird nämlich wie bei so vielen Breaking News vorgeworfen, ihr Programm nicht flugs unterbrochen und vom Flammenherd berichtet zu haben. Hier allerdings liegt die Sache ein wenig anders. In Paris brannte nämlich ein Gotteshaus, wenngleich ein wichtiges. Punkt. Darüber haben die öffentlich-rechtlichen Sender, wie auch das Medienmagazin DWDL kommentiert, absolut angemessen berichtet und damit ihrem Staatsauftrag ausreichend genüge geleistet.

Was man im Rückblick eher weniger von der Art und Weise sagen kann, wie das ZDF mit seinem Nischenzugpferd Jan Böhmermann in der Affäre ums so genannte Schmähgedicht gegen Reccep Tayyip Erdoğan umgegangen ist. Und jetzt hat der Moderator auch noch vorm Berliner Landgericht gegen Angela Merkel verloren, die ihm damals öffentlich vorgeworfen hatte, den türkischen Staatspräsidenten „bewusst verletzt“ zu haben. Dabei ist Böhmermann einer der ganz wenigen, die mit etwas mehr Wertschätzung von Politik und Sendern den anhaltenden Abstieg des alten Leitmediums verlangsamen könnte. Erstmals wird die Internetnutzung demnächst nämlich die des Fernsehens auf dann gut 170 Minuten täglich überholen.

Wo genau in diesem Wettstreit Game of Thrones steht, ist ungeklärt. Produziert vom analogen HBO, ging die erste Folge der 8. Staffel über den digitalen Server von Sky auf Sendung – was am beispiellosen Hype wenig änderte, obwohl das Finale bislang alles andere als weltbewegend war. Das kann man von dem der Bremer Tatort-Ermittler Lürsen und Stedefreund nicht behaupten.

Die Frischwoche

22. – 28. April

Wenn sich Sabine Postel und Oliver Mommsen heute nach 18 Jahren vom harmonischsten aller Duos verabschieden, gibt es (versprochen!) einen Fall voller Knalleffekte mit (versprochener!) furiosem Abgang der Darsteller. Einerseits: absolut angemessen! Andererseits: so überdreht steigt die Neue im Dresdner Tatort am nächsten Sonntag sogar ein, was der wunderbaren Cornelia Groeschel folglich einen vogelwilden, aber wirklich würdigen Start in ihrer Heimatstadt gewährt. Wie immer an der Grenze zum bloßen Klamauk ist Tim Burtons Ode an die menschliche Besonderheit auf seiner Insel der besonderen Kinder, die Sat1 zeitgleich zeigt.

Zwei Stunden zuvor dürfen wir dem Syrer Firas Alshater in der ZDF-Reportage Ach, du liebes Heimatland bei seiner entzückenden Rundreise durch seine Wahlheimat D und dessen ursprünglich „christliche“ ominöse „Leitkultur“ zusehen. Dazu zählt mit etwas mehr Fantasie, als Leitkulturfans oft haben, auch die Jugendkultur, der sich die RTL-Plattform TV Now ab Samstag mit der – so heißt das ernsthaft: „Young Adults“-Serie Wir sind jetzt! beschäftigt. Eine Schar sehr moderner Spätteenies versucht hier vier Teile lang, erwachsen zu werden, ohne erwachsen zu werden. Bisschen aufdringlich, aber von peer to peer, also offenbar authentisch.

Das gilt auch für den Nachfolger von Zimmer frei im WDR. Ab Sonntag (22.45 Uhr) sucht Moderatorin Lisa Feller mit einem Psychologen Das Tier in dir, also das zoologische Äquivalent ausgesuchter Kandidaten – zum Auftakt: Thomas Anders und, äh, Rudolf Mooshammers Pudel? Überraschenderweise ebenfalls im Dritten läuft morgen (22 Uhr, BR) Das Wunder von Wörgl, Urs Eggers realitätsbasiertes Zwischenkriegsmelodram mit Karl Marcowicz als Postbote, der die Weltwirtschaftskrise in seinem Alpendorf mit einer eigenen Währung bekämpft. Vor den Wiederholungen der Woche wäre an dieser Stelle mal die Erörterung nötig, warum ab Freitag auf Sky mit A Discovery of Witches schon wieder eine Fantasyserie mit Hexen startet.

Weil es müßig ist, die Marktmechanismen kommerzieller Angebote zu ergründen, empfehlen wir hier allerdings doch lieber Der mit dem Wolf tanzt (Mittwoch, 20.15 Uhr, Nitro) von und mit und über und unter und durch und neben Kevin Kostner, was 1990 echt schön war, sorry. Was bis in alle Ewigkeit toll sein wird, läuft parallel auf Arte: Jean-Luc Godards Außer Atem (1960) mit dem tollen Jean-Paul Belmondo und der noch tolleren Jean Seberg als Bonnie und Clyde der Nouvelle Vague, gefolgt von Bilderbuch, Godards experimentelles Kompilationsessay von 2018.


Claus Kleber: heute-journal & Entertainment

Wer langweilt, informiert nicht

Claus Kleber (Foto: Bernd Arnold/journalist) ist Nachrichtenmoderator und Schwiegermuttertraum, Korrespondent und Anchor, gutes und schlechtes Gewissen der deutsche Medienlandschaft schlechthin. Ein Gespräch mit dem 63-jährigen Gesicht des heute-journal über Eye-Candy am Bildschirm, die Tücken der Haltung und warum er sich andauernd nach Feldarbeit sehnt.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Claus Kleber, wenn das Thema auf Ihre Person fällt, ist schnell auch von der Augenfarbe die Rede. Stört es Sie, so auf Äußerlichkeiten reduziert zu werden?

Claus Kleber: wie kommen Sie darauf – hat Ihre Erkenntnis empirische Grundlagen?

Abgesehen von meiner eigenen Mutter, die ständig von Ihren Augen schwärmt, sind es allein 88.000 Google-Treffer, die „Blaue Augen“ plus „Claus Kleber“ ergeben.

Das ist wirklich interessant, weil ich persönlich eigentlich nie darauf angesprochen werde und ehrlich auch meinen Namen nie in Kombination mit anderen Begriffen google.

Sie fühlen sich also nie auf Äußerlichkeiten reduziert?

Nein. Ich erinnere mich allerdings daran, dass mir ein Pharma-Konzern ganz am Anfang meiner Zeit beim heute-journal ein irrsinniges Honorar dafür geboten hat, meine Augen für irgendwelche Tropfen fotografieren zu lassen. Völlig absurd!

Und?

Hab‘ ich nie drauf reagiert. Ansonsten kommt zwar ab und zu mal jemand an und bezeichnet sich mit Verweis auf irgendetwas Optisches an mir als mein größter Fan. Das war’s. Was ich hingegen öfter höre, ist „der Typ mit dem schiefen Gesicht“, was ja nicht nur schmeichelhaft ist. Soll ich mich über die Frage mit den Augen eigentlich freuen, ärgern oder worauf zielt sie ab?

Darauf, wie viel Emotionalität, Entertainment, Eye-Candy seriöse Nachrichten und Magazine im öffentlich-rechtlichen Programm vertragen?

Verglichen damit, wie wichtig Themen, Auswahl, Präsentation und Zuschnitt der Informationen sind, nicht viel. Wenn die Form wichtiger als der Inhalt, ist das alles irrelevant. Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass der Erfolg von Nachrichten mit dem Look zusammenhängt. Ich erinnere mich gut an einige der ganz großen Reporter-Gestalten wie Walter Cronkite, die okay aussahen, aber doch nicht wie Models. Gilt genauso für Friedrich Nowottny, Ernst Dieter Lueg oder Peter Scholl-Latour die gewiss keine Dressmen waren, sondern ihren Appeal aus der Sache zogen. Gehen Sie deutschsprachige Moderatoren doch mal durch.

Nehmen wir Peter Kloeppel.

Zum Beispiel. Wirklich jeder und jede strahlt da Seriosität aus. Dennoch käme ich nie auf die Idee, sie nach Poster-Kriterien zu bewerten. Wichtiger als Verpackung ist das Geschick, dem Publikum die Bedeutung des Inhalts zu vermitteln.

Was sind diesbezüglich Kriterien, dass Nachrichten für glaubwürdig, gar wahrhaftig gehalten werden?

Werden sie das? Ich habe den Eindruck, dass das immer schwieriger wird. Was den Auftritt von Moderatoren angeht, deckt die Kamera Fakes erbarmungslos auf. Wir sind keine Schauspieler. Wenn wir Banalitäten mit künstlicher Empathie oder Begeisterung vermitteln, spürt das Publikum sehr schnell, dass da ein Missverhältnis besteht. Deshalb provoziere ich in unserer Konferenz, die wie vorhin ganz schön kontrovers ablaufen kann, gerne mal den Widerspruch der Redaktion.

Das Kontroverse war allerdings am Rande des Streits.

Weil in einer engagierten Debatte am besten rauskommt, wo der interessante Kern einer Geschichte liegt. Wenn es keinen gibt, schmeißen wir sie raus. Ich hoffe, es hat nichts mit Nabelschau zu tun: Nach meiner Erfahrung ist es ganz gut, danach zu fragen, was wir als Redakteure eigentlich selbst am Abend sehen wollten, wenn wir heute frei hätten. Was mich nicht interessiert, kann ich auch nicht als interessant verkaufen.

Heißt das, Sie haben eine Art Vetorecht?

Das ist nirgendwo geregelt. Es gibt aber so was wie ein unausgesprochenes Vorrecht des Moderators notfalls „nein“ zu sagen. Ich habe noch keinen Beitrag moderiert, den ich nicht senden wollte. Wesentlich schwieriger ist es, etwas unbedingt in der Sendung haben zu wollen. Dafür muss man  ja auch jemanden finden, der oder die den Beitrag macht. Aber auch wenn unsere Konferenzen diskursiv bis streitbar sind – am Ende finden wir immer einen Konsens.

Heißt das sogar, dass redaktioneller Streit zur besseren Sendung führt?

Ja! Wenn alle nur dasitzen und nicken, würde der Job erstens keinen Spaß machen, weil zweitens Langeweile entsteht. Wir fetzen uns gerne und oft. Aber sachlich.

Ist das das Wesen von Journalismus mit Haltung?

Ich habe Schwierigkeiten mit dem Begriff, weil Haltung oft als Feigenblatt für Denkfaulheit dient, das Mittreiben im Mainstream: Trump ist blöd, die Rüstungsindustrie kriminell, Autoindustrie neuerdings auch, die Politik verlogen – wer in diesem bequemen Korridor deftige Formulierungen findet, darf sich einbilden, eine Haltung zu haben, ohne sich mit der Sache wirklich zu befassen.

Zum Beispiel?

Besteht der Diesel-Skandal wirklich nur aus einer Branche, die betrogen hat, und dem CSU-Minister, der das deckt? Nein! Die Geschichte geht tiefer. Um dahin vorzudringen, muss man allerdings tief graben, was sich manche Journalisten durch Haltung ersparen. Wenn ich auf VW oder Herrn Scheuer herumhacke, darf ich mir breiter Zustimmung gewiss sein. Nur, wer  mit tiefergehender Recherche auch mal gegen den Strom schwimmt, riskiert Widerspruch.

Aber war es nicht Ausdruck einer solchen Mainstream-Haltung, im August 2016 Zweifler an der Willkommenskultur mit Nationalisten gleichzusetzen, wofür Sie der Spiegel damals heftig kritisiert hat?

In der Tat. Damit hat der Kollege Fleischhauer einen Punkt gemacht. Der Vergleich war von meiner Seite so zwar nicht gemeint, aber missverständlich formuliert. Die Kritik des Spiegelwar berechtigt. „Touchè“, wie der Fechter sagt. Ich glaube, das habe ich ihm damals auch geschrieben.

Teilen Sie denn die Meinung vieler Beobachter, klassische Medien hätten im Kampf mit den digitalen nur dann eine Überlebenschance, wenn Sie meinungsstark sind?

Nochmal: ich sehe das nur, wenn die meinungsstarke Haltung Ergebnis offener Recherche ist. Natürlich gibt es Themen, die dieser Prüfung nicht mehr bedürfen. Menschenrechte zum Beispiel, damit treibt man keine Scherze. Darüber hinaus aber macht es mir viel Spaß, Gegenpositionen einzunehmen – da kommt vielleicht meine juristische Ausbildung durch. Das macht die Sendung lebendig, damit sehenswert, also konkurrenzfähig.

Was heißt lebendig in diesem Fall?

Als die Berichterstattung nach den mutmaßlichen Mord eines Flüchtlings reflexartig schrieb, um Gottes Willen nicht zu verallgemeinern und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, begrüßte ich mit „Guten Abend. Was wir zu berichten haben, begann mit einem Mord. Ein Mensch ist tot, weil ein anderer ihn umgebracht hat“. Dafür gab es natürlich auch Beifall von der falschen Seite, aber mir war es wichtig, nicht aus Abneigung gegen die „Ausländer-raus-Brüller“ auf Klartext zur ursprünglichen Tat zu verzichten.

Könnte man dieser Anmoderation nicht vorhalten, effekthascherisch zu dramatisieren?

Bei oberflächlicher Betrachtung vielleicht. Einen Schritt weiter gedacht, fällt Wohlmeinenden hoffentlich auf, dass hier Dinge ins Lot gebracht werden. Mit Effekthascherei hatte das nichts zu tun.

Ersetzen wir Effekt durch Entertainment: Wie viel Unterhaltsamkeit vertragen seriöse Nachrichten, ohne an Seriosität zu verlieren?

Wer langweilt, kann nicht informieren. Das macht unterhaltsame Nachrichten aber noch nicht zu Infotainment, sondern verpackt Fakten auf eingängige Art. Trotzdem geht es uns nicht um Unterhaltung, sondern darum Informationen zu gewichten, sortieren, verständlich zu machen. Das macht 80 Prozent unserer Arbeit aus und ist anstrengend. Über den Tag hinweg werden viele Nachrichten ja einfach von Leuten wiedergekäut, die sich keinen Kopf über die Zusammenhänge machen. Die Welt ist zu kompliziert für einfache Lösungen.

Ist die Ansprache abgesehen von der Auswahl seit Ihrem Einstieg im heute-journal vor 16 Jahren dennoch lockerer geworden, weniger staatstragend?

Hab‘ ich nicht das Gefühl. So zu reden, wie die Menschen auch vor den Bildschirmen reden, war ein Gründungsimpuls des heute-journals, aber auch der Tagesthemen, also nicht so verschraubt wie es in den Nachrichten damals üblich war. Weil ich zu Schachtelsätzen neige und meine Wortkaskaden oftmals zu kompliziert sind, muss da permanent an mir arbeiten.

War das 15-minütige heute-journal am Wochenende da womöglich ein gutes Training, schneller auf den Punkt zu kommen als alltags auf doppelter Länge?

Nicht unbedingt, schon weil die Soll-Länge meiner Moderation in der Woche im Schnitt 50 Sekunden beträgt und am Wochenende 40. Der Unterschied ist nicht so grausam.

Zumal die Sendezeit am sonntags künftig so lang ist wie werktags. Warum?

Weil wir das Gefühl hatten, dass wir ausgerechnet am Sonntag, wo man die Dinge mal etwas ruhiger Revue passieren lassen und sortieren kann, am wenigsten „Journal“ waren. Sogar die Hauptnachrichten sind da ja länger. Unser aller Ziel in der Redaktion ist es, aus der Sonntagsausgabe fortan eine besonders abwechslungsreiche, wenn Sie so wollen: interessantere zu machen. Eine, die nicht unbedingt am Tag klebt. Das Geschehen mit mehr Ruhe zuzubereiten, heißt aber nicht, dass es langsamer werden muss. Im Gegenteil.

Ist die Erweiterung auch ein Signal an die Branche, seriöser Information im Getöse von Netz und Populisten mehr Raum zu geben?

Unbedingt, das ist eine Entscheidung – da haben wir’s wieder – gegen den Strom. Und wir belegen, dass das Gerede vom absteigenden Ast, auf dem sich öffentlich-rechtliche Medien angeblich befinden, nicht stimmt. Im Gegenteil. Das heute-journal ist erfolgreich wie seit 25 Jahren nicht mehr. Da ist die Erweiterung ein ermutigendes Signal in die Medienlandschaft. Ich bilde mir nicht ein, dafür verantwortlich zu sein, werbe dafür aber seit meinem ersten Tag beim ZDF.

Ist das dennoch auch als Signal an die Gegner der freien Presse zu verstehen, jetzt erst recht!

Das würde ich bei bislang drei Stunden heute-journal pro Woche angesichts von 15 Minuten mehr nicht überschätzen. Ich freue mich über die zusätzliche Spielfläche an diesem wichtigen Tag, aber wir lassen die Kirche im Dorf. Viel mehr würde ich mir wünschen, dass unsere Ressourcen wachsen, denn wir stoßen hier jeden Tag an die Grenzen des Möglichen. Sie kennen das ja…

Sparzwänge.

Genau. Die ARD hat mit 18.000 Mitarbeitern weit größere Ressourcen als wir mit 3000. Das ZDF durfte ja fünf Jahre de facto niemanden einstellen. Uli Gack, unser Reporter in Kairo, berichtet daher im Moment über vier Kriege einer riesigen Region. Aber bei unvorhergesehenen Ereignissen wie in Chemnitz wünsche ich mir auch hier mehr Personal vor Ort, und zwar nicht nur, wenn’s brennt, sondern auf Dauer.

Das kostet natürlich.

Aber der finanzielle Druck ist nicht heilsam, der personelle schon gar nicht. Ich bin zwar jeden Tag dankbar, dass mir hier niemand in den Nacken atmet und sagt, wir sollen mehr Quote machen. Aber wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es nicht nur mehr Sendezeit, sondern vor allem mehr Reporter.

Sind es demnach harte Zeiten für Journalisten oder im Gegenteil besonders spannende, weil sie sowohl personell als auch inhaltlich besonders gefordert werden?

Eindeutig spannendere. Fordernde sind gute Zeiten. Zumal sich nichts mehr versendet, wie man früher sagte. Weil alles, was wir zeigen, im Netz verfügbar bleibt, ist unsere Arbeit für die Ewigkeit. Das gilt auch im Negativen. Wenn ich Fehler mache, bleibt das viel länger im Gedächtnis als früher. Dass uns ständig Menschen über die Schulter blicken hat die Anspannung erhöht, aber ohne dieses Feedback könnte man vom Studio aus den Eindruck gewinnen, nur für uns zu arbeiten. In Wirklichkeit sind wir für vier Millionen Menschen Tag für Tag womöglich die wichtigste Informationsquelle. Nehmen wir diese Verantwortung nicht im Dienst der Zuschauer wahr, wird  uns das von um die Ohren gehauen. Mit Recht.

Reagieren Sie auf solche Kritik im Zweifel persönlich?

Soweit es mir möglich ist, schon – sofern es in anständigem Tonfall erfolgt, der gerne scharf, aber nicht beleidigend sein darf. Anders verhält es sich, wenn wir mit Dreck beworfen werden, denn das hat nichts mit konstruktiver Kritik zu tun. Darauf reagiere ich nicht. Wobei ich da gewiss nicht das bevorzugte Opfer bin; das betrifft Kolleginnen wie Dunja Hayali wesentlich stärker als mich.

Sie haben annähernd 20 Jahren in den USA gearbeitet.

17, um genau zu sein.

Und dabei vier Präsidenten erlebt.

Angefangen noch bei Ronald Reagan, dann Bush Senior, Clinton, Bush Junior. Und Obama habe ich immerhin bei Wahlsendungen erlebt und später – im NSA-Skandal – interviewt.

Wäre es aus journalistischer Sicht verlockend, im Amerika Donald Trumps zu arbeiten, der den Dreck von höchster Stelle wirft und die Presse regierungsamtlich angreift?

Verlockend ja. Aber Trump ist der erste US-Präsident, den zu interviewen mich nicht interessiert. Weil er im Grunde nur Selbstgespräche führt, kann man ihn ja nur vor sich hin plaudern lassen und erhält dabei die gleichen Antworten, als würde man ihn herausfordern. Im Gegensatz dazu hatte ich bei all seinen Vorgängern wirklich gute Zeiten. Dass es für freie Medien schwieriger, ja unerfreulich geworden ist, in den USA tätig zu sein, liegt allerdings nicht an Trump allein, sondern dem Wandel der gesamten Diskussionskultur. Schon vor der letzten Präsidentschaftswahl bröckelte dieser unausgesprochene Konsens, dass Politiker und Journalisten zwar bisweilen scharf, aber nie feindselig miteinander umgehen.

Das war schon unter Obama der Fall?

Ja, aber nicht mit Obama. Als ich ihm mal die Frage gestellt habe, wieso seine Amtszeit nach der anfänglichen Euphorie zu solch einer Enttäuschung werden konnte, hat er offen und ehrlich geantwortet. Das wäre im Interview mit deutschen Spitzenpolitikern kaum denkbar. Diese Art harten Respekts voreinander habe ich aus den USA mit nach Deutschland genommen.

Was haben Sie beruflich noch von dort mit heimgebracht?

Eine gewisse Gelassenheit. Und die Wertschätzung fürs Reporting, das, was wir Recherche nennen, aber nicht am Schreibtisch erfolgt, sondern am Ort des Geschehens. Ich habe mein Handwerk als Lokalreporter gelernt. Immer noch die beste Schule. Wir alle gehen zu wenig dorthin, wo Geschichte wirklich stattfindet. Das Internet hat alle, auch uns Journalisten, dazu verführt, die Welt vom Computer aus verstehen zu wollen. Als Reporter an Ort und Stelle zu sein, wird – jedenfalls dem Anspruch nach – im amerikanischen Fernsehen weit höher gehalten als im deutschen. Das habe ich mir bewahrt. Und ich merke es auch Kolleginnen und Kollegen an, die ein paar Monate oder länger in den USA sind, dass sie diesbezüglich verändert nach Deutschland zurückkehren. Meist sind sie begeistert.

Sehnen Sie sich manchmal ein wenig nach echter Feldarbeit, wenn Sie die Welt so vom Mainzer Lerchenberg aus betrachten?

Nicht nur manchmal. Deswegen ist es für mich so wichtig, für unsere Dokumentationen raus zu gehen. Aber in den 16 Jahren beim heute-journal konnte ich das so regelmäßig tun, dass ich sogar mehr von der Welt gesehen habe als in den Korrespondentenzeiten zuvor. Die Arbeit daran ist zwar mörderisch, da mir zum Drehen immer nur das Zeitfenster zwischen zwei Moderationswochen bleibt. Sieben Tage bis Sonntag moderieren, Montag früh in den Flieger, Samstag zurück und aufs journal vorbereiten – da arbeitet man schnell mal sieben Wochen ohne freien Tag durch.

Immerhin gelten Sie dafür als bestbezahlter Fernsehjournalist Deutschlands…

Das glaube ich nicht. Das hat irgendwann mal jemand behauptet und seitdem schreibt es jeder vom anderen ab. Ich werde gut bezahlt, aber das ZDF schmeißt kein Geld raus.

Können Sie sich vorstellen, das Studio irgendwann wieder ganz gegen die Welt freiberuflicher Recherche-Reporter zu tauschen, wie es viele ihrer Kollegen von Jens Jessen bis Georg Mascolo getan haben?

Als Korrespondent? Ja! Aber ich fürchte, es bietet mir keiner an. Das ZDF will wohl, dass ich den Job hier noch weitermache. Solange ich außerdem Dokus machen kann, sind alle meine Wünsche erfüllt.

Vor zehn Jahren haben Sie Ihre Festanstellung beim ZDF in Freiberuflichkeit verwandelt, nachdem es zuvor nicht mit der Chefredaktion des Spiegel geklappt hatte.

Was heißt nicht geklappt? Es war zwar ein sehr verlockendes Angebot, aber das vom ZDF war es ebenfalls.

Wenn man das Nachrichtenmagazin jetzt betrachtet: sind Sie angesichts der Affäre um Claas Relotius froh, es heute nicht zu leiten?

Nein. Man denkt schon darüber nach, was sich im Leben geändert hätte, wäre man irgendwo anders abgebogen. Aber ohne jede Wehmut. Jedenfalls werde ich mich hüten, zu behaupten, unter meiner Leitung könnte es einen Fall Relotius nicht geben.

Wie wappnet sich das heute-journal dagegen, Lügen oder auch nur unsauberen Recherchen seiner Mitarbeiter aufzuliegen?

Unsere Sinne sind geschärft. Aber ich kann mir von keinem meiner Kollegen vorstellen, dass er oder sie dazu in der Lage wäre.

So wie es sich niemand von Claas Relotius vorstellen konnte.

Von dem wohl sogar am wenigsten! Wir fragen selbst verlässliche, altgediente Korrespondenten schon mal, ob alles wirklich genauso vorgefallen ist, aber ohne Argwohn. Es geht nicht ohne Vertrauen. In einer tagesaktuellen Sendung wie unserer greifen Kontrollmechanismen aber schon deshalb weniger, weil viele Stücke erst kurz vorm Beginn reinkommen. Das kriegt oft nicht mal die Schlussredaktion zu sehen.

Als die Verhandlungen der Jamaika-Koalition geplatzt sind, ging das heute-journal sogar mal länger live auf Sendung…

Live sind wir immer! Außer, wir können einen Gesprächspartner nicht überreden, zu unserer späten Zeit zu kommen oder es ist ein besonders komplexer Erklär-Raum mit 3D-Elementen. Beim End of Jamaica haben wir gesendet, bis alles im Bett war. Aber es war aus journalistischer Sicht ein großartiger Abend.

Wie groß schätzen Sie als eine der prominentesten Figuren der deutschen Medienlandschaft Ihren Einfluss aufs Metier ein?

Als weit überschätzt. Das habe ich früh gelernt. Als ich noch ARD-Studioleiter in Washington wurde, kam gerade die Affäre Bill Clintons mit Monica Lewinsky hoch. Es gab dazu anfangs fast täglich einen Brennpunkt, und ich hatte Abend für Abend dieselbe Botschaft: Das ist weit mehr als Wühlen im Privaten! Der amerikanische Präsident ist nicht nur der leitende Angestellte eines Landes, wie sich Helmut Schmidt genannt hat, sondern dicht hinter Patriotismus, Dollar und American Dream der integrierende Bestandteil dieser diversen Nation!

Und das heißt?

Wenn er sich mit Dreck besudelt, ist das demnach nicht privat, sondern öffentlich. Und das habe ich durchs denkbar größte Megafon – die Tageschau mit zehn Millionen Zuschauern – in die Republik gerufen. Jeden Tag. Doch dann komme ich zurück nach Deutschland, und was passiert? Alle, wirklich alle sagen mir: Tolle Berichte machst du! Hab ich alles gesehen. Aber die Amis spinnen doch. Dieses irre Rumwühlen in einer Privat-Affäre… Seither weiß ich: Mein Einfluss ist minimal.

Gibt es da kein Gegenbeispiel?

Nö. Wenn ich was über Menschenrechte mache, höre ich schon mal, dass den Zuschauern ein Licht über deren Bedeutung aufgegangen sei. Aber ich habe nie jemanden erlebt, der meinte, ich hätte seine Weltsicht verändert oder auch nur die meiner Branche.

Reicht Ihre Eitelkeit aus, sich das Gegenteil zu wünschen und ihr Metier verändern, also aktiv gestalten zu können?

Das überlasse ich den Politikern, und zwar gern. Ich fühle mich als kritischer Beobachter am besten eingesetzt.

Der Text ist vorab im Medienmagazin journalist erschienen

Alexa Assange & Beyoncé Kalkofe

Die Gebrauchtwoche

8. – 14. April

Ob du Journalismus hast oder nicht, sagt dir gleich das (Rampen-)Licht. Als würde Michael Schanze noch immer Plopp machen, poppten am vorigen Donnerstag Bekundungen am Bildschirm auf, die wie so oft Frage aufwerfen, wo denn nun die Politik endet und wo Berichterstattung beginnt. Nach der überraschenden Festnahme von Julian Assange zum Beispiel versicherte sein Chefredakteur Kristinn Hrafnsson vor Ecuadors Londoner Botschaft, „it’s journalism“, der den Wikileaks-Gründer 2012 ins politische Asyl getrieben hätte – und das, obwohl die Plattform Nachrichten nicht wie klassische Medien kuratiert, sondern lückenlos raushaut.

Nur wenig später dann kürte die World Press Photo Association ein Pressefoto als bestes der vergangenen zwölf Monate, das ein weinendes Mädchen aus Honduras zeigt, dem Donald Trump gerade an der mexikanischen Grenze die Mutter nimmt. Auch da fragt sich, ob die Jury wirklich John Moores spannend verschatteten Schnappschuss prämiert oder doch die soziokulturelle, Spötter könnten meinen: melodramatische Metaebene? Heulende Kinder gehen schließlich immer, so wie das Leid seit Jahrzehnten die Wahl zum Weltpressefoto ebenso dominiert wie die Arbeit einer wichtigen – aber auch journalistischen? – Plattform wie Wikileaks. An einem eiskalten Apriltag des Jahres 2019 merkte man also aufs Neue, wie schwierig es ist, die Gegenwart in Bilder, geschweige denn Worte zu fassen.

Ob Amazons maximal invasive Sprachassistentin Alexa ein Modulationssystem digitaler Codes ist oder doch bereits Big Sister 4.0 – diese Frage beginnt sich währenddessen Richtung Antwort b) zu klären. Denn wie jetzt bekannt wurde, hören nicht nur Algorithmen mit, wenn wir unseren Alltag sprachorganisieren, sondern Jeff Bezos’ Angestellte, also echte Menschen. China, so zeigt sich, sitzt auch ein bisschen an der amerikanischen Ostküste. Na ja, wenigstens dem abgewrackten Bay Watch-Star David Hasselhoff dürfte Alexa Neugierde egal sein – so lange sie ihm andauernd auf die Nennung seines Namens hin versichert, „David Hasselhoff ist ein Superstar“, wie Boulevardmedien melden, lässt er sich gewiss gern aushorchen.


Die Frischwoche

15. – 21. April

Beyoncé Knowles dagegen dürfte ihren Namen nicht in irgendwas hineinsprechen, um sich ihrer Superstarhaftigkeit zu versichern. Das haben ihr schließlich bereits die Macher des kalifornischen Coachella-Festivals hinlänglich bewiesen, wo sie 2018 der erste farbige Headliner überhaupt war – woraus die geschäftstüchtige Sängerin dann flugs eine Dokumentation gemacht hat. Mittwoch hat Homecoming auf Netflix Premiere und nicht viel mehr Inhalt als Beyoncé beim Beyoncésein, was trotzdem sehenswert ist. Gleiches gilt für eine Doku, in der es um noch mehr nackte Haut geht, als die freizügige Künstlerin sie zu zeigen bereit ist: Ab heute zeigt Sky die – Zufall? – sechsteilige Dokumentation Porn Culture über Sex & Erotik in Film & Fernsehen der vergangenen 70 Jahre.

Um jetzt einfach mal den größtmöglichen Kontrast dazu zu finden, empfehlen wir an dieser Stelle mal Tele 5, das Donnerstag von 22.10 Uhr bis – kein Scherz! – Samstagfrüh um 1.15 Uhr zum 25. Geburtstag Kalkofes Mattscheibe wiederholt, nur unterbrochen von einer großen Primetime-Gala für den Moderator. Wem das dann doch zu viel Gaga-Betankung ist, kann sich Montag um 22.45 Uhr mit einer ernsten ARD-Doku übers Schicksal des deutsch-türkischen Reporters Deniz Yücel versachlichen und das tags drauf beim Arte-Themenabend USA – Rassekrieg und Waffenwahn noch nüchterner werden.

Alternativ kann er auch den dritten Teil der Herr-Lehmann-Reihe am Mittwoch auf gleichem Kanal sehen, wobei Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt zwar ohne Herrn Lehmann, aber mit Charly Hübner stattfindet, was dank Arne Feldhusens Regie  schlichtweg brillant ist. Dessen langjähriger Chefautor Ralf Husmann hat derweil die Bücher zum vierteiligen Rosenkrieg Merz gegen Merz geschrieben, wofür er ab Donnerstag (22.15 Uhr, ZDF) erstmals seit Stromberg mit seiner männlichen Muse Christoph Maria Herbst (und Annette Frier) arbeitet. Mit einem Zauberer als FBI-Ermittler arbeitet indessen die Prime-Serie Deception ab Samstag, nachdem Arte zwei Tage zuvor die HipHop-Abende mit dem Klassiker Boyz n the Hood von 1991 und anschließendem Konzertfilm von Rappern wie Snoop Dogg, Eminem, Dr. Dre oder Ice Cube (2001) fortgesetzt haben wird.

Was wiederum umstandslos zu den Wiederholungen der Woche überleitet, die am Montag mit Ein süßer Fratz (Montag, 20.15 Uhr, Arte) starten, wo Audrey Hepburn 1957 das Tanzbein mit Fred Astaire schwang, gefolgt vom fünf Jahre älteren Schwarzweißtipp Die Wahrheit über unsere Ehe an gleicher Stelle mit Jean Gabin, der einer Giftmörderin zum Opfer fällt und im Sterben sein Leben resümiert. Bleibt noch die Tatort-Empfehlung, diesmal das selige Frankfurt-Team Kunzendorf/Król in Es ist böse von 2012, was am Dienstag um 22 Uhr im BR schwer unter die Haut geht.